Mal wieder ganz smoothy daten

Ich hatte letztens ein schönes Date. Ein wirklich schönes Date. Es war so richtig schön smoothy. Es war keins dieser Dates mit hohen Erwartungsansprüchen. Es war spontan. Es war gut.

Dates müssen nicht ausschließlich dafür dienen krampfhaft eine Suche nach diesem einen bestimmten Menschen zu beenden. Sie können auch einfach nur schön sein. Eine schöne Zeit…

Ok, langsam übertreibe ich es mit dem Wort schön!

Ich hab mein Mindset was Dates betrifft jetzt endlich geändert bekommen. Verkrampfte ich in den letzten Jahren noch an Erwartungen und permanentem Wunschdenken, gehe ich jetzt einfach los und freu mich über neue Bekanntschaften. Hab eine unterhaltsame und interessante Zeit oder denk mir Shit happens. Es ist alles möglich und kann alles daraus werden.

Es wird ja eh immer anders als man denkt. Auch wenn man beim Schreiben schon irgendwie abklärt, was gesucht und nicht gefunden werde möchte, kann man letztendlich die verbrachte Zeit und die Geschehnisse nur minimal lenken und wenden. Das ist das tolle an Spontanität.

Dann findest du dich auf einem Konzert zu zweit wieder. Unterhältst dich anregend und findest alles interessant und spannend. Und eh du dich versiehst hängst du an den Lippen deines Gegenübers und genießt diesen Moment. Es sind diese Momente, die in dein Leben stolpern und dich Lächeln lassen.

Alles kann, aber nichts muss. Es muss daraus nichts entstehen und du musst dich auch nicht festlegen wie es weitergeht. Es geht einzig und allein ums genießen. Nicht zuviel denken. Nicht wieder gleich die Zukunft vor Augen haben, sondern die Gegenwart und ein Date einfach mal Date sein lassen. Halt alles ganz smoothy.

Wie oft hängen wir in diesen verkrampften Dates fest. Denken uns wieder ein Date-Unfall. Wieder ein männlicher/weiblicher Reinfall aus Schwachsinnshausen. Diese Erwartungshaltung gepaart mit Hoffnung und dem Gedanken „das muss jetzt endlich mal was werden“ treibt uns eher an den Abgrund der Verzweiflung als in die Arme eines Menschen.

Mehr strahlen von innen. Du kannst das. Ich kann das. Wir können das. Wir sollten uns weniger Bilder von der Grumpy Cat anschauen als vielmehr Bilder von Doug the Pug.

Wenn man immer trotzig sein Gegenüber mit Nachrichten in die Hölle verbannen möchte und sich dann fragt warum man blockiert wurde, dann wird es Zeit für ein Upgrade deines Mindsets. Dein Gegenüber merkt sehr schnell, dass du ein gebranntes Kind bist. Das du viele enttäuschende Dates hattest und du zu Kurzschlussreaktionen neigst. Drei Tage ohne Antwort oder Reaktion erscheinen nur einem selbst sehr lang. Eine Arbeitswoche von 5 Tagen vergeht hingegen schneller. Was tut man da? Sich ablenken. Sich nicht zu sehr an der Hoffnung festkrallen.

Klar, ghosting und Konsorten sind nicht nett oder haben den Respekt nicht gepachtet, aber sind wir mal ehrlich. Jeder macht es irgendwann mal. Wenn nicht mit Dates, dann zumindest mit lapidaren Freundschaften, ehemalige Bekanntschaften aus dem Job oder sogar Familienmitglieder. Blut ist zwar dicker als Wasser, aber das ist auch schon alles.

Nun fragt sich der eine oder die andere: wie macht man das?

Wie hab ich das gemacht? Ich glaube, ich hatte halt von mir selbst und meinem Verhalten genug. Es war irgendwie gut, dass im letzten Jahr nicht soviel bei mir lief und ich eine Dating-Pause hatte. Ich weiß nicht, ob es für jeden sinnvoll ist eine längere Pause einzulegen, aber im Akkord von Date zu Date zu düsen bringt glaube ich nichts. Es ist auch sinnvoll Erwartungen und Hoffnungen in den Hintergrund zu stellen und sich einfach treiben zu lassen. Denn nur wenn wir uns in der Gegenwart eines Menschen fallen lassen können, können wir auch ankommen. Jede Bremse, jede Schranke sorgt eigentlich nur dafür, dass wir stehen bleiben und uns irgendwann gar nicht mehr trauen weiter zu gehen.

