Liebesfilme

Liebesfilme schaut man, wenn man als Single seiner Singlesituation neutral gegenüber steht. Man sollte sie meiden, wenn man frustriert ist, neidisch auf Paare ist oder so nah am Wasser gebaut ist, weil einem die eigene Einsamkeit mal wieder wie das Ende der Welt erscheint. Aber dazwischen, wenn alles gut ist, können wir Singles uns in diesen Filmen fallen lassen. Mitfühlen und mitfiebern und wieder hoffen. Hoffen auf etwas, dass man umgangssprachlich Liebe nennt.


Beginnen wir mit einem Film, der dem Zuschauer als ein Nicht-Liebesfilm verkauft wird, aber sowas von Liebesfilm ist. 500 Days of Summer brilliert nicht nur durch einen sehr guten Soundtrack – The Smiths Songs erfüllen die melancholischen Momente mit einer Tiefe, dass man den Schmerz von Tom (männlicher Protagonist, wird gespielt von  Joseph Gordon-Levitt) nur zu gut mitfühlen kann. Tom verliebt sich in Summer (weibliche Protagonistin, gespielt von  Zooey Deschanel). Tom glaubt an die Liebe. Summer sieht die Liebe als ein Produkt der Fantasie. Hier sind die Sichtweisen verdreht. Tom will eine Beziehung mit Summer. Summer findet Tom interessant und wäre gern mit Tom befreundet … Wir erleben 500 Tage einer Liebe, die für den Zuschauer zweiseitig erscheint, aber nur einseitig geliebt wird. Die Zeiten switchen hin und her. In der einen Szene sieht man den Moment der ersten Begegnung, dann sieht man Tom der seiner Kummer an seinem Inventar in der Wohnung auslässt bis hin zu dem Moment als Tom und Summer Duschvorhänge shoppen. Der Film ist geprägt von hin und hers zwischen den schönen und traurigen Momente einer Liebe. So wundervoll realistisch und so unglaublich echt mitzufühlen. Ich bin verliebt in diesen Liebesfilm, der ja eigentlich kein Liebesfilm ist.


Dirty Dancing ist ein Klassiker. Die einen lieben ihn – wie ich – und andere hassen ihn abgrundtief. Warum eigentlich? Wer träumt nicht von einer Sommerliebe an einem tristen Ferienort, den man mit seiner Familie verbringen muss. Und wieder ein Film mit einem unglaublich-guten Soundtrack. Einem zeitlosen Titelsong, der in jeder Love-Playlist auftaucht. Man singt ihn automatisch mit, weil dieses „I had the time of my life“ so wahr und ehrlich ist. Der Song TIME OF MY LIFE beschreibt die erste Liebe, wie kein anderer. Baby (weibliche Protagonistin, gespielt von Jennifer Grey ) und Johnny (männlicher Protagonist, gespielt von Patrick Swayze) verlieben sich eher unverhofft. Sie, macht Ferien mit ihren Eltern und ihrer Schwester und er arbeitet als Tanzlehrer auf der Hotelanlage wo sie Urlaub macht. Zwei unterschiedliche Welten prallen aufeinander. Eine Liebe, die nicht sein darf. Dennoch lehrt sie uns etwas. Liebe kennt keine Grenzen, denn Liebe ist ein Gefühl, unabhängig von Werten und Normen, die uns die Gesellschaft zu vermitteln versucht. Es ist egal, ob du dich in den Kassierer an der Kinokasse verliebst oder in den Millionär aus der weißen Villa am Ende der Straße …


Dann gibt es da diesen einen Liebesfilm, den ich immer wieder schaue, wenn mich dieses Gefühl überkommt, das mich die Liebe irgendwann erreichen wird und das sowas nicht nur anderen passiert. Nicholas Sparks war bestimmt nicht bewusst, das sein Roman THE NOTEBOOK – Wie ein einziger Tag und die dazugehörige Verfilmung mich so sehr verzaubern würden, dass es die Hoffnung nach der wahren Liebe nie und nimmer in mir sterben wird. Ryan Gosling und Rachel McAdams spielen hier ein sehr leidenschaftliches Spiel zweier Liebenden, die sich in der Form der ersten Liebe begegnen, sich nicht vergessen können, später als sie sich einander nicht mehr haben und durch ein Zufall wieder begegnen und merken, das sie einander nie aufgehört haben zu lieben. Dieser Film hat wohl das schönste Ende, dass man sich für das Ende einer irdischen, wahrhaftigen Liebe nur zu  wünschen vermag.


Nicholas Sparks ist für mich der moderne Autor der Liebe. Jahre lang verehrte ich Shakespeare. Eine Freundin von mir vergöttert Jane Austen. Und irgendwie spielt Thomas Hardy auch eine Rolle in meiner ICH-TRÄUME-VON-DER-WAHREN-LIEBE Welt. Mr. Sparks hat eine weitere große Liebesgeschichte in mein Herz katapultiert. The Lucky One – Für immer der deine. Zac Efron (Protagonist Logan) und Taylor Schilling (Protagonistin Beth) verzaubern hierbei den Zuschauer leichtfüßig. Zaghaft und vorsichtig entsteht zwischen dem Marine 
Sergeant Logan und der Alleinerziehenden Beth eine hinreißende Leidenschaft zweier Herzen. Er findet während eines Einsatzes ein Foto von Beth, dass ihr Bruder dort verloren hat (der auch am Einsatzort war und sein Leben lassen musste) und nach dem Ende des Einsatzes, den er aufgrund des Fotos, das er von da an immer bei sich trägt, glimpflich überlebt hat, auf den Weg macht sie zu finden und sich dafür zu bedanken. Ehe die Beiden endlich zu einander finden, stolpern sie über diverse Steine, die sich ihnen in den Weg stellen…


