Wenn aus Freundschaften Bekanntschaften werden

Freundschaften sind die kleine Familie, die man sich im Laufe seines Lebens zusammen sammelt. Egal, ob klein oder groß. Sie sind der zusätzliche Farbklecks, der ein Gemälde vollkommen macht. Sie denken und fühlen ähnlich oder inspirieren und fordern uns. Meistens sind sie eine Bereicherung im Leben. Unser Verhältnis zu ihnen gleicht einer innigen Liebesbeziehung nur ganz ohne Sex.

Das erste Gesetz der Freundschaft lautet, dass sie gepflegt werden muss. Das zweite lautet: Sei nachsichtig, wenn das erste verletzt wird.

– Voltaire –

Seit meiner Kindheit teile ich mit Freundschaften gute und schlechte Momente. Erinnerungswürdige Erlebnisse. Tiefsinnige Gespräche, die manchmal einen bitteren, manchmal einen wohlwollenden Nachgeschmack bei mir hinterließen. Jede Ära die zu Ende ging, sei es ein Schulwechsel bzw. das Ende der Schulzeit, Ausbildung oder der Start ins Berufsleben. Freundschaften kommen und gehen. Keine Freundschaft hielt ewig. Sie waren alle irgendwie intensiv für den Moment, für die Phase in der ich mich befand.

Mit 32 blicke ich auf viele Bekanntschaften zurück. Bekanntschaften, die mir gut getan haben und Bekanntschaften, die rein toxischer Natur waren. Doch alle hatten etwas gemeinsam: sie waren wichtig. Ich lernte mich besser kennen, weil ich mit der Zeit mitbekam, welchen Schlag Mensch ich um mich haben möchte. Auch wenn alle ein Intermezzo waren bzw. immer noch sind, gehe ich immer noch mit einem Grundvertrauen auf neue Bekanntschaften zu, weil ich es mag neue Menschen kennen zu lernen. Ich erkenne relativ schnell den Kern einer Begegnung und kann für mich einteilen, ob der Mensch sich in meinem Leben länger aufhält und sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen uns aufbaut oder nicht.

Man kennt das ja, man ist auf einer Home-Party eingeladen und trifft auf Freundes Freunde. Man unterhält sich gut, lacht viel und die Stimmung ist feucht-fröhlich, aber am nächsten Tag blickt man auf einen schönen Abend zurück. Nicht mehr und nicht weniger. Ein schöner Moment, der sich zu den anderen Momenten in deinem Erinnerungsvermögen gesellt und Platz nimmt.

Je kurzweiliger die Freundschaft bestand hatte, umso mehr musste ich mich mit dem Gedanken anfreunden, dass nicht nur die Liebe endlich ist, sondern auch das freundschaftliche Band zwischen zwei Menschen.

Serien, wie „Friends“ oder „How I met your mother“ schaute ich wahrscheinlich deshalb so gerne und oft, weil sie von langlebiger, treuer und wahrer Freundschaft handelten. Auf eine gewisse Art und Weise war ich immer neidisch auf Rachel (tolle Jobangebote) und erkannte mich in Ted permanent selbst wieder (On/Off Geschichten in der Liebe und das personifizierte Band der Freundschaft in der Clique). Die beiden Cliquen bewunderten viele und ich auch. Sie wohnten miteinander und haben diesen einen Treffpunkt, den sie immer anpeilen für ein freundschaftliches miteinander. Hier philosophieren sie über das Leben und die Liebe. Solche Freundschaften mag es in echt auch geben, dass weiß ich, aber für mich waren die Cliquen um Rachel und Ted immer eine andere Welt. Halt, weil mein Freundeskreis immer ein bunter Haufen von Kontakten war, der zusammen eine nicht definierbare chemische Reaktion ausgelöst hätte. Und ich genau wusste, dass manche Charaktere sich nicht verstanden hätten. Das ist heute zum Glück anders!

Eine weitere Serie, die ich abgöttisch liebe, mir aber ein total verschobenes Gefühl von Freundschaft und Liebe vermittelte, war „Sex & the City“. Die Serie vermittelte mir ein Bild von alternden Freundschaften, so dass ich Jahre lang dachte, dass meine Freundinnen und ich, mit den beginnenden 30ern, oft in Bars gehen und einen Cosmopolitan nach dem anderen Schlürfen werden. Wir uns berauschende Männergeschichten erzählen oder über Männer lästern werden. Wir oft die Nächte von Berlin unsicher machen und Jahr für Jahr gemeinsam verreisen und das anhand eines Fotos festhalten und uns im hohen Alter die Fotos anschauen und ganz nostalgisch in Erinnerungen schwelgen werden. Uns vom Leben treiben lassen…

Doch das sich das nie befürwortete, ist nicht die Schuld von Carrie, Samantha, Charlotte oder Miranda. Man kann hier niemandem die Schuld geben. Das ist das Leben von Freundinnen in einer Serie. In der Realität ist es meistens so, dass man Termine mit seinen Freundschaften machen muss, sobald der Berufsalltag sich im Leben breit gemacht hat. Spontanität wird fast gänzlich verbannt. Sobald eine Beziehung und Kinder hinzukommen redet man mehr vom „sich mal wieder treffen“ und eh man sich versieht, ziehen die Monate ins Land. Familienfeiern, Kindergeburtstage (nicht nur von den eigenen) und die Aufrechterhaltung einer auch weiter gut funktionierenden Partnerschaft, machen es einer Singlefreundin (wie mir) noch schwieriger, nicht das Gefühl vermittelt zu bekommen, nur noch die kleine Handtasche für berauschende Partynächte zu sein. Ein Accessoire, dass man ab und zu aus dem Kleiderschrank holt und sich daran erfreut das man sie hat.

Das ist halt so, wenn man Kinder hat. Das IST halt so.

