Lesemonat Juli/August 2019


13 Bücher habe ich im Juli/August verschlungen. Teilweise Recherche für mein Buch. Mein Buch, dass noch kein Buch ist, sondern ein Ideenball mit dem ich spiele. Spielen macht müde und immer dann wenn mir nicht nach spielen war, habe ich gelesen. Ich stelle fest: die meisten Büche die ich las, sind von Frauen. Nicht, weil ich lieber Frauen lese. Nein, weil sie thematisch passten und in meinem Regal stehen und mich anglotzten, weil sie umgehend gelesen werden wollten.


Juli


Irgendwann werden wir uns alles erzählen von Daniela Krien

Klappentext: Sommer 1990, ein Bauerndorf nahe der deutsch-deutschen Grenze, die gerade keine mehr ist. Marie wird bald siebzehn, sie wohnt mit Johannes auf dem Hof seiner Eltern, in den „Spinnenzimmern“ unterm Dach. Sie ist zart und verträumt, verkriecht sich lieber mit den Brüdern Karamasow, als in die Schule zu gehen. Auf dem Nachbarhof lebt der vierzigjährige Henner, allein. Die Leute aus dem Dorf sind argwöhnisch: Eine Tragik, die mit seiner Vergangenheit zu tun hat, umgibt ihn; gleichzeitig erregt seine charismatische Ausstrahlung Eifersucht. Ein zufälliger Blick eines Tages, eine zufällige Berührung an einem andern lösen in Maria eine Sehnsucht aus, die fremd und übermächtig ist und sie wie von höherer Gewalt geleitet in seine Arme treibt …

Fazit: Das erste Buch in diesem Jahr, dass mich am Ende sprachlos zurück lies. Nicht, weil ich beeindruckt oder enttäuscht bin, sondern weil ich nicht genau weiß, wie ich dieses Buch einordnen soll. Die Wortwahl der Beschreibungen gefiel mir sehr nur irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich ein Buch lese, das schon Jahrhunderte alt und eigentlich aus dem Jahr 2012 ist! Klar und irgendwie roh. Gelegentlich kam mir das Wort altbacken in den Sinn. Was mir aber beleidigend erscheint. Irgendwie gefiel es mir ja und dann erhoffte ich mir irgendein Wumms, der nicht eintraf, weil er schon da war! In jedem einzelnen Wort und ich hab es nicht mitbekommen. Ich stehe dennoch ratlos da, es war nicht das beste Buch bisher, dass war eher Julian Barnes:), aber Frau Krien hat dennoch irgendetwas in mir hinterlassen, so ähnlich wie ein Erbstück von einem nicht geliebten Familienmitglied, was dennoch viel Bedeutung mit sich bringt.

4/5 Bücher


Alles, was passiert ist von Yrsa Daley-Ward

Klappentext: Dies ist die Geschichte von Yrsa Daley-Ward. Sie erzählt uns alles, was passiert ist. Auch die schrecklichen Dinge. Und die gab es weiß Gott. Sie erzählt uns von ihrer Kindheit im Nordwesten Englands, von ihrer wunderschönen, aber mit dem Leben hadernden Mutter Marcia, von deren Freund Linford, mit dem man mal Spaß, aber noch öfter Ärger hat, und von ihrem kleinen Bruder Roo, der sich in den Sternen am Himmel die ganze Welt ausmalt.
Sie erzählt vom Aufwachsen und davon, wie es ist, die Macht und Unheimlichkeit der eigenen Sexualität zu entdecken, von dunklen Stunden voller bunter Pillen und Pülverchen und von Begegnungen mit den falschen Leuten. 
Ja, sie erzählt vom Schmerz. Aber auch vom Glück.

