Gen Y oder wir die Millenials

Wir sind eine Genration des Hinterfragens. Wir wurden in den achtzigern und neunzigern geboren. Wir sind die Generation der first world problems. Eine Generation die weiß, dass sie von der Altersarmut betroffen sein wird. Nichts dagegen ausrichten kann und das politische System, so wie es Jahre lang hingenommen wurde, nicht mehr hinnehmbar findet. Wir sind die Gegenwart und möchten für die Zukunft etwas ändern.

Wir wirken auf die Generation von gestern meistens planlos, unentschlossen, besserwisserisch und konsumgeil. Woher mag das kommen? Das wir so wirken, liegt nicht an uns. Wir leben in einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft. Wir wirken unentschlossen, weil es für uns so viele Möglichkeiten und Wege gibt. Besserwisserisch wirken wir, weil wir aus der Vergangenheit mit ihrer Vielzahl von Fehlern gelernt haben. Und das wir konsumgeil sind liegt daran, dass ihr die „alten“ es uns in die Wiege gelegt habt. Ihr wart ja selbst nicht besser.

Wir sind die Generation, die am meisten von Burnout betroffen ist. Wir durchleben seit Anbeginn unserer Zeit nur Krisen. Wir waren Zuschauer von 9/11. Still haben wir Klima-, Afghanistan-, Irak-, Euro-, Wirtschaft-, Finanzen- und Bildungskrise mit angeschaut … eine Vielzahl von Krisen. Und bei allen waren wir Beobachtende. Wir schauten mit großen Augen. Nicht immer registrierten wir bewusst, was da passierte. Es passierte viel. Viel zuviel.

Seit ein paar Jahren können wir aber nicht mehr zuschauen. Wir haben angefangen auf die Straße zu gehen. Unsere Stimme zu erheben. Wir fingen an zu demonstrieren. Erst der Klimawandel. Dann gegen Rassismus, weil wieder ein idiotischer Rechtsruck durchs Land fegt. Für eine angemessene Flüchtlingspolitik. Wir demonstrieren für Gleichberechtigung. Werden zu bekennenden Feministen*innen. Aktuell für die Netzfreiheit und gegen Artikel 13! Wir lassen uns nicht mehr vorwerfen, eine Generation zu sein, die planlos ist und nicht weiß was sie will.

Wir wollen nachhaltiger werden, weil wir es müssen. Wir wollen gesünder leben, weil wir die Lebensmittelindustrie durchschaut haben. Wir wollen das Internet so, wie wir es kennen und lieben gelernt haben. Wir wollen uns selbst verwirklichen, weil wir einen Sinn brauchen für das was wir tun. Wir haben aus den vergangenen Genrationen gelernt und möchten unser Leben nicht komplett der Arbeit widmen. Wir haben Köpfchen, scheuen keine Herausforderung. Familiengründung und Freizeit ist uns genauso wichtig, wie der berufliche Aufstieg. Wir können genauso ackern wie unsere Eltern. Nur behalten wir unsere Gesundheit im Blick. Sicherheit ist für uns nur ein Wort, weil wir nur Krisen kennen. Daher sind wir mutiger, weil wir wissen das wir nach dem Fallen auch wieder aufstehen können.

Der Politik sind wir ein Dorn im Auge.

Die Politik regiert auch 2019 immer noch konservativ. Selbst eine weibliche Regierungsspitze hat da nicht viel geändert. Klar, wir leben in einem Land in dem es uns gut geht. Woanders lebt es sich nicht so herrlich. Aber es kommen in der Zukunft Probleme auf uns zu, die man jetzt anpacken muss.

Im Grunde müssten wir alle politisch noch aktiver werden. Am besten gleich in die Politik gehen. Nicht zwingend muss dafür eine neue Partei gegründet werden. Man kann auch bei den etablierten Parteien mitmischen und die Würfel selbst in die Hand nehmen. Wenn man uns lässt! Bis dato habe ich das Gefühl, dass wir immer noch belächelt werden. Überall wünscht man sich mehr junge Leute, aber unsere Ideen fürchtet man dennoch. Letztendlich werden sie zerredet und mit Spott überschüttet.

Wir die Generation …

… Why

… What

… Krise

… Chips

… Maybe

… Me

und wie ihr uns noch gerne betiteln möchtet, wissen was los ist. Also gibt uns bitte eine Chance etwas zu ändern. Wir haben Krisen miterlebt, sind offen für neues und können nach dem Fallen wieder aufstehen und weiter machen!

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In der Trägheit versinken

Wer kennt das nicht, du hast Feierabend und freust dich nach einem anstrengenden Arbeitstag auf deine Couch! So schön kuschlig und bequem! Davor noch in die Schlabberklamotten und der gemütliche Teil des Tages kann beginnen. Doch was macht das mit einem, wenn man das jeden Tag so macht?

Die Trägheit aus meinem Leben zu verbannen, war ein Teil der Selbstoptimierung und der neu gewonnen Achtsamkeit mir gegenüber. Ich praktizierte es eine halbe Ewigkeit. Erst arbeiten und dann erschöpft auf der Couch landen. Vom Fernsehprogramm berieseln lassen und entspannen. Nicht selten schlief ich ein und wachte im dunkeln auf. Orientierungslos erwachte ich und dachte: Mist, wieder nichts vom Nachmittag gehabt.

Wer kennt das nicht?

Beim dauerhaften Praktizieren stellt sich irgendwann eine Trägheit ein, die man so eigentlich gar nicht haben wollte. Bevor man sie sich eingesteht, kommt erstmal das Abwehrverhalten mit Worten wie: man entspanne doch nur, was stört dich daran und so weiter und so fort.

Verabredungen mit Freundschaften unterbrechen diesen Prozess der Trägheit nur kurzweilig. Ich hab hierzu die Woche einen interessanten Artikel gelesen und wurde mal wieder inspiriert mich zu reflektieren und es hier niederzutippen.

Der Artikel beschreibt genau dieses Szenario der Trägheit, was wir alle kennen. Das es besser wäre, nach der Arbeit weiterhin aktiv zu bleiben. Sei es ein Hobby oder dergleichen. Wenn wir länger im Aktivmodus verweilen, werden wir im Job leistungsfähiger, sind motivierter und vor allem schlafen wir nachts besser.

