Von optischen Täuschungen und der Entscheidung, sich so zu kleiden wie man will!

Als Kind machte ich mir wenig Gedanken darüber, was ich da eigentlich für Mode trug. Teilweise kleidete mich meine Mutter ein. Ich mochte mein Mädchendasein. Ich trug gerne Lackschuhe und schmückte mich mit Plastikschmuck – später wurde daraus Modeschmuck. Mittlerweile, dank meiner Mutter, habe ich auch ein paar echte Stücke in meinem Schmuckkästchen. Ich trug bis zur Einschulung gerne Kleider. Danach nicht mehr. Ich ging in die Breite und fühlte mich mit Kleidern und Röcken wie ein modischer Fauxpas. Ich fing auch an andere Mädchen zu bewerten und wollte so aussehen wie sie. Ich orientierte mich nicht an Models aus Modemagazinen. Es gab ja genug Mädchen in meinem Umfeld, die ich schön und optimal fand.

Frauen beschäftigen sich mit ihrem Äußeren, auch wenn sie sich nicht schminken und auch nicht die aktuellen Modetrends zelebrieren. Frauen haben schon seit Jahrhunderten dieses Problem mit der optischen Täuschung und das man bestimmte Kleidung nicht tragen sollte, wenn man zu dick oder zu dünn ist.

Heute versucht man Kinder nicht geschlechtsspezifisch eine farbliche Orientierung zu verpassen

Die Erwachsenen zeigen uns schon von klein auf, dass Mädchen sich von Jungen unterscheiden. Mädchen tragen meistens rosa und die Jungen blau. Heutzutage lockert sich das ein wenig. Heute versucht man Kinder nicht geschlechtsspezifisch eine farbliche Orientierung zu verpassen, sondern so neutral wie möglich einzukleiden. Oft muss dafür die Farbe beige in hellen oder dunklen Nuancen herhalten oder man verpackt die Kleinen mit Mustern, wie Streifen oder Punkten. Zumindest hat das Farb-Fauxpas bei den Eltern nachgelassen.

Kleider machen Leute

Eine feminin gekleidete Frau bekommt in der Regel mehr Aufmerksamkeit und Beachtung in der Gesellschaft als eine Frau, die einen Messy Bun (unordentlicher Dutt) und viel zu weite Kleidung trägt. Kleider machen Leute. Den Spruch kennt jeder. Dabei ist es vollkommen Banane was wir tragen. In Berlin sowieso. Dennoch verbringen wir sehr viel Zeit damit, weil es uns halt nicht egal ist. Wir machen uns sehr wohl darüber Gedanken. Aber machen wir uns über unsere Verpackung Gedanken, weil wir bei der Begutachtung (außerhalb unseres Spiegelbildes) durchfallen könnten, weil wir für die Kleidung, die wir tragen, nicht die „richtigen“ Maße haben? Wir sollten nicht alles glauben, was wir denken!

Beth Ditto gehört zu den Frauen, die mit ihren Maßen durch das gesellschaftliche Raster hindurch fällt, dennoch polarisierte sie, modisch und gesanglich, vor ein paar Jahren die Musik- und Modeszene und somit schaffte sie es, dass sich die Welt für uns dicke Mädchen und Frauen, ein wenig öffnete. Selbst Karl Lagerfeld, der Dicke für unansehnlich fand, stand auf Beth. Lies sie sogar auf Modenschauen laufen und ihre Speckröllchen umher stolzieren. Beth genoss sichtlich diesen Moment, aber ich schaute nur in die Röhre und dachte: Herrje, alles schön und gut, aber eigentlich hatte ich gehofft, liebe Beth, das du diese oberflächliche Welt änderst. Letztendlich bist du auch nur eine Frau, die die Objektifizierung von Frauen unterstützt! Ich mag dich dennoch und versuche dieses Lebensereignis von dir zu ignorieren.

