HPV + PAP IIID

Ein Jahr lang beschäftigte mich etwas, dass man sich in der Öffentlichkeit nicht traut zu sagen. Etwas, das nicht mal eben zwischen Kaffee und Kuchen erzählt wird. Etwas, dass einen – durch mangelndes Wissen – in Verruf bringt. Etwas, dass andere falsch über dich denken lässt. Du wirst mit Vorurteilen konfrontiert, denn ich hatte HPV und mein PAP Abstrich lautete III D.

Drehen wir die Zeit zurück. Es ist Februar 2018 und ich bekomme einen Anruf aus der Praxis meiner Frauenärztin.

„Frau Luft, Sie haben einen kontrollbedürftigen Befund. Sie müssten in 3 Monaten wieder zur Kontrolle vorbei kommen.“

„Einen kontrollbedürftigen Befund? Ja, und was ist kontrollbedürftig?“

„Das müssten Sie mit der Fr.Dr. persönlich besprechen, dass kann ich Ihnen nicht am Telefon sagen.“

Zwei Stunden später saß ich bei meiner Frauenärztin im Behandlungszimmer. Noch nie wurde ich angerufen, geschweige das bei mir irgendwas nicht Ordnung war. Das was bei mir so kontrollbedürftig war und immer noch ist, ist mein PAP Abstrich. Der Abstrich war damals PAP IIID und als wenn das nicht schon reichen würde, gab es HPV als Hauptgewinn dazu. HPV hab ich es zu verdanken, dass meine Zellen sich an meinem Gebärmutterhals verändert haben. Da saß ich nun – HPV und einem „eventuell“ mal entstehenden Gebärmutterhalskrebs. Zwei Wochen zuvor saß ich beim Hausarzt mit der Diagnose Burnout. Ich fand mein Jahr 2017 schon scheiße und irgendwie fühlte es sich ganz stark danach an, dass 2018 auch nicht besser werden sollte.

Das folgende Video hab ich auf Youtube entdeckt und finde, dass es HPV sehr gut erklärt, aber für nähere und ausführlichere Informationen bitte ärztliches Fachpersonal konsultieren und nicht Pseudo-Doktor Google befragen.


Humane Papillomviren (HPV) bilden eine Gruppe von DNA-Viren, die in mittlerweile mehr als 100 verschiedene Typen eingeteilt werden. (…) Sie infizieren Epithelzellen der Haut und verschiedener Schleimhäute und können bei den infizierten Zellen ein unkontrolliertes tumorartiges Wachstum hervorrufen. Diese Tumoren sind meist gutartig und führen zur Warzenbildung an der betroffenen Haut- oder Schleimhautstelle (dem Ort der Infektion). (…) Einige HPV-Typen können jedoch auch bösartige Veränderungen hervorrufen, insbesondere Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) bei Frauen.

Quelle: Wikipedia

HPV. Was ist HPV? 31 und diesbezüglich unwissend. 2018 ist das schon peinlich. Ich weiß, wie das Social Media Space so funktioniert und kenne HPV nicht. Natürlich hörte ich nicht auf meine Frauenärztin und googelte wie ein Bekloppte. Das es sich dabei um ein Virus handelt und keine klassische Geschlechtskrankheit ist. Eine Kontaktinfektion, der auch areale um das Kondom herum als Infektionsquelle dienen können. Das sie größtenteils beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen wird, hatte sie mir schon gesagt. Ich überlegte krampfhaft, wann ich mal ungeschützten Verkehr hatte. Als Single achte ich ja akribisch und stets penibel auf Verhütung. Nach 3 Wochen grübeln kam ich dem Rätsel auf die Schliche. Die Male ohne Kondom konnte ich an einer – nicht mal vollen – Hand abzählen.

Das ganze grübeln und nachforschen, hat mich halb verrückt gemacht. Kurz bevor ich die Schwelle des Wahnsinns betreten konnte, packte mich dann letztendlich doch die Vernunft. Ich nahm meinen Kopf mit all seinen Gedanken und schüttelte ihn kräftig durch, trank einen über den Durst und sagte mir: SHIT HAPPENS.

Das Jahr zog sich dahin und ich musste alle 3 Monate zum Abstrich.

Der nächste Termin war im April’18. Befund: HPV positiv und PAP IIID

Juli’18. Meine Frauenärztin besprach mit mir wie es weitergeht. Nach ca. 1 Jahr mit diesem Befund, soll eine Biopsie erfolgen. [Wikipedia: Biopsie ist ein chirurgischer Eingriff zur Entnahme und Untersuchung einer kleinen Menge von Gewebe aus einem lebenden Organismus. Das entnommene Gewebe (das Bioptat) wird vom Pathologen unter dem Mikroskop untersucht.] Befund: HPV positiv und PAP IIID.