Versteht mich nicht falsch, aber das Gefühl, das mir somit vermittelt wird ist wahrlich kein Gutes. Sätze wie „das ist halt so, wenn man Kinder hat“ oder „wenn du mal Kinder hast, wirst du das verstehen“ oder „diesen Monat sind so viele Familienfeiern, lass uns das Treffen auf nächsten Monat verschieben“ erreichen mich in den Letzten Jahren öfter. Was früher Absagen wegen Lappalien waren ist heutzutage der komplette Alltag. Die Tatsache, dass sich heutzutage immer noch ein Teil der Partnerschaft zurücknimmt und den ganzen Familienalltag plant und organisiert, hat auch vor meinen Freundschaften keinen halt gemacht. Einige von ihnen machen das wirklich gerne, andere sind davon schon irgendwie gefrustet, ändern aber auch nicht wirklich etwas an der bestehenden Alltagssituation (das ist zumindest mein Eindruck).

Und dann steh ich mittendrin und will, dass man die Freundschaft zu mir pflegt. Zurecht wie ich finde! Ich bin immer verständnisvoll und gegen kränkelnde Kinder kann ich nichts sagen. Auch nicht, wenn die Beziehung zum Partner*in wieder mehr Aufmerksamkeit benötigt. Das familiäre Festivitäten zu einer festen Partnerschaft mit Pflichterscheinung dazu gehören verstehe ich auch. Das der Berufsalltag auch nicht ohne ist und man sich ausgelaugt fühlt und dann doch lieber daheim bleiben möchte um runter zu kommen – verstehe ich nur zu gut! Dieses Leben mit all seinen benannten Faktoren ist kein Zuckerschlecken und das man allen und jedem gerecht werden will – eigentlich muss … ja das weiß ich und nur weil ich das meiste davon nicht habe, heißt das nicht, dass man mich wie ein kleines Kind aus dem Raum schickt, weil die Erwachsenen sich jetzt über Themen unterhalten möchten, die nur Erwachsene besprechen. Damit ist niemandem geholfen! Das ich bei der Erziehung mich nicht einmische ist logisch – außer mir fällt etwas unlogisches auf oder es dem Kind nicht zu gute kommt – denke ich mir zumindest erstmal so!

Irgendwann ist auch ein Punkt erreicht, da mag ich kein Verständnis mehr aufbringen. Nicht aus Frust oder Langeweile. Nein! Aus der Gerechtigkeit und dem Respekt heraus, den eine Freundschaft, wenn sie denn eine Freundschaft ist, zusteht! Wozu hat man Freunde, wenn sie keinen Raum mehr bekommen? Wozu hält man sie aufrecht – Gewohnheit? Und warum schaffen es andere und wir nicht?

Und dann passiert was passiert: aus Freundschaften werden Bekanntschaften! Man erzählt sich nicht mehr alles, nur noch das nötigste. Warum? Man ist so im eigenen Alltagstrott versunken, dass man das Erzählte bis zum nächsten Treffen wieder vergisst und sich wundert, was die Person beim letzten Plausch gemacht hat als man sein Herz ausgeschüttet hat – zugehört hat sie jedenfalls nicht, wenn sie die gleichen Fragen stellt, wie beim letzten Mal! Da hat man irgendwann keine Lust mehr sein Innenleben seinem Gegenüber anzuvertrauen.

Verständnis für Veränderungen im Leben unserer lieben Mitmenschen werden vorausgesetzt. Zuviel wie ich finde. Auch wenn Voltaire recht hat mit seinen Worten nachsichtig zu sein, konnte er damals noch nicht wissen, dass es mal sowas wie Whats App & Co geben würde. Viele Möglichkeiten mit den Liebsten zu kommunizieren. Viele Möglichkeiten zu sagen das man jemanden lieb hat und an ihn denkt und sich auf das nächste Treffen freut, auf die Zeit die man miteinander verbringen darf und das man nicht vergessen hat sich nochmal zu melden, nur das es gerade stressig ist und sobald das nächste freie Zeitfenster da ist, man sich meldet und die Zeit schenkt, die vorher gefehlt hat.

Ich hab mein eigenes Leben, denke aber immer an meine Freunde. Monat für Monat schaue ich, welche freien Tage ich ihnen für unsere gemeinsame Zeit schenken kann, weil sie mir wichtig sind und Teil meines Lebens sind. Es gibt Monate, die gleichen einer Flaute, was Treffen mit Freunden betrifft und dann gibt es Monate, in denen ich alle sehe.

Auch wenn ihre Liste von Prioritäten einen anderen Inhalt haben und ich oder andere Freundschaften nicht ganz oben stehen, weiß ich das ich auf dieser Liste stehe. Vielleicht weiter unten, aber wie heißt es so schön, der Gedanke zählt und heißt es nicht, dass es nicht um die Quantität sondern um die Qualität der Zwischenmenschlichkeit ankommt?

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Menstruation

Menstruation. Ein Tabu-Thema? Ja! Seit circa 22 Jahren muss ich mich Monat für Monat mit Binden und Tampons versorgen. Ein kleiner Teil meines Taschengeldes ging früher dafür drauf und heute gehören die Produkte zu meinem monatlichen Drogerieeinkauf. Ich finde Tampons & Co könnte es ruhig kostenlos geben. Da wird man auch noch, neben dem ganzen Blut und blöden Kommentaren aus der Gesellschaft, mit Unkosten gestraft. Und mit 19% MwSt. werden die Produkte auch berechnet. Schön, unser Blut wird auch noch versteuert. Ich finde das unfair!