Ich nehme dann mal mich als Beispiel und kann das zu 100% bestätigen. Seitdem meine Couch nicht mehr mein erster Anlaufpunkt nach Arbeit ist, sprudel ich nur so vor Kreativität und Motivation und geh tatsächlich etwas beflügelter durchs Leben. Wie ein Honigkuchenpferd auf LSD.

Das Wetter bewusster zu genießen, vor allem die Sonne! Zum Ziel zu spazieren als zu fahren ist jedes Mal eine gute Entscheidung. Ich lass die Trägheit, dann immer doof stehen und geh einfach los. Studiere lieber das Kinoprogramm und den Veranstaltungskalender der Clublandschaft als die Neuerscheinungen der Streamingdienste (geht jetzt eh nicht mehr:).

Der erste Schritt raus aus der Comfortzone ist nicht schwer, erfordert nur ein wenig Mut. Mutig sein kann man lernen. Man sollte nie aufhören zu lernen. Neue Erkenntnisse sind nichts anderes als die Bekenntnis zum mutig sein!

Wenn dein Leben zu einer Challenge wird!

Die letzten Jahre verbrachte ich mit gefühlter Sinnlosigkeit. Also, Sinnlosigkeit in Form von: ich konsumierte nur. Schaute Videos on demand, scrollte und tippte mich durch Social Media und lebte wie ein Hamster. Schlafen, essen und arbeiten. Irgendwie, wollte ich das nicht mehr.

Ich hab Lust auf eine Challenge!

Im Freundeskreis und auf Arbeit hatte ich genug Inspiration, wie man den eigenen Alltag ein wenig aufpeppen kann. Doch eigentlich hab ich ja was gesucht, was ich fest in mein Leben integrieren kann. Ich will nachhaltiger leben. Ich will mehr darauf achten, was ich mir da in den Mund schiebe. Weniger bis gar keine tierischen Produkte mehr und pflanzlicher sollte es werden, zudem will ich auch den Alkoholkonsum runter schrauben. Ist ja generell nicht viel, aber das bisschen kann man auch noch reduzieren.

Ja, das sind jetzt alles Dinge, die die Gesundheit wieder gut dastehen lassen. Aber was gibt es noch? Ich beschloss mehr zu lesen. Online fand ich die #50BOOKSIN2018 – Challenge. 50 Bücher? Das heißt, ich muss mindestens ein Buch pro Woche lesen. Und wirklich viele Seiten dürften es auch nicht haben. Ich startete also die #50BOOKSIN2019 – Challenge. In meinem Bücherregal tümmeln sich genügend ungelesene Bücher und in Buchhandlungen bin ich auch viel unterwegs. Sollte also funktionieren. Ich startete im Januar mit 5 Büchern und hänge im Februar hinterher mit bisher einem Buch! Ich bin weiterhin frohen Mutes und die Hoffnung, dass der März besser wird, soll mich leiten.

Und bloggen wollte ich auch …

Letztes Jahr startete ich mit diesem Blog und wollte natürlich weiter machen und auch mehr Beiträge veröffentlichen. Über mehr Themen schreiben und weniger jammern. Naja, das mit dem jammern konnte ich noch nicht zu 100% abschalten, aber Luft nach oben muss ja auch sein, ne? Das klappt also auch. Ich sitze fast täglich am Laptop und tippe was das Zeug hält. Promote über Instagram und Facebook und Twitter und Pinterest sollen noch folgen. Läuft!

Zwei Abos abschaffen, ein neues zulegen

Lesen und schreiben nimmt enorm viel Zeit im Alltag ein. Was mache ich also mit Netflix & Co? Hab ich vor kurzem gekündigt. Und da sich meine Kinobesuche häuften, habe ich mir wieder ein Kinoabo zugelegt. Einen Beitrag zahlen und so oft ins Kino gehen, wie ich mag. Erscheint mir derzeit sinnvoller als verloddert auf der Couch zu faulenzen und mich von Netflix & Co berieseln zu lassen. So bin ich an der frischen Luft, kann das mit einem Spaziergang verbinden und weil das Abo mehrere Kinos beherbergt, sehe ich mal wieder mehr von Berlin. Erhoffe ich mir zumindest!

Alles irgendwie bewusster erleben und nicht nur so nebenbei konsumieren.

Und dennoch hab ich ein leicht gestresstes Gefühl dabei. Jede Woche ein Buch, dann mehr bloggen und dazu Kinobesuche. Klingt eigentlich nach einer schönen Sache. Ist es auch, wenn ich nicht immer soviel grübeln würde und mir das manchmal wie Selbstoptimierung vorkommt und ich ja eigentlich achtsamer mit mir selbst umgehen will. Übertreibe ich? Oder stimmt es? Bin ich jetzt eine fleischgewordene Challenge geworden?

Das Schreiben hat ja einen Zweck und vor allem ein Ziel. Über Filme und Bücher möchte ich schreiben. Die Abos der Streamingdienste zu kündigen, war sinnvoll, um mich mehr aufs Schreiben zu konzentrieren.

Klappt auch gut und dennoch hab ich wieder viel zu viele Münzen fürs Gedankenkarussell ausgegeben … Hält mal bitte einer das Karussell an!

Von optischen Täuschungen und der Entscheidung, sich so zu kleiden wie man will!

Als Kind machte ich mir wenig Gedanken darüber, was ich da eigentlich für Mode trug. Teilweise kleidete mich meine Mutter ein. Ich mochte mein Mädchendasein. Ich trug gerne Lackschuhe und schmückte mich mit Plastikschmuck – später wurde daraus Modeschmuck. Mittlerweile, dank meiner Mutter, habe ich auch ein paar echte Stücke in meinem Schmuckkästchen. Ich trug bis zur Einschulung gerne Kleider. Danach nicht mehr. Ich ging in die Breite und fühlte mich mit Kleidern und Röcken wie ein modischer Fauxpas. Ich fing auch an andere Mädchen zu bewerten und wollte so aussehen wie sie. Ich orientierte mich nicht an Models aus Modemagazinen. Es gab ja genug Mädchen in meinem Umfeld, die ich schön und optimal fand.

