Lesemonat März/April 2019


März/April waren tolle Lesemonate. Vor allem sehr feministisch und informativ, aber auch ergreifend und lehrend mit einer Prise Spannung zwischendurch. Da auch dieser Beitrag zu diesen Lesemonaten versehentlich im Papierkorb gelandet ist, musste ich arg in der Erinnerungskiste kramen und alle Gedanken und Gefühle für die nun folgenden Bücher nochmal Review passieren lassen.


März


Beale Street Blues von James Baldwin

Klappentext: Harlem Love Story – eine junge Liebe gegen die Willkür einer weißen Justiz. »Jeder in Amerika geborene Schwarze ist in der Beale Street geboren. Die Beale Street ist unser Erbe. Dieser Roman handelt von der Unmöglichkeit und von der Möglichkeit, von der absoluten Notwendigkeit, diesem Erbe Ausdruck zu geben. Die Beale Street ist eine laute Straße. Es bleibt dem Leser überlassen, aus dem Schlagen der Trommeln den Sinn herauszuhören.« James Baldwin

Dies ist die Geschichte von Tish und Fonny, 19 und 22, und ihrem Kampf gegen die Willkür einer weißen Justiz. Der traurig-schöne Song einer jungen Liebe, voller Wut und doch voller Hoffnung. Ist das Gefängnissystem die Fortsetzung der Sklaverei unter anderen Vorzeichen? Beale Street Blues von James Baldwin strahlt grell in unsere Gegenwart.

Fazit: Ich habe mich verliebt. Ich habe mich in dieses Buch und in diese Geschichte verliebt. Ich habe mir den Film im Kino angeschaut und auch im Kino, in meinem Kinositz war ich verliebt. Bin es immer noch. Baldwin seine Werke sind aus einer vergangenen Zeit, aber immer noch hoch aktuell und verlieren nicht an Bedeutung und Stärke. Jeder sollte einen Baldwin im Bücherschrank zu stehen haben.

5/5 Bücher


Das Millenial Manifest von Bianca Jankovska

Klappentext: «Wir sind im Glauben groß geworden, uns stünden die Türen offen, wenn wir nur lange genug dagegentreten.»
Bianca Jankovska schreibt eine schillernde, provokante, wortgewandte Abrechnung mit der Gesellschaft. Sie wettert gegen prekäre Arbeitsverhältnisse, hinterfragt das menschliche Dasein als solches und bringt in ihrem Buch das Lebensgefühl der Millennials auf den Punkt. Schließlich ist es heute leichter, mit schönen Fotos auf Instagram den Schein eines selbstbestimmten #feelgood-Lebens vorzugaukeln, als für unsere Rechte einzustehen: für das Recht auf ein vernünftiges Gehalt beim ersten Job, für das Recht auf eine Antwort des Tinder-Dates und für das Recht, Social Media auch mal abzuschalten. Kämpferisch und unterhaltsam hält sie sich selbst und ihrer Generation einen Spiegel vor – und fragt, wann genau uns Aufmerksamkeit wichtiger wurde als Geld und warum wir eigentlich nicht mehr ausgehen (Spoiler: aus Angst, am nächsten Tag nicht produktiv zu sein.)

Fazit: Das Buch ist wichtig, weil es zum denken anregt. Ich stimme der Autorin nicht in jeglicher Hinsicht zu und finde das es hier und da mal zwackt und irgendwie mehr gemeckert und als konstruktiv zu diskutieren.

3/5 Bücher


Frauen & Macht von Mary Beard

Klappentext: Das entscheidende Buch zur großen aktuellen Debatte Feminismus, Gleichberechtigung und #MeToo: Ein leidenschaftlicher Aufruf an Frauen, sich jetzt die Macht zu nehmen. Das Buch, das weltweit Furore macht! Spiegel-Bestseller und Nr. 1-Bestseller in Großbritannien. Mary Beard ist eine der führenden Intellektuellen weltweit. Die Historikerin hat zahlreiche Bestseller geschrieben. Immer wieder mischt sie sich leidenschaftlich, streitbar und humorvoll in aktuelle Debatten ein. Frauenfeindlichkeit und Sexismus sind Themen, die sie seit langem begleiten – auch persönlich – und die sie nicht müde wird anzuprangern.

