Menstruation

Menstruation. Ein Tabu-Thema? Ja! Seit circa 22 Jahren muss ich mich Monat für Monat mit Binden und Tampons versorgen. Ein kleiner Teil meines Taschengeldes ging früher dafür drauf und heute gehören die Produkte zu meinem monatlichen Drogerieeinkauf. Ich finde Tampons & Co könnte es ruhig kostenlos geben. Da wird man auch noch, neben dem ganzen Blut und blöden Kommentaren aus der Gesellschaft, mit Unkosten gestraft. Und mit 19% MwSt. werden die Produkte auch berechnet. Schön, unser Blut wird auch noch versteuert. Ich finde das unfair!

Kopfschmerzen, schmerzende Eierstöcke, Übelkeit & das permanente Gefühl unkontrolliert zu verbluten. Menstruieren ist kein Zuckerschlecken. Jeden Monat fühlt es sich anders an. Oft hängt es davon ab, wie du dich ernährt hast, wie ungesund du mit dir umgegangen bist, wie viel Stress du hattest und wie deine mentale Verfassung den Monat über war. All das hat Einfluss auf deine monatlichen BLOODY DAYS! Klar, wer Pille & Konsorten nimmt kann die Symptome regulieren und kontrollieren, aber gleichzeitig mutieren wir zu Hormon-Junkies und die 7 Tage in denen wir mit der Pille oder dem Ring pausieren, haben wir Entzugserscheinungen. Migräne ist hierbei ein typischer Zeitgenosse. Kann ich selbst ein Liedchen von Singen. Monat für Monat auf den Tag genau hatte ich Migräne. Mittlerweile bin ich Hormonfrei und Migränefrei! Unterleibsschmerzen und Gefühlsschwankungen nahmen etwas zu, aber das ist normal!

Es ist normal, dann vor dem Spiegel zu stehen und das Bedürfnis zu verspüren, nur noch kotzen zu wollen, weil der Anblick nicht zufrieden stellend ist. Es ist normal, seine Eiserstöcke und das Frau sein zu verfluchen. Es ist normal, an diesen Tagen für sich sein zu wollen. Es ist normal, einfach mal nicht der Sonnenschein zu sein, der sich sonst immer seinem Umfeld präsentiert. Es ist normal, im Bett bleiben zu wollen. Es ist normal, Stimmungsschwankungen zu haben. Es ist jedoch nicht normal, sich deswegen schlecht zu fühlen. Es ist auch nicht normal, dafür blöde Kommentare zu kassieren. Vor allem die Herren der Schöpfung sollten dann einfach gekonnt den Mund halten. Nur zu Erinnerung, mit was für hormonellen Begleiterscheinungen müssen ihr euch rumschlagen? Keine!

Ich glaube, mit diesen Gedanken bin ich nicht alleine. Schon als ich jünger war, ging mir das alles tierisch auf den Keks und ja ich bin froh wenn ich sie nicht mehr habe. Meine Freundinnen sind da etwas pragmatischer. Man hat sie, man lebt mit ihr und das ist dann halt so. Da bin ich ein wenig neidisch. Für mich ist das Thema irgendwie nicht so trivial. Der monatliche, emotionale Knacks in meiner Gefühlswelt macht mir jedenfalls zu schaffen und ich bin jedesmal froh, wenn ich die drei Tage elend hinter mir habe.

Erinnert ihr euch noch wie alles anfing? Das erste Mal als sie kam? Ich war 11 Jahre alt und eine der ersten in der Klasse. Mitten im Unterricht überraschte mich die rote Blutwelle. Etwas verstörend und mit dem Gedanken, dass etwas nicht in Ordnung sei ging ich nach Hause. Ich hätte Empathie gebraucht an dem Tag, aber das blieb aus. Meine Mutter meinte „jetzt hast du sie ja schon“. Dann bekam ich ein paar Binden in die Hand gedrückt und dann hatte ich sie Monat für Monat. Teilweise blieb sie sogar 8 Tage. Mit der Einnahme der Pille, war ich damals froh, dass sie dann nur noch für 3-4 Tage blieb. Und jetzt knapp zwei Jahre nach dem absetzen des Rings, den ich dann vor ein paar Jahren gegen die Pille eingetauscht hatte, pendelte sich die Dauer meiner Periode darauf ein, bleibt nie länger, aber wurde auch nicht kürzer.

Um die Bloody Days zu überstehen, bekommt immer wieder Tipps von allen Seiten. Der wohl unlogischste Tipp der mir gegeben wurde, war viel zu Essen. Essen sollte man ganz normal. Gelüste nach fettigem und süßem Essen sollte eher gezügelt werden. Verdauungsstörungen sind keine wohlgesonnen Begleiter während dieser Zeit. Sich die ganzen Tage über zu verkrümeln macht auch keinen Sinn, lässt sich manchmal wirklich nicht vermeiden, weil diverse Begleiterscheinungen wie Unterleibsschmerzen, Kopfschmerzen und Übelkeit gemeinsam in deinem Körper eine Orgie feiern, aber frische Luft und etwas schönes zu unternehmen sind die beste Ablenkung – sofern es der Alltag natürlich zulässt. Nicht immer ist sie mit unserem Leben kompatibel.

