Lesemonat Januar/Februar 2019


Bevor es mit den Lesemonaten Januar/Februar los geht noch vorab ein paar Zeilen, die nichts mit Büchern zu tun haben. Wann auch immer du das hier liest, stell dir dir einfach vor, dass ich diesen Beitrag wirklich Ende Februar geschrieben habe. Bitte! Ich strukturiere gerade meinen Blog um und habe versehentlich die ersten vier Lesemonate (also 2 Beiträge) gelöscht. Ergo, schreibe ich gerade aus der Gegenwarte über das vergangnene. Herrje!

Januar

Ich bin sehr hübsch, das sieht man nur nicht so von Sarah Bosetti

Klappentext: Niemand mag es, doch wir alle tun es: scheitern. An uns selbst, aneinander, an der Welt und natürlich an unseren Ansprüchen. Dabei ist es doch ganz einfach: Wenn man mal wieder das Mittelmaß trifft, einfach freundlich grüßen! In diesem Buch lotet Sarah Bosetti auf einer Silvesterparty – der Nacht der gescheiterten Existenzen – die vielen Möglichkeiten aus, sich zwischen Erfolg und Misserfolg genussvoll einzunisten. Sie erzählt von Menschen, die Schauspieler werden, weil sie es als Kellner einfach nicht geschafft haben, vom Versuch, mit Schwimmflügeln an den Füßen über Wasser zu gehen, und von der Einsicht, dass wir alle Gollum sind, wenn man uns neben Scarlett Johansson stellt. Ehrlich, selbstironisch und sehr witzig!

Fazit: Der wohl witzigste Schenkelklopfer, den ich seit langem gelesen habe. Sarah Bosetti schreibt humorvoll über das scheitern. Man lacht Seite für Seite. Eine Silvesternacht mit Fremden, weil der eigene Freund zur Beerdigung seiner Großtante muss und ein totes Kaninchen einen bestehenden Freundeskreis voneinander entfremdet. Ein kleiner, feiner Pageturner für den hungrigen Humor zwischendurch.

4/5 Bücher


Mein schönstes Ferienbergäbnis von Sarah Bosetti

Klappentext: Sarah lebt mit ihrem Freund Ulf in Berlin. Sie trinken Eiskaffee zum Frühstück und essen Spaghettieis zu Abend, verkaufen geklaute Rentnertoupets an hippe Herrenausstatter aus Berlin-Mitte und kratzen den Schimmel von ihrer baufälligen Altbauwohnung. Ohne konkretes Ziel schlagen sie sich durch den Dschungel des hauptstädtischen Künstlerprekariats. Sie sind jung, dynamisch, orientierungslos und pleite. Kurz: Wenn es nach Sarah ginge, könnte alles genauso bleiben, wie es ist. Doch dann stirbt ihr Vater, Ulf äußert plötzlich seinen Kin­derwunsch und ihre beste Freundin Anna wird Mutter. Und Sarah bricht auf, um endlich ihre „To-do-before-I-die“-Liste abzuarbeiten, wozu auch eine Reise in die Vergangenheit gehört, in der noch eine offene Rechnung zu begleichen ist. Wenn die Boygroups der eigenen Kindheit zu erwachsenen Männern mutieren, dann ist er da: der unvermeidliche Übergang vom Kindsein zum Kinderkriegen. Sarah Bosetti erzählt in ihrem Debütroman mit Feingefühl, Sprachwitz und hintersinnigem Humor vom Ende der Jugend.

Fazit: Mein schönstes Ferienbegräbnis hat Witz und Charme. Wie auch schon das vorherige Buch der Autorin liest es sich in einem Rutsch. Es war nur nicht wirklich meine Geschichte, die mich dazu bringt aufzustehen und ihr einen tosenden Applaus zu schenken. Solide mit gutem Humor verpackt, aber es holte mich halt nicht komplett ab.

3/5 Bücher


Untenrum frei von Margarete Stokowski

Klappentext: War es das jetzt mit der sexuellen Revolution? Sind wir unendlich liberal, weil mit nackten Brüsten für Tierfutter und Baumärkte geworben wird? Mitnichten, sagt Margarete Stokowski. Es gilt auch noch im 21. Jahrhundert, Machtstrukturen aufzusprengen, über Sexualität zu sprechen und über Geschlechterrollen, die wir mit riesigem Aufwand spielen. Die Autorin möchte keine neuen Regeln aufstellen, sondern von längst überkommenen Vorstellungen befreien und gegen Tabus angehen. Das klingt vielleicht streng, aber dieses Buch ist anders: Es ist lustig, mutig und irrsinnig klug. Stokowski erzählt frisch und wunderbar von persönlichen Erlebnissen, analysiert gesellschaftliche Konstellationen und zeigt, wie sich Schamgefühle und Rollenbilder in den kleinen, schmutzigen, komischen Dingen manifestieren; wenn es um Probleme bei der Benennung der Vagina geht, um Prinzessinnenkleider oder die Erotik von Hüpfbällen. Und sie macht deutlich, wie diese kleinen Dinge die großen, fiesen Fragen aufwerfen: Was macht es mit Mädchen, wenn die Bravo empfiehlt, Rouge aufzutragen, immer zu lächeln und süße Haarspangen zu tragen, um den Schwarm zu erobern? Warum trauen sich Männer Chefposten eher zu als Frauen? Mit scharfsinnigem Blick auf die Details gelingt Stokowski ein provokantes, politisches und befreiendes Buch.