Keep it smoothy!

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Richtungswechsel

Love, Sex & the City klingt wie die Kolumne von Carrie Bradshaw. Ihre hieß jedoch „Sex & the City“ wie die gleichnamige Serie, die uns sechs Staffeln und zwei Filme bescherte. Eine Serie die süchtig macht und doch irgendwie einen Blickwinkel an den Tag legt, der stutzig macht. Es ist nicht normal 10 Jahre hinter einem Mann her zu rennen und nach seiner Liebe zu betteln und dann wenn man mit ihm dann doch abgeschlossen hat auf einmal vor einem steht und sagt das du doch die Eine bist! Wer möchte denn bitte sowas? Carrie Bradshaw hat das auf eine ziemlich emotional, erdrückende Weise irgendwie gewollt. Ich hab daran kein Interesse.

Ich habe aber ein Interesse daran meinen Blog von Zeit zu Zeit weiterzuentwickeln. Die Kategorie HOW TO BE A SINGLE? mochte ich sehr, aber irgendwie kategorisierte sie das Single-Dasein. Dieses typische Single-Ding. Single sein ist befreiend und beklemmend zugleich. Man selbst genießt die Freiheit. Das Gefühl alles machen zu können was man will. Dieses Wechselbad der Gefühle, wenn einem das halbvolle Bett dann doch eher halbleer vorkommt und die Sehnsucht nach einem Menschen, der länger bleibt. Länger als das Frühstück am nächsten Morgen.

Die Kategorie funktionierte die letzten Monate ganz gut, doch irgendwie wollte es beim Schreiben, dann doch nicht mehr so richtig … naja … es passt halt nicht mehr. Mit der neuen Kategorie hab ich ein wenig mehr Spielraum. Ich werde weiterhin Single-Anekdoten von mir geben und auch weiterhin Einblicke abtippen, aber es gibt thematisch mehr Luft nach oben, kaum vorstellbar wenn man den Titel liest, aber es stimmt – wirklich:)

Es wird noch zynischer, ein ticken kritischer und unter Umständen humorvoller.

Hallo und Tschüss!

Hab ich da was verpasst oder ist es mittlerweile normal in der Online-Dating-Welt wahllos Menschen anzuschreiben, kurz ein paar Worte auszutauschen und dann wieder zu verschwinden? 2019 ist ja noch schlimmer als 2018!

Da klickt man sich durch Tinder, Bumble & Pickable – ja, gleich drei Apps – und schreibt ganz angenehm mit den Herren der Schöpfung … ja, da ist es dann auch schon passiert … weg sind sie. Ist das ein neuer Trend? Kurz schreiben und Tschüss? Sie lösen ja noch nicht mal das Match auf. Sie sind anwesend in Form ihres Bildes und einer Nachricht, die zwar eine Antwort möchte, aber keine Folgeantwort geben.

Nein, ich sage nichts falsches … oder … vielleicht doch … bei einem meinte ich, dass das Wetter ja jetzt wieder schöner wird … vielleicht mochte er keine Sonne und schrieb aus Protest nicht zurück? Ich habe keine Ahnung!

Die witzigsten sind die, die sich mit mir verabreden. Am Tag der Verabredung kommt eine Absage wegen Krankheit oder oder oder … dann kommt sowas wie nächste Woche schauen wir nach einem neuen Treffen.

Ja, dann ist die nächste Woche vorbei und der Chat hat ne Leichenstarre bekommen.

Online-Dating ist wie eine Hassliebe. Aus einem „Einmal und nie wieder“ wird ein „beim nächsten Mal wirds besser“. Widersprüche können das Leben und die Liebe liebenswert oder deprimierend machen. Beides liegt im Rahmen der Möglichkeit.