Wir haben das Jahr 2019. Die veralteten Denkmuster diesbezüglich, gibt es immer noch. Wir sind zwar alle irgendwie weltoffen, aber dann auch wieder nicht. Wollen überall und jedem unsere Meinung auftischen, aber wenn es um den eigenen Körper, die Gesundheit und sogar Sex geht werden wir kleinlaut. Es ist gut das sich so langsam viele Tabuthemen ihren Weg aus der Dunkelheit an die Oberfläche frei reden, frei schreiben und frei demonstrieren! Es ist anstrengend und unlogisch bei dem einen Thema den Mund zu halten, bei einem anderen Thema ihn wiederum weit auf zu reißen.

Dank dem Unternehmen „einhorn“ ist das Thema Menstruation mal wieder ein Thema. Während „einhorn“, neben veganen Kondomen, auch mit Tampons, Binden, Slipeinlagen & Menstruationstassen ihr Produktsortiment erweitert hat, wirken die Regale im dm jetzt etwas bunter als sonst. Die Produkte sind eine pure Farbexplosion für die Augen und können im Vorbeigehen nicht unbeachtet bleiben. Während andere bekannte Unternehmen die Thematik kleinlaut und schambehaftet bewerben und uns das Gefühl geben unsere Periode wäre ein geheimes Projekt, gehen ,,einhorn“ sehr offen damit um. Ich sag nur „Periodenneid„. Farbrausch und Offenheit sind ein Anfang und hoffentlich eine Tür durch die immer mehr Leute gehen werden…

Nehmt eure Tampons, Binden & Menstruationstassen in die Hand. Kein Scherz! Wir sollten aufhören uns zu schämen und, egal was, unauffällig auf ein WC zu schmuggeln! Trifft euch ein blöder Blick , dann denkt euch einfach das die Person PERIODENNEID hat – vielleicht hilft es ja:)

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Monatsreflexion 03/19

Es ist Montag, der 25.03.19. Ich habe immer noch kein Internet und tippe meine Texte auf meinem Notebook nieder. Warum ich kein Internet habe? Also. Es passierte am 19.03.19. Ich tippte fleißig auf meinem Notebook und hörte über meine W-LAN Boxen Musik. Auf einmal ertönte keine Musik mehr aus den Boxen und WordPress speicherte keinen Buchstaben mehr von mir. Meine Welt stand still. Kein Internet, ok! Das passiert ja gelegentlich mal. Hab ich also die Zeit bis ich zur Arbeit los musste gelesen.

Ich ging dann zum Spätdienst. Ich kam abends wieder. Immer noch kein Internet und das Modem blinkte immer noch wie verrückt. Am nächsten Tag telefonierte ich mit dem Kundendienst. Es liegt eine Störung vor und bis abends sollte die behoben sein. Ich sollte ein neues Modem zugeschickt bekommen, weil meins schon ein paar Jährchen hatte und mir damit ein neues zustand. Sollte bis spätestens Montag da sein. Ich las wieder als Alternative und ging dann anschließend zur Arbeit. Abends wieder daheim. Ich war immer noch ohne Internet.

Freitag, 22.03.19. Ich hab jetzt frei und Urlaub bis Ende März. Ich rief erneut beim Kundendienst meines Internetanbieters an. Jetzt bestätigte man mir, dass mein Modem wohl doch kaputt sei und ich auf das neue warten müsse. Ach, nee! Toll! Ich war hoch erfreut.

Ich widmete mich der eigentlichen Aktivität an diesem Tag: dem Streichen meiner Küche. Am Samstag strich ich auch – ja, ich war nicht bei der Demo!

Am Sonntag machte ich nichts außer lesen und gammeln. Ich war ein leibhaftiger Couchpotato.

Und immer wieder montags. Heute bekam ich eine Mail, dass mein Modem ganz sicher bis zum 01.04.19 bei mir ankommen soll. Also quasi jeden Tag…

Diese Modem-Geschichte hat das ganze bloggen durcheinander gebracht. Ich wollte in meinem Urlaub, also ab heute, sowieso nicht bloggen, aber ich wollte zumindest vorschreiben, damit ich nicht raus komme. Pustekuchen.

Es bleibt spannend.

Ich hab mir überlegt, immer am letzten Sonntag des Monats beim open mind sunday eine Monatsreflexion zu posten. Jetzt naht der letzte Sonntag und ich hab alle Hoffnungen verloren, dass ich bis zu diesem Sonntag noch mein Modem bekomme.

Dienstag, 26.03.19. Ich bin bei meinen Eltern. Und kann in aller Ruhe mal wieder etwas Internetluft schnuppern und ein Blogbeiträge schrieben und planen.

So, aber nun ist gut von meiner Jammer-Geschichte. Was war noch so los diesen Monat?

Vom Job mag ich nicht reden. Vielleicht in der nächsten Monatsreflexion. Ich war ein paar Mal im Kino. Ich habe mir „Der Goldene Handschuh“, „Die Berufung“ und „Beale Street“ angeschaut. Von eklig über beeindruckend bis poetisch war alles vertreten.