Kopfschmerzen, schmerzende Eierstöcke, Übelkeit & das permanente Gefühl unkontrolliert zu verbluten. Menstruieren ist kein Zuckerschlecken. Jeden Monat fühlt es sich anders an. Oft hängt es davon ab, wie du dich ernährt hast, wie ungesund du mit dir umgegangen bist, wie viel Stress du hattest und wie deine mentale Verfassung den Monat über war. All das hat Einfluss auf deine monatlichen BLOODY DAYS! Klar, wer Pille & Konsorten nimmt kann die Symptome regulieren und kontrollieren, aber gleichzeitig mutieren wir zu Hormon-Junkies und die 7 Tage in denen wir mit der Pille oder dem Ring pausieren, haben wir Entzugserscheinungen. Migräne ist hierbei ein typischer Zeitgenosse. Kann ich selbst ein Liedchen von Singen. Monat für Monat auf den Tag genau hatte ich Migräne. Mittlerweile bin ich Hormonfrei und Migränefrei! Unterleibsschmerzen und Gefühlsschwankungen nahmen etwas zu, aber das ist normal!

Es ist normal, dann vor dem Spiegel zu stehen und das Bedürfnis zu verspüren, nur noch kotzen zu wollen, weil der Anblick nicht zufrieden stellend ist. Es ist normal, seine Eiserstöcke und das Frau sein zu verfluchen. Es ist normal, an diesen Tagen für sich sein zu wollen. Es ist normal, einfach mal nicht der Sonnenschein zu sein, der sich sonst immer seinem Umfeld präsentiert. Es ist normal, im Bett bleiben zu wollen. Es ist normal, Stimmungsschwankungen zu haben. Es ist jedoch nicht normal, sich deswegen schlecht zu fühlen. Es ist auch nicht normal, dafür blöde Kommentare zu kassieren. Vor allem die Herren der Schöpfung sollten dann einfach gekonnt den Mund halten. Nur zu Erinnerung, mit was für hormonellen Begleiterscheinungen müssen ihr euch rumschlagen? Keine!

Ich glaube, mit diesen Gedanken bin ich nicht alleine. Schon als ich jünger war, ging mir das alles tierisch auf den Keks und ja ich bin froh wenn ich sie nicht mehr habe. Meine Freundinnen sind da etwas pragmatischer. Man hat sie, man lebt mit ihr und das ist dann halt so. Da bin ich ein wenig neidisch. Für mich ist das Thema irgendwie nicht so trivial. Der monatliche, emotionale Knacks in meiner Gefühlswelt macht mir jedenfalls zu schaffen und ich bin jedesmal froh, wenn ich die drei Tage elend hinter mir habe.

Erinnert ihr euch noch wie alles anfing? Das erste Mal als sie kam? Ich war 11 Jahre alt und eine der ersten in der Klasse. Mitten im Unterricht überraschte mich die rote Blutwelle. Etwas verstörend und mit dem Gedanken, dass etwas nicht in Ordnung sei ging ich nach Hause. Ich hätte Empathie gebraucht an dem Tag, aber das blieb aus. Meine Mutter meinte „jetzt hast du sie ja schon“. Dann bekam ich ein paar Binden in die Hand gedrückt und dann hatte ich sie Monat für Monat. Teilweise blieb sie sogar 8 Tage. Mit der Einnahme der Pille, war ich damals froh, dass sie dann nur noch für 3-4 Tage blieb. Und jetzt knapp zwei Jahre nach dem absetzen des Rings, den ich dann vor ein paar Jahren gegen die Pille eingetauscht hatte, pendelte sich die Dauer meiner Periode darauf ein, bleibt nie länger, aber wurde auch nicht kürzer.

Um die Bloody Days zu überstehen, bekommt immer wieder Tipps von allen Seiten. Der wohl unlogischste Tipp der mir gegeben wurde, war viel zu Essen. Essen sollte man ganz normal. Gelüste nach fettigem und süßem Essen sollte eher gezügelt werden. Verdauungsstörungen sind keine wohlgesonnen Begleiter während dieser Zeit. Sich die ganzen Tage über zu verkrümeln macht auch keinen Sinn, lässt sich manchmal wirklich nicht vermeiden, weil diverse Begleiterscheinungen wie Unterleibsschmerzen, Kopfschmerzen und Übelkeit gemeinsam in deinem Körper eine Orgie feiern, aber frische Luft und etwas schönes zu unternehmen sind die beste Ablenkung – sofern es der Alltag natürlich zulässt. Nicht immer ist sie mit unserem Leben kompatibel.

Wir haben das Jahr 2019. Die veralteten Denkmuster diesbezüglich, gibt es immer noch. Wir sind zwar alle irgendwie weltoffen, aber dann auch wieder nicht. Wollen überall und jedem unsere Meinung auftischen, aber wenn es um den eigenen Körper, die Gesundheit und sogar Sex geht werden wir kleinlaut. Es ist gut das sich so langsam viele Tabuthemen ihren Weg aus der Dunkelheit an die Oberfläche frei reden, frei schreiben und frei demonstrieren! Es ist anstrengend und unlogisch bei dem einen Thema den Mund zu halten, bei einem anderen Thema ihn wiederum weit auf zu reißen.

Dank dem Unternehmen „einhorn“ ist das Thema Menstruation mal wieder ein Thema. Während „einhorn“, neben veganen Kondomen, auch mit Tampons, Binden, Slipeinlagen & Menstruationstassen ihr Produktsortiment erweitert hat, wirken die Regale im dm jetzt etwas bunter als sonst. Die Produkte sind eine pure Farbexplosion für die Augen und können im Vorbeigehen nicht unbeachtet bleiben. Während andere bekannte Unternehmen die Thematik kleinlaut und schambehaftet bewerben und uns das Gefühl geben unsere Periode wäre ein geheimes Projekt, gehen ,,einhorn“ sehr offen damit um. Ich sag nur „Periodenneid„. Farbrausch und Offenheit sind ein Anfang und hoffentlich eine Tür durch die immer mehr Leute gehen werden…

Nehmt eure Tampons, Binden & Menstruationstassen in die Hand. Kein Scherz! Wir sollten aufhören uns zu schämen und, egal was, unauffällig auf ein WC zu schmuggeln! Trifft euch ein blöder Blick , dann denkt euch einfach das die Person PERIODENNEID hat – vielleicht hilft es ja:)

Monatsreflexion 03/19

Es ist Montag, der 25.03.19. Ich habe immer noch kein Internet und tippe meine Texte auf meinem Notebook nieder. Warum ich kein Internet habe? Also. Es passierte am 19.03.19. Ich tippte fleißig auf meinem Notebook und hörte über meine W-LAN Boxen Musik. Auf einmal ertönte keine Musik mehr aus den Boxen und WordPress speicherte keinen Buchstaben mehr von mir. Meine Welt stand still. Kein Internet, ok! Das passiert ja gelegentlich mal. Hab ich also die Zeit bis ich zur Arbeit los musste gelesen.

