Ich date jetzt anders

Ich betreibe schon seit Jahren Online-Dating. Mal mehr, mal weniger. Und immer wieder hab ich mich zu Dates hinreißen lassen, die am Ende ziemlich ernüchternd waren. Ich ging mit einer Erkenntnis nach Hause „das alle Männer gleich“ sind. Stimmt natürlich nicht. Sind alle anders, nur das Dating-Verhalten ähnelte sich oder Mann war der Meinung einem bestimmten Bild Mann entsprechen zu müssen, der mir aber zuwider war und ist.

Ich hab mir Biografien angehört. Erfolgsgekrönte Stories, Stories die Mitleid bei mir erzeugten und mein Helfer-Syndrom entzückten. Jedenfalls diverse Stories. Mein Lebenslauf ist für alle immer interessant gewesen, wenn ich erzählt habe, dass ich mal „Konzerte organisiert habe“ und wurde mit einem kritischen Blick beliebäugelt, wenn ich erzählte „das ich in der Pflege arbeite“.

Viele konnten nicht verstehen, wie man das eine aufgeben konnte und das andere machen kann. Ganz einfach, ich brauche eine sinnvolle Tätigkeit. Ich hab mal eine Bürotätigkeit ausgeübt, die sehr deprimierend war in ihrer Gesamtheit und mir so sinnlos erschien, dass ich 1000x lieber in der Pflege oder generell im Gesundheits- oder Sozialwesen arbeite. Warum ich keine Konzerte mehr organisiere? Weil es sich halt so ergeben hat, ich habe es halt an einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter betrieben. Ja, Konzerte sind cool und im Vergleich zu Bürojob und Pflegetätigkeit viel cooler … aber jetzt komm ich ja doch vom Thema ab!

Meine Dates liefen in der Regel immer gleich ab. Irgendwas trinken, essen oder unternehmen. Lebenslauf runter labern und dann zum wesentlichen kommen oder vorher schon klären, was bei einer Sympathie in echt, anschließend passieren soll. Ich mag halt direkte Ehrlichkeit.

Vor ein paar Jahren konnte ich die direkte Ehrlichkeit bei Männern noch mit Preisen auszeichnen. Ich will was festes oder ich will nur das Eine. Heutzutage kommt meistens der Spruch „ja, mal schauen“ … was soll das sein? Ein Mantra? Eine Meinung? Oder die Überlegung, was man am nächsten Tag essen will?

Dieses sich treiben lassen und schauen was geht, ist für mich eine typische Sonntagsbeschäftigung in Berlin, aber nicht die Vorgehensweise beim daten!

Der Knaller sind auch Männer, die eine Freundschaft Plus suchen. Hier wird Bequemlichkeit mit permanenter Verfügbarkeit von Sex gesucht. Also, ich hole jetzt mal tief Luft. Ich möchte keinen Sex mit Freunden. Freunde sind Freunde und Schnaps ist Schnaps. Freundschaft baut man über einen längeren Zeitraum auf und nicht innerhalb von ein paar Dates und dann immer wieder mit der Prämisse, wenn der Sex gut ist, sich doch öfter zu treffen, damit es natürlich einer Freundschaft Plus entspricht. Ich hole erneut Luft. Wenn der „erste“ Sex gut ist? Man kennt sich nicht und vor allem kennt man Vorlieben und den Körper des anderen nicht. Ein weiteres Treffen vom „ersten“ Sex abhängig zu machen ist bei Männern (die diesen Vorsatz leben) angesagt, wie abstruse Modetrends. Bescheiden daneben. Fast jeder 2. Mann mit dem ich geschrieben habe, hat das von sich gegeben.

Was hoch im Kurs steht, sind Emojis im Überfluss. Küsse, Herzen und Smileys. Ich verteile gerne Küsse und Herzen und Smileys. Entscheide aber selbst wann und bei wem. Mir schrieb mal jemand, dass ihm Frauen Mitte 20 Herzen und Co ganz selbstverständlich und viel schicken und das man mir anmerkt, dass ich ne Menge durch hab mit Männern. Ah ja, Herzen und Co im Übermaß repräsentieren also ein nicht gefrustetes Gemüt. Wie gesagt, dass entscheide ich selbst wann und bei wem.