Mitte des Monats war ich auf dem grandiosen Konzert von Florence & the Mashine. Ich glaube, dass war der schönste Moment diesen Monat. Die rothaarige Fee, die über die Bühne schwebte und ihr Feengesang in der ganzen Halle verbreitete. Schön!

Nachdem der Februar eher Mau war, was das Lesen betrifft, klappte es im März besser. Momentan versuche ich den Stapel an feministischer Literatur auf meinem Lesetisch nach und nach durchzulesen. Läuft!

Dann habe ich am WE meine Küche renoviert. Der neue Farbanstrich war nötig. Ich hab ein paar Möbel minimal verschoben und schon schaut die Küche etwas verändert aus. Leider gingen dafür fast drei Farbtöpfe drauf, aber wer es schön haben will muss auch mal leiden…

Den Rest des Urlaubs verbringe ich mit Verabredungen und lesen und so richtig bloggen werden ich wahrscheinlich erst wieder, wenn mein Modem da ist.

Irgendwas fehlt! Ach, jetzt hab ich es. Ich hatte ja Netflix & Co. gekündigt und vermisste sie nicht wirklich, wenn ich mal Lust auf einem Film hatte bot die Mediathek von ein paar TV Sendern auch ausreichend.

Das war der März. Ich hörte das Wetter soll im April um einiges besser werden …

Neugierig & Unerschrocken

Fast 3 Monate hat das Jahr schon geschafft. Es ist immer noch kalt, aber nicht mehr so kalt wie vor 6 Jahren. Da war ich um die Zeit in London und Paris und zurück in Berlin durchfluteten mich eisige Temperaturen.

Doch derzeit haben wir Aprilwetter mit einem Hauch Novemberwetter. Wohin soll das nur führen?

Aber ich mag nicht weiter vom Wetter reden. Es ist Samstag Vormittag. Mein Kopf brummt. Die Wirkung der Kopfschmerztablette mitten im Wirkungsprozess. Die Nacht war schlaflos, weil der gute alt Freund Vollmond mal nicht in einer Bar abhängt. Er hat sich raus getraut. Mal keinen Tropfen Alkohol zu sich genommen.

Terroranschlag in Neuseeland. Jeder twittert.

Und ich befinde mich in einer neuen Phase meines Lebens. Das hab ich letzte Woche so beschlossen. So einfach geht das.

Ich fühle mich durchflutet mit Unerschrockenheit und Neugierde. Das passiv gelebte 2018, hab ich hinter mir gelassen. Mehr aktiv sein und weniger passiv bleiben. Ein Mix aus alte Verhaltensweisen ablegen, hinterfragen und neues mit offenen Armen empfangen und lieb haben.

Ich entdecke gerade eine Menge neues für mich. Meine Denkweise wird analytischer. Ich hinterfrage meinen kleinen Kosmos. Was kann ich behalten und was will hinauswerfen. Immer weitergehen.

Ich habe jede Menge Münzen für mein Gedankenkarussell gesammelt und werfe mit Begeisterung zur jeder vollen Stunde eine Münze rein. Bewegender Fortschritt, statt schmollende Stagnation.

Ich date wieder. Ganz ohne Absichten. Nur aus Freude am Kennenlernen.

Demnächst probier ich mal was aus. Etwas, dass mit Selbstliebe zu tun hat.

Ich freu mich auf den Frühling. Auf meinen Urlaub Ende März besonders. Seele baumeln lassen ohne Reue.

Im Urlaub nicht bloggen. Renovieren, Menschen treffen und Lesen. Nicht mehr und nicht weniger. Buchidee vorantreiben …

Mach’s dir selbst!

Wer das liest scheint ein offener Typ Mensch zu sein. Verspürte Neugier beim lesen des Titels oder fragte sich: Warum schreibt sie jetzt auch noch darüber? Alles ist möglich, denn alle drei Varianten entsprechen der Realität. Ich schreibe heute bestimmt nicht über das Tabu-Thema überhaupt, aber ich finde es erwähnenswürdig.

Ich sag mal Du. Hallo Du. Wie stehst du zum Thema Selbstbefriedigung? Machst du es dir selbst? Oder ist dir das Thema vielleicht zu unangenehm? Egal! Ich lade dich hiermit ganz herzlich ein, dir den folgenden Text durchzulesen. By the way – warum gibt es für uns Frauen keine wirklich gute Bezeichnung für das, was wir da mit uns machen …? Einen runter holen oder einen von der Palme wedeln trifft es ja nicht mal ansatzweise. Und auch die Verniedlichung der Sugababes mit ihrem Hit PUSH THE BUTTON machte die Suche nach einer passenden Bezeichnung nicht leichter.

