Mach’s dir selbst!

Wer das liest scheint ein offener Typ Mensch zu sein. Verspürte Neugier beim lesen des Titels oder fragte sich: Warum schreibt sie jetzt auch noch darüber? Alles ist möglich, denn alle drei Varianten entsprechen der Realität. Ich schreibe heute bestimmt nicht über das Tabu-Thema überhaupt, aber ich finde es erwähnenswürdig.

Ich sag mal Du. Hallo Du. Wie stehst du zum Thema Selbstbefriedigung? Machst du es dir selbst? Oder ist dir das Thema vielleicht zu unangenehm? Egal! Ich lade dich hiermit ganz herzlich ein, dir den folgenden Text durchzulesen. By the way – warum gibt es für uns Frauen keine wirklich gute Bezeichnung für das, was wir da mit uns machen …? Einen runter holen oder einen von der Palme wedeln trifft es ja nicht mal ansatzweise. Und auch die Verniedlichung der Sugababes mit ihrem Hit PUSH THE BUTTON machte die Suche nach einer passenden Bezeichnung nicht leichter.

Ja, es geht um Selbstbefriedigung! Irgendwie erscheint es mir 2019 immer noch wie ein Tabu-Thema aus der ersten Reihe. Es hat doch weder mit Religion, Herkunft, Geschlecht, Alter (ok, ab dem Teenageralter) … jedenfalls mit keinem dieser benannten Punkte hat es etwas zu tun. Es ist wie es ist, ein Akt der Selbstliebe. Die Akzeptanz zum eigenen Körper und der verspürten Lust nach Berührungen. Die Lust auf Fummel-Orgien.

Du und ich. Wir haben Sex. Nicht miteinander, aber mit anderen Menschen. Sprechen darüber. Ja, lästern sogar darüber. Gut, das ist jetzt fies, aber lästern tun wir auch nur, weil wir im richtigen Moment nicht den Mund aufkriegen und wie eine Marionette uns der Lust unseres Gegenübers ausliefern. Und irgendwie genervt sind, weil dabei  nicht das für uns herausgekommen ist, was wir uns erhofft haben. Beim Sex mit uns selbst und vor allem überhaupt darüber zu sprechen, da laufen wir meistens so rot an wie eine reife Erdbeere auf Karl’s Erdbeerhof.

Ich plädiere für mehr Offenheit. Vergesst Dr. Sommer & Co. – jetzt komme ich! Oder zumindest rate ich den Teenies von heute sich nicht an die Bravo zu halten. Die hat mich früher eher verstört als mir zu helfen. Zudem trägt sie zu einer Verzerrung der Darstellung der modernen Frau dar. Wendet euch lieber an Frau Henning! Die hat ein Buch und eine Fernsehsendung mit dem Titel Make Love auf die Welt los gelassen. Prädikat wertvoll, sag ich nur!

Ich übe mich selbst jedesmal im äußern von Bedürfnissen, Wünschen und Fantasien. Jedesmal der gleiche Drahtseilakt, den ich da bewältige.

Uns begegnen im Laufe der Zeit genügend Menschen. Ich bin immer froh, wenn mir jemand begegnet, der offen ist. Da fühlt sich mein loses Mundwerk gleich viel wohler. Unsicher werde ich eher, wenn ich merke, das mich mein Gegenüber mit großen Augen anschaut, wenn ich zu hemmungslos mit meinen Worten jongliere.

Jede Begegnung ist eine neue Herausforderung, die es gilt zu meistern!

Zurück zum selber machen. Bitte, gebt dem Mädchen endlich einen Namen! Ich drücke doch kein Knöpfe!

Egal, ob du in einer Beziehung bist oder Single, Mingle oder sonst irgendwas. Sich selbst zu befriedigen tut gut. Ein kleiner Hormonvulkan der dabei überschäumt. Dich glücklich macht, entspannt und das Selbstbewusstsein stärkt. Du lernst deinen Körper und deine Bedürfnisse dadurch besser kennen oder lernst etwas neues dazu, denn nur du weißt, was den kleinen Vulkan der Lust zum überkochen bringt. Auf die Finger fertig los! Oder Vibratoren, Satisfyer oder was auch immer… Hauptsache irgendein Studienlehrgang der Lustforschung anhand des eigenen Körpers und das rein praktisch!

Single vs. Beziehung

Ich nehme mich als Single. Ich bin große Befürworterin der Selbstbefriedigung. Das kann schnell und leichtfertig genau deshalb abgestempelt werden, weil du oder ich Single bist/bin. Weil du nur dich zur Stimulierung deines Lustzentrums hast. Meine Lieben, da bewegt ihr euch auf dünnem Eis. Was du magst und was du willst, basiert auf der eigenen Entdeckungsreise. Deinem jetzigen oder zukünftigen Partner*in zu sagen, wo du angefasst werden möchtest oder auf was du stehst, basiert selten auf wahllose Fummelvariationen durchgeführt von jemand anderem. Du bist der Hauptschalter. Du bist die Hauptzentrale deiner Bedürfnisse und Empfindungen, nicht dein Sexualpartner*in.

Auch wenn das Bett halb gefüllt ist, habe ich meine Lust nicht beim letzten Matratzensport mit einem männlichen Wesen verloren. Sie ist allgegenwärtig. Bei mir bedarf es nicht viel Fantasie. Es ist für mich eine Art Entspannungstherapie. Während andere zum entspannen ins Tropical Island fahren, steige ich in meine Badewanne, gelegentlich platziere ich ein Glas Wein auf dem Wannenrand und versinke im Tal der Entspannung. Mein Körper, die Fernbedienung, wo keine Taste ungedrückt im Staub versinkt. Ob Toy oder die eigene Hand. Die Stimmung bestimmt die spezielle Zutat. Ob bei Sonnenaufgang zusammen mit dem Hahn, der mit seinem morgendlichen Kikeriki den Tag anschreit (Ach nee, ist mir schon klar, dass man sowas in Berlin nicht hat – Fantasie sag ich nur!) oder bei Kerzenschein im Mondenschein. Natürlich, endet nicht jede Planschrunde in der Wanne damit, denn viel zu oft geh ich ja meiner Bibliophilie nach.

