Lesemonat Mai/Juni 2019

Wieder zwei Lesemonate vorbei. Die Bücherliste wird länger und länger und die Lust zu Lesen nimmt nicht ab. Sie bleibt konstant. Ich blogge ja gerade nicht sehr viel. Bin mit meinem Kopf, Gefühlen und Emotionen zu sehr bei der Geschichte meines Buches. Blogbeitrag dazu folgt. Soo nun aber zu den kleinen – teilweise dicken – Schätzen der vergangenen Wochen.

Mai

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joël Dicker

Klappentext: Es ist der Aufmacher jeder Nachrichtensendung. Im Garten des hochangesehenen Schriftstellers Harry Quebert wurde eine Leiche entdeckt. Und in einer Ledertasche direkt daneben: das Originalmanuskript des Romans, mit dem er berühmt wurde. Als sich herausstellt, dass es sich bei der Leiche um die sterblichen Überreste der vor 33 Jahren verschollenen Nola handelt und Quebert auch noch zugibt, ein Verhältnis mit ihr gehabt zu haben, ist der Skandal perfekt. Quebert wird verhaftet und des Mordes angeklagt. Der einzige, der noch zu ihm hält, ist sein ehemaliger Schüler und Freund Marcus Goldman, inzwischen selbst ein erfolgreicher Schriftsteller. Überzeugt von der Unschuld seines Mentors – und auf der Suche nach einer Inspiration für seinen nächsten Roman – fährt Goldman nach Aurora und beginnt auf eigene Faust im Fall Nola zu ermitteln …

Fazit: Diese Geschichte hat mich verschlungen. Eine Mischung aus Krimi, Liebesgeschichte und gesellschaftskritische Nuancen kreieren einen Roman, den ich so in der Form noch nicht gelesen habe. Der Mix hat es mir echt angetan. Die Zeiten springen hin und her. Spannungshalter würde ich sagen. Man switch zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Man fühlt mit den Figuren. Spürt ihre Emotionen. Manchmal ist die lang-gehaltene Spannung auch sehr langatmig und man bekommt das eine oder andere kribbeln in den Fingern zu spüren, aber irgendwie mag man dem nicht nachgehen, weil man so mittendrin in der Geschichte ist und es einem respektlos erscheint weiter zu blättern. Ich kann euch dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Es gehört zu diesen Büchern, die man getrost verschenken kann, wenn man nicht weiß, was die zu beschenkende Person gerne liest. Mich hat es gepackt und lässt mich auch jetzt immer noch nicht los.

5/5 Bücher


Die Geschichte der Baltimores von Joël Dicker

Klappentext: Bis zum Tag der Katastrophe gab es die Goldmans aus Baltimore und die Goldmans aus Montclair. Die Baltimores hatten alles, was man sich vom Leben wünschen kann: Talent, Geld, Erfolg, ein prachtvolles Heim, zwei hochbegabte Söhne. Marcus Goldman, inzwischen erfolgreicher Schriftsteller, gehörte zu den weniger glamourösen Montclairs. Er verbrachte all seine Sommer bei den Baltimores und war für sie wie ein Sohn. Nun, acht Jahre nach der Katastrophe, beginnt Marcus, die Geschichte der Baltimores aufzuschreiben – und erkennt erst jetzt die wahren Gründe für die schrecklichen Ereignisse.

Fazit: Ehrlich gesagt habe ich ewig gebraucht, um in dieses Buch hinein zu kommen. Wenn nicht sogar über 200 Seiten. Ich war hin und weg von DWÜDFHQ, das ich nicht wahrhaben wollte, das jene Geschichte des Zweitlings mich nun enttäuschen würde. Ich konnte diesmal so gar nichts mit dem switchen zwischen Vergangenheit und Gegenwart anfangen. Immer wieder diese Kindheitserinnerungen, aber dann, irgendwann nach gefühlten unzähligen Seiten ergab alles einen Sinn und Dicker hatte mich erneut in seinen Bann gezogen. Tiefschürfend, hoch emotional und ergreifend. Ich hätte ab einem bestimmten Punkt nur noch heulen können. Das Schicksal der Goldmans aus Baltimore kann einem nur ans Herz gehen. Ich finde, dass der Zweitling von Dicker wirklich seines gleichen sucht. Für den Tiefgang und Haufen an Emotionen muss man gemacht sein.

