Wenn Freunde zu Kaffeetassen werden oder warum ich keine Kaffeetasse sein möchte!

Wie schön war es damals im Sandkasten. Ich baute mit meinen Freunden Burgen und drum herum ein Herscharr weiterer Förmchen. Ich verbrachte meine ganze Freizeit mit meinen Freunden. Ewig blieb ich als Kind auf dem Spielplatz, unterhielt mich mit ihnen über Themen die für ein junges Mädchen aus den 90ern nun mal wichtig waren: die doofen Jungs aus der Schule die einen vollkommen überflüssig hänselten, wie lange wird mein Tamagotchinoch leben, die Backstreet Boys, erste Gehversuche im Universum des Make Ups und so weiter und so fort…

Irgendwann kamen Brüste und der monatliche Zyklus aka Erdbeerwoche dazu. Die Kommunikation untereinander wurde komplizierter, weil wir nun zu kleinen Persönlichkeiten mit einem Dickschädel aus Stahl wurden. Neben der individuellen Sinnessuche, kopierten wir uns. Frisur, Kleidung, Gang und das Interesse für männliche Klassenkameraden. Wir stritten lautstark, denn das können weibliche Teenies richtig gut. Launenhaft wie wir nun mal waren, zickten wir uns regelmäßig an und gaben so Sätze wie „Mit dir will ich nichts mehr zu tun haben, Du bist nicht mehr meine Freundin oder Du bist doof“ von uns. Irgendwann, nachdem sich das Pubertier in uns beruhigt hat und wir wieder – natürlich im Rahmen unserer Teenagermöglichkeiten – klar dachten, entschuldigten wir uns, weinten und lachten wieder um die Wette und nichts und niemand konnte sich dann zwischen uns stellen … naja … bis zum nächsten total übertriebenen Teeniedrama.

Mit Anfang 20 stehen einer Freundschaft ganz andere Herausforderungen bevor. Die Interessen und der weitere Lebensweg unterscheiden sich. Wir entdecken die Welt mit unserem individuellen Blick auf die vielen Dinge, die das Leben zu bieten hat. Während die eine zu studieren anfängt und die andere den klassischen Weg geht und eine Ausbildung absolviert oder schon bereits mit beiden Beinen im Berufsleben steht, prasseln viele neue Sinneseindrücke und Erfahrungen auf eine Freundschaft ein. Zum einen trifft man neue Leute, die sich für die gleichen, neuen Interessen interessieren und zum anderen kann es passieren, dass deine Freundin aus Kindertagen weg zieht. Auf der einen Seite schmälert sich der alte Freundeskreis und der neue wächst, aber warum schwindet, obwohl wir so viele Jahre der Freundschaft hinter uns haben, auf einmal das Interesse? Wir werden erwachsen und entwickeln uns stetig weiter. Veränderungen gehören zum Leben dazu. Irgendwann gehen die Interessen auseinander. Aus meiner Teeniezeit überlebte eine Freundin und für diese durfte ich im September 2018 Trauzeugin sein. Doch warum hat sich diese eine Freundschaft gehalten und alle anderen scheiterten? Diese eine Freundin ist mein Lieblingsmensch. Sie macht nämlich etwas, dass viele Freundinnen vor ihr nicht taten! Sie übt gelegentlich Kritik und sagt nicht zu allem ja und Armen. Wir respektieren einander, haben Vertrauen und akzeptieren die kleinen, individuellen Merkwürdigkeiten des Anderen. Die Geminsamkeiten, die uns anfangs zusammen führten veränderten sich mittlerweile zu 2/3. Unsere Leben unterscheiden sich grundlegend. Während bei ihr Mann/Kind-Kombi beim Spiel des Lebens mitspielen, spiele ich noch „Küss-den-Frosch“. Es ist das Leben und dennoch haben wir immer noch uns und die vielen schönen Momente, die wir bisher miteinander erleben durften und auch noch zukünftig erleben werden.