»Wenn man Yrsa Daley-Ward liest, hält man die reine Wahrheit in Händen. Ihr Buch schwitzt und atmet vor unseren Augen, es ist ein herrliches lebendiges Wesen.« Florence Welch, Florence and the Machine

»Ein umwerfendes Buch voller lyrischer Kraft.« New York Times

Fazit: Wuchtig, ergreifend und anmutig! Etwas ungewohnt im Lesen, weil es kein typisch autobiografischer Roman ist. Zwischendrin gibt es immer wieder mal einem Gedicht gleichende Gedanken. Manchmal bleibt sprachlos zurück und dann fühlt man mit. Relität meets Realität. Das Cover ein Traum. Ja, allein das Cover zieht einen magisch an. So schlicht, so schön, so anders.

4/5 Bücher


Binjour Tristesse von Francoise Sagan

Klappentext: Françoise Sagan war erst 19, als sie mit „Bonjour tristesse“ die Welt eroberte. Ihr Roman wurde in dutzende Sprachen übersetzt, millionenfach verkauft und verfilmt. Mit großer Treffsicherheit beschreibt sie darin die Befindlichkeiten ihrer jugendlichen Hauptfigur: Cécile ist ein launischer Teenager, scharfsinnig, egoistisch, manipulativ – und dazu verdammt, den Sommer mit ihrem eitlen Vater und seiner jungen, etwas einfältigen Geliebten Elsa in einem Haus an der Côte d’Azur zu verbringen. Zunächst jedoch gelingt es Cécile, die Erwachsenen gegeneinander auszuspielen und den Aufenthalt nach ihrem Geschmack zu gestalten: in herrlicher Leichtigkeit und Freizügigkeit. Bis plötzlich die kluge Anne auftaucht, eine Freundin ihrer verstorbenen Mutter, und die sommerliche Idylle mit erzieherischer Strenge zu zerstören droht. Als der Vater Elsa verlässt und Anne heiraten will, schmiedet Cécile einen Plan – mit tragischen Konsequenzen.

Fazit: Herrje! Welche kostbare Perle ich jetzt im Bücherregal habe. Ein umwerfendes Debüt. Trotz der vielen Jahre auf den Schultern ist Bonjour Tristesse so zeitgemäß. Immer noch kraftvoll und wuchtig. Hätte ich mit 19 schon so schreiben können, dann wäre ich jetzt mit 32 genauso beeindruckt, wie jetzt ohne dieses Buch geschrieben zu haben. Lange Rede kurzer Sinn. Wo warst du nur die ganze Zeit, Sagan? Jetzt steht sie da zwischen Capote und Baldwin. Schön.

5/5 Bücher


Erinnerung eines Mädchens von Annie Ernaux

Klappentext: Mit schonungsloser Genauigkeit erzählt Annie Ernaux von ihrer ersten sexuellen Begegnung – von Macht, Ohnmacht und Unterwerfung. Von einer Wunde, die niemals ausgeheilt ist. Und vom teuer bezahlten Erkennen des eigenen Werts. Sommer 1958: Annie Duchesne wird 18 Jahre alt. Sie arbeitet als Betreuerin in einer Ferienkolonie. Sie findet in eine Clique, zusammen feiern sie Feten, genießen ihre Jugend. Und Annie ist in H. verliebt, mit ihm hat sie ihr erstes Mal. Eine Nacht, die einen anhaltenden Schock bedeutet. Auch weil H. sie fortan ignoriert, weiß sie nicht, wohin mit sich und lässt sich auf andere ein. Schnell ist sie verfemt. Was folgt, sind Ausgrenzung, der Hohn der anderen, ihre eigene Scham. 
Und Schweigen. Denn über 55 Jahre braucht Annie Ernaux, um sich dieser »Erinnerung der Scham« stellen zu können.

Fazit: Ein Buch, das einen bis ins Mark erschlägt. Mehr Worte brauche ich nicht für dieses ergreifende Buch von Annie Ernaux.