Jeder hat so einen Film, den er ganz traditionell und Jahr für Jahr zur gleichen Zeit aus der Filmsammlung entführt und ihn einsatzbereit neben den DVD-Player platziert. Bei mir wäre das Tatsächlich … Liebe! Dieser Film beherbergt nicht nur einen teuflisch guten Cast, er umgarnt den Zuschauer mit liebevollen Liebesgeschichten, die alle irgendwie miteinander verstricken und zueinander finden. In der Weihnachtszeit hilft uns dieses Werk der Liebe, nicht alles aus dem Blickwinkel eines Grinchs zu betrachten. Ja, ich weiß, Weihnachten als Single kann verflucht deprimierend sein, aber ganz ehrlich ich verspreche euch mit diesem Film, neben der Sammelbox von Kevin – Allein zu Haus und Eine schöne Bescherung, wird für euch Weihnachten erträglicher und spätestens am 25.12. werdet ihr zufrieden euer Spiegelbild anlächeln. Single sein ist schließlich nur ein Bruchteil eures fabelhaften Ichs:)


Man nehme einen leidenschaftlichen Straßenmusiker und ein doch eher unscheinbares, weibliches Wesen und verhexe damit die Herzen der Zuschauer. Genau das tut ONCE. Der wohl tiefgründigste Liebesfilm ever. Er hat keinen typischen Verlauf und vor allem nicht das typische Happy End, aber er lehrt uns etwas ganz wichtiges. Liebe ist allgegenwärtig. Sie ist überall vorhanden. Mögen es Worte oder Taten sein, aber vor allem die kleinen Gesten der Menschlichkeit! Glen Hansard und Markéta Irglová führen uns durch eine Geschichte, die allein darauf beruht, dass zu schätzen was man hat und dafür zu kämpfen was man will – nicht mehr und nicht weniger. 


Immer wenn ich ein Stimmungstief habe schaue ich einen ganz bestimmten Film, der sich zufällig als ein zauberhafter Liebesfilm entpuppt. Die fabelhafte Welt der Amélie. Ich glaube, jeder sollte sich eine Amélie Poulain zulegen. Ein märchenhaftes Wesen, dass die kleinen Dinge und vor allem das unscheinbare im Leben zu schätzen weiß. Sie erfreut sich an den störenden Geräuschen im Kino und ist amüsiert über die Alltagskomik. Sie betrachtet alles und jeden aus einer ganzen besonderen und unverblümten Sichtweise. So auch die Liebe, die ihr ganz zufällig begegnet. So geht sie ihr dann auch entgegen. Vorsichtig und besonders.


Man stelle sich vor, die eigene Mutter ist verstorben und hinterlässt dir eine herzzerreißende Liebesgeschichte aus ihrem eigenen Leben. Eine Liebesgeschichte, die eine Woche hielt und deine Mutter seelentief erschütterte. Die Buchverfilmung zu Die Brücken am Fluss beherbergt eine Story, die nicht nur in der Traumfabrik Hollywood geschieht. Ich glaube, die eine oder andere langjährige Ehe hat eine solche Liebesgeschichte in den Katakomben der Vergangenheit beider Liebenden. Meryl Streep und Clint Eastwood spielen die Protagonisten dieser geheimen Liebschaft. Wenn die Verzehrung nach Leidenschaft und Hingabe eine Film wäre, dann Die Brücken am Fluss


Es gibt eine Liebesgeschichte, die der Realität so nah ist und dennoch möchte ich sie persönlich nie erleben. Und wieder eine Romanverfilmung, mir scheint, die besten Lovestories basieren auf dem geschriebenen Wort. Der Autor des Romans und des Drehbuchs sind ein und derselbe – David Nicholls. Als Film könnte ich mir Zwei an einem Tag immer und immer wieder anschauen. Es ist eher eine Seltenheit, dass aus einem ONS eine Beziehung entsteht, geschweige denn eine Freundschaft. In der Regel trennen sich die Wege an der nächsten Kreuzung, gleich da vorne bei der Ampel, wenn sie auf grün umschaltet. Doch Dexter (Protagonist, gespielt von Jim Sturgess) und Emma (Protagonistin, gespielt von Anne Hathaway) bleiben Freunde und geben sich jedes Jahr an ihrem Jahrestag eine Schulter zum weinen und trösten. Erst nach Jahren bekennen sie sich ihrer Liebe zueinander, bevor ein tragischer Wendepunkt das Leben der beiden verändern wird. Könnte die Botschaft lauten, dass man sich nach Einsicht der Bekenntnis einfach trauen sollte?


P.S. Ich liebe Dich schließt die Top 10 (keine bestimmte Reihenfolge). Holly (gespielt von Hillary Swank) verliert ihren Mann an einem fiesen Hirntumor. Sie versinkt in einer Depression und weiß nichts mehr mit sich anzufangen. Der Sinn des Lebens scheint ihr abhanden gekommen zu sein. An ihrem 30. Geburtstag erhält sie einen Brief von ihrem verstorbenen Mann Gerry (gespielt von Gerard Butler). Es folgen weitere Briefe, die ihr auf die unterschiedlichsten Arten zugestellt werden. Vollgepackt mit Aufgaben, die sie zu bewältigen hat. So nach und nach findet sie wieder ins Leben zurück … Ich würde Spoilern würde ich hier jetzt mehr über die Story erzählen. Es handelt sich hierbei wieder um eine Romanverfilmung. Man kann nur im Ansatz fühlen was Holly durchmacht und welchen Gefühlslawinen sie ausgesetzt ist, aber sie zeigt auch, dass es immer weiter geht, egal welche schweren Steine sich auf ihren Lebensweg verrollt haben.