Ich ging dann zum Spätdienst. Ich kam abends wieder. Immer noch kein Internet und das Modem blinkte immer noch wie verrückt. Am nächsten Tag telefonierte ich mit dem Kundendienst. Es liegt eine Störung vor und bis abends sollte die behoben sein. Ich sollte ein neues Modem zugeschickt bekommen, weil meins schon ein paar Jährchen hatte und mir damit ein neues zustand. Sollte bis spätestens Montag da sein. Ich las wieder als Alternative und ging dann anschließend zur Arbeit. Abends wieder daheim. Ich war immer noch ohne Internet.

Freitag, 22.03.19. Ich hab jetzt frei und Urlaub bis Ende März. Ich rief erneut beim Kundendienst meines Internetanbieters an. Jetzt bestätigte man mir, dass mein Modem wohl doch kaputt sei und ich auf das neue warten müsse. Ach, nee! Toll! Ich war hoch erfreut.

Ich widmete mich der eigentlichen Aktivität an diesem Tag: dem Streichen meiner Küche. Am Samstag strich ich auch – ja, ich war nicht bei der Demo!

Am Sonntag machte ich nichts außer lesen und gammeln. Ich war ein leibhaftiger Couchpotato.

Und immer wieder montags. Heute bekam ich eine Mail, dass mein Modem ganz sicher bis zum 01.04.19 bei mir ankommen soll. Also quasi jeden Tag…

Diese Modem-Geschichte hat das ganze bloggen durcheinander gebracht. Ich wollte in meinem Urlaub, also ab heute, sowieso nicht bloggen, aber ich wollte zumindest vorschreiben, damit ich nicht raus komme. Pustekuchen.

Es bleibt spannend.

Ich hab mir überlegt, immer am letzten Sonntag des Monats beim open mind sunday eine Monatsreflexion zu posten. Jetzt naht der letzte Sonntag und ich hab alle Hoffnungen verloren, dass ich bis zu diesem Sonntag noch mein Modem bekomme.

Dienstag, 26.03.19. Ich bin bei meinen Eltern. Und kann in aller Ruhe mal wieder etwas Internetluft schnuppern und ein Blogbeiträge schrieben und planen.

So, aber nun ist gut von meiner Jammer-Geschichte. Was war noch so los diesen Monat?

Vom Job mag ich nicht reden. Vielleicht in der nächsten Monatsreflexion. Ich war ein paar Mal im Kino. Ich habe mir „Der Goldene Handschuh“, „Die Berufung“ und „Beale Street“ angeschaut. Von eklig über beeindruckend bis poetisch war alles vertreten.

Mitte des Monats war ich auf dem grandiosen Konzert von Florence & the Mashine. Ich glaube, dass war der schönste Moment diesen Monat. Die rothaarige Fee, die über die Bühne schwebte und ihr Feengesang in der ganzen Halle verbreitete. Schön!

Nachdem der Februar eher Mau war, was das Lesen betrifft, klappte es im März besser. Momentan versuche ich den Stapel an feministischer Literatur auf meinem Lesetisch nach und nach durchzulesen. Läuft!

Dann habe ich am WE meine Küche renoviert. Der neue Farbanstrich war nötig. Ich hab ein paar Möbel minimal verschoben und schon schaut die Küche etwas verändert aus. Leider gingen dafür fast drei Farbtöpfe drauf, aber wer es schön haben will muss auch mal leiden…

Den Rest des Urlaubs verbringe ich mit Verabredungen und lesen und so richtig bloggen werden ich wahrscheinlich erst wieder, wenn mein Modem da ist.

Irgendwas fehlt! Ach, jetzt hab ich es. Ich hatte ja Netflix & Co. gekündigt und vermisste sie nicht wirklich, wenn ich mal Lust auf einem Film hatte bot die Mediathek von ein paar TV Sendern auch ausreichend.

Das war der März. Ich hörte das Wetter soll im April um einiges besser werden …

Ich & der Feminismus

Ich stelle mir dieser Tage eine ganz bestimmte Frage: Bin ich eine Feministin? Ich bin für Gleichberechtigung. Ich bin für Gleichstellung. Ich bin für … für alles das Frau und Mann auf Augenhöhe kommunizieren und miteinander agieren und nicht gegeneinander konkurrieren lässt.

Das die Realität anders ausschaut, weiß ich. Bin ja nicht blind.

Svenja Gräfen bringt es auf den Punkt.

Es ist 2019. Uns, den Millennials geht es an sich ja gut. Uns stehen die Türen offen. Wir können lieben wen wir wollen, keiner guckt mehr komisch. Wir können leben wie wir wollen. Ja, eigentlich müssten wir doch vor Glückseligkeit nur noch grinsen wie ein Honigkuchenpferd.

Falsch!

Wir können vieles, machen aber wenig. Leben alte Traditionen des verstaubten Systems weiter. Sprich: Wir, die jungen Emanzen, beginnende 30 und mitten im Leben, stecken der Familie wegen, immer noch zurück. Verdrücken uns in die Teilzeitarbeit, stellen berufliche Verwirklichungen hinter einen Kinderwunsch und erfreuen uns an Küchenmaschinen, Veganismus und Minimalismus. Männer nehmen immer noch wortlos die Rolle des Ernährers ein und sind – nicht alle – irgendwie froh, wenn sie nach einem Arbeitstag nicht mehr allzu viel im Haushalt machen müssen bzw. haben nur ein paar bestimmte Aufgaben. Kindererziehung ist auch heute noch ein Aufgabenfeld, was kommentarlos von den Frauen übernommen wird.