Ja, es geht um Selbstbefriedigung! Irgendwie erscheint es mir 2019 immer noch wie ein Tabu-Thema aus der ersten Reihe. Es hat doch weder mit Religion, Herkunft, Geschlecht, Alter (ok, ab dem Teenageralter) … jedenfalls mit keinem dieser benannten Punkte hat es etwas zu tun. Es ist wie es ist, ein Akt der Selbstliebe. Die Akzeptanz zum eigenen Körper und der verspürten Lust nach Berührungen. Die Lust auf Fummel-Orgien.

Du und ich. Wir haben Sex. Nicht miteinander, aber mit anderen Menschen. Sprechen darüber. Ja, lästern sogar darüber. Gut, das ist jetzt fies, aber lästern tun wir auch nur, weil wir im richtigen Moment nicht den Mund aufkriegen und wie eine Marionette uns der Lust unseres Gegenübers ausliefern. Und irgendwie genervt sind, weil dabei  nicht das für uns herausgekommen ist, was wir uns erhofft haben. Beim Sex mit uns selbst und vor allem überhaupt darüber zu sprechen, da laufen wir meistens so rot an wie eine reife Erdbeere auf Karl’s Erdbeerhof.

Ich plädiere für mehr Offenheit. Vergesst Dr. Sommer & Co. – jetzt komme ich! Oder zumindest rate ich den Teenies von heute sich nicht an die Bravo zu halten. Die hat mich früher eher verstört als mir zu helfen. Zudem trägt sie zu einer Verzerrung der Darstellung der modernen Frau dar. Wendet euch lieber an Frau Henning! Die hat ein Buch und eine Fernsehsendung mit dem Titel Make Love auf die Welt los gelassen. Prädikat wertvoll, sag ich nur!

Ich übe mich selbst jedesmal im äußern von Bedürfnissen, Wünschen und Fantasien. Jedesmal der gleiche Drahtseilakt, den ich da bewältige.

Uns begegnen im Laufe der Zeit genügend Menschen. Ich bin immer froh, wenn mir jemand begegnet, der offen ist. Da fühlt sich mein loses Mundwerk gleich viel wohler. Unsicher werde ich eher, wenn ich merke, das mich mein Gegenüber mit großen Augen anschaut, wenn ich zu hemmungslos mit meinen Worten jongliere.

Jede Begegnung ist eine neue Herausforderung, die es gilt zu meistern!

Zurück zum selber machen. Bitte, gebt dem Mädchen endlich einen Namen! Ich drücke doch kein Knöpfe!

Egal, ob du in einer Beziehung bist oder Single, Mingle oder sonst irgendwas. Sich selbst zu befriedigen tut gut. Ein kleiner Hormonvulkan der dabei überschäumt. Dich glücklich macht, entspannt und das Selbstbewusstsein stärkt. Du lernst deinen Körper und deine Bedürfnisse dadurch besser kennen oder lernst etwas neues dazu, denn nur du weißt, was den kleinen Vulkan der Lust zum überkochen bringt. Auf die Finger fertig los! Oder Vibratoren, Satisfyer oder was auch immer… Hauptsache irgendein Studienlehrgang der Lustforschung anhand des eigenen Körpers und das rein praktisch!

Single vs. Beziehung

Ich nehme mich als Single. Ich bin große Befürworterin der Selbstbefriedigung. Das kann schnell und leichtfertig genau deshalb abgestempelt werden, weil du oder ich Single bist/bin. Weil du nur dich zur Stimulierung deines Lustzentrums hast. Meine Lieben, da bewegt ihr euch auf dünnem Eis. Was du magst und was du willst, basiert auf der eigenen Entdeckungsreise. Deinem jetzigen oder zukünftigen Partner*in zu sagen, wo du angefasst werden möchtest oder auf was du stehst, basiert selten auf wahllose Fummelvariationen durchgeführt von jemand anderem. Du bist der Hauptschalter. Du bist die Hauptzentrale deiner Bedürfnisse und Empfindungen, nicht dein Sexualpartner*in.

Auch wenn das Bett halb gefüllt ist, habe ich meine Lust nicht beim letzten Matratzensport mit einem männlichen Wesen verloren. Sie ist allgegenwärtig. Bei mir bedarf es nicht viel Fantasie. Es ist für mich eine Art Entspannungstherapie. Während andere zum entspannen ins Tropical Island fahren, steige ich in meine Badewanne, gelegentlich platziere ich ein Glas Wein auf dem Wannenrand und versinke im Tal der Entspannung. Mein Körper, die Fernbedienung, wo keine Taste ungedrückt im Staub versinkt. Ob Toy oder die eigene Hand. Die Stimmung bestimmt die spezielle Zutat. Ob bei Sonnenaufgang zusammen mit dem Hahn, der mit seinem morgendlichen Kikeriki den Tag anschreit (Ach nee, ist mir schon klar, dass man sowas in Berlin nicht hat – Fantasie sag ich nur!) oder bei Kerzenschein im Mondenschein. Natürlich, endet nicht jede Planschrunde in der Wanne damit, denn viel zu oft geh ich ja meiner Bibliophilie nach.