Fazit: Ein moderner Klassiker. Wer anfängt sich mit Feminismus zu beschäftigen und auch etwas mitnehmen möchte für sich und für die nächste Diskussion mit Freunden und Bekannten, der lese bitte, bitte, bitte Mary Beard! Von der Antike (oder sogar noch früher) bis in die heutige Gegenwart. Mary Beard schafft es uns einen tiefen Einblick in die Geschichte der Frau zu geben. Bitte lesen!

5/5 Bücher


Alte Weiße Männer von Sophie Passmann

Klappentext: »Beweis erbracht: Unbestechlichen Feminismus gibt es auch in lustig. Sogar in sehr lustig! Großartig!« Anne Will.
Sophie Passmann ist Feministin und so gar nicht einverstanden mit der Plattitüde, der alte weiße Mann sei an allem schuld. Sie will wissen, was hinter diesem Klischeebild steckt und fragt nach: Ab wann ist man ein alter weißer Mann? Und kann man vielleicht verhindern, einer zu werden? Sophie Passmann gehört zu einer neuen Generation junger Feministinnen; das sind Frauen, die stolz, laut und selbstbestimmt sind. Sie wollen Vorstandschefinnen werden oder Hausfrauen, Kinder kriegen oder Karriere machen oder beides. Und sie haben ein Feindbild, den alten weißen Mann. Dabei wurde nie genau geklärt, was der alte weiße Mann genau ist. Eines ist klar: Er hat Macht und er will diese Macht auf keinen Fall verlieren. Doch Sophie Passmann will Gewissheit statt billiger Punch-lines, deswegen trifft sie mächtige Männer, um mit ihnen darüber zu sprechen: »Sind Sie ein alter weißer Mann und wenn ja – warum?« Die Texte, die daraus entstanden sind, gehören zu den klügsten und gleichzeitig lustigsten, die man hierzulande finden kann.
Sophie Passmann war im Gespräch mit:
Christoph Amend, Micky Beisenherz, Kai Diekmann, Robert Habeck, Carl Jakob Haupt, Kevin Kühnert, Rainer Langhans, Sascha Lobo, Papa Passmann, Ulf Poschardt, Tim Raue, Marcel Reif, Peter Tauber, Jörg Thadeusz, Claus von Wagner

Fazit: Ich war gespannt. Ich war euphorisch. Ich wurde nicht enttäuscht. Bei den Kritiken, die nach dem erscheinen des Buches nach und nach eintrudelten, konnte ich nur meinen Kopf schütteln. Auf dem Buch steht ja auch noch: Ein Schlichtungsversuch! Es wurde bemeckert, dass Frau Passmann zu lieb, zu nachgiebig, zu ihren Gesprächspartnern war. Geht es nicht eher darum, den alten weißen Mann erstmal zuzuhören und ihn reden zu lassen? Geht es nicht darum, dass acken zu lassen und dann gekonnt Einwände zu argumentieren? Finde ich. ich kann nicht meckern oder gar irgendetwas an diesem Buch bemängeln. Gute, kluge Ansichten und Argumente von Frau Passmann. Das man dem einen oder anderen alten weißen Mann gepflegt – für die eine oder andere Ansicht – einen wortreichen Faustschlag verpassen will, ist eine logische Schlussfolgerung. Lesen, Sacken lassen. Darüber reden!

5/5 Bücher


April


Geht´s noch! Warum die konservative Wende für Frauen gefährlich ist von Lisz Hirn

Klappentext: Es ist wieder schick, konservativ zu sein. Die neuen Biedermänner und Biederfrauen propagieren ein Weltbild, durch das alle verlieren werden: ein Gesellschaftsideal der 1950er-Jahre, das Männer und vor allem Frauen in alte Rollenbilder drängt. Kinder statt Karriere, Mutter statt Managerin? Damit nehmen nicht nur die Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern zu. Die Philosophin Lisz Hirn zeigt auf, wie diese Entwicklung unsere offene, demokratische Gesellschaft bedroht. Und liefert Ideen, wie wir uns dagegen zur Wehr setzen können.