Ich bin nicht gefrustet, mich regt nur das Verhalten von Männern auf. Wäre ich gefrustet, würde ich keine Männer mehr in mein Leben lassen. Frauen alleine zur Unterhaltung reichen mir nicht. Männer unterhalten mich noch mal ganz anders.

Männer die mir, in den letzten 3 Jahren, online begegnet sind sagen gleich, dass sie erstmal nur schauen wollen. Für eine lockere Geschichte wird guter „erster“ Sex vorausgesetzt, um sich dann wieder zu treffen. Quatsch mit Soße und ich lösche den Chat und den Kontakt.

Neue Strategie: Männer die mir so kommen, schreib ich, dass das Quatsch ist und verabschiede mich natürlich ganz förmlich in einem freundlichen Schreibton oder je nach persönlicher Stimmung mit einem gepflegten löschen. Mittlerweile habe ich mir einen feministischen Fragenkatalog erstellt den ich abfrage und schließe somit Sexisten, Rassisten (na gut die erkenne ich meistens schon eher) und Biedermänner aus. Egal ob für eine Lovestory a la Bernhard & Bianca oder ganz flüchtig für ein Abenteuer a la Rockstar & Groupie. Den lege ich hier natürlich nicht offen. Manche Bekanntschaften lesen meinen Blog.

Das schränkt die Möglichkeit des Datens online natürlich ein, aber selbst Aschenputtel wurde zum aussortieren verdonnert. Nur helfen mir keine weißen Täubchen dabei.

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Menstruation

Menstruation. Ein Tabu-Thema? Ja! Seit circa 22 Jahren muss ich mich Monat für Monat mit Binden und Tampons versorgen. Ein kleiner Teil meines Taschengeldes ging früher dafür drauf und heute gehören die Produkte zu meinem monatlichen Drogerieeinkauf. Ich finde Tampons & Co könnte es ruhig kostenlos geben. Da wird man auch noch, neben dem ganzen Blut und blöden Kommentaren aus der Gesellschaft, mit Unkosten gestraft. Und mit 19% MwSt. werden die Produkte auch berechnet. Schön, unser Blut wird auch noch versteuert. Ich finde das unfair!

Kopfschmerzen, schmerzende Eierstöcke, Übelkeit & das permanente Gefühl unkontrolliert zu verbluten. Menstruieren ist kein Zuckerschlecken. Jeden Monat fühlt es sich anders an. Oft hängt es davon ab, wie du dich ernährt hast, wie ungesund du mit dir umgegangen bist, wie viel Stress du hattest und wie deine mentale Verfassung den Monat über war. All das hat Einfluss auf deine monatlichen BLOODY DAYS! Klar, wer Pille & Konsorten nimmt kann die Symptome regulieren und kontrollieren, aber gleichzeitig mutieren wir zu Hormon-Junkies und die 7 Tage in denen wir mit der Pille oder dem Ring pausieren, haben wir Entzugserscheinungen. Migräne ist hierbei ein typischer Zeitgenosse. Kann ich selbst ein Liedchen von Singen. Monat für Monat auf den Tag genau hatte ich Migräne. Mittlerweile bin ich Hormonfrei und Migränefrei! Unterleibsschmerzen und Gefühlsschwankungen nahmen etwas zu, aber das ist normal!

Es ist normal, dann vor dem Spiegel zu stehen und das Bedürfnis zu verspüren, nur noch kotzen zu wollen, weil der Anblick nicht zufrieden stellend ist. Es ist normal, seine Eiserstöcke und das Frau sein zu verfluchen. Es ist normal, an diesen Tagen für sich sein zu wollen. Es ist normal, einfach mal nicht der Sonnenschein zu sein, der sich sonst immer seinem Umfeld präsentiert. Es ist normal, im Bett bleiben zu wollen. Es ist normal, Stimmungsschwankungen zu haben. Es ist jedoch nicht normal, sich deswegen schlecht zu fühlen. Es ist auch nicht normal, dafür blöde Kommentare zu kassieren. Vor allem die Herren der Schöpfung sollten dann einfach gekonnt den Mund halten. Nur zu Erinnerung, mit was für hormonellen Begleiterscheinungen müssen ihr euch rumschlagen? Keine!