Fazit: Mindblowing! Margarete schreibt im biografischen Stil über die Entwicklung des Feminismus in ihrem Leben. Sie präsentiert uns ihre Erkenntnisse anhand realistischer Beispiele und verschiedene Meinungen aus unterschiedlichen Epochen der Geschichte. Sie schreibt fließend, ehrlich und schonungslos. Ein absolutes Must have unter den Büchern die sich mit Feminismus – von heute – beschäftigen.

5/5 Bücher


Super, und dir? von Kathrin Weßling

Kalppentext: »Kathrin Weßling haut einem mitten in die Fresse. Sie schont sich selbst nicht, ihre Protagonistin nicht und den Leser nicht. Man ist sofort mittendrin, mitten in Schmerz und Angst und Verzweiflung, man empfindet alles mit, und man möchte Marlene wechselweise in den Arm nehmen oder wachschütteln. Was für eine emotionale Wucht.« (Isabel Bogdan)

Marlene Beckmann ist 31 Jahre alt und lebt das Leben, das sie sich gewünscht hat. Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortet sie meistens: »Super, und dir?« Marlene hat sich äußerlich im Griff. Bis der Urlaub, auf den sie seit Monaten gewartet hat, nicht genehmigt wird. Bis ihr Freund deshalb alleine nach Teneriffa fliegt und Marlene einfach nicht zur Arbeit geht.Kathrin Weßling seziert mit schillernder Sprache eine gnadenlose Arbeitswelt, in der Ersetzbarkeit, fehlende Perspektiven und der Zwang zur (Selbst-)Optimierung eine ganze Generation unter Druck setzen.

Fazit: Die Story geht ins Mark und verankert sich im Kopf. Kathrin Weßling schreibt ehrlich, schonungslos und mit viel Tiefgang. So nah am Gefühl und Geschehen der Zeit unserer heutigen Generation Y. Die Story der Protagonistin nimmt einen mit. Man begleitet Marlene auf Schritt und Gefühl. Ich erhoffte mir, irgendwie mehr für mich als für Marlene, ein anderes Ende für die Geschichte. Sie war für mich dann doch stellenweise etwas abgehackt. Ich würde gerne wissen, wie es mit Marlene weitergeht… Fortsetzung folgt?

4/5 Bücher


Munin oder Chaos im Kopf von Monika Maron

Klappentext: Mina Wolf, Journalistin und Gelegenheitstexterin, opfert den Sommer, um einen Aufsatz über den Dreißigjährigen Krieg für die Festschrift einer Kleinstadt zu schreiben. Eine irre Nachbarin, die Tag für Tag von morgens bis abends auf ihrem Balkon lauthals singt, zwingt sie, nur noch nachts zu arbeiten. Die kleine, enge Straße gerät in Aufruhr und in Minas Kopf vermischen sich der Dreißigjährige Krieg, die täglichen Nachrichten über Krieg und Terror mit der anschwellenden Aggression in der Nachbarschaft. Als auch noch eine Krähe in ihre nächtliche Einsamkeit gerät, die sie Munin nennt und mit der sie ein Gespräch über Gott und die Welt beginnt, ist das Chaos in Minas Kopf komplett. Monika Maron entwirft in diesem turbulenten Roman provokant und mit Humor ein Stimmungsbild unserer Zeit.

Fazit: Frau Maron hat hier ein witzigen Buch über eine Frau geschrieben, die tagsüber von einer singenden Nachbarin beim Schreiben eines Schriftstücks gestört wird. Sie ist gezwungen in der Nacht zu schreiben. Gesellschaft leistet ihr eine Krähe… Es liest sich flüssig und leicht. Ein Buch für zwischendurch, wenn man gerade nicht weiß, was man lesen will. Ein lakonisches Vergnügen.

3/5 Bücher

Februar

God hates us all von Hank Moody

Klappentext: Hank Moody – schlagfertig, versoffen, ein hemmungsloser Frauenheld. „God Hates Us All” – so heißt der legendäre Roman, in dem er seine turbulente Zeit als abgebrannter Student und Kleindealer verarbeitet. Sie wissen es vermutlich: Hank Moody ist die Hauptfigur der preisgekrönten TV-Kultserie „Californication”, und seinen Roman gibt es nur im Fernsehen – oder? Irrtum: „God Hates Us All” erscheint jetzt wirklich. Endlich erfahren wir, was der sympathische Anarcho-Lebenskünstler in jungen Jahren zwischen Selbstfindung, Kiffen, Party und Rock’n’Roll getrieben hat. Ob Sie „Californication” kennen oder nicht: Hank Moodys Charme kann niemand widerstehen.

Fazit: Ich liebe Hank Moody. Und dieses Buch hat mich sowas von interessiert. Hank im Buch ist wie Hank in der Serie. Man findet gleich einen Zugang zu seinem Buch-Ich. Die Dialoge gleichen den in der Serie. Keine Seite vergeht ohne ein Grinsen in meinem Gesicht und einem Lachflash aus der Magengegend. Ich las es schnell durch, aber zum Ende fragte ich mich – Achtung SPOILERALARM – das ist jetzt die Lovestory zwischen Karen und Hank? Davon wird in der Serie, insbesondere der ersten Staffel ständig erzählt? Da passiert doch nicht viel! Daraus haben die einen Film gemacht, der auch noch erfolgreich war? … Wer die Serie kennt, wird wahrscheinlich verstehen was ich meine. Ich las God hates us all gerne, aber bin vom Ende und dem übertriebenen Gewese in der Serie enttäuscht. Sorry! 

4/5 Bücher


Mehr habe ich im Februar nicht gelesen. Was so gut im Januar startete, flautete irgendwie im Februar.

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