Frauen beschäftigen sich mit ihrem Äußeren, auch wenn sie sich nicht schminken und auch nicht die aktuellen Modetrends zelebrieren. Frauen haben schon seit Jahrhunderten dieses Problem mit der optischen Täuschung und das man bestimmte Kleidung nicht tragen sollte, wenn man zu dick oder zu dünn ist.

Heute versucht man Kinder nicht geschlechtsspezifisch eine farbliche Orientierung zu verpassen

Die Erwachsenen zeigen uns schon von klein auf, dass Mädchen sich von Jungen unterscheiden. Mädchen tragen meistens rosa und die Jungen blau. Heutzutage lockert sich das ein wenig. Heute versucht man Kinder nicht geschlechtsspezifisch eine farbliche Orientierung zu verpassen, sondern so neutral wie möglich einzukleiden. Oft muss dafür die Farbe beige in hellen oder dunklen Nuancen herhalten oder man verpackt die Kleinen mit Mustern, wie Streifen oder Punkten. Zumindest hat das Farb-Fauxpas bei den Eltern nachgelassen.

Kleider machen Leute

Eine feminin gekleidete Frau bekommt in der Regel mehr Aufmerksamkeit und Beachtung in der Gesellschaft als eine Frau, die einen Messy Bun (unordentlicher Dutt) und viel zu weite Kleidung trägt. Kleider machen Leute. Den Spruch kennt jeder. Dabei ist es vollkommen Banane was wir tragen. In Berlin sowieso. Dennoch verbringen wir sehr viel Zeit damit, weil es uns halt nicht egal ist. Wir machen uns sehr wohl darüber Gedanken. Aber machen wir uns über unsere Verpackung Gedanken, weil wir bei der Begutachtung (außerhalb unseres Spiegelbildes) durchfallen könnten, weil wir für die Kleidung, die wir tragen, nicht die „richtigen“ Maße haben? Wir sollten nicht alles glauben, was wir denken!

Beth Ditto gehört zu den Frauen, die mit ihren Maßen durch das gesellschaftliche Raster hindurch fällt, dennoch polarisierte sie, modisch und gesanglich, vor ein paar Jahren die Musik- und Modeszene und somit schaffte sie es, dass sich die Welt für uns dicke Mädchen und Frauen, ein wenig öffnete. Selbst Karl Lagerfeld, der Dicke für unansehnlich fand, stand auf Beth. Lies sie sogar auf Modenschauen laufen und ihre Speckröllchen umher stolzieren. Beth genoss sichtlich diesen Moment, aber ich schaute nur in die Röhre und dachte: Herrje, alles schön und gut, aber eigentlich hatte ich gehofft, liebe Beth, das du diese oberflächliche Welt änderst. Letztendlich bist du auch nur eine Frau, die die Objektifizierung von Frauen unterstützt! Ich mag dich dennoch und versuche dieses Lebensereignis von dir zu ignorieren.

Gesundheitsfanatiker meldeten sich dann auch noch zu Wort. Man würde ja jetzt etwas für gut heißen, was ja eigentlich ungesund ist. Dick ist ja auch nicht wirklich gesund, aber müssen wir uns unser ganzes Leben immer wie Außenseiter fühlen? Uns schlecht fühlen, weil wir nicht der Norm einer – mal präzise formuliert – Gesellschaft entsprechen, die permanent versucht alles und jeden ein Idealgewicht – metaphorisch gesagt – zu verpassen?

Als Teenager nahm zwar die Akzeptanz zu meinem Gewicht nicht zu, aber ich scherte mich nicht darum, ob meinem Umfeld passt, was ich da trage. Es war mir durch und durch egal und das hab ich mir bis heute beibehalten. Das hab ich einer Frau zu verdanken, die leider nicht mehr unter uns weilt: Janis Joplin! Sie hatte selbst immer mit sich und ihrer Optik zu kämpfen. War keine wirkliche Schönheit, aber Charisma hatte die Frau. Das nahm ich mir schon mit 15 zu Herzen.

Meine Mutter meinte sogar irgendwann zu mir: „So gehe ich nicht mit dir vor die Tür!“ letztendlich ging sie doch mit mir – so wie ich gekleidet war – vor die Tür in die Öffentlichkeit. Und was verschreckte sie so? Ich trug ein schwarzes T-Shirt, darunter ein Shirtkleid mit Blumenmuster, das man nicht mal als Gardine verwenden würde, über eine Jeans und als i-Tüpfelchen einen Nietengürtel. Schwarz lackierte Fingernägel und Chucks. Fertig war mein Ich. Ich fand mich toll!

Gelegentlich mal Objekt spielen ist OK!

Es spricht ja nichts dagegen, gelegentlich Objekt der Begierde zu spielen. Sich mit Komplimenten überschütten zu lassen. Verführerisch mit den Wimpern zu klimpern. Die Brüste mal zur schau zur stellen. Aber halt alles in Maßen, weil wir ja sonst nur als ein Objekt gesehen werden. Und wir sind ja mehr und wir wollen ja auch mehr sein. Wir wollen ja nicht nur mit Männern flirten. Nein, wir wollen auch mit ihnen philosophieren. Ohne Hintergedanken.

Die Medien sind Schuld! Hollywood ist Schuld! Wir alle sind Schuld! Wir gehen herrlich dressiert wie Äffchen durch die Welt. Stopfen uns voll mit Komplexen und verarschen unser Spiegelbild mit Filtern, PhotoShop und gut trainierten Posen! Und als krönenden Abschluss besaufen wir uns mit dem permanenten Vergleich mit anderen!

In den 20ern angekommen fing ich an mich mit Mode zu beschäftigen. Danke Carrie Bradshaw! Warum? Auch ich kam nicht an Carrie vorbei! Ich bin ja auch nur ein kleines, dressiertes Äffchen. Ich beschäftigte mich mit Farben. Welche sich miteinander kombinieren lassen. Oberteile und Unterteile. Wenn ich oben weit trage, sollte ich unten nicht weit tragen. Ich optimierte mein, wie meine Mutter immer sagte, desaströses Erscheinungsbild mit modischen Trends – bis heute! Ich bin keine Fashionista, aber irgendwann schlich sich ein Bewusstsein für Mode in mein Leben und ich finde das toll! Nicht jeder Trend lohnt sich, aber manches Mal kann ich mich auch nicht zurückhalten und renne durch die Läden, als würde ich für die Vogue shoppen (ich bestell meistens online, aber wenn ich mal im Laden unterwegs bin, dann wie eine Vogue- Mitarbeiterin).