Ich glaube, mit diesen Gedanken bin ich nicht alleine. Schon als ich jünger war, ging mir das alles tierisch auf den Keks und ja ich bin froh wenn ich sie nicht mehr habe. Meine Freundinnen sind da etwas pragmatischer. Man hat sie, man lebt mit ihr und das ist dann halt so. Da bin ich ein wenig neidisch. Für mich ist das Thema irgendwie nicht so trivial. Der monatliche, emotionale Knacks in meiner Gefühlswelt macht mir jedenfalls zu schaffen und ich bin jedesmal froh, wenn ich die drei Tage elend hinter mir habe.

Erinnert ihr euch noch wie alles anfing? Das erste Mal als sie kam? Ich war 11 Jahre alt und eine der ersten in der Klasse. Mitten im Unterricht überraschte mich die rote Blutwelle. Etwas verstörend und mit dem Gedanken, dass etwas nicht in Ordnung sei ging ich nach Hause. Ich hätte Empathie gebraucht an dem Tag, aber das blieb aus. Meine Mutter meinte „jetzt hast du sie ja schon“. Dann bekam ich ein paar Binden in die Hand gedrückt und dann hatte ich sie Monat für Monat. Teilweise blieb sie sogar 8 Tage. Mit der Einnahme der Pille, war ich damals froh, dass sie dann nur noch für 3-4 Tage blieb. Und jetzt knapp zwei Jahre nach dem absetzen des Rings, den ich dann vor ein paar Jahren gegen die Pille eingetauscht hatte, pendelte sich die Dauer meiner Periode darauf ein, bleibt nie länger, aber wurde auch nicht kürzer.

Um die Bloody Days zu überstehen, bekommt immer wieder Tipps von allen Seiten. Der wohl unlogischste Tipp der mir gegeben wurde, war viel zu Essen. Essen sollte man ganz normal. Gelüste nach fettigem und süßem Essen sollte eher gezügelt werden. Verdauungsstörungen sind keine wohlgesonnen Begleiter während dieser Zeit. Sich die ganzen Tage über zu verkrümeln macht auch keinen Sinn, lässt sich manchmal wirklich nicht vermeiden, weil diverse Begleiterscheinungen wie Unterleibsschmerzen, Kopfschmerzen und Übelkeit gemeinsam in deinem Körper eine Orgie feiern, aber frische Luft und etwas schönes zu unternehmen sind die beste Ablenkung – sofern es der Alltag natürlich zulässt. Nicht immer ist sie mit unserem Leben kompatibel.

Wir haben das Jahr 2019. Die veralteten Denkmuster diesbezüglich, gibt es immer noch. Wir sind zwar alle irgendwie weltoffen, aber dann auch wieder nicht. Wollen überall und jedem unsere Meinung auftischen, aber wenn es um den eigenen Körper, die Gesundheit und sogar Sex geht werden wir kleinlaut. Es ist gut das sich so langsam viele Tabuthemen ihren Weg aus der Dunkelheit an die Oberfläche frei reden, frei schreiben und frei demonstrieren! Es ist anstrengend und unlogisch bei dem einen Thema den Mund zu halten, bei einem anderen Thema ihn wiederum weit auf zu reißen.

Dank dem Unternehmen „einhorn“ ist das Thema Menstruation mal wieder ein Thema. Während „einhorn“, neben veganen Kondomen, auch mit Tampons, Binden, Slipeinlagen & Menstruationstassen ihr Produktsortiment erweitert hat, wirken die Regale im dm jetzt etwas bunter als sonst. Die Produkte sind eine pure Farbexplosion für die Augen und können im Vorbeigehen nicht unbeachtet bleiben. Während andere bekannte Unternehmen die Thematik kleinlaut und schambehaftet bewerben und uns das Gefühl geben unsere Periode wäre ein geheimes Projekt, gehen ,,einhorn“ sehr offen damit um. Ich sag nur „Periodenneid„. Farbrausch und Offenheit sind ein Anfang und hoffentlich eine Tür durch die immer mehr Leute gehen werden…

Nehmt eure Tampons, Binden & Menstruationstassen in die Hand. Kein Scherz! Wir sollten aufhören uns zu schämen und, egal was, unauffällig auf ein WC zu schmuggeln! Trifft euch ein blöder Blick , dann denkt euch einfach das die Person PERIODENNEID hat – vielleicht hilft es ja:)