5/5 Bücher


Hingabe von Patti Smith

Klappentext: Warum schreibe ich? Ein sehr poetisches und persönliches Buch der Ausnahmekünstlerin Patti Smith.
Punk-Ikone, Musikerin, Künstlerin, Schriftstellerin. Mühelos füllt Patti Smith all diese Rollen aus. In »Hingabe« veröffentlicht sie ihre erste literarische Erzählung und gewährt Einblicke in ihren Schreibprozess.
Warum muss man schreiben? Welche geheimnisvolle Macht steht hinter jenem Drang, Gesehenes, Geschehenes und Erlebtes, Gedanken und Gefühle zu Papier zu bringen und sie auf diese Weise für sich selbst zu ordnen? Dieser Frage geht Patti Smith in ihrem neuen Buch nach, auf ihre ganz eigene, unnachahmliche Weise. Und zum ersten Mal überhaupt schreibt sie auch fiktional. Eine Erzählung über eine Eisläuferin, die von ihremTraum, einfach »nur« zu laufen, über das Eis zu gleiten, so besessen ist, dass sie bereit ist, fast alles dafür zu tun. Flankiert wird diese Erzählung von essayistischen Texten, in denen Patti Smith von ihren Reisen schreibt, die sie auf den Spuren berühmter Schriftsteller unternommen hat. Sie fährt nach Südfrankreich, in das Haus von Albert Camus, sie besucht das Grab von Simone Weil in England. Und sie durchstreift, immer mit dem Buch in der Hand, das Paris von Patrick Modiano. Jedes Erlebnis, alles, was sie sieht und fühlt, kann irgendwann Text werden. Patti Smith lässt uns teilhaben an ihrem kreativen Prozess, und wir erleben sie einmal mehr als eine der großen Künstlerinnen der Gegenwart.

Fazit: Wer Patti Smith nicht, erntet von mir einen schiefen Blick. Mit Anfang 20, also vor ungefähr 10 Jahre, legte mir ein befreundeter Musiker (älteres Semester) Horses von Patti ans Herz. Bis dato schwärmte ich für Janis Joplin. Patti eroberte mein Herz im Sturm. Patti ist eine Punk-Ikone, wie oben schon zu lesen und eine wunderbare Schriftstellerin. Ihre Biografie Just Kids ist wohl die schönste und gefühlvollste Biografie die ich bisher gelesen habe. Nun aber zu Hingabe. Patti erzählt vom Schreibprozess. Über das warum und wieso. Zudem enthält das Buch ihre erste Erzählung. Ihre Worte sind reine Kunst. Nichts klingt schöner als die Worte einer Patti Smith.

5/5 Bücher


Traumsammlerin von Patti Smith

Klappentext: Nach dem preisgekrönten Bestseller »Just Kids« nun die Kindheitserinnerungen der großen Patti Smith
Dieses wunderbar poetische, anrührende, persönliche Buch von Patti Smith enthält Texte über ihre Kindheit, Gedichte und Gedanken über das Leben, die Zeit und ihre Zeitgenossen. Der schön ausgestattete Band mit zahlreichen Fotos aus dem Besitz der Autorin ist die aktualisierte Fortschreibung einer exklusiven limitierten Ausgabe, die vor 20 Jahren in den USA erschien, und liegt nun zum ersten Mal auf Deutsch vor.Punkrock-Ikone und Dichterin. Bei Patti Smith ging das schon immer zusammen. Wer dieses kleine Buch in die Hand nimmt, wird sofort von seinem poetischen Ton gefangen genommen. Hier wirft jemand mit enormer Sensibilität und kreativer Kraft Schlaglichter auf das eigene Leben. Situationen aus Patti Smiths Kindheit, die irgendwo zwischen Traum und Wachen zu schweben scheinen, bekommen so eine besondere Eindringlichkeit. Aber auch Alltäglichem wie dem Zubereiten von Pfefferminztee oder dem Einnicken während einer Näharbeit verleiht Patti Smith mit ihren Worten geradezu spirituelles Gewicht. Die Wollsammler aus ihrer Kindheit, mit denen sie als kleines Mädchen in ihren Träumen umhergewandert ist, bilden ein immer wiederkehrendes Motiv in diesem kleinen, feinen Buch, das Poesie und Prosa auf einzigartige Weise verbindet.