Nun,ich hab keine Lust auf Depri-Stimmung. Warum auch? Mein Selbstwertgefühl sinkt dabei ja nicht, aber mich nervt die fehlende Bereitschaft mal bis zum Ende zu kommunizieren. Vor allem wenn man Fragen stellt und Antworten haben möchte. Ich bin selbst manchmal nicht ganz unschuldig, wenn ich so verfahre, aber das ist bei mir dann meistens ein Bauchgefühl des negativen Gefühls der Person gegenüber, weil mir irgendwas nicht ganz koscher vorkommt.

So, bin ich jetzt eigentlich die Einzige der es so geht oder treffe ich hier beim Lesen auf Gleichgesinnte?

GHOSTING & Co – Nachrichten ins Leere! Wir müssen wieder mehr miteinander kommunizieren als uns zu konsumieren

Zwei Menschen lernen sich kennen. Sie haben Dates. Kommen sich näher. Treffen sich regelmäßiger. Sie verstehen sich gut. Es könnte mehr sein als eine Affäre. Auch wenn sie sich nicht sehen, schicken sie sich Kurznachrichten. Sagen einander das sie sich mögen und die Zeit die sie miteinander verbringen unendlich erscheint. Die Wochen vergehen. Plötzlich, wie aus dem Nichts meldet sich einer nicht mehr. Versendete Nachrichten nehmen Platz im Wartesaal der Leere. Keine Antwort. Die Fragezeichen summieren sich und die anfängliche Verliebtheit schwindet mehr und mehr. Irgendwann werden keine Nachrichten mehr versendet, denn Geister können nicht antworten.

Das Geister doch antworten können beweist uns Patrick Swayze in „Ghost – Nachricht von Sam“. Doch kann man Sam nicht mit den Geistern aus der wahren Welt vergleichen. Männer und Frauen zugleich. Anfängliches Interesse verschwindet wie eine Flasche im Leergutautomaten.

In Zeiten des Online-Datings wird es immer schwieriger sein Gegenüber zu durchschauen. Haben die flüchtigen Berührungen etwas zu bedeuten? Sollen die verschenkten Komplimente mir nur imponieren? Küssen wir für den Frieden oder für die Liebe? Haben WIR einfach nur Spaß oder DU allein?

Was betreiben wir da eigentlich mit uns und den Menschen um uns herum? Je nach Lust und Laune melden wir uns. Die eine Bekanntschaft halten wir uns warm auf der Ersatzbank, die andere wird blockiert und landet somit auf dem Dating-Friedhof. Ein Friedhof auf dem Zombies aus ihrem Grab entsteigen und genauso verkorkst durch die Dating-Landschaft spazieren wie die, die die Zombies erschaffen haben. Könnten wir uns mal bitte auf das besinnen das zählt wenn sich zwei Menschen begegnen: KOMMUNIKATION!

Man könnte sich jetzt fragen: Was will sie denn? Wir kommunizieren doch miteinander! Nein, wir konsumieren! Das ist ein Unterschied! Das was wir da betreiben ist Recherche am Gegenüber um einschätzen zu können, was die Person von einem möchte. Der typische Small Talk und immer ganz flirty dabei. Das Internet ist unsere Realität. Wir die Digital Natives, die Millennials, die die Babyboomer belächeln. Die Generation WHY (beziehungsweise die Generation Z), die auf die Straße geht und demonstriert, die Missstände beim Namen nennt, öffentlich kritisiert und den Generationen der vergangenen Zeit gepflegt den Mittelfinger zeigen kann ist dennoch verkorkst.

Liebe wirkt wie ein Weltwunder und Sex ist so einfach zu bekommen, wie das Brot im Supermarkt.