Ich vergleiche uns Menschen gern mit Geschenken. Unser Charakter, also unser Inneres halt ist das Geschenk und unsere optische Erscheinung das Geschenkpapier. Wenn wir nicht gerade Kleidung á la Einheitsbrei aus den bekannten Modegeschäften tragen, versuchen wir aus der Reihe zu tanzen. Mit einem Kopfschütteln betrachten wir menschliche Wesen, die einen subkulturellen Kleidungsstil mit einem modischen Trend kombinieren. Skandal und Verrat an der Subkultur! Ich finde das innovativ! Heißt es nicht Regeln sind da um sie zu brechen oder Grenzen sind da um sie zu überschreiten? Und wie steht es um die Frauen die Leggings tragen? Sind wir mal ehrlich: es sind keine Hosen! Aber eine anerkannte – wenn doch eher hineingeschmuggelte – Bekleidungsvariante für den unteren Bereich des Körpers.

Mehr dicke Mädchen in Leggings!

Zitat: Margarete Stockowski, Mai 2017

Margarete Stokowski veröffentlichte im Oktober 2018 ein Samelsorium von Kolumnen und Essays. Folgende Kolumne trifft es auf den Punkt genau: Mehr dicke Mädchen in Leggings!

Sie zählt ein paar Punkte auf, die ich für wichtige erachte!

  1. Für mehr dicke Mädchen in Leggings! – Kleidung ist ja für Menschen da und eine Leggings zu tragen ist laut ihren Worten „eine Demo für mehr Vielfalt“
  2. Wer starrt verliert. – Frauen könnten auch ohne BH rumlaufen, wenn die Gesellschaft nicht wäre. Männer sind anscheinend abgelenkt, wenn sie weibliche Brustwarzen durchs T-Shirt sehen. Ist längst hinfällig und Mann solle sich doch auf den Straßenverlauf konzentrieren.
  3. Apropos Männer: die auch. – Männer haben ja auch Brustprobleme. Auch sie müssen sie nicht verstecken. Genauso, ob sie kurze Hosen und Flip Flops tragen sollten: Na klar!
  4. Haare am Körper: normal. – Die Frage, ob man sich rasieren sollte oder nicht, also ob Haare am Körper erlaubt sind oder nicht, beantwortet sie schlicht mit einem: scheißegal! Unfeministisch wäre es, sich über den Körper einer anderen Frau zu beschweren.
  5. Alter ist Erfahrung. Lachen über Alter ist Dummheit. – sprich altern tun wir so oder so. Alles hängt irgendwann, das ist so gedacht und ist halt so.
  6. FKK, Neuversion: das Fasten von Körper-Kommentaren. – Menschen, die über andere Menschen – des Körpers wegen – schlecht reden, sind für den Arsch. Sie sind – nur dann – geltend vom medizinischen Fachpersonal oder wenn man eins aufs Maul haben möchte!
  7. Keinen Hass kaufen. – zudem zitiert sie die Autrorin Laurie Penny: „wenn wir uns alle wohlfühlen würden, so wie wir sind, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammen brechen.“ Es wäre normal beim Frausein im Kapitalismus, konsumierbaren Scheiß angeboten zu kriegen, um den Körper zu optimieren. Obwohl wir gut genug sind. Magazine zum Beispiel, die Frauen ihre Fehler aufweisen und Tipps, wie sie sie wieder loswerden und gleichzeitig Backkünste zu verfeinern und dem Partner die bestmögliche Verwirklichung sexueller Fantasien ermöglichen. Laut Maragrete sollte man den Kauf solcher Magazine gleich komplett bleiben lassen.

Ich unterstütze diese Ansichten und ertappe mich auch oft genug, wie egal mir das manchmal nicht ist und doch endlich werden sollte.

In den dreißigern angekommen, stelle ich fest: auch ich bin von der Gesellschaft gut dressiert worden. Füge mich hier und da immer mal wieder, den unsinnigen Normen, aber weiß das man nicht alles glauben muss, was man denkt. Ich weiß das Social Media auch krank machen kann, aber mit den Füßen auf dem Boden zur gleichen Erkenntnis führt: es dient einzig und allein zur Verbreitung von Informationen und dem Werben von alles und jeden. Ich benutze es ja schließlich auch so! Man kann sich mit allem bekleiden und sowieso kommt es ja auf unser können an und das sollten wir demonstrativ auf Plakate schreiben und jeden Tag mit einem gezückten Mittelfinger repräsentieren. Wie Lady Gaga!

Sonst ändert sich ja nie was.

Wann bin ich eigentlich erwachsen geworden?

Ich bin Anfang 30 und frage mich manchmal: wo ist die Zeit geblieben? Mir ist als wäre es erst gestern gewesen und ich würde immer noch auf der harten Holzpritsche im Kindergarten liegen und an die Decke starren. Meine Kindergärtnerin ermahnt mich, doch endlich einzuschlafen. Draußen scheint die Mittagssonne und ich soll schlafen? Ein paar Jahre später liege ich im Park auf der Wiese. Wieder scheint die Sonne. Ich betrachte den jungen Mann neben mir und fühle mich glücklich. Glücklich das er mich mag, mich küsst und gerne fühlt. Die Zeit vergeht. Der Uhrzeiger dreht sich unaufhörlich. Die Jahreszeiten und Jahre ziehen nur so dahin, wie die fluffigen Wolken am Horizont. Ich sitze auf einer Bank in Barcelona im Sommer 2017. Es ist heiß. Ich lasse das hektische Treiben der Fußgänger und hupenden Autos auf mich wirken, bevor ich in den Bus steige, der mich zur nächsten Sehenswürdigkeit der Stadt fährt. Es ist Mitte Februar und ich sitze hier an meinem Notebook und tippe diese Zeilen und frage mich: wann bin ich eigentlich erwachsen geworden?