Lust und Verlangen haben keine vorprogrammierte Tageszeit. Zudem hat Selbstbefriedigung einen positiven Effekt auf meine bzw. allgemein auf die Gesundheit. Nach einem angespannten, stressigen Tag kann Selbstbefriedigung mich wieder runter holen. Mein Ausflug ins Tropical Island. Ich schlafe dadurch viel entspannter. To Do Listen wirbeln nicht mehr im meinem Kopf umher. Eine Abstinenz vom tristen, unkontrollierten Konsumalltag. Klingt wie ein tiefgründiger Selbstfindungstrip. Jetzt muss ich lachen.

Bei einer spontanen Frage/Antwort Runde im Freundeskreis – der zu 90% liiert ist – bekam ich interessante bzw. vorausschauende Antworten.

Ich stupste ein paar Transmitter an. Die Frage nach der noch vorhandenen Praktizierung der Selbstbefriedigung, brachte die Gedankengänge in Bewegung.

Abschweifende Blicke. Versunken in der Thematik, konnte ich die Antwort erahnen. Das Bett ist ja mit zwei Liebenden gefüllt. Die uneingeschränkte Verfügbarkeit von einem Spielgefährten, der nie endende Alltagstrott, Job ggf. Schichtdienst, eine Familie die Zeit und Nerven kostet und die ehrliche Ansage „zu wenig Zeit für sich selbst zu haben“ verfrachteten die Hands-to-myself-Sessions in die hinterste Ecke der Lustzentrale bzw. ist oder war kein wirkliches Interesse hierfür vorhanden. Toys sind eher Nebensache oder gar nicht im Schubfach des Nachtschranks vorfindbar.

Ehrlich, offen & die pure Realität des Beziehungsalltags.

Ich denke lange nach über die Worte, die in mein Gedankenkarussell einsteigen. Verständnis und Skepsis machen sich breit. Wenn ich bedenke, dass man Selbstbefriedigung ins Liebesspiel mit dem Partner einbauen kann und eine weitere selbstgeschaffene Grenze für die partnerschaftliche Sexualität öffnet… Gut, das hatte ich nicht erfragt, ist aber meine gedankliche Weiterführung des Themas. Das ist warscheinlich auch wieder etwas, was sich von Beziehung zu Beziehung unterscheidet. Manche stimulieren sich, in dem gegenseitig die Lustknöpfe auf der korpusähnlichen Fernbedienung gedrückt werden und andere zeigen es ihrem Partner*in anhand einer Selbstinszenierung á la Kim Basinger (Meine Stiefmutter ist ein Alien – witziger Film in dem Kim Basinger Dan Aykroyd so richtig einheizt).

Letztendlich steht die Zufriedenheit, Akzeptanz und Selbstliebe zum eigenen Körper im Vordergrund. Bedürfnisse erforschen und stillen anhand von Selbstbefriedigung ist vollkommen normal. Es ist egal, ob du es praktizierst und das 7x am Tag oder auch einfach gar nicht. Keiner sollte für oder gegen die Praktizierung verurteilt werden.

Auch wenn die Selbstbefriedigung immer noch einen Platz auf der Ersatzbank der Selbstliebe einnimmt, schafft es die jüngere Generation der Frauen, die Thematik etwas zu lockern. Mittlerweile gibt es Plattformen für die weibliche Lust. Beispielsweise FEMTASY. Hier finden Frauen Audioaufnahmen, natürlich im zahlungspflichtigen Abo, um sich inspirieren zu lassen. Durch hören zum Höhepunkt. Viele Wege führen nach Rom. In der Podcast-Landschaft findet man zuhauf an Sex-Podcasts.

Es wird geredet und philosophiert, aber in Form von Nischen-Kommunikation. Wie die meisten Tabu-Themen ist auch die Selbstbefriedigung eine Thema, dass hinter geschlossenen Türen oder hinter vor gehaltener Hand Beachtung findet.

2019 sollte es anders laufen. Wollen wir ernsthaft rot anlaufen, wenn unsere Kinder uns mit diesem Thema konfrontieren? Schlimm genug das wir im Kiosk nach Frauenzeitschriften greifen. Die Zeitschriften unterstützen auch nur den glauben daran, dass wir Männern gefallen müssen. Das wir bestimmte Sachen machen, damit sie Freude und Befriedigung erhalten.

Letztendlich finde ich, wir sollten in der Kommunikation diesbezüglich offener werden. Mehr Empathie entwickeln. Allein oder in einer Partnerschaft, es macht keinen Unterschied, ob man Selbstbefriedigung praktiziert oder nicht, es hat etwas mit einem selbst zu tun und bedient sich nicht einer Co-Abhängigkeit, sprich wir brauchen einen anderen Menschen um etwas spüren zu können. Das körperlicher Austausch zu zweit, dritt oder viert oder oder … mehr Spaß und Lust bereitet ist klar, aber ich finde es ungerechtfertigt, wenn man die Praktizierung der Selbstbefriedigung ad acta legt, nur weil man einen Partner hat …

Das soll nicht gegen Partnerschaften gehen, denn auch in Partnerschaften wird Hand angelegt.

Ich wünsche freudige Fingerspiele!