Monatsreflexion 03/19

Es ist Montag, der 25.03.19. Ich habe immer noch kein Internet und tippe meine Texte auf meinem Notebook nieder. Warum ich kein Internet habe? Also. Es passierte am 19.03.19. Ich tippte fleißig auf meinem Notebook und hörte über meine W-LAN Boxen Musik. Auf einmal ertönte keine Musik mehr aus den Boxen und WordPress speicherte keinen Buchstaben mehr von mir. Meine Welt stand still. Kein Internet, ok! Das passiert ja gelegentlich mal. Hab ich also die Zeit bis ich zur Arbeit los musste gelesen.

Ich ging dann zum Spätdienst. Ich kam abends wieder. Immer noch kein Internet und das Modem blinkte immer noch wie verrückt. Am nächsten Tag telefonierte ich mit dem Kundendienst. Es liegt eine Störung vor und bis abends sollte die behoben sein. Ich sollte ein neues Modem zugeschickt bekommen, weil meins schon ein paar Jährchen hatte und mir damit ein neues zustand. Sollte bis spätestens Montag da sein. Ich las wieder als Alternative und ging dann anschließend zur Arbeit. Abends wieder daheim. Ich war immer noch ohne Internet.

Freitag, 22.03.19. Ich hab jetzt frei und Urlaub bis Ende März. Ich rief erneut beim Kundendienst meines Internetanbieters an. Jetzt bestätigte man mir, dass mein Modem wohl doch kaputt sei und ich auf das neue warten müsse. Ach, nee! Toll! Ich war hoch erfreut.

Ich widmete mich der eigentlichen Aktivität an diesem Tag: dem Streichen meiner Küche. Am Samstag strich ich auch – ja, ich war nicht bei der Demo!

Am Sonntag machte ich nichts außer lesen und gammeln. Ich war ein leibhaftiger Couchpotato.

Und immer wieder montags. Heute bekam ich eine Mail, dass mein Modem ganz sicher bis zum 01.04.19 bei mir ankommen soll. Also quasi jeden Tag…

Diese Modem-Geschichte hat das ganze bloggen durcheinander gebracht. Ich wollte in meinem Urlaub, also ab heute, sowieso nicht bloggen, aber ich wollte zumindest vorschreiben, damit ich nicht raus komme. Pustekuchen.

Es bleibt spannend.

Ich hab mir überlegt, immer am letzten Sonntag des Monats beim open mind sunday eine Monatsreflexion zu posten. Jetzt naht der letzte Sonntag und ich hab alle Hoffnungen verloren, dass ich bis zu diesem Sonntag noch mein Modem bekomme.

Dienstag, 26.03.19. Ich bin bei meinen Eltern. Und kann in aller Ruhe mal wieder etwas Internetluft schnuppern und ein Blogbeiträge schrieben und planen.

So, aber nun ist gut von meiner Jammer-Geschichte. Was war noch so los diesen Monat?

Vom Job mag ich nicht reden. Vielleicht in der nächsten Monatsreflexion. Ich war ein paar Mal im Kino. Ich habe mir „Der Goldene Handschuh“, „Die Berufung“ und „Beale Street“ angeschaut. Von eklig über beeindruckend bis poetisch war alles vertreten.

Mitte des Monats war ich auf dem grandiosen Konzert von Florence & the Mashine. Ich glaube, dass war der schönste Moment diesen Monat. Die rothaarige Fee, die über die Bühne schwebte und ihr Feengesang in der ganzen Halle verbreitete. Schön!

Nachdem der Februar eher Mau war, was das Lesen betrifft, klappte es im März besser. Momentan versuche ich den Stapel an feministischer Literatur auf meinem Lesetisch nach und nach durchzulesen. Läuft!

Dann habe ich am WE meine Küche renoviert. Der neue Farbanstrich war nötig. Ich hab ein paar Möbel minimal verschoben und schon schaut die Küche etwas verändert aus. Leider gingen dafür fast drei Farbtöpfe drauf, aber wer es schön haben will muss auch mal leiden…

Den Rest des Urlaubs verbringe ich mit Verabredungen und lesen und so richtig bloggen werden ich wahrscheinlich erst wieder, wenn mein Modem da ist.