Ich bin zwar Single, aber nicht weniger glücklich. Ein Spaziergang durch Pankow, Prenzlauer Berg oder Friedrichshain offenbart mir dieses Bild. Ich muss nicht liiert und schwanger sein um das zu sehen.

Halt! Stop!

Jede Generation hat zwei Gruppen. Die eine die kommentarlos viele Verhaltensweisen der vorherigen Generation übernimmt, sie nicht in Frage stellt, das System so akzeptiert wie es ist. Und dann gibt es noch die, die etwas bewegen wollen, wissen das sie auf Widerstand stoßen, dass es Altersarmut geben wird, aber wissen auch, das wir die Generation sind, die etwas verändern muss. Jetzt stimmt der Spruch mal: Wir sind die Zukunft.

Single sein, ist mittlerweile keine Seltenheit. Wenn man keinen passenden Deckel zum eigenen Topf findet, versinkt man nicht in Traurigkeit. Flennen bringt nix, davon füllt sich auch kein Bett. Nach vorne schauen heißt die Devise! Die unzähligen Möglichkeiten, die sich einem beruflich auftun, werden bis aufs Mark getestet und ausgeschöpft. Ob ein Deckel nochmal den Weg unseres Topfes kreuzt, stellen wir erstmal in den Hintergrund, aber immer in Reichweite und schnell zu greifen. Oder man lebt die Moderne einer gleichberechtigten Partnerschaft, in der sich beide gleichermaßen die Pflichten im Haushalt und in der Kindererziehung teilen. Einer den anderen unterstützt und mal für eine gewisse Zeit sich um alles kümmert, wenn der andere sich selbst verwirklichen möchte. Das zeugt von Verständnis und Vertrauen in die Partnerschaft, die man miteinander führt. Das ist keine Seltenheit, aber auf die breite Masse verteilt, dann doch seltener zu finden als man es sich vorstellen mag. Traurig. Wirklich traurig.

Meine Mutti schleifte mich immer mit in die Küche. Man müsse doch als Frau kochen können. Selbst wenn die Nähmaschine zum Vorschein kam, blieb das kleine Mona-Ich nicht verschont. Ich hab kein Nerv fürs nähen, dass machte ich meiner Mutter grimmig und lautstark deutlich. Stricken können, hat mich auch nicht interessiert. Drei Generationen haben probiert mir die Strickkunst nahe zu bringen. Oma, Mutti und eine Freundin. Mutti hat ihr bestes versucht. Sie kannte es ja nicht anders. Unvorstellbar, dass die eigene Tochter sich dafür nicht interessierte. Ich frage heute noch regelmäßig nach dem Rezept von ihrer Kartoffelsuppe oder den Senfeiern. Andere haben Google, ich hab Mutti.

Bei meinen Eltern gibt es auch die typische Rollenverteilung. Muss ich nicht weiter erklären, oder? Ohne Quatsch, ich fand das schon immer doof. Da sind doch zwei Menschen, warum kümmert sich nur ein Mensch um alles? Damals als Tochter im elterlichen Nest stand für mich fest: Sowas will ich nicht. Ich bin für Gleichberechtigung. Jeder kann abwaschen – gut, gibt ja mittlerweile Geschirrspüler, aber auch den können beide befüllen und nicht nur eine im Haushalt lebende Person. Müll wegbringen können auch beide – man muss nicht nur Männer in die Muff-Kammer schicken. Wäsche waschen ist nicht schwer. Wir bedienen ja in der Regel höchstens 4 Programme, dass kriegen Männer auch gebacken bzw. gibt auch genügend Frauen, denen es schwer fällt eine Waschmaschine zu bedienen.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich halte nichts und habe noch nie etwas von der typischen Rollenverteilung gehalten. Meine Gerechtigkeitssinn verfiel der frühreifen Beurteilung meines Umfeldes.

Das ist wie mit dem Totschweigen von bestimmten Themen. Menstruation zum Beispiel. Es ist 2019! Warum ist es uns Frauen immer noch unangenehm, ganz unauffällig eine Binde oder ein Tampon aus der Handtasche zu nehmen und damit auf der Toilette zu verschwinden? Wir sind Frauen und keine Monster. Wir bluten, weil wir Frauen sind. Blöde Sprüche von Männern hierzu sind einfach nur diskriminierend und Frauen sind da auch nicht besser. Wenn wir uns gegenseitig dabei unterstützen würden und offen über unseren Zyklus sprechen würden, diese Thematik einfach enttabuisieren würden, dann würden auch Männer nicht mehr so abwertend daher reden. Glaube ich zumindest. Zu diesem Thema schreibe ich an anderer Stelle mehr dazu…

Fakt ist, wer schweigt, wird nix verändern können. Ich würde mir also weniger Gedanken darüber machen, ob man eine Feministin ist oder nicht, denn auch Feminismus kann falsch interpretiert werden. Es gibt viele Frauen, die sich als Feministin bezeichnen, aber ein typisch konservatives Leben leben. Mit typischen Rollenverteilungen, aber nebenbei emanzipierter sind als die Damen der 1950er Ära.

Wir benötigen eine Auflockerung der Rollenverteilung. Wenn Männer sich dazu bereit erklären, sich selbstlos um die Kindererziehung zu kümmern und im Job kürzer treten, dann werden sie gelobt und bejubelt. Ist man eine Frau und macht das, wird es als normal und selbstverständlich hingenommen. Das ist halt so! Das ist das System, dass ja schon soooooo viele Jahre auf dieser Basis gut funktioniert.