4/5 Bücher


Das Verschwinden der Stephanie Mailer von Joël Dicker

Klappentext: Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea, ein warmer Sommerabend an der amerikanischen Ostküste: An diesem Tag wird der Badeort durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert, denn in einem Mehrfachmord sterben der Bürgermeister und seine Familie sowie eine zufällige Passantin. Zwei jungen Polizisten, Jesse Rosenberg und Derek Scott, werden die Ermittlungen übertragen, und sie gehen ihrer Arbeit mit größter Sorgfalt nach, bis ein Schuldiger gefunden ist. Doch zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau … 

Fazit: Es ist definitiv und ganz unverkennbar ein Dickersches Werk. An der Schreibweise zu den beiden Vorgängern hat sich nichts verändert. Doch irgendwie hat mich diese Geschichte nicht ganz so gepackt wie die Vorgänger. Ich kam zwar gut rein und zeitweise hat mich die Geschichte voll und ganz gepackt. Fühlte mit und konnte das Buch dann auch nicht aus der Hand legen, aber ich weiß jetzt, das sein viertes Buch von mir gelesen wird, aber die Geschichte muss mich dann umso mehr packen und in ihren Bann ziehen.

3/5 Bücher


Ruf mich bei deinem Namen von André Aciman

Klappentext: Völlig überraschend trifft Elio seine erste große Liebe: Der Harvard-Absolvent Oliver ist für sechs Wochen bei Elios Familie an der italienischen Riviera zu Gast. Oliver ist weltgewandt, intelligent und schön. Er ist alles, was Elio will, vom ersten Moment an. Die Zuneigung ist gegenseitig, doch Schüchternheit und Unsicherheit veranlassen beide zur Zurückhaltung. Ein fast unerträgliches Spiel von Verführung und Zurückweisung beginnt.

Fazit: Ich sah den Film Call me by your name und musste das Buch lesen. Und was soll ich sagen. Ich hab im Mai tatsächlich ein gutes Händchen für gute Bücher. Erst Dicker, jetzt Aciman. Gefühlvoll, empathisch und fließend ließ es sich so dahin. Die Worte sprangen nur so in mein Herz und ich verliebte mich. Ich will mehr von ihm lesen. Will mehr Worte von ihm inhalieren. Eine Perle in Buchgestalt. Nein. Ein Juwel! Mein erstes Buch über sexuelle Orientierung bzw. Gehversuche der gleichgeschlechtlichen Liebe und dann gleich so ein Goldstück. Warum liest man Aciman nicht in der Schule? Bitte unbedingt einführen. Danke!

5/5 Bücher


Juni

Asymmetrie von Lisa Halliday

Klappentext: Zwei ungleiche Geschichten: eine Liebe in New York, Verhöre in London. Lisa Halliday schreibt über Liebe und Leiden, Macht und Ehrgeiz. Es beginnt mit einer Eiswaffel, auf einer Bank im Central Park. Hals über Kopf stürzt sich Alice in eine Lovestory mit dem berühmten Schriftsteller Ezra Blazer. Sie ist 25, er in seinen Siebzigern. Ein erotisches, tragikomisches Kammerspiel – doch dann setzt eine ganz andere Erzählung ein. Amar, ein amerikanisch-irakischer Doktorand auf dem Weg nach Nahost, wird am Londoner Flughafen in Gewahrsam genommen. Und landet im Vakuum von Wartesälen und endlosen Verhören. Subtil verwebt Lisa Halliday die zwei so ungleichen Geschichten zu einem kühnen, provokanten Roman. Sie schreibt über die Machtgefälle, die unsere Welt durchziehen, zwischen Jung und Alt, Glück und Talent, dem Persönlichen und Politischen.

Fazit: Nun, um ehrlich zu sein, ich habe das Buch nach 116 Seiten abgebrochen. Die Dialoge wiederholten sich bei der ersten Geschichte nur! Ich hatte dafür wirklich nicht die ausreichende Geduld um mich der Geschichte komplett hinzugeben. Ein hoch gelobtes Buch. Und irgendwie entpuppte es sich für mich zum Fehlgriff, aber ich habe es ja auch im letzten Sommer kurz nach dem erscheinen gekauft und vielleicht muss es wie andere auch erstmal in meinem Bücherregal reifen, bevor ich es erneut zur Hand nehme und es selbst in den Himmel lobe!