Gesundheitsfanatiker meldeten sich dann auch noch zu Wort. Man würde ja jetzt etwas für gut heißen, was ja eigentlich ungesund ist. Dick ist ja auch nicht wirklich gesund, aber müssen wir uns unser ganzes Leben immer wie Außenseiter fühlen? Uns schlecht fühlen, weil wir nicht der Norm einer – mal präzise formuliert – Gesellschaft entsprechen, die permanent versucht alles und jeden ein Idealgewicht – metaphorisch gesagt – zu verpassen?

Als Teenager nahm zwar die Akzeptanz zu meinem Gewicht nicht zu, aber ich scherte mich nicht darum, ob meinem Umfeld passt, was ich da trage. Es war mir durch und durch egal und das hab ich mir bis heute beibehalten. Das hab ich einer Frau zu verdanken, die leider nicht mehr unter uns weilt: Janis Joplin! Sie hatte selbst immer mit sich und ihrer Optik zu kämpfen. War keine wirkliche Schönheit, aber Charisma hatte die Frau. Das nahm ich mir schon mit 15 zu Herzen.

Meine Mutter meinte sogar irgendwann zu mir: „So gehe ich nicht mit dir vor die Tür!“ letztendlich ging sie doch mit mir – so wie ich gekleidet war – vor die Tür in die Öffentlichkeit. Und was verschreckte sie so? Ich trug ein schwarzes T-Shirt, darunter ein Shirtkleid mit Blumenmuster, das man nicht mal als Gardine verwenden würde, über eine Jeans und als i-Tüpfelchen einen Nietengürtel. Schwarz lackierte Fingernägel und Chucks. Fertig war mein Ich. Ich fand mich toll!

Gelegentlich mal Objekt spielen ist OK!

Es spricht ja nichts dagegen, gelegentlich Objekt der Begierde zu spielen. Sich mit Komplimenten überschütten zu lassen. Verführerisch mit den Wimpern zu klimpern. Die Brüste mal zur schau zur stellen. Aber halt alles in Maßen, weil wir ja sonst nur als ein Objekt gesehen werden. Und wir sind ja mehr und wir wollen ja auch mehr sein. Wir wollen ja nicht nur mit Männern flirten. Nein, wir wollen auch mit ihnen philosophieren. Ohne Hintergedanken.

Die Medien sind Schuld! Hollywood ist Schuld! Wir alle sind Schuld! Wir gehen herrlich dressiert wie Äffchen durch die Welt. Stopfen uns voll mit Komplexen und verarschen unser Spiegelbild mit Filtern, PhotoShop und gut trainierten Posen! Und als krönenden Abschluss besaufen wir uns mit dem permanenten Vergleich mit anderen!

In den 20ern angekommen fing ich an mich mit Mode zu beschäftigen. Danke Carrie Bradshaw! Warum? Auch ich kam nicht an Carrie vorbei! Ich bin ja auch nur ein kleines, dressiertes Äffchen. Ich beschäftigte mich mit Farben. Welche sich miteinander kombinieren lassen. Oberteile und Unterteile. Wenn ich oben weit trage, sollte ich unten nicht weit tragen. Ich optimierte mein, wie meine Mutter immer sagte, desaströses Erscheinungsbild mit modischen Trends – bis heute! Ich bin keine Fashionista, aber irgendwann schlich sich ein Bewusstsein für Mode in mein Leben und ich finde das toll! Nicht jeder Trend lohnt sich, aber manches Mal kann ich mich auch nicht zurückhalten und renne durch die Läden, als würde ich für die Vogue shoppen (ich bestell meistens online, aber wenn ich mal im Laden unterwegs bin, dann wie eine Vogue- Mitarbeiterin).

Ich vergleiche uns Menschen gern mit Geschenken. Unser Charakter, also unser Inneres halt ist das Geschenk und unsere optische Erscheinung das Geschenkpapier. Wenn wir nicht gerade Kleidung á la Einheitsbrei aus den bekannten Modegeschäften tragen, versuchen wir aus der Reihe zu tanzen. Mit einem Kopfschütteln betrachten wir menschliche Wesen, die einen subkulturellen Kleidungsstil mit einem modischen Trend kombinieren. Skandal und Verrat an der Subkultur! Ich finde das innovativ! Heißt es nicht Regeln sind da um sie zu brechen oder Grenzen sind da um sie zu überschreiten? Und wie steht es um die Frauen die Leggings tragen? Sind wir mal ehrlich: es sind keine Hosen! Aber eine anerkannte – wenn doch eher hineingeschmuggelte – Bekleidungsvariante für den unteren Bereich des Körpers.

