Florence & the Mashine

Am Donnerstag war es soweit. Endlich mal Florence Welsh mit Band live sehen. Die bezaubernde, leichtfüßige Fee der Musikwelt gastierte an diesem Abend in der Mercedes Benz Arena.

Video by carlos doll/youtube

Ich bin kein Fan von großen Hallen. Ich mag es eher klein, gemütlich & etwas süffig. Doch Florence holte uns an diesem regnerischen Tag in Berlin zu einer mit Liebe erfüllten Konzertnacht ab. Diese zauberhafte Frau, die wie eine Fee über die Bühne schwebte und …

Doch erstmal zum Support Act. Afrikanische Trommeln gepaart mit Eurodance-Trash. Meine Freundin und ich kamen aus dem „Oh Gott oh Gott“- Gefühl nicht raus. Mit dem Gefühl waren wir nicht allein. Auf manch anderen wirkten die Young Fathers beeindruckend. Nun gut. Bis auf das Schlagzeug kam der Rest vom Band. Ich steh solchen Acts immer sehr zwiespältig entgegen. Das war definitiv nicht unsere Musik. Dann lieber Eiffel 65 – Sorry!

Die Umbaupause dauerte und dauerte. Das Bühnenbild strahlte vor Holz. Alles war aus Holz. Ein Vintage-Traum aus Holz. Die optische Erscheinung von Florence strahlt nur so vor 60/70er Jahre Flair. Wie konnte man glauben, dass die Bühnendeko anders ausschauen würde?

Und dann gings los. Die Musiker ihrer Band betraten nach und nach die Bühne. Nahmen ihre Plätze ein. Und dann schwebte Florence aus dem Schattenreich der Holzdeko ins Licht der Scheinwerfer. Sie trägt ein umwerfendes Kleid. Ihre graziöse Silhouette bringt das Kleid ganz bezaubernd zur Geltung. Ich bin verliebt in ein Kleid.

Barfuß bewegt sie sich tänzelnd zum ersten Song June. Ihre Stimme ist kraftvoll, sie trifft die Töne punktgenau. Die Bühne ist ihr Minenfeld. Ein Minenfeld des Staunens. Wie eine Ballerina tritt sie anmutig auf jede Mine und es wird eine musikalische Feenstaub-Explosion ausgelöst.

Sie spielte viele bekannte Songs. Mir fehlten meine Lieblinge, aber man kann ja nicht alles vom erste Album spielen, wenn es noch mehr Alben gibt, die auch erwähnenswerte Songs beinhalten.

Irgendwann richtet sie ein paar Worte an die Besucher, an Berlin und zum Brexit. Sie bat um Liebe im Publikum. Um das wegstecken des Telefons und an dem heutigen Abend einen tollen Moment zu erschaffen.

Wir tanzten, sprangen und sangen. Hoben unsere Arme in die Höhe und kurz hatte ich das Gefühl, dass Florence da auf der Bühne, wie eine Anführerin einer Sekte wirkt. Aber eher liebenswürdig, mit Feenstaub und unendlichen Liebesbotschaften an die Menschheit. Man kann sie nur packen und lieb haben. Sie rannte ums Publikum herum, hielt die Hände der ersten Reihen, verströmte Liebe und bekam dankende Fans.

Mein Herz erwärmte bei der Ansprache zum Song Patricia, den sie Patti Smith widmete. Wieder eine Patti-liebende. Danke dafür!

Florence absolvierte eine ONE-WOMAN-Tanzshow. Sie ist ein Bühnenmensch. Sie bewegt sich gekonnt, feminin und anmutig zu ihrer Musik. Und immer wieder dieses Kleid. Ich fühlte mich wie das kleine Mädchen aus ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH, dass so verrückt nach Einhörnern ist. Jetzt suche ich nach einem Kleid, dass so ausschaut wie ihres.

Ein tolles Konzert. Ich könnte nur noch Florence & the Mashine hören!

Auch wenn sie, zum Leidwesen meiner Freundin, You’ve got the Love nicht spielte, kann ich absolut gar nichts an diesem Konzert kritisieren … na gut, vielleicht die Vorband …