Wäre es nicht eine Weiterentwicklung, wenn es normal wäre, Männer sich ganz selbstverständlich hierfür bereit erklären? Wäre es nicht ideal, bei vorhandenen finanziellen Möglichkeiten, wenn beide Elternteile in Teilzeit gehen würden und gleichberechtigt die Erziehung des Kindes übernehmen? Würden dadurch nicht mehr Paare länger oder sogar ein Leben lang zusammen bleiben? Die Scheidungsrate sinken, weil die Unzufriedenheit innerhalb der Partnerschaft nicht mehr bestünde, weil ja Aufgaben gleichberechtigt verteilt werden und man dadurch mehr Zeit für die Partnerschaft an sich hat? Unsere Gesellschaft ist auf Kinder angewiesen. Wir erhalten Rente basierend auf einem Generationenvertrag. Aber wenn wir dieses System aufrecht erhalten wollen, muss sich etwas grundlegendes verändern: das Bild von Frau und Mann in unserer Gesellschaft.

Ob ich eine Feministin bin? In erster Linie bin ich Mensch mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Eine Frau, der die Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft bewusst ist aktiv werden möchte. Nicht mehr und nicht weniger.

Neugierig & Unerschrocken

Fast 3 Monate hat das Jahr schon geschafft. Es ist immer noch kalt, aber nicht mehr so kalt wie vor 6 Jahren. Da war ich um die Zeit in London und Paris und zurück in Berlin durchfluteten mich eisige Temperaturen.

Doch derzeit haben wir Aprilwetter mit einem Hauch Novemberwetter. Wohin soll das nur führen?

Aber ich mag nicht weiter vom Wetter reden. Es ist Samstag Vormittag. Mein Kopf brummt. Die Wirkung der Kopfschmerztablette mitten im Wirkungsprozess. Die Nacht war schlaflos, weil der gute alt Freund Vollmond mal nicht in einer Bar abhängt. Er hat sich raus getraut. Mal keinen Tropfen Alkohol zu sich genommen.

Terroranschlag in Neuseeland. Jeder twittert.

Und ich befinde mich in einer neuen Phase meines Lebens. Das hab ich letzte Woche so beschlossen. So einfach geht das.

Ich fühle mich durchflutet mit Unerschrockenheit und Neugierde. Das passiv gelebte 2018, hab ich hinter mir gelassen. Mehr aktiv sein und weniger passiv bleiben. Ein Mix aus alte Verhaltensweisen ablegen, hinterfragen und neues mit offenen Armen empfangen und lieb haben.

Ich entdecke gerade eine Menge neues für mich. Meine Denkweise wird analytischer. Ich hinterfrage meinen kleinen Kosmos. Was kann ich behalten und was will hinauswerfen. Immer weitergehen.

Ich habe jede Menge Münzen für mein Gedankenkarussell gesammelt und werfe mit Begeisterung zur jeder vollen Stunde eine Münze rein. Bewegender Fortschritt, statt schmollende Stagnation.

Ich date wieder. Ganz ohne Absichten. Nur aus Freude am Kennenlernen.

Demnächst probier ich mal was aus. Etwas, dass mit Selbstliebe zu tun hat.

Ich freu mich auf den Frühling. Auf meinen Urlaub Ende März besonders. Seele baumeln lassen ohne Reue.

Im Urlaub nicht bloggen. Renovieren, Menschen treffen und Lesen. Nicht mehr und nicht weniger. Buchidee vorantreiben …

FRAUEN VS. FRAUEN

Wir Frauen sind Meisterinnen im urteilen und verurteilen – über uns selbst. Und anderen Frauen. Wir klammern uns an die Ideale, die uns die Gesellschaft vorgaukelt. Wir lassen uns von Menschen aus unserem Umfeld stark beeinflussen. Wir waren selbst Teil von Cliquen während der Schulzeit. Wenn wir nicht den Coolen angehörten, schlossen wir uns zumindest irgendeiner anderen Clique an. Wir schlüpften so, ganz unscheinbar, in eine Schublade. Im Berufsleben wird es nicht besser. Wir verurteilen fleißig weiter.

Wir verurteilen uns für alles. Wenn es nicht gerade die Figur der Frau ist, die uns in der U-Bahn gegenüber sitzt, ist es die überschminkte Gesichtsfassade. Wir nörgeln, wir meckern und kommen aus der Spirale nicht raus. Wir vergleichen uns permanent mit anderen Frauen. Und warum das Ganze? Weil die Gesellschaft und insbesondere Männer uns zu Objekten machen. Frauen sind das schönere Geschlecht.

Wir sagen oft, dass wir wegen unserer guten Eigenschaften geliebt werden möchten, sind aber frustriert, wenn uns Männer nicht in einem neuen Kleidungsstück, dass wir günstig im Schlussverkauf ergattert haben, noch ansehnlicher finden als sonst. Auch wenn sich nicht alle Geschlechtsgenossinnen schminken oder akkurat in einem bestimmten Kleidungsstil in der Öffentlichkeit zur schau stellen. Nein, im Grunde wollen wir auch mal Komplimente für unserer Optik erhalten. Nicht ausschließlich, aber irgendwie oft genug, dass wir daran selber glauben. So wirklich recht machen können wir uns es nicht mal selber.

Nicht umsonst werden heute Unmengen von Selfies gemacht. Überall. Wenn wir uns geschminkt fotografieren erfreuen wir uns an den Komplimenten und auch wenn wir ungeschminkt sind erfreuen wir uns an Komplimenten, wie toll wir doch ohne Make Up aussehen und ja auch eigentlich gar keins brauchen. Ein Widerspruch an sich und wir sind selbst schuld. Es sollte einfach normal sein, sich geschminkt oder ungeschminkt wohl zu fühlen. Aber Make Up zu tragen oder halt nicht, sinnlose Rechtfertigungen dafür oder dagegen existieren ja immer noch. Ich habe Freundinnen die sich schminken und welche die sich nicht schminken. Ich habe noch keiner empfohlen sich nicht zu schminken oder mit dem schminken anzufangen. Wiederum denke ich mir, bei anderen Frauen die mir in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder sonst wo begegnen: Concealer könnte nicht schaden! Ich bin also selbst nicht besser. Und es ist schlimm. Ein permanenter Widerspruch den ich da vor mir hin und her präsentiere.

