Weiblich, Single & Fabelhaft

Das ich Märchen mag, habe ich ja schon öfter erwähnt. Ich hab sie nie in Frage gestellt bis … ja bis jetzt! Also, ganz realistisch und in Zahlen gefasst bis letztes Jahr September. Ich bin mit dem Glauben aufgewachsen, dass es das Ziel einer jeden Frau ist vom Markt weg geheiratet zu werden. Ich habe das nie hinterfragt. Habe es hingenommen und krampfhaft versucht in mein Leben zu integrieren. Ich habe wie bekloppt ein Date nach dem anderen gehabt. Nur um mir mit Anfang 30 einreden zu lassen, dass mein Singlezustand mich merkwürdig und zu anspruchsvoll erscheinen lässt und für die Gesellschaft bin ich ohne Mann und Kind ein unvollständiges Exemplar.

Gerade die Älteren wollen mir das immer einreden. Sie wollen mir einreden ich brauche dies und ich brauche jenes. Sie sagen ich wäre nur glücklich und vor allem vollständig mit Mann und einem Kind. Nein, am besten 3-4 Kinder, da ich ja gern was zu tun habe. Bin ich eine Gebärmaschine? Ohne jetzt alle Frauen mit einer Heerschar von Kindern zu beleidigen, aber Geburten sind nicht ohne. Ich will ehrlich sein, ja ein Kinderwunsch ist vorhanden, aber ganz far far away irgendwo in der hintersten Ecke meines Gehirns. Ein Kinderwunsch ist für mich ein Gemeinschaftswunsch. Das bedarf einen männlichen Gegenpart. Ich liebe ja heterosexuell. Allein diesen Wunsch umzusetzen, steht für mich außer Frage. Bisher hat diesen Wunsch auch noch kein Mann aus dieser besagten Abstellkammer herausgeholt und mir bei einem romantischen Candle-Light-Dinner präsentiert. Der Wunsch setzt auch weiterhin Staub an. Manchmal sauge ich um ihn herum, wie mit einem Staubwedel um die Bücher in meinem Bücherregal.

Mein Freundeskreis und meine Eltern sind da etwas geschmeidiger. Die glauben zwar auch alle „das mich irgendwann einmal der Richtige“ aus meinem alleinigen Dasein befreien wird, hauen mir aber nicht ständig irgendwelche Sprüche um die Ohren. Ich mache auch kein Geheimnis daraus, dass ich flüchtigen Bekanntschaften nicht abgeneigt bin – bin ja keine Nonne. Lieber bete ich Aphrodite an als die heilige Maria.

Fakt ist, wir sind nicht unvollständig, weil wir Single sind. Und warum werden hierbei immer nur Frauen komisch angeschaut? Warum wirft man ledigen Männern keinen missbilligenden Blick zu? Wir Frauen werden immer ganz traurig angeschaut und dann kommt sowas wie „du Arme“ oder „der Richtige kommt schon noch“. Ledige Männer klopft man auf die Schulter und dann sagt man ihnen sowas wie „du musst dir halt noch richtig die Hörner abstoßen“. Ich glaube, ich spreche hier für viele Männer, dass das nicht der Wahrheit entspricht. Auch Männer haben bestimmte Vorstellungen von einer Frau an ihrer Seite. Oder?

Früher war Partnersuche viel einfacher. Ein Date. Bums. Verheiratet. Mir kann keiner erzählen, dass man sich früher Zeit gelassen hat mit der Partnerwahl. Man nehme die Scheidungsquote oder schaue sich die Unzufriedenheit in langjährigen Beziehungen an. Das spricht sicherlich nicht für jedes Paar, aber wie viele Trennungen von Elternpaaren aus meiner Schulzeit habe ich mit erlebt? So einige.

Mit Anfang 30 fühle ich mich viel wohler in meiner Haut als mit Anfang 20. Nur, leider muss ich mich wegen meiner Situation noch mehr rechtfertigen als mit 25. Da war man ja noch in seinen wilden Zeiten und bekam zu hören mit 30 wird alles anders. Damals durfte ich mir aber auch schon anhören „mit 30 nimmt dich keiner mehr“. Hmm, ich kann mich da ehrlich gesagt nicht beklagen. Angebot und Nachfrage stehen im Gleichgewicht. Und warum sagt man sowas, die Realität sieht wahrlich anders aus. Menschen jeden Alters suchen sich durch ihre Stadt nach einem passenden Gegenstück.

Ich lese derzeit ein interessantes Buch zu diesem Thema Singledasein und wie ok das eigentlich ist. Die Autorin nimmt alles auseinander … dazu irgendwann mal mehr.

Doch was hat jetzt eigentlich dieses Licht der Erkenntnis zum aufleuchten gebracht – im September? Ich war auf einer Hochzeit. Ich war die Trauzeugin der Braut. Eine langjährige Freundin von mir hat geheiratet und ich durfte diesen Tag mit ihr zusammen von morgens bis abends erleben. Friseur, Trauung, Sektempfang und und und …

Und da zwischen den ganzen Schnapsgläsern, den Unterhaltungen, der Musik unserer Jugend und dem guten Essen, kam mir immer wieder diese Frage auf : Wäre das auch etwas für mich? Jetzt nicht das heiraten, dass kann ich mir vorstellen, aber diese Sache mit der monogamen Beziehung?

In den vergangenen zwei Jahren habe ich mir diese Frage öfter gestellt, aber nie laut. Den ich bin nur von monogamen Beziehungen umgeben, die alles merkwürdig finden, was nicht monogam ist. Oder man tobt sich halt länger aus, bevor man doch wie sie, endlich sesshaft wird.

An diesem Tag, wurde die Frage in meinem Kopf immer lauter und lauter und irgendwann beim vierten Malteser schrie sie mich förmlich an. Monogamie gibt es auch erst seit ein paar hundert Jahren. Aber irgendwie lange genug um uns glauben zu lassen, dass es das einzige Beziehungsmodell ist, das einen dauerhaften, gesicherten Platz in unserer Gesellschaft hat.

Ich will sie ja nicht schlecht reden, aber andere Modelle sollte man nicht auch ausschließen. Für fragwürdig oder unnatürlich erklären. Polygamie ist natürlicher als man denkt. Die Geschichte ist der der beste Beweis.

Vielleicht begegnet mir wirklich mal jemand, der diese Gedanken in mir erlischt oder diese sogar mit mir teilt. Beides wäre fulminant.

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Autor: Ramona Luft

Ich glaube an Märchen, leben will ich aber in keinem! aboutlifeandtheotherthings.wordpress.com

2 Kommentare zu „Weiblich, Single & Fabelhaft“

  1. Monogamie ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Auch nur ein Modell des Zusammenlebens, wie andere auch. Letztlich ist es immer eine eigene Entscheidung, wie man Leben möchte. Und was die „Gesellschaft“ oder die Moralvorstellungen dazu sagen …. Besser, man lebt nicht das Leben anderer oder deren Vorstellungen, sondern sein eigenes.

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  2. Vielen Dank für’s Teilen so persönlicher Gedanken. Mir kommt das alles nur zu bekannt vor. Auch ich denke, dass das Weltbild, was wir früher dazu hatten, tatsächlich überholt und schwer im Hier und Jetzt zu leben ist. Es gibt so viele andere Lebensformen und Möglichkeiten. Letztendlich kommt es darauf an, dass man herausfindet was man selbst wirklich will und man zu sich steht.

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