Unsere Generation ist eine der kommunikationsfreudigsten Genrationen. Wir haben so viele Möglichkeiten mit anderen in Kontakt zu treten. Beruflich, wie privat schweben wir in einer Kontaktblase der Leichtigkeit. Andererseits können diese vielen Möglichkeiten von allem, einen auch erdrücken und dann sehnen wir uns nach etwas mehr Tiefe, mehr Beständigkeit und mehr Zuverlässigkeit. Diese Phase der Zeit, in der wir Leben, erscheint mir fast wie die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Nur das die Menschen damals alles verloren haben und sich alles wieder aufbauen mussten. Sie wollten wieder etwas besitzen, sie sehnten sich nach Stabilität und nach klaren Verhältnissen. Heutzutage können wir uns sowas nicht mehr wirklich vorstellen. Nur die Erzählungen älterer Generationen holt uns von Zeit zu Zeit auf den Boden der Tatsachen zurück – bis zum nächsten digitalen Fortschritt!

Wir sind keinesfalls beziehungsunfähig! Doch die Schnelllebigkeit, der unaufhaltsame Fortschritt und der gesellschaftliche Druck blockieren uns und das natürliche Bedürfnis sich binden zu wollen. Wir haben Kontakte, aber selten mit der Tiefe und Wahrhaftigkeit, die uns die Hollywood Studios versuchen zu verkaufen.

Wenn wir Online sind, sind wir auch irgendwie in der Realität, weil wir ja permanent Online sind. Selten Offline und vollkommen greifbar. Seit über 10 Jahren gehören soziale Netzwerke zu unserem Leben. Was mit MySpace und StudiVZ begann, stagniert gerade mit Facebook, Instagram, Twitter & Co. Anfänglich haben wir in sozialen Netzwerken unsere realen Kontakte eingesammelt und Dinge die wir mögen in einer digitalen Wolke abgespeichert. Uns daran erfreut und so wie es war für gut befunden.

Neben Netzwerken, Freunde wieder finden und die Präsentation vom Musikgeschmack fingen wir auch an nach der Liebe zu suchen. Während die Kontakte, die man real kennen lernte immer weniger wurden, tummelten sich online immer mehr potenzielle Frösche zum Küssen. Es fing mit chatten bei Spinchat und Konsorten an. Wochenlang schreiben und Fotos austauschen und nun wischen wir Fotos nach links oder rechts auf Tinder. Gefällt dem Betrachter*in das was er/sie sieht, folgt eine Konversation und relativ schnell ein Treffen.

Dann findet man sich im Datinggeschehen wieder. Wo hingegen früher – also wirklich früher, so richtig früher – eine Verabredung reichte um zu wissen, ob man den Mann oder die Frau vom Fleck weg heiraten will, verhält es sich heute ganz anders. Da können sich in einem Menschleben um die 100 Dates ansammeln, die Lippen wund geküsst werden und die Bettwäsche in einem nie endenden Waschvorgang vor sich hin waschen.

Wir sammeln unbewusst und irgendwann wird das Sammeln zum konsumieren. Wir konsumieren Menschen! Bei Kaffee und Brot versteh ich das, aber Menschen? Ab wann geriet das eigentlich aus dem Ruder?

Das Dating 2.0 oder haben wir schon 3.0 oder sogar 4.0? Keine Ahnung. Auf jeden Fall ist das heute verrückter und merkwürdiger denn je. Während vor ein paar Jahren Ehrlichkeit und Offenheit das oberste Gebot waren mit Sätzen wie „ich suche etwas festes“ oder „ich will nur das eine“, werden wir heute hingegen mit „mal schauen, wenn es passt“ oder „ich suche eine Freundschaft+“ in die Ratlosigkeit gedatet.

Sex hat heute nur noch selten eine Bedeutung in der Phase des Kennenlernens. Die an den Haaren herbei gezogenen Dating-Regeln à la „nicht beim ersten Date miteinander schlafen“ oder „erst drei Tage nach dem Date melden“ fanden und finden keinen Anklang oder wurden und werden geschmeidig ignoriert. Wir machen das worauf wir Lust haben, ohne über die Konsequenzen unseres Handelns noch einmal gründlich nachzudenken oder wirklich zu wissen was wir wollen!

Wir wollen Nähe, Beständigkeit, Wärme und obendrein den besten Sex, den Adam und Eva abliefern können. Das gleiche gilt natürlich auch für Adam & Adam oder Eva & Eva oder oder.