ohne Bewertung


Vom Ende einer Geschichte von Julian Barnes

Klappentext: Wie sicher ist Erinnerung, wie unveränderlich die eigene Vergangenheit? Tony Webster muss lernen, dass Geschehnisse, die lange zurückliegen und von denen er glaubte, sie nie mehr hinterfragen zu müssen, plötzlich in einem ganz neuen Licht erscheinen.
Als Finn Adrian in die Klasse von Tony Webster kommt, schließen die beiden Jungen schnell Freundschaft. Sex und Bücher sind die Hauptthemen, mit denen sie sich befassen, und Tony hat das Gefühl, dass Adrian in allem etwas klüger ist als er. Auch später, nach der Schulzeit, bleiben die beiden in Kontakt. Bis die Freundschaft ein jähes Ende findet.Vierzig Jahre später, Tony hat eine Ehe, eine gütliche Trennung und eine Berufskarriere hinter sich, ist er mit sich im Reinen. Doch der Brief eines Anwalts, verbunden mit einer Erbschaft, erweckte plötzlich Zweifel an den vermeintlich sicheren Tatsachen der eigenen Biographie. Je mehr Tony erfährt, desto unsicherer scheint das Erlebte und desto unabsehbarer die Konsequenzen für seine Zukunft.Ein Text mit unglaublichen Wendungen, der den Leser auf eine atemlose Achterbahnfahrt der Spekulationen mitnimmt.

Fazit: Neben Aciman und Dicker, habe ich mich tatsächlich in den Schreibstil von Julian Barnes verknallt. Barnes war ein Spontankauf und sogar kein schlechter. Nein. Sogar ein sehr Guter. Mit Charme, Ironie, Witz und einer herzlichen Ehrlichkeit, hat er mich gepackt. Nur schlappe 182 Seiten ist dieses kleine Juwel lang. Es gibt Momente in denen man Tony für getanes verachtet und ihn dann wieder für seine Erkenntnisse zum Leben und überhaupt gern hat. Es liest sich fließend. In einem Ruck kann man es durch haben.

4/5 Bücher


Die einzige Geschichte von Julian Barnes

Klappentext: Julian Barnes´ kunstvoller Roman über eine unkonventionelle erste Liebe, die zur lebenslangen Herausforderung wird.»Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden, oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage.«
Die erste Liebe hat lebenslange Konsequenzen, aber davon hat Paul im Alter von neunzehn keine Ahnung. Mit neunzehn ist er stolz, dass seine Liebe zur verheirateten, fast 30 Jahre älteren Susan den gesellschaftlichen Konventionen ins Gesicht spuckt. Er ist ganz sicher, in Susan die Frau fürs Leben gefunden zu haben, alles andere ist nebensächlich. Erst mit zunehmendem Alter wird Paul klar, dass die Anforderungen, die diese Liebe an ihn stellt, größer sind, als er es jemals für möglich gehalten hätte.

Fazit: Die gute, alte Liebe ist so facettenreich. Barnes kann das gut in Worte fassen. Der 19 jährige Protagonist spricht so klug und reflektiert über die Liebe und wie seine erste große Liebe sich mit den Jahren entwickelt, verändert bzw. sogar in etwas umschlägt, was er zu Beginn nicht vermag zu glauben. Ich habe hier meinen Zweitling von Barnes gelesen. Es liegen noch andere Bücher dazwischen und ich will sie alle lesen. Ich hab so viele Klebchen in dem Buch verloren, dass ich irgendwann nicht mehr mitgezählt habe, wie viele eigentlich. Tolles Buch über die Schönheit und die Tücken der Liebe.

5/5 Bücher


Das Gegenteil von Einsamkeit von Marina Keegan

Klappentext: Meisterhafte Stories voller Lebenslust!
Wenige Tage nach ihrem Yale-Abschluss starb Marina Keegan bei einem Autounfall. Sie war ein Ausnahmetalent, das der Welt brillante Texte voller Lebenslust hinterließ. Selbstbewusst und authentisch schrieb sie über Themen, die sie wie viele junge Erwachsene beschäftigten: Liebe, Lust, Eifersucht, Selbstzweifel, Geborgenheit, Ablehnung, Familie und Zukunft. Marina Keegans Stories und Essays vereinen schwerelosen, sensiblen und mitreißenden Optimismus mit ungeheurer literarischer Reife: hoffnungsvoll, wild und melancholisch. Man liest sich atemlos, lachend und mit Tränen in den Augen durch das ganze fulminante Buch.

Fazit: Es handelt sich hierbei um keinen Roman, sondern eher eine Sammlung von Kurzgeschichten und Essays. Und die sind gut. Richtig gut. Keegan hatte ein gutes Gespür für die Empfindungen ihrer Figuren. Leichtigkeit im Schreibstil und Schwermütigkeit im Wort. Also, nicht das man verstimmt, aber ihre Worte und Geschichten haben einen Nachhall, was mehr als gut ist. Würde sie noch unter uns weilen, hätte sie bestimmt schon Preise gewonnen. Nicht, dass das wichtig wäre, aber es ist halt traurig so früh und so unvorhergesehen Talente zu verlieren.

5/5 Bücher


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