Mehr dicke Mädchen in Leggings!

Zitat: Margarete Stockowski, Mai 2017

Margarete Stokowski veröffentlichte im Oktober 2018 ein Samelsorium von Kolumnen und Essays. Folgende Kolumne trifft es auf den Punkt genau: Mehr dicke Mädchen in Leggings!

Sie zählt ein paar Punkte auf, die ich für wichtige erachte!

  1. Für mehr dicke Mädchen in Leggings! – Kleidung ist ja für Menschen da und eine Leggings zu tragen ist laut ihren Worten „eine Demo für mehr Vielfalt“
  2. Wer starrt verliert. – Frauen könnten auch ohne BH rumlaufen, wenn die Gesellschaft nicht wäre. Männer sind anscheinend abgelenkt, wenn sie weibliche Brustwarzen durchs T-Shirt sehen. Ist längst hinfällig und Mann solle sich doch auf den Straßenverlauf konzentrieren.
  3. Apropos Männer: die auch. – Männer haben ja auch Brustprobleme. Auch sie müssen sie nicht verstecken. Genauso, ob sie kurze Hosen und Flip Flops tragen sollten: Na klar!
  4. Haare am Körper: normal. – Die Frage, ob man sich rasieren sollte oder nicht, also ob Haare am Körper erlaubt sind oder nicht, beantwortet sie schlicht mit einem: scheißegal! Unfeministisch wäre es, sich über den Körper einer anderen Frau zu beschweren.
  5. Alter ist Erfahrung. Lachen über Alter ist Dummheit. – sprich altern tun wir so oder so. Alles hängt irgendwann, das ist so gedacht und ist halt so.
  6. FKK, Neuversion: das Fasten von Körper-Kommentaren. – Menschen, die über andere Menschen – des Körpers wegen – schlecht reden, sind für den Arsch. Sie sind – nur dann – geltend vom medizinischen Fachpersonal oder wenn man eins aufs Maul haben möchte!
  7. Keinen Hass kaufen. – zudem zitiert sie die Autrorin Laurie Penny: „wenn wir uns alle wohlfühlen würden, so wie wir sind, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammen brechen.“ Es wäre normal beim Frausein im Kapitalismus, konsumierbaren Scheiß angeboten zu kriegen, um den Körper zu optimieren. Obwohl wir gut genug sind. Magazine zum Beispiel, die Frauen ihre Fehler aufweisen und Tipps, wie sie sie wieder loswerden und gleichzeitig Backkünste zu verfeinern und dem Partner die bestmögliche Verwirklichung sexueller Fantasien ermöglichen. Laut Maragrete sollte man den Kauf solcher Magazine gleich komplett bleiben lassen.

Ich unterstütze diese Ansichten und ertappe mich auch oft genug, wie egal mir das manchmal nicht ist und doch endlich werden sollte.

In den dreißigern angekommen, stelle ich fest: auch ich bin von der Gesellschaft gut dressiert worden. Füge mich hier und da immer mal wieder, den unsinnigen Normen, aber weiß das man nicht alles glauben muss, was man denkt. Ich weiß das Social Media auch krank machen kann, aber mit den Füßen auf dem Boden zur gleichen Erkenntnis führt: es dient einzig und allein zur Verbreitung von Informationen und dem Werben von alles und jeden. Ich benutze es ja schließlich auch so! Man kann sich mit allem bekleiden und sowieso kommt es ja auf unser können an und das sollten wir demonstrativ auf Plakate schreiben und jeden Tag mit einem gezückten Mittelfinger repräsentieren. Wie Lady Gaga!

Sonst ändert sich ja nie was.

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Autor: Ramona Luft

Ich glaube an Märchen, leben will ich aber in keinem! aboutlifeandtheotherthings.wordpress.com