Lust und Verlangen haben keine vorprogrammierte Tageszeit. Zudem hat Selbstbefriedigung einen positiven Effekt auf meine bzw. allgemein auf die Gesundheit. Nach einem angespannten, stressigen Tag kann Selbstbefriedigung mich wieder runter holen. Mein Ausflug ins Tropical Island. Ich schlafe dadurch viel entspannter. To Do Listen wirbeln nicht mehr im meinem Kopf umher. Eine Abstinenz vom tristen, unkontrollierten Konsumalltag. Klingt wie ein tiefgründiger Selbstfindungstrip. Jetzt muss ich lachen.

Bei einer spontanen Frage/Antwort Runde im Freundeskreis – der zu 90% liiert ist – bekam ich interessante bzw. vorausschauende Antworten.

Ich stupste ein paar Transmitter an. Die Frage nach der noch vorhandenen Praktizierung der Selbstbefriedigung, brachte die Gedankengänge in Bewegung.

Abschweifende Blicke. Versunken in der Thematik, konnte ich die Antwort erahnen. Das Bett ist ja mit zwei Liebenden gefüllt. Die uneingeschränkte Verfügbarkeit von einem Spielgefährten, der nie endende Alltagstrott, Job ggf. Schichtdienst, eine Familie die Zeit und Nerven kostet und die ehrliche Ansage „zu wenig Zeit für sich selbst zu haben“ verfrachteten die Hands-to-myself-Sessions in die hinterste Ecke der Lustzentrale bzw. ist oder war kein wirkliches Interesse hierfür vorhanden. Toys sind eher Nebensache oder gar nicht im Schubfach des Nachtschranks vorfindbar.

Ehrlich, offen & die pure Realität des Beziehungsalltags.

Ich denke lange nach über die Worte, die in mein Gedankenkarussell einsteigen. Verständnis und Skepsis machen sich breit. Wenn ich bedenke, dass man Selbstbefriedigung ins Liebesspiel mit dem Partner einbauen kann und eine weitere selbstgeschaffene Grenze für die partnerschaftliche Sexualität öffnet… Gut, das hatte ich nicht erfragt, ist aber meine gedankliche Weiterführung des Themas. Das ist warscheinlich auch wieder etwas, was sich von Beziehung zu Beziehung unterscheidet. Manche stimulieren sich, in dem gegenseitig die Lustknöpfe auf der korpusähnlichen Fernbedienung gedrückt werden und andere zeigen es ihrem Partner*in anhand einer Selbstinszenierung á la Kim Basinger (Meine Stiefmutter ist ein Alien – witziger Film in dem Kim Basinger Dan Aykroyd so richtig einheizt).

Letztendlich steht die Zufriedenheit, Akzeptanz und Selbstliebe zum eigenen Körper im Vordergrund. Bedürfnisse erforschen und stillen anhand von Selbstbefriedigung ist vollkommen normal. Es ist egal, ob du es praktizierst und das 7x am Tag oder auch einfach gar nicht. Keiner sollte für oder gegen die Praktizierung verurteilt werden.

Auch wenn die Selbstbefriedigung immer noch einen Platz auf der Ersatzbank der Selbstliebe einnimmt, schafft es die jüngere Generation der Frauen, die Thematik etwas zu lockern. Mittlerweile gibt es Plattformen für die weibliche Lust. Beispielsweise FEMTASY. Hier finden Frauen Audioaufnahmen, natürlich im zahlungspflichtigen Abo, um sich inspirieren zu lassen. Durch hören zum Höhepunkt. Viele Wege führen nach Rom. In der Podcast-Landschaft findet man zuhauf an Sex-Podcasts.

Es wird geredet und philosophiert, aber in Form von Nischen-Kommunikation. Wie die meisten Tabu-Themen ist auch die Selbstbefriedigung eine Thema, dass hinter geschlossenen Türen oder hinter vor gehaltener Hand Beachtung findet.

2019 sollte es anders laufen. Wollen wir ernsthaft rot anlaufen, wenn unsere Kinder uns mit diesem Thema konfrontieren? Schlimm genug das wir im Kiosk nach Frauenzeitschriften greifen. Die Zeitschriften unterstützen auch nur den glauben daran, dass wir Männern gefallen müssen. Das wir bestimmte Sachen machen, damit sie Freude und Befriedigung erhalten.

Letztendlich finde ich, wir sollten in der Kommunikation diesbezüglich offener werden. Mehr Empathie entwickeln. Allein oder in einer Partnerschaft, es macht keinen Unterschied, ob man Selbstbefriedigung praktiziert oder nicht, es hat etwas mit einem selbst zu tun und bedient sich nicht einer Co-Abhängigkeit, sprich wir brauchen einen anderen Menschen um etwas spüren zu können. Das körperlicher Austausch zu zweit, dritt oder viert oder oder … mehr Spaß und Lust bereitet ist klar, aber ich finde es ungerechtfertigt, wenn man die Praktizierung der Selbstbefriedigung ad acta legt, nur weil man einen Partner hat …

Das soll nicht gegen Partnerschaften gehen, denn auch in Partnerschaften wird Hand angelegt.

Ich wünsche freudige Fingerspiele!