Oktober’18. Befund: HPV positiv und PAP IIID. Ich vereinbarte einen Termin für die Biopsie.

Januar’19. Jährliche Kontrolle und Biopsie.

Zwei Wochen später hatte ich meine Befundbesprechung. Ich hatte mich auf ein weiteres Jahr HPV eingestellt und das der PAP Abstrich nicht besser werden sollte. Es sollte anders kommen. Das entnommene Gewebe war soweit unauffällig, aber weiterhin kontrollbedürftig mit PAP II. Der HPV Nachweis war negativ! Ich glaube, ich habe mich genauso gefreut, wie Frauen deren Schwangerschaftstest positiv ausfällt.

Auch wenn es sich bei meinem Befund nicht um Krebs handelte, drückte die Thematik das ganze Jahr auf mein Gemüt und mein Selbstbewusstsein. Ich schämte mich für etwas, für das ich mich eigentlich nicht schämen sollte. Knapp 80 % der Frauen infizieren sich mal mit HPV. Es ist wie mit einer Erkältung. Das hat nichts mit ausschweifender Promiskuität zu tun, denn das denken die meisten Menschen, die davon hören. Sie bumst mit zu vielen verschiedenen Männern. Du kannst auch in einer Partnerschaft sein und HPV bumst dich. Männer sind oft die Überträger. Und dann beginnt das Ping Pong Spiel. Kondome schützen nur zu 50%. Die Zahl der Ansteckungen würde aber bei einer kontinuierlichen Benutzung schrumpfen. Es kann also jeden treffen. Bis zum 14 Lebensjahr können sich Mädchen und Jungen impfen lassen. Liebe Eltern, lasst eure Kinder impfen. Meine Generation hatte Pech.

Und wie verhielt es sich mit Männern?

Neben Scham und schwindenden Selbstbewusstsein, war die Erwähnung von HPV in Gegenwart von Männern das Topping! Männer sind hierbei noch unwissender als Frauen. Während von Freundinnen Beileidsbekundungen kamen, gingen Männer die mir begegneten mit dem Thema um als hätte man die Pest. Ich fing an nicht mehr zu daten. Ich glaube, ich hatte das erste Mal in meinem Leben das Gefühl, ehrlich zu sein ist keine Tugend. Aber stillschweigend einfach lieben kann ich nicht. Es hat auch nicht mit „das ist meine private Sache“ zu tun. Geschlechtskrankheiten kann und sollte man nicht privatisieren. So ernähren sich Tabu Themen. Über sie redet man nur mit vorgehaltener Hand.

Wir wollen immer alles wissen. Und dennoch schauen wir oft weg, weil unsere normale, kleine Welt sonst aus den Fugen gerät. Das Leben ist nicht nur toll, es hat auch Wendungen und Kehrseiten. Tabus gilt es zu brechen, damit wir Menschen Ängste und Scham ablegen oder offener damit umgehen. Lasst euch niemals einreden, dass man über bestimmte Themen nicht redet. Lasst euch kein schlechtes Gewissen einreden.

Auch wenn ich noch HPV positiv wäre, hätte ich diesen Beitrag geschrieben. Vielleicht etwas anders, aber ich hätte darüber geschrieben. Denn ein Jahr habe ich schon geschwiegen, es sollte kein zweites Jahr daraus werden.

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Autor: Ramona Luft

Ich glaube an Märchen, leben will ich aber in keinem! aboutlifeandtheotherthings.wordpress.com

8 Kommentare zu „HPV + PAP IIID“

    1. Danke, für den Beitrag. Ich weiss glücklicherweise bescheid, allerdings auch mehr durch meine Ausbildung, als durch irgendein anderes Medium.

      Ich finde es gut, dass du in deiner Antwort geschrieben hast, dass du „unfairer Weise“ gefrustet warst.

      Toller Aufklärungsbeitrag! Und ich wünsch dir ein geniales 2019 😉

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    2. Na klar, und genau deshalb sind solche Erfahrungen wichtig zu teilen, und ebenso wichtig es zu lesen. Ein Mensch allein, kann einfach nicht alles selbst erfahren. Aber er kann eben lesen, zuhören, beobachten, um zumindest einen Teil zu verstehen und Verständnis zu zeigen. 🙂

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