Ist es passiert als ich von Zuhause ausgezogen bin? Als ich das erste mal meine Steuererklärung in den Briefkasten des Finanzamtes steckte? Oder schon viel früher als ich das erste mal Sex hatte? Ich mein Abschlusszeugnis in der Realschule entgegen nahm? Oder meine zwei Ausbildungen abgeschlossen habe? Oder passierte es mit der Küchenmaschine, die ich letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt bekommen habe?

Ich gehe arbeiten. Wohne im zentralen Osten von Berlin und habe ein BVG-Abo. Macht mich sowas erwachsen? Oder passiert das erst, wenn ich ein Kind zur Welt bringe oder mit einem geliebten Menschen zusammen ziehe?

Ich bin mir nicht sicher, was genau mich letztens dazu brachte, mir darüber Gedanken zu machen. Ich stand auf dem U-Bahnsteig Alexanderplatz und beim vorbeiziehen der U-Bahn erwischte mich diese Frage. Bin ich erwachsen? Und wenn ja, wann ist das passiert?

Ich könnte mit den Fragen bis Halloween weitermachen und würde auch dann nicht damit aufhören. Ich war dreimal im Kino diese Woche und zwei Filme, bestärkten mich darin einen Blogpost zu meinen verworrenen Gedankengängen zu verfassen.

Ich glaube mein Dasein als Kind oder besser gesagt die unbekümmerte Zeit endete mit dem Umzug 2012 in meine erste eigene Wohnung. Ich lebe immer noch hier. Fühle mich wohl und wenn mir die Wände zu langweilig werden, bestreiche ich sie mit einem neuen Farbton. So kann man ewig in einer Wohnung wohnen bleiben.

Wäsche waschen, Lebensmittel einkaufen, alleine verreisen, Verbindlichkeiten den öffentlichen Verkehrsbetrieben oder Mobilfunkanbietern gegenüber sind eigentlich nur Souvenirs unseres Erwachsenen-Ichs. Das macht man dann halt alles.

Filme, Bücher & Menschen projizieren das Erwachsen-werden mit bewegenden Meilensteinen im Leben eines Erdenbürgers. Ok. Schulabschluss mit 16 und ich fühlte eigentlich nur, dass eine bestimmte Ära zu Ende ging. Genau das gleiche Gefühl hatte ich nach dem Abschluss meiner zwei Ausbildungen. Wieder das Ende einer Ära. Immer endete eine Ära, aber das Gefühl erwachsen zu sein durchfuhr mich dabei nicht. Ich war doch ich – Mona! Und Sex ist auch kein Indikator fürs Erwachsen-werden. Der Spielplatz auf dem wir spielen, wurde nur größer und brachte uns ein paar neue Spielmöglichkeiten mit Gleichgesinnten.

Als Kind verstand ich selten, was am erwachsen werden so toll ist. Lebt es sich doch so herrlich unbekümmert zwischen Spielzeug, Abenteuerspielplätzen und der Flimmerkiste. Zumindest war das bei mir so. Mir boten sich auch keine wirklichen Gelegenheiten, dass gut zu finden, was meine Eltern da alles durchleben mussten. Ich komme aus einer Familie, die in der DDR gelebt hat. Allesamt sind sie in ihr groß geworden. Ein System, das sich am Marxismus-Leninismus orientierte und die Stasi hatte ihre Augen und Ohren überall. Das undemokratische, politische System ummantelte sich mit einer Mauer. Eine Mauer die am 09. November 1989 ganz unerwartet umfiel. Eine Revolution, die eine Wiedervereinigung von Ost und West hervorbrachte. Ich muss mich nicht schämen, wenn ich erzähle, das meine Familie gerne in der DDR gelebt hat. Man packe jetzt einfach mal alles schlechte, was sie beinhaltet zur Seite und nehme das einfache Leben. Job, Wohnung, Kinder und das Konsum – meine Eltern lebten einfach, hatten wenig Ansprüche ans Leben und waren glücklich. Glücklich waren sie auch als die Mauer nicht mehr an ihrem Platz stand und eine Welle von Neuheiten und Möglichkeiten in die ehemalige DDR einreiste. Mein Vater vermisst das damalige Leben manchmal und meine Mutter findet alles gut so wie es ist. Mein älterer Bruder hat noch ein paar Jahre mitbekommen und hat auch nie schlecht davon geredet. Ja, und ich? Ich bin 1986 geboren und kann nichts dazu sagen außer, dass mir die Gespräche über die DDR innerhalb der Familie sehr schnell zu den Ohren heraushingen. Ich bekam nichts mit, aber wusste auf einmal eine Menge über etwas, dass ich nicht verstand. Aus heutiger Sicht und mit dem Wissen über diese Zeit und was politisch schief lief, wäre ich noch bevor die Mauer gebaut wurde, gleich freiwillig im Westen geblieben. Da hätte mich auch die Musik von Silly oder Renft nicht von abgehalten.

Die DDR ist Geschichte und ich wuchs in der kunterbunten Bubblegum-Welt der 90er Jahre auf. Mit Gameboy, Tamagotchi und Polly Pocket im Gepäck, durchlief ich meine Kindheit. Die Schulzeit war zwar nicht die Hölle auf Erden, aber auch kein berauschendes Fest. Mit den 00er Jahren kam meine Teenie-Ära und die Oberschule. Ich war weder beliebt, noch unbeliebt. Halt einfach nur da. Gelegentlich kamen blöde Sprüche bezüglich meiner Optik, aber auch das kann ich nicht mit einem Trip durch die Hölle vergleichen. Mir ging es nicht schlecht, bis auf die gefühlsduseligen Irrungen und Wirrungen, die mit dem Heranwachsen, wie ein bitterer Beigeschmack, dazu kamen.

In den 10er Jahren angekommen, wusste ich was ich kann und wohin ich damit will, landete aber bisher nie dort, wo ich ewig zu verweilen vermochte. Kleine persönliche Krisen, Neuerfindungen und Abzweigungen auf dem Weg des Lebens, brachten mich zu einer Kreuzung. Das eine Schild ist mit WEITERGEHEN beschriftet und das andere mit STEHEN BLEIBEN. Ich habe mich fürs weitergehen entschieden und glaube, dass das eine sehr Erwachsene Entscheidung war. Bin ich am Ende doch schon Erwachsener als ich dachte?