Fazit: Mindblowing!!! Wer Stokowski mag, wird Hirn lieben! Kein anderes Buch in meinem Bücherregal hat so viele Klebchen, fast doppelt und dreifach, auf einer Seite als dieses! So klug, so wahr und mehr als wichtig! Prädikat wertvoll! Die Tampondebatte, die hier schon diskutiert wird, war bestimmt die Inspiration für die anschließende Petition! 100 Pro. Am Ende fragt man sich oder sollte man fragen: Bin ich Biedermann und stecke ich womöglich in einer Retrofalle fest oder erhebe ich mich aus all dem .

5/5 Bücher


In manchen Nächten hab ich einen anderen (Mein sinnliches Leben in einer offenen Beziehung) von Anna Zimt

Klappentext: Die Generation Beziehungsunfähig will sich immer weniger festlegen und sucht nach neuen Formen von Beziehung – offene Beziehungen und Polyamorie haben in letzter Zeit zunehmend an Bedeutung gewonnen. Anna Zimt, Autorin und Bloggerin bei „im gegenteil“, erzählt offen und authentisch von ihrer eigenen offenen Beziehung, ihren Sex-Abenteuern und wie sie mit ihrer Eifersucht zurechtkommt.

Anna und Max sind Anfang dreißig, seit über zehn Jahren zusammen und füreinander die große Liebe. Dennoch haben sie vor ein paar Jahren festgestellt, dass sie mehr brauchen als nur einander, um richtig glücklich zu sein: zum Beispiel Abenteuer, Sex und Affären mit anderen Partnern. Sie führen eine offene Ehe – nach außen, wie nach innen. Sie lassen sich ihre Freiheiten und ihre Sexualität, sprechen aber über alles und sie haben erkannt, dass ihre freie Sexualität ihre Beziehung nicht gefährdet. Im Gegenteil, sie sind gemeinsam erwachsen geworden und mussten nie auf die Abenteuer des Lebens verzichten. Anna Zimt ist Autorin und Bloggerin und erzählt offen und ehrlich, wie eine offene Beziehung funktionieren kann und holt mit ihren Geschichten das Prickeln in jedes Schlafzimmer zurück.

Fazit: Dieses Jahr hat für mich etwas ganz besonderes. Auch wenn ich schon lang genug mit offenen Augen durchs eben gehe, umgibt dieses Jahr 2019 ein ganz besonderer Schleier. Die Geist öffnen für andere Lebensweisen bzw. Liebesweisen. Irgendwie ungeplant erreichte mich dieses und ich wollte den unterschiedlichen Formen der Liebe ein Dach schenken. Doch irgendwie kam ich beim recherchieren zwar voran, aber Dates hierzu wurden allesamt abgesagt. Mies. Richtig mies und wie immer klopfte der Frust an und grinste fies. Ich verlor dann das Interesse und meine Anfrage bei Frau Zimt erübrigte sich als ich ihr Buch mit der letzten Seite zuschlug! Maaaannnnno. Nun gut. Offene Beziehungen sind interessant, aber wirken auf mich auch irgendwie heikel. Anna und Max schaffen es aber und genießen ihr gemeinsames Leben mit ihrem frei geräumten Freiraum aus Liebhabern*innen. Sie kennen sich schon ewig, trennten sich auch mal um zu erkennen, dass sie einander lieben, aber mehr wollen, mehr von Erfahrungen vom abtauchen in sexuellen Abenteuern. Feste Regeln helfen den Kurs zu halten und nicht vom gemeinsamen Weg abzukommen. Eine Leseempfehlung für neugierige Interessierte.

5/5 Bücher


Abeschlagen von Tsokos

Klappentext: Der neue True-Crime-Thriller von Deutschlands bekanntestem Rechtsmediziner und SPIEGEL-Bestseller-Autor Michael Tsokos ist der Auftakt einer neuen True-Crime-Reihe um den Rechtsmediziner Paul Herzfeld, bekannt aus »Abgeschnitten« von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos.