Irgendwas fehlt! Ach, jetzt hab ich es. Ich hatte ja Netflix & Co. gekündigt und vermisste sie nicht wirklich, wenn ich mal Lust auf einem Film hatte bot die Mediathek von ein paar TV Sendern auch ausreichend.

Das war der März. Ich hörte das Wetter soll im April um einiges besser werden …

Die Berufung

GENRE: Filmbiografie
REGIE: Mimi Leder
DARSTELLER: Felicity Jones, Arnie Hammer, Kathy Bates u.a.
DREHBUCH: Daniel Stiepleman
KINOSTART: 07.03.2019
FSK: 0

Ruth Bader Ginsberg’s Leben wurde verfilmt. Zumindest der Teil bis zu dem Punkt als Ruth endlich vor einem Gericht steht und das macht, wofür sie an der Harvard University gelernt hat. Der Film beginnt mit der Aufnahme an Harvard. Bis zu ihrem Abschluss als Juristin und bereit für den Arbeitsmarkt, erlebt Ruth privat ein paar Rückschläge. In der Berufswelt angekommen wird es nicht einfacher. Keine Anwaltskanzlei möchte sie einstellen. Die Voraussetzungen hierfür hat sie alle mal. Es liegt wohl an den weiblichen Attributen, die ihr hierbei im Weg stehen.

Letztendlich nimmt sie eine Stelle als Professorin an einer Universität an. Die Jahre ziehen ins Land und wir befinden uns in den beginnenden 70er Jahren. Ruth und ihr Mann Marty haben mittlerweile zwei Kinder.

Ruth hat jetzt eine Chance bekommen um ihr können als fähige Juristn unter Beweis zu stellen …

Mir hat der Film sehr gefallen. Er ist zwar etwas a la Hollywood, aber er hat mich tief berührt. Schon allein in Zeiten der neu aufgeweckten Feminismus-Bewegung bzw. Debatte. Der Film bestärkt die eigene Meinung kund zu tun und vor Kritikern nicht zurück zu schrecken.

Weiblich, Single & Fabelhaft

Das ich Märchen mag, habe ich ja schon öfter erwähnt. Ich hab sie nie in Frage gestellt bis … ja bis jetzt! Also, ganz realistisch und in Zahlen gefasst bis letztes Jahr September. Ich bin mit dem Glauben aufgewachsen, dass es das Ziel einer jeden Frau ist vom Markt weg geheiratet zu werden. Ich habe das nie hinterfragt. Habe es hingenommen und krampfhaft versucht in mein Leben zu integrieren. Ich habe wie bekloppt ein Date nach dem anderen gehabt. Nur um mir mit Anfang 30 einreden zu lassen, dass mein Singlezustand mich merkwürdig und zu anspruchsvoll erscheinen lässt und für die Gesellschaft bin ich ohne Mann und Kind ein unvollständiges Exemplar.

Gerade die Älteren wollen mir das immer einreden. Sie wollen mir einreden ich brauche dies und ich brauche jenes. Sie sagen ich wäre nur glücklich und vor allem vollständig mit Mann und einem Kind. Nein, am besten 3-4 Kinder, da ich ja gern was zu tun habe. Bin ich eine Gebärmaschine? Ohne jetzt alle Frauen mit einer Heerschar von Kindern zu beleidigen, aber Geburten sind nicht ohne. Ich will ehrlich sein, ja ein Kinderwunsch ist vorhanden, aber ganz far far away irgendwo in der hintersten Ecke meines Gehirns. Ein Kinderwunsch ist für mich ein Gemeinschaftswunsch. Das bedarf einen männlichen Gegenpart. Ich liebe ja heterosexuell. Allein diesen Wunsch umzusetzen, steht für mich außer Frage. Bisher hat diesen Wunsch auch noch kein Mann aus dieser besagten Abstellkammer herausgeholt und mir bei einem romantischen Candle-Light-Dinner präsentiert. Der Wunsch setzt auch weiterhin Staub an. Manchmal sauge ich um ihn herum, wie mit einem Staubwedel um die Bücher in meinem Bücherregal.