Erfahrungen sammeln, Entscheidungen treffen und Erkenntnissen zu erlangen, kreieren unser Erwachsenes-Ich. Das geht manchmal schneller, als den eigenen Namen zu buchstabieren. Doch unseren kindlichen Modus sollten wie im Stand-by ruhen lassen und von Zeit zu Zeit aktivieren. Wie sollten wir sonst die vielen kleinen Menschen verstehen und ihnen erklären, dass alles halb so wild ist. Es ist nicht weh tut zu wachsen, hinzufallen und wieder aufzustehen.

Alles eine Frage des Blickwinkels.

HPV + PAP IIID

Ein Jahr lang beschäftigte mich etwas, dass man sich in der Öffentlichkeit nicht traut zu sagen. Etwas, das nicht mal eben zwischen Kaffee und Kuchen erzählt wird. Etwas, dass einen – durch mangelndes Wissen – in Verruf bringt. Etwas, dass andere falsch über dich denken lässt. Du wirst mit Vorurteilen konfrontiert, denn ich hatte HPV und mein PAP Abstrich lautete III D.

Drehen wir die Zeit zurück. Es ist Februar 2018 und ich bekomme einen Anruf aus der Praxis meiner Frauenärztin.

„Frau Luft, Sie haben einen kontrollbedürftigen Befund. Sie müssten in 3 Monaten wieder zur Kontrolle vorbei kommen.“

„Einen kontrollbedürftigen Befund? Ja, und was ist kontrollbedürftig?“

„Das müssten Sie mit der Fr.Dr. persönlich besprechen, dass kann ich Ihnen nicht am Telefon sagen.“

Zwei Stunden später saß ich bei meiner Frauenärztin im Behandlungszimmer. Noch nie wurde ich angerufen, geschweige das bei mir irgendwas nicht Ordnung war. Das was bei mir so kontrollbedürftig war und immer noch ist, ist mein PAP Abstrich. Der Abstrich war damals PAP IIID und als wenn das nicht schon reichen würde, gab es HPV als Hauptgewinn dazu. HPV hab ich es zu verdanken, dass meine Zellen sich an meinem Gebärmutterhals verändert haben. Da saß ich nun – HPV und einem „eventuell“ mal entstehenden Gebärmutterhalskrebs. Zwei Wochen zuvor saß ich beim Hausarzt mit der Diagnose Burnout. Ich fand mein Jahr 2017 schon scheiße und irgendwie fühlte es sich ganz stark danach an, dass 2018 auch nicht besser werden sollte.

Das folgende Video hab ich auf Youtube entdeckt und finde, dass es HPV sehr gut erklärt, aber für nähere und ausführlichere Informationen bitte ärztliches Fachpersonal konsultieren und nicht Pseudo-Doktor Google befragen.


Humane Papillomviren (HPV) bilden eine Gruppe von DNA-Viren, die in mittlerweile mehr als 100 verschiedene Typen eingeteilt werden. (…) Sie infizieren Epithelzellen der Haut und verschiedener Schleimhäute und können bei den infizierten Zellen ein unkontrolliertes tumorartiges Wachstum hervorrufen. Diese Tumoren sind meist gutartig und führen zur Warzenbildung an der betroffenen Haut- oder Schleimhautstelle (dem Ort der Infektion). (…) Einige HPV-Typen können jedoch auch bösartige Veränderungen hervorrufen, insbesondere Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) bei Frauen.

Quelle: Wikipedia

HPV. Was ist HPV? 31 und diesbezüglich unwissend. 2018 ist das schon peinlich. Ich weiß, wie das Social Media Space so funktioniert und kenne HPV nicht. Natürlich hörte ich nicht auf meine Frauenärztin und googelte wie ein Bekloppte. Das es sich dabei um ein Virus handelt und keine klassische Geschlechtskrankheit ist. Eine Kontaktinfektion, der auch areale um das Kondom herum als Infektionsquelle dienen können. Das sie größtenteils beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen wird, hatte sie mir schon gesagt. Ich überlegte krampfhaft, wann ich mal ungeschützten Verkehr hatte. Als Single achte ich ja akribisch und stets penibel auf Verhütung. Nach 3 Wochen grübeln kam ich dem Rätsel auf die Schliche. Die Male ohne Kondom konnte ich an einer – nicht mal vollen – Hand abzählen.

Das ganze grübeln und nachforschen, hat mich halb verrückt gemacht. Kurz bevor ich die Schwelle des Wahnsinns betreten konnte, packte mich dann letztendlich doch die Vernunft. Ich nahm meinen Kopf mit all seinen Gedanken und schüttelte ihn kräftig durch, trank einen über den Durst und sagte mir: SHIT HAPPENS.

Das Jahr zog sich dahin und ich musste alle 3 Monate zum Abstrich.

Der nächste Termin war im April’18. Befund: HPV positiv und PAP IIID

Juli’18. Meine Frauenärztin besprach mit mir wie es weitergeht. Nach ca. 1 Jahr mit diesem Befund, soll eine Biopsie erfolgen. [Wikipedia: Biopsie ist ein chirurgischer Eingriff zur Entnahme und Untersuchung einer kleinen Menge von Gewebe aus einem lebenden Organismus. Das entnommene Gewebe (das Bioptat) wird vom Pathologen unter dem Mikroskop untersucht.] Befund: HPV positiv und PAP IIID.

Oktober’18. Befund: HPV positiv und PAP IIID. Ich vereinbarte einen Termin für die Biopsie.

Januar’19. Jährliche Kontrolle und Biopsie.

Zwei Wochen später hatte ich meine Befundbesprechung. Ich hatte mich auf ein weiteres Jahr HPV eingestellt und das der PAP Abstrich nicht besser werden sollte. Es sollte anders kommen. Das entnommene Gewebe war soweit unauffällig, aber weiterhin kontrollbedürftig mit PAP II. Der HPV Nachweis war negativ! Ich glaube, ich habe mich genauso gefreut, wie Frauen deren Schwangerschaftstest positiv ausfällt.