Fazit: Die Traumsammlerin ist ein poetisch schönes Werk von Patti Smith. Dem Vater gewidmet und mit eigenen Kindheitserinnerungen bestückt, lächeln einen die Worte an. Sie lächeln so hell und leben von Smiths bewundernswerten emotionalen Gedächtnis. Als hätte sie immer heimlich alles aufgeschrieben. Seit ihrer Geburt. Klein und fein und schön, so schön!

5/5 Bücher


Sommerdiebe von Truman Capote

Klappentext: Vor ihr liegt ein Sommer, in dem sie einen ganzen Kontinent zwischen sich und ihrer Familie weiß: Während ihre Eltern nach Europa segeln, bleibt die 17-jährige Grady allein zurück in einem schwülen New York ohne Aircondition, dafür in einem voller Versprechen. Grady kann tun und lassen, was sie will. Und sie will eine Menge, bloß sich noch nicht in die feine Gesellschaft einfädeln, die sie nur müde macht. Sie verliebt sie sich in Clyde, einen jüdischen Jungen aus Brooklyn, der, zurück aus dem Krieg, als Parkplatzwächter arbeitet. Es ist ihr egal, dass sich ihre Mutter, einen anderen Schwiegersohn erträumt – eine standesgemäße, sichere Partie. Doch ein komfortables, risikoloses Leben ist das Letzte, was Grady interessiert. Sie schwirrt durch diese heißen Monate mit Clyde und seinen Kumpels – erfüllt von einer Sehnsucht nach einer Welt mit lauter Unbekannten, wo nichts festgeschrieben ist und stets ein Rätsel zu lösen bleibt.

Mein Fazit ist der Text unter dem Foto auf meinem Instagram-Profil: „Capote, ohne irgendein Werk von ihm gelesen zu haben, wurde mein Lieblingsschriftsteller. Der Film mit Philipp S. Hoffman katapultierte ihn in mein Herz. 2017 sammelte ich seine Werke zusammen und platzierte sie sorgfältig in mein Bücherregal. 2019. Zwei Jahre später bin ich soweit, was es damit auf sich hat, einfach so einen wildfremden, mir nicht vertrauten Schriftsteller als absoluten Fave zu betiteln. Mein Herz hat richtig gefühlt. Oh ja, Mr. Truman Capote ist wahrlich ein brillanter unter den großen. Ich beendete heute SOMMERDIEBE, sein Ursprungsdebüt. “ Mehr ist dem nicht hinzuzufügen.


August


Gut gegen Nordwind + Alle sieben Wellen von Daniel Glattauer

Klappentext: Emmi Rothner möchte per E-Mail ihr Abo der Zeitschrift „Like“ kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike. Als Emmi wieder und wieder E-Mails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher – bis sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?

Klappentext: Erstens: Sie kennen Emmi Rothner und Leo Leike? Dann haben Sie also „Gut gegen Nordwind“ gelesen, jene ungewöhnliche Liebesgeschichte, in der sich zwei Menschen, die einander nie gesehen haben, per E-Mail rettungslos verlieben. Zweitens: Für Sie ist die Geschichte von Emmi und Leo und ihrer unerfüllten Liebe abgeschlossen. Mag sein. Aber nicht für Emmi und Leo! Drittens: Sie sind der Ansicht, dass die Liebenden zumindest eine einzige wirkliche Begegnung verdient hätten und der Roman eine zweite Chance auf ein anderes Ende? Bitte, hier haben Sie’s! Viertens: Sie haben keine Ahnung, wovon hier die Rede ist? Kein Problem. In diesem Buch erfahren Sie alles: von Leos Rückkehr aus Boston, von Emmis Eheproblemen und von der siebenten Welle, die immer für Überraschungen gut ist.