Und der Rest? Der Rest – joah, ich würde sagen, man spielte unbewusst miteinander Tinder und wischte zielgerichtet nach Links. Freifahrtschein zum Friedhof der Kuscheltiere … äääh Freundschaften!

Mein eigenes Betriebssystem erhielt 2018 ein umfassendes Upgrade. Neben Wohnung, Job, Gesundheit bekamen auch meine Freundschaften ein Upgrade. Ich hab jetzt keine Liste erstellt, aber ich hab jede Verbindung unter die Lupe genommen und bei gemeinsamen Treffen, versucht mich von außen zu betrachten, wie ich mich verhalte und fühle. Meine eigener Horizont strebt immer und immer wieder nach Erweiterung und oftmals hatte ich bei einigen Freundschaften das Gefühl, man unterhält sich seit gut 3 Jahren über die gleichen Themen und trifft sich nur noch zum Kaffee trinken. Auch gedankliche Anstupser fanden keinen wirklichen Anklang. Ich wurde wortkarg und stimmte irgendwann nur noch durch Kopfnicken zu. Und wenn ich was gesagt habe, hatte ich dann auch noch zu spüren bekommen, dass ich was falsches oder verletzendes gesagt habe. Ich hab es dann irgendwann angesprochen. Das mit dem Gefühl nur verletzendes zu sagen und das ich mich sinnbildlich langsam wie eine Kaffeetasse fühle. Freundschaft ist mehr als Kaffee trinken und sich immer und immer wieder über den Job, der einen kein Spaß macht, über unfreundliche Bedienungen – kann ja auch nen schlechten Tag gehabt haben – und das alles nur noch stressig ist im Leben aufzuregen. Ich konnte einfach nicht mehr und empfand es der Freundschaft wegen wichtig zu sagen was ich denke und was Freundschaft für mich bedeutet! Freundschaft ist doch geprägt von gemeinsamen Unternehmungen, neuen Erfahrungen und und und, klar gibt es in jeder Freundschaft einen Hänger und einige Treffen lang wird nur Kaffee getrunken, weil es ja um die Gesellschaft an sich geht, aber irgendwann kommt doch die Lust wieder was anderes zu machen, naja, bei dieser Kombination lag ich falsch … mit dem Resultat: Kaffee trinken reicht aus und der Terminkalender und der eigene Problemhaushalt sind prall gefüllt.

Ich habe jetzt einen Kaffeevollautomaten und bestehende Freundschaften sollten mich bitte die nächsten 5 Jahre nicht fragen: „Wollen wir uns auf einen Kaffee treffen?“ – es sei denn mein Kaffeevollautomat darf uns den Kaffee spendieren.

Scherz bei Seite. Nur weil ich Single bin heißt es nicht, dass ich nicht weiß, was es heißt einen vollgepackten Tag zu haben mit Job, Kind & Mann. Das man mal Zeit für sich benötigt und auch andere Termine hat, aber hat man Freundschaften wirklich nur zum Kaffee trinken? Was haben wir nicht alles in unserer Kindheit angestellt oder die Zeit bevor sich der Alltag um 180° gewandelt hat? Nur um sich irgendwann nur noch zum Kaffee trinken zu treffen? Der schönen aufregenden Zeit ohne Alltagstrott hinterher zu schwelgen? Mir vermittelt man damit eher das Gefühl auf das alles eher verzichten zu wollen. Ich übertreibe? Vielleicht! Aber versteht ihr die Misere, die sich vor mir auftürmt? Die handvoll Freunde, die ich habe, sind mir ans Herz gewachsen, weil ich ich sein darf. Aber nach ein paar neuen Freundschaften, deren Alltag ein bisschen mehr Abenteuerlust zu lässt, werde ich 2019 Ausschau halten.

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Autor: Ramona Luft

Ich glaube an Märchen, leben will ich aber in keinem! aboutlifeandtheotherthings.wordpress.com