Auch wenn es sich bei meinem Befund nicht um Krebs handelte, drückte die Thematik das ganze Jahr auf mein Gemüt und mein Selbstbewusstsein. Ich schämte mich für etwas, für das ich mich eigentlich nicht schämen sollte. Knapp 80 % der Frauen infizieren sich mal mit HPV. Es ist wie mit einer Erkältung. Das hat nichts mit ausschweifender Promiskuität zu tun, denn das denken die meisten Menschen, die davon hören. Sie bumst mit zu vielen verschiedenen Männern. Du kannst auch in einer Partnerschaft sein und HPV bumst dich. Männer sind oft die Überträger. Und dann beginnt das Ping Pong Spiel. Kondome schützen nur zu 50%. Die Zahl der Ansteckungen würde aber bei einer kontinuierlichen Benutzung schrumpfen. Es kann also jeden treffen. Bis zum 14 Lebensjahr können sich Mädchen und Jungen impfen lassen. Liebe Eltern, lasst eure Kinder impfen. Meine Generation hatte Pech.

Und wie verhielt es sich mit Männern?

Neben Scham und schwindenden Selbstbewusstsein, war die Erwähnung von HPV in Gegenwart von Männern das Topping! Männer sind hierbei noch unwissender als Frauen. Während von Freundinnen Beileidsbekundungen kamen, gingen Männer die mir begegneten mit dem Thema um als hätte man die Pest. Ich fing an nicht mehr zu daten. Ich glaube, ich hatte das erste Mal in meinem Leben das Gefühl, ehrlich zu sein ist keine Tugend. Aber stillschweigend einfach lieben kann ich nicht. Es hat auch nicht mit „das ist meine private Sache“ zu tun. Geschlechtskrankheiten kann und sollte man nicht privatisieren. So ernähren sich Tabu Themen. Über sie redet man nur mit vorgehaltener Hand.

Wir wollen immer alles wissen. Und dennoch schauen wir oft weg, weil unsere normale, kleine Welt sonst aus den Fugen gerät. Das Leben ist nicht nur toll, es hat auch Wendungen und Kehrseiten. Tabus gilt es zu brechen, damit wir Menschen Ängste und Scham ablegen oder offener damit umgehen. Lasst euch niemals einreden, dass man über bestimmte Themen nicht redet. Lasst euch kein schlechtes Gewissen einreden.

Auch wenn ich noch HPV positiv wäre, hätte ich diesen Beitrag geschrieben. Vielleicht etwas anders, aber ich hätte darüber geschrieben. Denn ein Jahr habe ich schon geschwiegen, es sollte kein zweites Jahr daraus werden.

Frauen sollten nur Make Up tragen, wenn sie es auch wirklich wollen!

…oder wie ich für mehr Selbstwertgefühl und Autonomie plädiere!

Als kleines Mädchen stand ich ewig vor der Frisierkommode meiner Mutter. Da gab es immer viel zu bestaunen. Ketten, Ringe, Armbänder und Make Up. Meine Mutter hatte nie viel. Eigentlich auch nur einige Fläschchen Nagellack und ein paar Lippenstifte. Nicht selten erwischte sie mich dabei, wie ich mit Ketten und Ringen beschmückt den Lippenstift ansetzte und dann vor Schreck fallen lies. Die Begeisterung meiner Mutter hielt sich dann immer in Grenzen. Ein schiefer Blick und ein lautes „RAMOOOONA, gehst du schon wieder an meine Sachen!“ lösten in mir immer ein halbes Traumata aus. Knapp 10 Jahre später fing ich an mich täglich zu schminken.

2016 erscheinte Alicia Keys ungeschminkt bei den VMAs (Video Music Awards). Ein Aufschrei ging durch die weltweite Medienlandschaft und die Außenwelt pöbelte fleißig in den Sozialen Netzwerken über die ungeschminkte Alicia. Sie war nicht die Einzige, die sich ungeschminkt auf dem roten Teppich zeigte. Heidi Klum, Gwyneth Paltrow oder Lena Gercke machten es nach. Es entstand ein neuer Trend, der eigentlich – mal laut gedacht – kein Trend sein sollte.

Angela Merkel bekam zu ihrem damals neuen Posten als Bundeskanzlerin auch eine Visagistin zur Seite gestellt. Als Umweltministerin hatte sie das nicht! Denn sie hat sich bis zu ihrem Amtsantritt als Bundeskanzlerin nicht wirklich geschminkt. Je erfolgreicher Frauen werden und demnach vermehrt in der Öffentlichkeit auftreten, nimmt auch die Schicht von Make Up im Gesicht zu.

Nach dem No-Make-Up-Look von Alicia Keys auf dem roten Teppich, ging der Trend auf Instagram so richtig ab. Auf einmal war die Plattform voll mit ungeschminkten Frauengesichtern. Es entstand ein weiterer Trend: das No-Make-Up Make Up. Frauen fingen an den sogenannten Nude-Look zu tragen. Sie trugen Make Up, dass auf andere wirken sollte als wäre man gar nicht geschminkt. Man greift hierbei nicht in den kunterbunten Farbtopf, sondern spielt nur mit der beige-/braun- und bronzefarbenen Farbpalette. Auf den roten Kussmund wird verzichtet, stattdessen greift man auch hier zu beigefarbenen Nuancen. Fingernägel werden auch nur dezent mit Klarlack oder sanften Nude-Farben lackiert.

Mit der 10er Feminismusbewegung, wurden auch alte Verhaltensmuster der Feministen/innen der 60/70er Bewegung mit in den heutigen Feminismustopf geworfen. Feministen/innen der 60/70er Bewegung haben damals etwas getan um sich von den Frauen der 50er Jahre abzugrenzen. Das nachfolgende Video bietet einen kleinen Einblick, was ich damit meine:

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Damals wollten sich die Frauen nicht nur aufs hübsch aussehen und was soll ich für meinen Mann kochen beschränken lassen. Sie rasierten sich nicht mehr die Beine und unter den Achseln ließ man den Urwald wachsen. Haare wurden offen getragen. Vorbei die Zeiten der adretten Frisuren. Make Up blieb in der Schminkkomode. Frauen gingen auf die Straße um für Frauenrechte als Menschenrechte zu protestieren, gegen Gewalt an Frauen, sexuelle Selbstbestimmung und reproduktive Selbstbestimmung, gegen Sexismus und noch viele andere Themen. Das hübsch herrichten war damals nur die Spitze der bestehenden Ungerechtigkeiten. Denn Frauen waren damals nur ein hübsches Accessoire. Sie existierten um Männer zu beglücken. Hübsch und willenlos. Nun erhoben sie ihre Stimmen und reaktivierten ihr Gehirn.