Mein Freundeskreis und meine Eltern sind da etwas geschmeidiger. Die glauben zwar auch alle „das mich irgendwann einmal der Richtige“ aus meinem alleinigen Dasein befreien wird, hauen mir aber nicht ständig irgendwelche Sprüche um die Ohren. Ich mache auch kein Geheimnis daraus, dass ich flüchtigen Bekanntschaften nicht abgeneigt bin – bin ja keine Nonne. Lieber bete ich Aphrodite an als die heilige Maria.

Fakt ist, wir sind nicht unvollständig, weil wir Single sind. Und warum werden hierbei immer nur Frauen komisch angeschaut? Warum wirft man ledigen Männern keinen missbilligenden Blick zu? Wir Frauen werden immer ganz traurig angeschaut und dann kommt sowas wie „du Arme“ oder „der Richtige kommt schon noch“. Ledige Männer klopft man auf die Schulter und dann sagt man ihnen sowas wie „du musst dir halt noch richtig die Hörner abstoßen“. Ich glaube, ich spreche hier für viele Männer, dass das nicht der Wahrheit entspricht. Auch Männer haben bestimmte Vorstellungen von einer Frau an ihrer Seite. Oder?

Früher war Partnersuche viel einfacher. Ein Date. Bums. Verheiratet. Mir kann keiner erzählen, dass man sich früher Zeit gelassen hat mit der Partnerwahl. Man nehme die Scheidungsquote oder schaue sich die Unzufriedenheit in langjährigen Beziehungen an. Das spricht sicherlich nicht für jedes Paar, aber wie viele Trennungen von Elternpaaren aus meiner Schulzeit habe ich mit erlebt? So einige.

Mit Anfang 30 fühle ich mich viel wohler in meiner Haut als mit Anfang 20. Nur, leider muss ich mich wegen meiner Situation noch mehr rechtfertigen als mit 25. Da war man ja noch in seinen wilden Zeiten und bekam zu hören mit 30 wird alles anders. Damals durfte ich mir aber auch schon anhören „mit 30 nimmt dich keiner mehr“. Hmm, ich kann mich da ehrlich gesagt nicht beklagen. Angebot und Nachfrage stehen im Gleichgewicht. Und warum sagt man sowas, die Realität sieht wahrlich anders aus. Menschen jeden Alters suchen sich durch ihre Stadt nach einem passenden Gegenstück.

Ich lese derzeit ein interessantes Buch zu diesem Thema Singledasein und wie ok das eigentlich ist. Die Autorin nimmt alles auseinander … dazu irgendwann mal mehr.

Doch was hat jetzt eigentlich dieses Licht der Erkenntnis zum aufleuchten gebracht – im September? Ich war auf einer Hochzeit. Ich war die Trauzeugin der Braut. Eine langjährige Freundin von mir hat geheiratet und ich durfte diesen Tag mit ihr zusammen von morgens bis abends erleben. Friseur, Trauung, Sektempfang und und und …

Und da zwischen den ganzen Schnapsgläsern, den Unterhaltungen, der Musik unserer Jugend und dem guten Essen, kam mir immer wieder diese Frage auf : Wäre das auch etwas für mich? Jetzt nicht das heiraten, dass kann ich mir vorstellen, aber diese Sache mit der monogamen Beziehung?

In den vergangenen zwei Jahren habe ich mir diese Frage öfter gestellt, aber nie laut. Den ich bin nur von monogamen Beziehungen umgeben, die alles merkwürdig finden, was nicht monogam ist. Oder man tobt sich halt länger aus, bevor man doch wie sie, endlich sesshaft wird.

An diesem Tag, wurde die Frage in meinem Kopf immer lauter und lauter und irgendwann beim vierten Malteser schrie sie mich förmlich an. Monogamie gibt es auch erst seit ein paar hundert Jahren. Aber irgendwie lange genug um uns glauben zu lassen, dass es das einzige Beziehungsmodell ist, das einen dauerhaften, gesicherten Platz in unserer Gesellschaft hat.

Ich will sie ja nicht schlecht reden, aber andere Modelle sollte man nicht auch ausschließen. Für fragwürdig oder unnatürlich erklären. Polygamie ist natürlicher als man denkt. Die Geschichte ist der der beste Beweis.

Vielleicht begegnet mir wirklich mal jemand, der diese Gedanken in mir erlischt oder diese sogar mit mir teilt. Beides wäre fulminant.