Wir sind nicht scheu mit unseren Worten und landen auch oft im Sexting. Während die weniger intelligente Liga der Männlichkeit Dickpics verschickt und viele Frauen ein verschobenes Bild von Weiblichkeit anerzogen bekommt und darauf ausgerichtet ist dem Mann und generell der Außenwelt zu gefallen, prallen antike und aktuelle Weltansichten permanent aufeinander. Dinge die Frau oder Mann machen sollen um zu gefallen und heiratswürdig zu erscheinen gepaart mit junger Arroganz und Überheblichkeit katapultieren wir uns dahin, wo wir nie ankommen, nämlich ins irgendwo und wofür? Ja, wofür eigentlich? Mit Liebe und ankommen hat das nichts zu tun. Eher mit einem Wettbewerb der Sinnlosigkeit und Befriedigung des eigenen Egos.

Wir betreiben stattdessen Ghosting, Benching, Breadcrumbing, Submariningund Casparing. Von allem ein bisschen gut dosiert!

Statt uns bei jedem Date zu fragen WAS WÄRE WENN und es könnte ja noch etwas besseres kommen, wäre es doch genau jetzt an der Zeit, bei der ganzen Schnelllebigkeit, im Herzen eines anderen Menschen wieder so etwas wie Stabilität zu finden. So etwas wie Heimat. Wir sind alle beziehungsfähig! Wir haben Freunde. Wir verstehen uns mit Kollegen*innen. Wir hören mache Bands und Künstler schon seit mehr als 10 Jahren. Wir strahlen, wenn wir König der Löwen sehen. Wir haben ein Lieblingskneipe oder zumindest eine Lokalität in der wir uns gerne mit unseren Kontakten treffen. All das sind Indizien dafür, dass wir beziehungsfähig sind. Zu all diesen Dingen haben wir eine Bindung! Wir haben sie ganz bewusst oder unbewusst in unser Herz geschlossen und sie mit unserem Alltag kompatibel werden lassen.

Es liegt an uns und wie wir den Menschen begegnen. Doch sollten wir immer genau hinhören und das aufmerksam. Und auch wenn es bei einer Nacht bleibt oder die Begierde nur einen Sommer oder einen Winter lang hält. Wir sollten den Menschen mit mehr Tiefe betrachten und nicht nur Nutzen aus der Bekanntschaft ziehen. Wir sollten ehrlich kommunizieren und sagen wenn wir kein Interesse mehr oder generell haben. Nicht hirnlos Ersatzbänke füllen mit Mitspieler, die eh nie wirklich auf das Spielfeld dürfen. Wir sollten uns vor Augen halten was das alles mit uns macht und wohin das eigentlich führt.

Weniger Idiotie, mehr Philosophie!

Ich date jetzt anders

Ich betreibe schon seit Jahren Online-Dating. Mal mehr, mal weniger. Und immer wieder hab ich mich zu Dates hinreißen lassen, die am Ende ziemlich ernüchternd waren. Ich ging mit einer Erkenntnis nach Hause „das alle Männer gleich“ sind. Stimmt natürlich nicht. Sind alle anders, nur das Dating-Verhalten ähnelte sich oder Mann war der Meinung einem bestimmten Bild Mann entsprechen zu müssen, der mir aber zuwider war und ist.

Ich hab mir Biografien angehört. Erfolgsgekrönte Stories, Stories die Mitleid bei mir erzeugten und mein Helfer-Syndrom entzückten. Jedenfalls diverse Stories. Mein Lebenslauf ist für alle immer interessant gewesen, wenn ich erzählt habe, dass ich mal „Konzerte organisiert habe“ und wurde mit einem kritischen Blick beliebäugelt, wenn ich erzählte „das ich in der Pflege arbeite“.