Rechtsmediziner Paul Herzfeld ist irritiert, als sich sein Vorgesetzter, Prof. Schneider, bei der Obduktion einer zerstückelten Frauenleiche überraschend schnell auf eine Machete als Tatwaffe festlegt. Auch der Sektionsassistent wirkt ungewöhnlich nervös und fahrig. Und tatsächlich taucht kurz darauf das blutverschmierte Mordwerkzeug in einer Kieler Parkanlage auf: eine kunstvoll verzierte Machete. Von den Medien wird Schneider sofort als rechtsmedizinisches Genie gefeiert, sein Aufstieg zum Direktor der Kieler Rechtsmedizin scheint reine Formsache. Doch dann gesteht der Hausmeister des Instituts Herzfeld, dass er die Machete schon einmal gesehen hat und dass die tote Frau für ihn keine Unbekannte ist …

Fazit: Abgeschnitten hatte ich zuvor gelesen und auch im Kino gesehen. Ich verlor mich im Paul Herzfeld -Universum. Freute mich wie Bolle als Abgeschlagen erschien und stürzte mich im Buchladen auf das Buch und verschlang innerhalb weniger Tage. Ich warte jetzt schon sehnsüchtig auf Teil Zwei und weigere mich irgendwie bis dahin einen anderen Thriller zu lesen, weil ich das Gefühl hab Herr Herzfeld zu betrügen. Idiotisch? I know! Aber was soll ich machen? Es war spannend, mitreißend und beruht teilweise auf wahre Begebenheiten. Ließt sich wie Fitzek nur ohne Fitzek.

5/5 Bücher


Alles, was ich weiß über die Liebe von Dolly Alderton

Klappentext: Alles über schlechte Dates und gute Freundschaften
Ein warmes und witziges Memoir über das Erwachsenwerden und alle Lektionen, die man dabei lernt: Dolly Alderton, Shootingstar der englischen Literatur, weiß wirklich alles über desaströse Dates, chaotische Nächte und falsche Entscheidungen. Sie weiß, wie es ist, wenn einem das Herz gebrochen wird – aber auch, wie man es flickt. Denn vor allem erzählt Dolly so brutal ehrlich wie unfassbar komisch vom großen Glück der Freundschaften, die fürs Leben sind und nicht nur Lückenfüller zwischen Liebhabern. Dolly Alderton kennt alle Seiten der Liebe, die guten und die dunklen. Da ist der Guru, der tief in ihr Inneres schauen kann und der sich am Morgen nach der lang ersehnten ersten Nacht doch aus dem Staub macht. Oder ein dubioser Kerl in New York, der sie zu einem Dreier überreden will. Oder der verplante Hippie, für den sie sich die Haare abrasiert. Und dann stellt Dolly plötzlich fest, dass es Liebe auch ganz anders gibt und dass die Freundschaften mit ihren Mädels ihr mehr über die Liebe beigebracht haben als alle Männer. Freundinnen, die für einen da sind, wenn man nicht weiß, wovon man die Miete zahlen soll, wenn eine Beziehung zerbrochen ist oder die Rod-Stewart-Mottoparty nach hinten losgeht.
In ihrem eigenen, ehrlichen wie humorvollen Stil verwebt Dolly persönliche Erlebnisse und witzige Anekdoten mit scharfsinnigen Reflexionen darüber, was es heute heißt, eine Frau zu sein. Wie es ist, auch mal alleine, doch nie einsam zu sein. Und sie schreibt eine großartige Liebeserklärung – an das Leben.

Fazit: Ich habe sehr lange an diesem Buch gelesen. Zwischendrin aufgehört und weggelegt. Nicht, weil es nicht gut ist, sondern weil mein Unterbewusstsein wusste, dass ich es ganz langsam genießen muss, um am Ende festzustellen, dass es mich für mein Buch inspirieren wird, wenn nicht sogar die größte Inspiration sein würde. Danke Dolly für den Zeitsprung und die vielen Inspirationstrigger!

5/5 Bücher


Was ich außerdem angefangen habe und nicht beendet habe:

„Weiblich, leidg, glücklich – sucht nicht“ von Gunda Windmüller

„Wie wir lieben – Vom Ende der Monogamie“ von Friedemann Karig

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