Mach’s dir selbst!

Wer das liest scheint ein offener Typ Mensch zu sein. Verspürte Neugier beim lesen des Titels oder fragte sich: Warum schreibt sie jetzt auch noch darüber? Alles ist möglich, denn alle drei Varianten entsprechen der Realität. Ich schreibe heute bestimmt nicht über das Tabu-Thema überhaupt, aber ich finde es erwähnenswürdig.

Ich sag mal Du. Hallo Du. Wie stehst du zum Thema Selbstbefriedigung? Machst du es dir selbst? Oder ist dir das Thema vielleicht zu unangenehm? Egal! Ich lade dich hiermit ganz herzlich ein, dir den folgenden Text durchzulesen. By the way – warum gibt es für uns Frauen keine wirklich gute Bezeichnung für das, was wir da mit uns machen …? Einen runter holen oder einen von der Palme wedeln trifft es ja nicht mal ansatzweise. Und auch die Verniedlichung der Sugababes mit ihrem Hit PUSH THE BUTTON machte die Suche nach einer passenden Bezeichnung nicht leichter.

Ja, es geht um Selbstbefriedigung! Irgendwie erscheint es mir 2019 immer noch wie ein Tabu-Thema aus der ersten Reihe. Es hat doch weder mit Religion, Herkunft, Geschlecht, Alter (ok, ab dem Teenageralter) … jedenfalls mit keinem dieser benannten Punkte hat es etwas zu tun. Es ist wie es ist, ein Akt der Selbstliebe. Die Akzeptanz zum eigenen Körper und der verspürten Lust nach Berührungen. Die Lust auf Fummel-Orgien.

Du und ich. Wir haben Sex. Nicht miteinander, aber mit anderen Menschen. Sprechen darüber. Ja, lästern sogar darüber. Gut, das ist jetzt fies, aber lästern tun wir auch nur, weil wir im richtigen Moment nicht den Mund aufkriegen und wie eine Marionette uns der Lust unseres Gegenübers ausliefern. Und irgendwie genervt sind, weil dabei  nicht das für uns herausgekommen ist, was wir uns erhofft haben. Beim Sex mit uns selbst und vor allem überhaupt darüber zu sprechen, da laufen wir meistens so rot an wie eine reife Erdbeere auf Karl’s Erdbeerhof.

Ich plädiere für mehr Offenheit. Vergesst Dr. Sommer & Co. – jetzt komme ich! Oder zumindest rate ich den Teenies von heute sich nicht an die Bravo zu halten. Die hat mich früher eher verstört als mir zu helfen. Zudem trägt sie zu einer Verzerrung der Darstellung der modernen Frau dar. Wendet euch lieber an Frau Henning! Die hat ein Buch und eine Fernsehsendung mit dem Titel Make Love auf die Welt los gelassen. Prädikat wertvoll, sag ich nur!

Ich übe mich selbst jedesmal im äußern von Bedürfnissen, Wünschen und Fantasien. Jedesmal der gleiche Drahtseilakt, den ich da bewältige.

Uns begegnen im Laufe der Zeit genügend Menschen. Ich bin immer froh, wenn mir jemand begegnet, der offen ist. Da fühlt sich mein loses Mundwerk gleich viel wohler. Unsicher werde ich eher, wenn ich merke, das mich mein Gegenüber mit großen Augen anschaut, wenn ich zu hemmungslos mit meinen Worten jongliere.

Jede Begegnung ist eine neue Herausforderung, die es gilt zu meistern!

Zurück zum selber machen. Bitte, gebt dem Mädchen endlich einen Namen! Ich drücke doch kein Knöpfe!

Egal, ob du in einer Beziehung bist oder Single, Mingle oder sonst irgendwas. Sich selbst zu befriedigen tut gut. Ein kleiner Hormonvulkan der dabei überschäumt. Dich glücklich macht, entspannt und das Selbstbewusstsein stärkt. Du lernst deinen Körper und deine Bedürfnisse dadurch besser kennen oder lernst etwas neues dazu, denn nur du weißt, was den kleinen Vulkan der Lust zum überkochen bringt. Auf die Finger fertig los! Oder Vibratoren, Satisfyer oder was auch immer… Hauptsache irgendein Studienlehrgang der Lustforschung anhand des eigenen Körpers und das rein praktisch!

Single vs. Beziehung

Ich nehme mich als Single. Ich bin große Befürworterin der Selbstbefriedigung. Das kann schnell und leichtfertig genau deshalb abgestempelt werden, weil du oder ich Single bist/bin. Weil du nur dich zur Stimulierung deines Lustzentrums hast. Meine Lieben, da bewegt ihr euch auf dünnem Eis. Was du magst und was du willst, basiert auf der eigenen Entdeckungsreise. Deinem jetzigen oder zukünftigen Partner*in zu sagen, wo du angefasst werden möchtest oder auf was du stehst, basiert selten auf wahllose Fummelvariationen durchgeführt von jemand anderem. Du bist der Hauptschalter. Du bist die Hauptzentrale deiner Bedürfnisse und Empfindungen, nicht dein Sexualpartner*in.