Viele konnten nicht verstehen, wie man das eine aufgeben konnte und das andere machen kann. Ganz einfach, ich brauche eine sinnvolle Tätigkeit. Ich hab mal eine Bürotätigkeit ausgeübt, die sehr deprimierend war in ihrer Gesamtheit und mir so sinnlos erschien, dass ich 1000x lieber in der Pflege oder generell im Gesundheits- oder Sozialwesen arbeite. Warum ich keine Konzerte mehr organisiere? Weil es sich halt so ergeben hat, ich habe es halt an einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter betrieben. Ja, Konzerte sind cool und im Vergleich zu Bürojob und Pflegetätigkeit viel cooler … aber jetzt komm ich ja doch vom Thema ab!

Meine Dates liefen in der Regel immer gleich ab. Irgendwas trinken, essen oder unternehmen. Lebenslauf runter labern und dann zum wesentlichen kommen oder vorher schon klären, was bei einer Sympathie in echt, anschließend passieren soll. Ich mag halt direkte Ehrlichkeit.

Vor ein paar Jahren konnte ich die direkte Ehrlichkeit bei Männern noch mit Preisen auszeichnen. Ich will was festes oder ich will nur das Eine. Heutzutage kommt meistens der Spruch „ja, mal schauen“ … was soll das sein? Ein Mantra? Eine Meinung? Oder die Überlegung, was man am nächsten Tag essen will?

Dieses sich treiben lassen und schauen was geht, ist für mich eine typische Sonntagsbeschäftigung in Berlin, aber nicht die Vorgehensweise beim daten!

Der Knaller sind auch Männer, die eine Freundschaft Plus suchen. Hier wird Bequemlichkeit mit permanenter Verfügbarkeit von Sex gesucht. Also, ich hole jetzt mal tief Luft. Ich möchte keinen Sex mit Freunden. Freunde sind Freunde und Schnaps ist Schnaps. Freundschaft baut man über einen längeren Zeitraum auf und nicht innerhalb von ein paar Dates und dann immer wieder mit der Prämisse, wenn der Sex gut ist, sich doch öfter zu treffen, damit es natürlich einer Freundschaft Plus entspricht. Ich hole erneut Luft. Wenn der „erste“ Sex gut ist? Man kennt sich nicht und vor allem kennt man Vorlieben und den Körper des anderen nicht. Ein weiteres Treffen vom „ersten“ Sex abhängig zu machen ist bei Männern (die diesen Vorsatz leben) angesagt, wie abstruse Modetrends. Bescheiden daneben. Fast jeder 2. Mann mit dem ich geschrieben habe, hat das von sich gegeben.

Was hoch im Kurs steht, sind Emojis im Überfluss. Küsse, Herzen und Smileys. Ich verteile gerne Küsse und Herzen und Smileys. Entscheide aber selbst wann und bei wem. Mir schrieb mal jemand, dass ihm Frauen Mitte 20 Herzen und Co ganz selbstverständlich und viel schicken und das man mir anmerkt, dass ich ne Menge durch hab mit Männern. Ah ja, Herzen und Co im Übermaß repräsentieren also ein nicht gefrustetes Gemüt. Wie gesagt, dass entscheide ich selbst wann und bei wem.

Ich bin nicht gefrustet, mich regt nur das Verhalten von Männern auf. Wäre ich gefrustet, würde ich keine Männer mehr in mein Leben lassen. Frauen alleine zur Unterhaltung reichen mir nicht. Männer unterhalten mich noch mal ganz anders.

Männer die mir, in den letzten 3 Jahren, online begegnet sind sagen gleich, dass sie erstmal nur schauen wollen. Für eine lockere Geschichte wird guter „erster“ Sex vorausgesetzt, um sich dann wieder zu treffen. Quatsch mit Soße und ich lösche den Chat und den Kontakt.

Neue Strategie: Männer die mir so kommen, schreib ich, dass das Quatsch ist und verabschiede mich natürlich ganz förmlich in einem freundlichen Schreibton oder je nach persönlicher Stimmung mit einem gepflegten löschen. Mittlerweile habe ich mir einen feministischen Fragenkatalog erstellt den ich abfrage und schließe somit Sexisten, Rassisten (na gut die erkenne ich meistens schon eher) und Biedermänner aus. Egal ob für eine Lovestory a la Bernhard & Bianca oder ganz flüchtig für ein Abenteuer a la Rockstar & Groupie. Den lege ich hier natürlich nicht offen. Manche Bekanntschaften lesen meinen Blog.