In der Trägheit versinken

Wer kennt das nicht, du hast Feierabend und freust dich nach einem anstrengenden Arbeitstag auf deine Couch! So schön kuschlig und bequem! Davor noch in die Schlabberklamotten und der gemütliche Teil des Tages kann beginnen. Doch was macht das mit einem, wenn man das jeden Tag so macht?

Die Trägheit aus meinem Leben zu verbannen, war ein Teil der Selbstoptimierung und der neu gewonnen Achtsamkeit mir gegenüber. Ich praktizierte es eine halbe Ewigkeit. Erst arbeiten und dann erschöpft auf der Couch landen. Vom Fernsehprogramm berieseln lassen und entspannen. Nicht selten schlief ich ein und wachte im dunkeln auf. Orientierungslos erwachte ich und dachte: Mist, wieder nichts vom Nachmittag gehabt.

Wer kennt das nicht?

Beim dauerhaften Praktizieren stellt sich irgendwann eine Trägheit ein, die man so eigentlich gar nicht haben wollte. Bevor man sie sich eingesteht, kommt erstmal das Abwehrverhalten mit Worten wie: man entspanne doch nur, was stört dich daran und so weiter und so fort.

Verabredungen mit Freundschaften unterbrechen diesen Prozess der Trägheit nur kurzweilig. Ich hab hierzu die Woche einen interessanten Artikel gelesen und wurde mal wieder inspiriert mich zu reflektieren und es hier niederzutippen.

Der Artikel beschreibt genau dieses Szenario der Trägheit, was wir alle kennen. Das es besser wäre, nach der Arbeit weiterhin aktiv zu bleiben. Sei es ein Hobby oder dergleichen. Wenn wir länger im Aktivmodus verweilen, werden wir im Job leistungsfähiger, sind motivierter und vor allem schlafen wir nachts besser.

Ich nehme dann mal mich als Beispiel und kann das zu 100% bestätigen. Seitdem meine Couch nicht mehr mein erster Anlaufpunkt nach Arbeit ist, sprudel ich nur so vor Kreativität und Motivation und geh tatsächlich etwas beflügelter durchs Leben. Wie ein Honigkuchenpferd auf LSD.

Das Wetter bewusster zu genießen, vor allem die Sonne! Zum Ziel zu spazieren als zu fahren ist jedes Mal eine gute Entscheidung. Ich lass die Trägheit, dann immer doof stehen und geh einfach los. Studiere lieber das Kinoprogramm und den Veranstaltungskalender der Clublandschaft als die Neuerscheinungen der Streamingdienste (geht jetzt eh nicht mehr:).

Der erste Schritt raus aus der Comfortzone ist nicht schwer, erfordert nur ein wenig Mut. Mutig sein kann man lernen. Man sollte nie aufhören zu lernen. Neue Erkenntnisse sind nichts anderes als die Bekenntnis zum mutig sein!

Wenn dein Leben zu einer Challenge wird!

Die letzten Jahre verbrachte ich mit gefühlter Sinnlosigkeit. Also, Sinnlosigkeit in Form von: ich konsumierte nur. Schaute Videos on demand, scrollte und tippte mich durch Social Media und lebte wie ein Hamster. Schlafen, essen und arbeiten. Irgendwie, wollte ich das nicht mehr.

Ich hab Lust auf eine Challenge!

Im Freundeskreis und auf Arbeit hatte ich genug Inspiration, wie man den eigenen Alltag ein wenig aufpeppen kann. Doch eigentlich hab ich ja was gesucht, was ich fest in mein Leben integrieren kann. Ich will nachhaltiger leben. Ich will mehr darauf achten, was ich mir da in den Mund schiebe. Weniger bis gar keine tierischen Produkte mehr und pflanzlicher sollte es werden, zudem will ich auch den Alkoholkonsum runter schrauben. Ist ja generell nicht viel, aber das bisschen kann man auch noch reduzieren.

Ja, das sind jetzt alles Dinge, die die Gesundheit wieder gut dastehen lassen. Aber was gibt es noch? Ich beschloss mehr zu lesen. Online fand ich die #50BOOKSIN2018 – Challenge. 50 Bücher? Das heißt, ich muss mindestens ein Buch pro Woche lesen. Und wirklich viele Seiten dürften es auch nicht haben. Ich startete also die #50BOOKSIN2019 – Challenge. In meinem Bücherregal tümmeln sich genügend ungelesene Bücher und in Buchhandlungen bin ich auch viel unterwegs. Sollte also funktionieren. Ich startete im Januar mit 5 Büchern und hänge im Februar hinterher mit bisher einem Buch! Ich bin weiterhin frohen Mutes und die Hoffnung, dass der März besser wird, soll mich leiten.

Und bloggen wollte ich auch …

Letztes Jahr startete ich mit diesem Blog und wollte natürlich weiter machen und auch mehr Beiträge veröffentlichen. Über mehr Themen schreiben und weniger jammern. Naja, das mit dem jammern konnte ich noch nicht zu 100% abschalten, aber Luft nach oben muss ja auch sein, ne? Das klappt also auch. Ich sitze fast täglich am Laptop und tippe was das Zeug hält. Promote über Instagram und Facebook und Twitter und Pinterest sollen noch folgen. Läuft!