Fazit: Da schaut man nichtsahnend einen Trailer und schwups befindet man sich einige Tage später in einer Buchhandlung und kauft sich das Buch inklusive Fortsetzung. Und was soll ich sagen, die Geschichte von Emmi und Leo ist ergreifend schön. Die Bücher lesen sich anhand der Mails, die sich die beiden schreiben. Also keine typische Romanform, aber flüssig und mitreißend. Wer kennt das nicht. Man schreibt sich Tage, wenn nicht sogar Wochen lang, genießt die schönen Nachrichten von einem Fremden bzw. einer Fremden, das Fantasiegerüst wird größer und schöner und man fühlt sich nah und … Für mehr Infos, bitte Buch zulegen:)

5/5 Bücher


Wir von der anderen Seite von Anika Decker

»Zum ersten Mal sehe ich mich im komplett im Spiegel. Ich bin dünn und bucklig, meine Muskeln sind verschwunden, meine Haut ist gelb von der angeschlagenen Leber. Irgendjemandem sehe ich ähnlich. Wem denn nur? Dann fällt es mir ein: Ich sehe aus wie Mr. Burns von den Simpsons! Immerhin noch Körbchengröße C. Ihr seid die echten Survivor!« (Auszug)

Klappentext: Als Rahel Wald aus einem heftigen Fiebertraum erwacht, versteht sie erst mal gar nichts. Wo ist sie, warum ist es so laut hier, was sind das für Schläuche überall. Nach und nach beginnt sie zu verstehen: Sie ist im Krankenhaus, sie lag im Koma. Doch richtig krank sein, hatte sie sich irgendwie anders vorgestellt: feierlicher, ja, heiliger. Als Komödienautorin kennt sich Rahel durchaus mit schrägen Figuren und absurden Situationen aus, aber so eine Reise von der anderen Seite zurück ins Leben ist dann doch noch mal eine eigene Nummer. Vor allem, wenn der Medikamentenentzug Albträume und winkende Eichhörnchen hervorruft. Zum Glück kann sie sich auf die bedingungslose Unterstützung ihrer verrückten Familie verlassen, die immer für sie da ist. Und noch etwas wird Rahel immer klarer: Ihr Leben ist viel zu kostbar, um es nach fremden Erwartungen auszurichten. Von jetzt an nimmt sie es selbst in die Hand.

Fazit: Oh Gott, was hab ich geweint, geschluchzt, gegluckst, geschnieft und gelacht. Es ist lange her, dass mich ein Buch durch eine Berg und Talfahrt der Emotionen gescheucht hat. Die Geschichte von Rahel berührt tief. Jeder Mensch, der mal optischen Veränderungen in seinem Leben konfrontiert wurde, kann Rahels Gefühle hierbei mehr als nachfühlen. Gönnt euch das Buch. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

5/5 Bücher


Mängelexemplar von Sarah Kuttner

Klappentext: »Die Psyche ist so viel komplizierter als eine schöne glatte Fraktur des Schädels.«
Karo lebt schnell und flexibel. Sie ist das Musterexemplar unserer Zeit: intelligent, selbstironisch und liebenswert. Als sie ihren Job verliert, ein paar falsche Freunde aussortiert und mutig ihre feige Beziehung beendet, verliert sie auf einmal den Boden unter den Füßen. Plötzlich ist die Angst da. Als auch die cleversten Selbsttäuschungen nicht mehr helfen, tritt sie verzweifelt und mit wütendem Humor ihrer Depression entgegen.
Dem Wahnwitz unserer Gegenwart gibt Sarah Kuttner eine Stimme. Lustig und tieftraurig, radikal und leidenschaftlich erzählt sie von der Verlorenheit, die manches Leben heute aushalten muss.

Fazit: Mein erstes Kuttner Buch. Kuttner schreibt wuchtig, so wuchtig, dass ich schon nach einer Seite geschafft bin. Ein komplettes Kapitel zu lesen, gleicht dem bewältigen einer Mutprobe. Ergreifend, witzig und mitfühlend. Depressionen gehören zu den Erkrankungen, neben Burnout, der Gegenwart. Wenn man das Gefühl hat nur anzuecken und unfähig ist mit dem Strom zu schwimmen. Wenn man in der Verlorenheit versinkt und unfähig ist beide Beine auf einen festen Untergrund zu stellen. Knapp 10 Jahre nach erscheinen des Buches und gut 3 Jahre nach dem ich im Kino saß und die Verfilmung sah, gab ich mir einen Ruck. Einen Ruck zum lesen. Ich wurde nicht mal ansatzweise enttäuscht. Kuttner ist gut, so richtig gut.