Das schränkt die Möglichkeit des Datens online natürlich ein, aber selbst Aschenputtel wurde zum aussortieren verdonnert. Nur helfen mir keine weißen Täubchen dabei.

Weiblich, Single & Fabelhaft

Das ich Märchen mag, habe ich ja schon öfter erwähnt. Ich hab sie nie in Frage gestellt bis … ja bis jetzt! Also, ganz realistisch und in Zahlen gefasst bis letztes Jahr September. Ich bin mit dem Glauben aufgewachsen, dass es das Ziel einer jeden Frau ist vom Markt weg geheiratet zu werden. Ich habe das nie hinterfragt. Habe es hingenommen und krampfhaft versucht in mein Leben zu integrieren. Ich habe wie bekloppt ein Date nach dem anderen gehabt. Nur um mir mit Anfang 30 einreden zu lassen, dass mein Singlezustand mich merkwürdig und zu anspruchsvoll erscheinen lässt und für die Gesellschaft bin ich ohne Mann und Kind ein unvollständiges Exemplar.

Gerade die Älteren wollen mir das immer einreden. Sie wollen mir einreden ich brauche dies und ich brauche jenes. Sie sagen ich wäre nur glücklich und vor allem vollständig mit Mann und einem Kind. Nein, am besten 3-4 Kinder, da ich ja gern was zu tun habe. Bin ich eine Gebärmaschine? Ohne jetzt alle Frauen mit einer Heerschar von Kindern zu beleidigen, aber Geburten sind nicht ohne. Ich will ehrlich sein, ja ein Kinderwunsch ist vorhanden, aber ganz far far away irgendwo in der hintersten Ecke meines Gehirns. Ein Kinderwunsch ist für mich ein Gemeinschaftswunsch. Das bedarf einen männlichen Gegenpart. Ich liebe ja heterosexuell. Allein diesen Wunsch umzusetzen, steht für mich außer Frage. Bisher hat diesen Wunsch auch noch kein Mann aus dieser besagten Abstellkammer herausgeholt und mir bei einem romantischen Candle-Light-Dinner präsentiert. Der Wunsch setzt auch weiterhin Staub an. Manchmal sauge ich um ihn herum, wie mit einem Staubwedel um die Bücher in meinem Bücherregal.

Mein Freundeskreis und meine Eltern sind da etwas geschmeidiger. Die glauben zwar auch alle „das mich irgendwann einmal der Richtige“ aus meinem alleinigen Dasein befreien wird, hauen mir aber nicht ständig irgendwelche Sprüche um die Ohren. Ich mache auch kein Geheimnis daraus, dass ich flüchtigen Bekanntschaften nicht abgeneigt bin – bin ja keine Nonne. Lieber bete ich Aphrodite an als die heilige Maria.

Fakt ist, wir sind nicht unvollständig, weil wir Single sind. Und warum werden hierbei immer nur Frauen komisch angeschaut? Warum wirft man ledigen Männern keinen missbilligenden Blick zu? Wir Frauen werden immer ganz traurig angeschaut und dann kommt sowas wie „du Arme“ oder „der Richtige kommt schon noch“. Ledige Männer klopft man auf die Schulter und dann sagt man ihnen sowas wie „du musst dir halt noch richtig die Hörner abstoßen“. Ich glaube, ich spreche hier für viele Männer, dass das nicht der Wahrheit entspricht. Auch Männer haben bestimmte Vorstellungen von einer Frau an ihrer Seite. Oder?

Früher war Partnersuche viel einfacher. Ein Date. Bums. Verheiratet. Mir kann keiner erzählen, dass man sich früher Zeit gelassen hat mit der Partnerwahl. Man nehme die Scheidungsquote oder schaue sich die Unzufriedenheit in langjährigen Beziehungen an. Das spricht sicherlich nicht für jedes Paar, aber wie viele Trennungen von Elternpaaren aus meiner Schulzeit habe ich mit erlebt? So einige.