Auch wenn das Bett halb gefüllt ist, habe ich meine Lust nicht beim letzten Matratzensport mit einem männlichen Wesen verloren. Sie ist allgegenwärtig. Bei mir bedarf es nicht viel Fantasie. Es ist für mich eine Art Entspannungstherapie. Während andere zum entspannen ins Tropical Island fahren, steige ich in meine Badewanne, gelegentlich platziere ich ein Glas Wein auf dem Wannenrand und versinke im Tal der Entspannung. Mein Körper, die Fernbedienung, wo keine Taste ungedrückt im Staub versinkt. Ob Toy oder die eigene Hand. Die Stimmung bestimmt die spezielle Zutat. Ob bei Sonnenaufgang zusammen mit dem Hahn, der mit seinem morgendlichen Kikeriki den Tag anschreit (Ach nee, ist mir schon klar, dass man sowas in Berlin nicht hat – Fantasie sag ich nur!) oder bei Kerzenschein im Mondenschein. Natürlich, endet nicht jede Planschrunde in der Wanne damit, denn viel zu oft geh ich ja meiner Bibliophilie nach.

Lust und Verlangen haben keine vorprogrammierte Tageszeit. Zudem hat Selbstbefriedigung einen positiven Effekt auf meine bzw. allgemein auf die Gesundheit. Nach einem angespannten, stressigen Tag kann Selbstbefriedigung mich wieder runter holen. Mein Ausflug ins Tropical Island. Ich schlafe dadurch viel entspannter. To Do Listen wirbeln nicht mehr im meinem Kopf umher. Eine Abstinenz vom tristen, unkontrollierten Konsumalltag. Klingt wie ein tiefgründiger Selbstfindungstrip. Jetzt muss ich lachen.

Bei einer spontanen Frage/Antwort Runde im Freundeskreis – der zu 90% liiert ist – bekam ich interessante bzw. vorausschauende Antworten.

Ich stupste ein paar Transmitter an. Die Frage nach der noch vorhandenen Praktizierung der Selbstbefriedigung, brachte die Gedankengänge in Bewegung.

Abschweifende Blicke. Versunken in der Thematik, konnte ich die Antwort erahnen. Das Bett ist ja mit zwei Liebenden gefüllt. Die uneingeschränkte Verfügbarkeit von einem Spielgefährten, der nie endende Alltagstrott, Job ggf. Schichtdienst, eine Familie die Zeit und Nerven kostet und die ehrliche Ansage „zu wenig Zeit für sich selbst zu haben“ verfrachteten die Hands-to-myself-Sessions in die hinterste Ecke der Lustzentrale bzw. ist oder war kein wirkliches Interesse hierfür vorhanden. Toys sind eher Nebensache oder gar nicht im Schubfach des Nachtschranks vorfindbar.

Ehrlich, offen & die pure Realität des Beziehungsalltags.

Ich denke lange nach über die Worte, die in mein Gedankenkarussell einsteigen. Verständnis und Skepsis machen sich breit. Wenn ich bedenke, dass man Selbstbefriedigung ins Liebesspiel mit dem Partner einbauen kann und eine weitere selbstgeschaffene Grenze für die partnerschaftliche Sexualität öffnet… Gut, das hatte ich nicht erfragt, ist aber meine gedankliche Weiterführung des Themas. Das ist warscheinlich auch wieder etwas, was sich von Beziehung zu Beziehung unterscheidet. Manche stimulieren sich, in dem gegenseitig die Lustknöpfe auf der korpusähnlichen Fernbedienung gedrückt werden und andere zeigen es ihrem Partner*in anhand einer Selbstinszenierung á la Kim Basinger (Meine Stiefmutter ist ein Alien – witziger Film in dem Kim Basinger Dan Aykroyd so richtig einheizt).

Letztendlich steht die Zufriedenheit, Akzeptanz und Selbstliebe zum eigenen Körper im Vordergrund. Bedürfnisse erforschen und stillen anhand von Selbstbefriedigung ist vollkommen normal. Es ist egal, ob du es praktizierst und das 7x am Tag oder auch einfach gar nicht. Keiner sollte für oder gegen die Praktizierung verurteilt werden.

Auch wenn die Selbstbefriedigung immer noch einen Platz auf der Ersatzbank der Selbstliebe einnimmt, schafft es die jüngere Generation der Frauen, die Thematik etwas zu lockern. Mittlerweile gibt es Plattformen für die weibliche Lust. Beispielsweise FEMTASY. Hier finden Frauen Audioaufnahmen, natürlich im zahlungspflichtigen Abo, um sich inspirieren zu lassen. Durch hören zum Höhepunkt. Viele Wege führen nach Rom. In der Podcast-Landschaft findet man zuhauf an Sex-Podcasts.

Es wird geredet und philosophiert, aber in Form von Nischen-Kommunikation. Wie die meisten Tabu-Themen ist auch die Selbstbefriedigung eine Thema, dass hinter geschlossenen Türen oder hinter vor gehaltener Hand Beachtung findet.

2019 sollte es anders laufen. Wollen wir ernsthaft rot anlaufen, wenn unsere Kinder uns mit diesem Thema konfrontieren? Schlimm genug das wir im Kiosk nach Frauenzeitschriften greifen. Die Zeitschriften unterstützen auch nur den glauben daran, dass wir Männern gefallen müssen. Das wir bestimmte Sachen machen, damit sie Freude und Befriedigung erhalten.

Letztendlich finde ich, wir sollten in der Kommunikation diesbezüglich offener werden. Mehr Empathie entwickeln. Allein oder in einer Partnerschaft, es macht keinen Unterschied, ob man Selbstbefriedigung praktiziert oder nicht, es hat etwas mit einem selbst zu tun und bedient sich nicht einer Co-Abhängigkeit, sprich wir brauchen einen anderen Menschen um etwas spüren zu können. Das körperlicher Austausch zu zweit, dritt oder viert oder oder … mehr Spaß und Lust bereitet ist klar, aber ich finde es ungerechtfertigt, wenn man die Praktizierung der Selbstbefriedigung ad acta legt, nur weil man einen Partner hat …

Das soll nicht gegen Partnerschaften gehen, denn auch in Partnerschaften wird Hand angelegt.

Ich wünsche freudige Fingerspiele!