Ich & der Feminismus

Ich stelle mir dieser Tage eine ganz bestimmte Frage: Bin ich eine Feministin? Ich bin für Gleichberechtigung. Ich bin für Gleichstellung. Ich bin für … für alles das Frau und Mann auf Augenhöhe kommunizieren und miteinander agieren und nicht gegeneinander konkurrieren lässt.

Das die Realität anders ausschaut, weiß ich. Bin ja nicht blind.

Svenja Gräfen bringt es auf den Punkt.

Es ist 2019. Uns, den Millennials geht es an sich ja gut. Uns stehen die Türen offen. Wir können lieben wen wir wollen, keiner guckt mehr komisch. Wir können leben wie wir wollen. Ja, eigentlich müssten wir doch vor Glückseligkeit nur noch grinsen wie ein Honigkuchenpferd.

Falsch!

Wir können vieles, machen aber wenig. Leben alte Traditionen des verstaubten Systems weiter. Sprich: Wir, die jungen Emanzen, beginnende 30 und mitten im Leben, stecken der Familie wegen, immer noch zurück. Verdrücken uns in die Teilzeitarbeit, stellen berufliche Verwirklichungen hinter einen Kinderwunsch und erfreuen uns an Küchenmaschinen, Veganismus und Minimalismus. Männer nehmen immer noch wortlos die Rolle des Ernährers ein und sind – nicht alle – irgendwie froh, wenn sie nach einem Arbeitstag nicht mehr allzu viel im Haushalt machen müssen bzw. haben nur ein paar bestimmte Aufgaben. Kindererziehung ist auch heute noch ein Aufgabenfeld, was kommentarlos von den Frauen übernommen wird.

Ich bin zwar Single, aber nicht weniger glücklich. Ein Spaziergang durch Pankow, Prenzlauer Berg oder Friedrichshain offenbart mir dieses Bild. Ich muss nicht liiert und schwanger sein um das zu sehen.

Halt! Stop!

Jede Generation hat zwei Gruppen. Die eine die kommentarlos viele Verhaltensweisen der vorherigen Generation übernimmt, sie nicht in Frage stellt, das System so akzeptiert wie es ist. Und dann gibt es noch die, die etwas bewegen wollen, wissen das sie auf Widerstand stoßen, dass es Altersarmut geben wird, aber wissen auch, das wir die Generation sind, die etwas verändern muss. Jetzt stimmt der Spruch mal: Wir sind die Zukunft.

Single sein, ist mittlerweile keine Seltenheit. Wenn man keinen passenden Deckel zum eigenen Topf findet, versinkt man nicht in Traurigkeit. Flennen bringt nix, davon füllt sich auch kein Bett. Nach vorne schauen heißt die Devise! Die unzähligen Möglichkeiten, die sich einem beruflich auftun, werden bis aufs Mark getestet und ausgeschöpft. Ob ein Deckel nochmal den Weg unseres Topfes kreuzt, stellen wir erstmal in den Hintergrund, aber immer in Reichweite und schnell zu greifen. Oder man lebt die Moderne einer gleichberechtigten Partnerschaft, in der sich beide gleichermaßen die Pflichten im Haushalt und in der Kindererziehung teilen. Einer den anderen unterstützt und mal für eine gewisse Zeit sich um alles kümmert, wenn der andere sich selbst verwirklichen möchte. Das zeugt von Verständnis und Vertrauen in die Partnerschaft, die man miteinander führt. Das ist keine Seltenheit, aber auf die breite Masse verteilt, dann doch seltener zu finden als man es sich vorstellen mag. Traurig. Wirklich traurig.

Meine Mutti schleifte mich immer mit in die Küche. Man müsse doch als Frau kochen können. Selbst wenn die Nähmaschine zum Vorschein kam, blieb das kleine Mona-Ich nicht verschont. Ich hab kein Nerv fürs nähen, dass machte ich meiner Mutter grimmig und lautstark deutlich. Stricken können, hat mich auch nicht interessiert. Drei Generationen haben probiert mir die Strickkunst nahe zu bringen. Oma, Mutti und eine Freundin. Mutti hat ihr bestes versucht. Sie kannte es ja nicht anders. Unvorstellbar, dass die eigene Tochter sich dafür nicht interessierte. Ich frage heute noch regelmäßig nach dem Rezept von ihrer Kartoffelsuppe oder den Senfeiern. Andere haben Google, ich hab Mutti.