5/5 Bücher


Wachstumsschmerz von Sarah Kuttner

Klappentext: Wann ist denn nur alles so kompliziert geworden? Luise und Flo sind ein Paar und beschließen, endlich erwachsen zu werden. Sie suchen eine Wohnung, ziehen zusammen, schaffen sich ein gemeinsames Bett an und tanzen zu Manfred Krug durch ihre neuen Zimmer. Doch nach kurzer Zeit stehen sie im Flur nebeneinander wie zwei an der Raststätte vergessene Kinder. Luise hat das Gefühl, nur Erwachsen zu spielen. Irgendwie ist dieses Leben falsch. Als ob jemand plötzlich alles verwandelt hätte, die Regeln geändert für das Leben, ab dreißig oder so. Thirdlife Crisis: Darf man die zahllosen Möglichkeiten des Lebens einfach ignorieren und wie ungebetene Gäste vor der Tür stehen lassen? Wie kann man der Liebe vertrauen, wenn man nicht mal sich selbst vertraut? Wie konnte die Zeit nur so schnell vergehen? Und was fangen wir mit den nächsten zwei Dritteln des Lebens an? So berührend wie lustig, ernsthaft und klug erzählt die Autorin von der heillosen Überforderung durch das längst überfällige Erwachsensein und von der Sehnsucht nach einem eigenen, richtigen Leben.

Fazit: Hochaktuelle Thematik. Wie kann man sich nur sicher sein, dass …? Liebe, Job, man selbst und die Zukunft. Es gibt keine Sicherheit, aber wenn man sich nicht sicher ist, sollte man sich auch nicht in ein Korsett zwingen, in das man letztendlich doch nicht rein passt. Macht man es sich damit nicht etwas einfach? Bedeutet das, dass man feige ist. Sich gegen das mutig sein sträubt? Zu viele Fragen für meinen Geschmack. Die Beziehung der Protagonisten wirkte doch gut. Man nahm den anderen mit all seinen Macken. Die aufkommenden Zweifel, konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Das typisch Mann und typisch Frau stößte mir auch ein wenig bitter auf. War ich noch von Mängelexemplar geflasht, hinterließ Wachstumsschmerz irgendwie nur ein Schulterzucken bei mir.

3/5 Bücher


Schoßgebete von Charlotte Roche

Klappentext: Sie liegt immer auf der Lauer, ist immer kontrolliert, immer aufs Schlimmste gefasst. Nur beim Sex ist Elizabeth Kiehl plötzlich frei, nichts ist ihr peinlich. Dann vergisst sie alle Pflichten und Probleme. Und hat nur ein Ziel vor Augen – mit der Liebe ihres Lebens für immer zusammenzubleiben.

Fazit: Wer Feuchtgebiete kennt, weiß das Charlotte nicht anders kann als herrlich detailliert Vorgänge, Situationen und vor allem Tabus zu beschreiben. Das Buch startet sexuell und entwickelt sich zu einem Rückblick auf das schlimmste Ereignis der Protagonistin: der Tod ihrer drei Brüder. Ein schwerer Autounfall kurz vor ihrer Hochzeit. Kommt einem bekannt vor ne? Ja, man assoziert das gleich mit dem tragischen Ereignis von Charlotte. Wenn man das liest, was ihr da passiert ist und wie das ihr Leben verändert hat, versteht man sie und ihre heutigen Umgang mit den Medien. Schoßgebete gefiel mir sehr. Feuchtgebiete war interessant, hatte für mich aber keinen krassen Mehrwert. Höchstens einen eindringlichen Appel an die Offenheit für Tabuthemen.

5/5 Bücher

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