Zwei Abos abschaffen, ein neues zulegen

Lesen und schreiben nimmt enorm viel Zeit im Alltag ein. Was mache ich also mit Netflix & Co? Hab ich vor kurzem gekündigt. Und da sich meine Kinobesuche häuften, habe ich mir wieder ein Kinoabo zugelegt. Einen Beitrag zahlen und so oft ins Kino gehen, wie ich mag. Erscheint mir derzeit sinnvoller als verloddert auf der Couch zu faulenzen und mich von Netflix & Co berieseln zu lassen. So bin ich an der frischen Luft, kann das mit einem Spaziergang verbinden und weil das Abo mehrere Kinos beherbergt, sehe ich mal wieder mehr von Berlin. Erhoffe ich mir zumindest!

Alles irgendwie bewusster erleben und nicht nur so nebenbei konsumieren.

Und dennoch hab ich ein leicht gestresstes Gefühl dabei. Jede Woche ein Buch, dann mehr bloggen und dazu Kinobesuche. Klingt eigentlich nach einer schönen Sache. Ist es auch, wenn ich nicht immer soviel grübeln würde und mir das manchmal wie Selbstoptimierung vorkommt und ich ja eigentlich achtsamer mit mir selbst umgehen will. Übertreibe ich? Oder stimmt es? Bin ich jetzt eine fleischgewordene Challenge geworden?

Das Schreiben hat ja einen Zweck und vor allem ein Ziel. Über Filme und Bücher möchte ich schreiben. Die Abos der Streamingdienste zu kündigen, war sinnvoll, um mich mehr aufs Schreiben zu konzentrieren.

Klappt auch gut und dennoch hab ich wieder viel zu viele Münzen fürs Gedankenkarussell ausgegeben … Hält mal bitte einer das Karussell an!

Wann bin ich eigentlich erwachsen geworden?

Ich bin Anfang 30 und frage mich manchmal: wo ist die Zeit geblieben? Mir ist als wäre es erst gestern gewesen und ich würde immer noch auf der harten Holzpritsche im Kindergarten liegen und an die Decke starren. Meine Kindergärtnerin ermahnt mich, doch endlich einzuschlafen. Draußen scheint die Mittagssonne und ich soll schlafen? Ein paar Jahre später liege ich im Park auf der Wiese. Wieder scheint die Sonne. Ich betrachte den jungen Mann neben mir und fühle mich glücklich. Glücklich das er mich mag, mich küsst und gerne fühlt. Die Zeit vergeht. Der Uhrzeiger dreht sich unaufhörlich. Die Jahreszeiten und Jahre ziehen nur so dahin, wie die fluffigen Wolken am Horizont. Ich sitze auf einer Bank in Barcelona im Sommer 2017. Es ist heiß. Ich lasse das hektische Treiben der Fußgänger und hupenden Autos auf mich wirken, bevor ich in den Bus steige, der mich zur nächsten Sehenswürdigkeit der Stadt fährt. Es ist Mitte Februar und ich sitze hier an meinem Notebook und tippe diese Zeilen und frage mich: wann bin ich eigentlich erwachsen geworden?

Ist es passiert als ich von Zuhause ausgezogen bin? Als ich das erste mal meine Steuererklärung in den Briefkasten des Finanzamtes steckte? Oder schon viel früher als ich das erste mal Sex hatte? Ich mein Abschlusszeugnis in der Realschule entgegen nahm? Oder meine zwei Ausbildungen abgeschlossen habe? Oder passierte es mit der Küchenmaschine, die ich letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt bekommen habe?

Ich gehe arbeiten. Wohne im zentralen Osten von Berlin und habe ein BVG-Abo. Macht mich sowas erwachsen? Oder passiert das erst, wenn ich ein Kind zur Welt bringe oder mit einem geliebten Menschen zusammen ziehe?

Ich bin mir nicht sicher, was genau mich letztens dazu brachte, mir darüber Gedanken zu machen. Ich stand auf dem U-Bahnsteig Alexanderplatz und beim vorbeiziehen der U-Bahn erwischte mich diese Frage. Bin ich erwachsen? Und wenn ja, wann ist das passiert?

Ich könnte mit den Fragen bis Halloween weitermachen und würde auch dann nicht damit aufhören. Ich war dreimal im Kino diese Woche und zwei Filme, bestärkten mich darin einen Blogpost zu meinen verworrenen Gedankengängen zu verfassen.

Ich glaube mein Dasein als Kind oder besser gesagt die unbekümmerte Zeit endete mit dem Umzug 2012 in meine erste eigene Wohnung. Ich lebe immer noch hier. Fühle mich wohl und wenn mir die Wände zu langweilig werden, bestreiche ich sie mit einem neuen Farbton. So kann man ewig in einer Wohnung wohnen bleiben.

Wäsche waschen, Lebensmittel einkaufen, alleine verreisen, Verbindlichkeiten den öffentlichen Verkehrsbetrieben oder Mobilfunkanbietern gegenüber sind eigentlich nur Souvenirs unseres Erwachsenen-Ichs. Das macht man dann halt alles.