Bei meinen Eltern gibt es auch die typische Rollenverteilung. Muss ich nicht weiter erklären, oder? Ohne Quatsch, ich fand das schon immer doof. Da sind doch zwei Menschen, warum kümmert sich nur ein Mensch um alles? Damals als Tochter im elterlichen Nest stand für mich fest: Sowas will ich nicht. Ich bin für Gleichberechtigung. Jeder kann abwaschen – gut, gibt ja mittlerweile Geschirrspüler, aber auch den können beide befüllen und nicht nur eine im Haushalt lebende Person. Müll wegbringen können auch beide – man muss nicht nur Männer in die Muff-Kammer schicken. Wäsche waschen ist nicht schwer. Wir bedienen ja in der Regel höchstens 4 Programme, dass kriegen Männer auch gebacken bzw. gibt auch genügend Frauen, denen es schwer fällt eine Waschmaschine zu bedienen.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich halte nichts und habe noch nie etwas von der typischen Rollenverteilung gehalten. Meine Gerechtigkeitssinn verfiel der frühreifen Beurteilung meines Umfeldes.

Das ist wie mit dem Totschweigen von bestimmten Themen. Menstruation zum Beispiel. Es ist 2019! Warum ist es uns Frauen immer noch unangenehm, ganz unauffällig eine Binde oder ein Tampon aus der Handtasche zu nehmen und damit auf der Toilette zu verschwinden? Wir sind Frauen und keine Monster. Wir bluten, weil wir Frauen sind. Blöde Sprüche von Männern hierzu sind einfach nur diskriminierend und Frauen sind da auch nicht besser. Wenn wir uns gegenseitig dabei unterstützen würden und offen über unseren Zyklus sprechen würden, diese Thematik einfach enttabuisieren würden, dann würden auch Männer nicht mehr so abwertend daher reden. Glaube ich zumindest. Zu diesem Thema schreibe ich an anderer Stelle mehr dazu…

Fakt ist, wer schweigt, wird nix verändern können. Ich würde mir also weniger Gedanken darüber machen, ob man eine Feministin ist oder nicht, denn auch Feminismus kann falsch interpretiert werden. Es gibt viele Frauen, die sich als Feministin bezeichnen, aber ein typisch konservatives Leben leben. Mit typischen Rollenverteilungen, aber nebenbei emanzipierter sind als die Damen der 1950er Ära.

Wir benötigen eine Auflockerung der Rollenverteilung. Wenn Männer sich dazu bereit erklären, sich selbstlos um die Kindererziehung zu kümmern und im Job kürzer treten, dann werden sie gelobt und bejubelt. Ist man eine Frau und macht das, wird es als normal und selbstverständlich hingenommen. Das ist halt so! Das ist das System, dass ja schon soooooo viele Jahre auf dieser Basis gut funktioniert.

Wäre es nicht eine Weiterentwicklung, wenn es normal wäre, Männer sich ganz selbstverständlich hierfür bereit erklären? Wäre es nicht ideal, bei vorhandenen finanziellen Möglichkeiten, wenn beide Elternteile in Teilzeit gehen würden und gleichberechtigt die Erziehung des Kindes übernehmen? Würden dadurch nicht mehr Paare länger oder sogar ein Leben lang zusammen bleiben? Die Scheidungsrate sinken, weil die Unzufriedenheit innerhalb der Partnerschaft nicht mehr bestünde, weil ja Aufgaben gleichberechtigt verteilt werden und man dadurch mehr Zeit für die Partnerschaft an sich hat? Unsere Gesellschaft ist auf Kinder angewiesen. Wir erhalten Rente basierend auf einem Generationenvertrag. Aber wenn wir dieses System aufrecht erhalten wollen, muss sich etwas grundlegendes verändern: das Bild von Frau und Mann in unserer Gesellschaft.

Ob ich eine Feministin bin? In erster Linie bin ich Mensch mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Eine Frau, der die Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft bewusst ist aktiv werden möchte. Nicht mehr und nicht weniger.