Mit Anfang 30 fühle ich mich viel wohler in meiner Haut als mit Anfang 20. Nur, leider muss ich mich wegen meiner Situation noch mehr rechtfertigen als mit 25. Da war man ja noch in seinen wilden Zeiten und bekam zu hören mit 30 wird alles anders. Damals durfte ich mir aber auch schon anhören „mit 30 nimmt dich keiner mehr“. Hmm, ich kann mich da ehrlich gesagt nicht beklagen. Angebot und Nachfrage stehen im Gleichgewicht. Und warum sagt man sowas, die Realität sieht wahrlich anders aus. Menschen jeden Alters suchen sich durch ihre Stadt nach einem passenden Gegenstück.

Ich lese derzeit ein interessantes Buch zu diesem Thema Singledasein und wie ok das eigentlich ist. Die Autorin nimmt alles auseinander … dazu irgendwann mal mehr.

Doch was hat jetzt eigentlich dieses Licht der Erkenntnis zum aufleuchten gebracht – im September? Ich war auf einer Hochzeit. Ich war die Trauzeugin der Braut. Eine langjährige Freundin von mir hat geheiratet und ich durfte diesen Tag mit ihr zusammen von morgens bis abends erleben. Friseur, Trauung, Sektempfang und und und …

Und da zwischen den ganzen Schnapsgläsern, den Unterhaltungen, der Musik unserer Jugend und dem guten Essen, kam mir immer wieder diese Frage auf : Wäre das auch etwas für mich? Jetzt nicht das heiraten, dass kann ich mir vorstellen, aber diese Sache mit der monogamen Beziehung?

In den vergangenen zwei Jahren habe ich mir diese Frage öfter gestellt, aber nie laut. Den ich bin nur von monogamen Beziehungen umgeben, die alles merkwürdig finden, was nicht monogam ist. Oder man tobt sich halt länger aus, bevor man doch wie sie, endlich sesshaft wird.

An diesem Tag, wurde die Frage in meinem Kopf immer lauter und lauter und irgendwann beim vierten Malteser schrie sie mich förmlich an. Monogamie gibt es auch erst seit ein paar hundert Jahren. Aber irgendwie lange genug um uns glauben zu lassen, dass es das einzige Beziehungsmodell ist, das einen dauerhaften, gesicherten Platz in unserer Gesellschaft hat.

Ich will sie ja nicht schlecht reden, aber andere Modelle sollte man nicht auch ausschließen. Für fragwürdig oder unnatürlich erklären. Polygamie ist natürlicher als man denkt. Die Geschichte ist der der beste Beweis.

Vielleicht begegnet mir wirklich mal jemand, der diese Gedanken in mir erlischt oder diese sogar mit mir teilt. Beides wäre fulminant.

#THIRTYSOMETHING|2

Ich hab zu tun mit mir selbst. Bin beruflich den ganzen Tag von Menschen umgeben und kann nach Feierabend nicht auch noch Menschen um mich haben.

Mir wird das zu anstrengend. Hier Bedürfnisse abdecken und da ein offenes Ohr für Probleme haben.

Welches normale Herz hält das aus?

Ich brauche Zeit für mich. Für das Schreiben und dann noch für meine Freundschaften. Für meine Familie.

In der Gesellschaft läuft was schief und ich will was tun. Will auch demonstrieren, diskutieren und argumentieren. Einfach agieren.

Anfang 30, weiblich und Single. Fluch und Segen zugleich. Ich mag mich. Der Biederfrau bin ich ein Dorn im Auge. SORRY!

Männer gibt es wie Sand am Meer und dennoch spiel ich Tag ein Tag aus Aschenputtel. Hab keine weißen Tauben, die mir bei der Auswahl helfen.

Irgendwann werden meine Finger müde und brauchen eine Pause. Pause vom Auswählen. Gezwungenermaßen Entscheidungen zu treffen. Eine Entscheidung kann ich aber noch nicht treffen, weil die Auswahl für’n Arsch ist. Angebote wirken wie Restposten.

Mindesthaltsbarkeitsdatum überschritten. Schmeckt bitter und fühlt sich leer an.

Neue Angebote bitte!