Filme, Bücher & Menschen projizieren das Erwachsen-werden mit bewegenden Meilensteinen im Leben eines Erdenbürgers. Ok. Schulabschluss mit 16 und ich fühlte eigentlich nur, dass eine bestimmte Ära zu Ende ging. Genau das gleiche Gefühl hatte ich nach dem Abschluss meiner zwei Ausbildungen. Wieder das Ende einer Ära. Immer endete eine Ära, aber das Gefühl erwachsen zu sein durchfuhr mich dabei nicht. Ich war doch ich – Mona! Und Sex ist auch kein Indikator fürs Erwachsen-werden. Der Spielplatz auf dem wir spielen, wurde nur größer und brachte uns ein paar neue Spielmöglichkeiten mit Gleichgesinnten.

Als Kind verstand ich selten, was am erwachsen werden so toll ist. Lebt es sich doch so herrlich unbekümmert zwischen Spielzeug, Abenteuerspielplätzen und der Flimmerkiste. Zumindest war das bei mir so. Mir boten sich auch keine wirklichen Gelegenheiten, dass gut zu finden, was meine Eltern da alles durchleben mussten. Ich komme aus einer Familie, die in der DDR gelebt hat. Allesamt sind sie in ihr groß geworden. Ein System, das sich am Marxismus-Leninismus orientierte und die Stasi hatte ihre Augen und Ohren überall. Das undemokratische, politische System ummantelte sich mit einer Mauer. Eine Mauer die am 09. November 1989 ganz unerwartet umfiel. Eine Revolution, die eine Wiedervereinigung von Ost und West hervorbrachte. Ich muss mich nicht schämen, wenn ich erzähle, das meine Familie gerne in der DDR gelebt hat. Man packe jetzt einfach mal alles schlechte, was sie beinhaltet zur Seite und nehme das einfache Leben. Job, Wohnung, Kinder und das Konsum – meine Eltern lebten einfach, hatten wenig Ansprüche ans Leben und waren glücklich. Glücklich waren sie auch als die Mauer nicht mehr an ihrem Platz stand und eine Welle von Neuheiten und Möglichkeiten in die ehemalige DDR einreiste. Mein Vater vermisst das damalige Leben manchmal und meine Mutter findet alles gut so wie es ist. Mein älterer Bruder hat noch ein paar Jahre mitbekommen und hat auch nie schlecht davon geredet. Ja, und ich? Ich bin 1986 geboren und kann nichts dazu sagen außer, dass mir die Gespräche über die DDR innerhalb der Familie sehr schnell zu den Ohren heraushingen. Ich bekam nichts mit, aber wusste auf einmal eine Menge über etwas, dass ich nicht verstand. Aus heutiger Sicht und mit dem Wissen über diese Zeit und was politisch schief lief, wäre ich noch bevor die Mauer gebaut wurde, gleich freiwillig im Westen geblieben. Da hätte mich auch die Musik von Silly oder Renft nicht von abgehalten.

Die DDR ist Geschichte und ich wuchs in der kunterbunten Bubblegum-Welt der 90er Jahre auf. Mit Gameboy, Tamagotchi und Polly Pocket im Gepäck, durchlief ich meine Kindheit. Die Schulzeit war zwar nicht die Hölle auf Erden, aber auch kein berauschendes Fest. Mit den 00er Jahren kam meine Teenie-Ära und die Oberschule. Ich war weder beliebt, noch unbeliebt. Halt einfach nur da. Gelegentlich kamen blöde Sprüche bezüglich meiner Optik, aber auch das kann ich nicht mit einem Trip durch die Hölle vergleichen. Mir ging es nicht schlecht, bis auf die gefühlsduseligen Irrungen und Wirrungen, die mit dem Heranwachsen, wie ein bitterer Beigeschmack, dazu kamen.

In den 10er Jahren angekommen, wusste ich was ich kann und wohin ich damit will, landete aber bisher nie dort, wo ich ewig zu verweilen vermochte. Kleine persönliche Krisen, Neuerfindungen und Abzweigungen auf dem Weg des Lebens, brachten mich zu einer Kreuzung. Das eine Schild ist mit WEITERGEHEN beschriftet und das andere mit STEHEN BLEIBEN. Ich habe mich fürs weitergehen entschieden und glaube, dass das eine sehr Erwachsene Entscheidung war. Bin ich am Ende doch schon Erwachsener als ich dachte?

Erfahrungen sammeln, Entscheidungen treffen und Erkenntnissen zu erlangen, kreieren unser Erwachsenes-Ich. Das geht manchmal schneller, als den eigenen Namen zu buchstabieren. Doch unseren kindlichen Modus sollten wie im Stand-by ruhen lassen und von Zeit zu Zeit aktivieren. Wie sollten wir sonst die vielen kleinen Menschen verstehen und ihnen erklären, dass alles halb so wild ist. Es ist nicht weh tut zu wachsen, hinzufallen und wieder aufzustehen.

Alles eine Frage des Blickwinkels.