Heute gestaltet sich das etwas schwieriger. Wir kämpfen immer noch für Gleichstellung, Gleichberechtigung, gegen Sexismus und gegen Gewalt an Frauen. Heute gehen wir – oder sollten – mit Make Up und Kleidung viel selbstbewusster umgehen und uns nicht mal ebenso in gesellschaftliche Schubladen stecken lassen. Es sollte uns eigentlich egal sein, was andere über uns denken. Doch auch im Jahre 2019 hat die Gesellschaft ihre Tücken und Hintertürchen.

Wir Frauen werden noch immer wie ein Aushängeschild behandelt oder katapultieren uns selbst in dieses Bild. Man nehme Germany’s Next Topmodel. Diverse junge Mädchen gehen zu den Castings der Show. Sie möchten ein Model werden. Um die ganze Welt reisen. Trendige Kleidung und teures Make Up tragen. Sie benutzen ihren Körper und ihr Aussehen für beruflichen Erfolg. Ohne wirklich einzuschätzen, was für einen Preis sie zahlen. Tag für Tag optische Präsenz. Mit den Curvy Models wurde das übrigens nicht besser, auch da herrschen feste Regeln und Maße! Hierzulande tauchen die gecasteten Models irgendwann und irgendwo in der TV-Landschaft auf. Meistens da, wo auch die Castingshow lief. Wer Köpfchen hat, nutzt das clever als Karrieresprungbett. Man nehme als bekanntes Beispiel Marie Nasemann, die sich mit fairer und nachhaltiger Mode beschäftigt.

Der Arbeitsmarkt bietet noch viele andere Bereiche in denen Frauen mit einer hübschen Optik gern gesehen werden. Werbebranche, Assistentinnen Jobs und so ziemlich alle Jobs, die sich in der Öffentlichkeit abspielen. Hübsch herrichten wurde zur Normalität. Selbst Frauen, die sich nicht gerne Schminken, beschäftigen Visagisten/innen.

Wir bewegen uns mal wieder in einem Karussell oder war das nie anders?

Wir Frauen laufen immer noch fremdgesteuert durch die Weltgeschichte. Geben der Gesellschaft und ihren veralteten Ansichten und Werte viel zu viel Spielraum!

Schlank und schön ist immer noch die beliebteste Erscheinung einer Frau. Die Curvy Bewegung machte es zeitweise angenehmer , aber auch nicht wirklich besser. Dick ist halt nicht schick. Das Selbstbild einer Frau ist heute zerrissener denn je. Wir lassen uns bzw. sind oft verunsichert. Wissen selbst nicht was wir mit unserem Spiegelbild anfangen sollen. Bemitleiden uns selbst, wenn die Waage 10 kg mehr anzeigt als in der Schulzeit. Wir versuchen ernsthaft perfekt zu sein in einer nicht perfekten Welt.

Perfektionismus ist, meiner Meinung nach, ein Produkt der Fantasie.

Ich glaube, wir sollten endlich anfangen, dass was uns im Leben begegnet in Frage zu stellen. Wenn wir zu kleinen Individuen heran wachsen, sind wir unsicher. Diese Unsicherheit sollten wir dann, wenn wir aus dem gröbsten raus sind, den Kampf ansagen. Wir sollten uns mit uns beschäftigen. Gefalle ich mir nicht, weil ich der Außenwelt nicht gefalle? Schminke ich mich, weil man es von mir verlangt? Ziehe ich die Kleidung an, weil sie mir gefällt oder weil das jetzt jeder trägt?

Es werden immer die gleichen Fragen zum Selbstbild sein. Egal, ob wir Mädchen oder Frauen sind. Die Gesellschaft, so wie sie jetzt ist, wird uns Frauen immer auf den Seziertisch legen und auseinander nehmen. Deshalb sollten wir zukünftigen Generationen von Frauen zeigen wie es richtig geht.

Herrje! Schminkt euch doch. Wer hat denn was gegen Make Up, wenn es Rötungen auf den Wangen kaschiert, Augenringe verdeckt und euch erfrischt strahlen lässt? Bestimmt niemand!

Herrje! Schminkt euch nicht, wenn ihr euch damit maskiert fühlt, euch das be- und abschminken nervt. Ihr im Laden nicht wisst, aufgrund der Unmengen von Produkten, was euch gefallen würde. Schminkt euch nicht, um anderen zu gefallen. Verzichtet auf Foundation & Co wenn ihr euch damit nicht wohl fühlt. Und wenn ihr gezwungen seid euch für euren Arbeitgeber zu schminken, dann entscheidet sorgfältig, ob es sich lohnt und die Mühe wert ist.

Eines möchte ich noch los werden. Ob geschminkt oder ungeschminkt. Wir haben den Männern gegenüber ein Vorteil: Wir können mit Make Up ungeniert alles machen was wir wollen. Während Männer mit Augenringen, Blässe und Rötungen weiter durch die Welt gehen müssen. Können wir das alles, ganz sorglos übermalen. Können uns von einer verpeilten, verschlafenen Nachteule zu einer wachen, verstrahlten Amsel verwandeln. Wir sind ihnen hier im Vorteil. Warum das Vorteil nicht nutzen, wenn wir es können. Wenn nicht täglich, dann doch an bestimmten Tagen, wo uns danach ist und der Spiegel uns 3x spiegeln muss ehe er schnallt, wer ihm da gegenüber steht.

Sind wir nicht emanzipiert und autonom genug um selbst zu entscheiden wann, wo und wie viel wir uns schminken? Vielleicht hat Angela Merkel auch selbst entschieden, sich als Bundeskanzlerin mehr Make Up ins Gesicht klatschen zu lassen …