Ich date jetzt anders

Ich betreibe schon seit Jahren Online-Dating. Mal mehr, mal weniger. Und immer wieder hab ich mich zu Dates hinreißen lassen, die am Ende ziemlich ernüchternd waren. Ich ging mit einer Erkenntnis nach Hause „das alle Männer gleich“ sind. Stimmt natürlich nicht. Sind alle anders, nur das Dating-Verhalten ähnelte sich oder Mann war der Meinung einem bestimmten Bild Mann entsprechen zu müssen, der mir aber zuwider war und ist.

Ich hab mir Biografien angehört. Erfolgsgekrönte Stories, Stories die Mitleid bei mir erzeugten und mein Helfer-Syndrom entzückten. Jedenfalls diverse Stories. Mein Lebenslauf ist für alle immer interessant gewesen, wenn ich erzählt habe, dass ich mal „Konzerte organisiert habe“ und wurde mit einem kritischen Blick beliebäugelt, wenn ich erzählte „das ich in der Pflege arbeite“.

Viele konnten nicht verstehen, wie man das eine aufgeben konnte und das andere machen kann. Ganz einfach, ich brauche eine sinnvolle Tätigkeit. Ich hab mal eine Bürotätigkeit ausgeübt, die sehr deprimierend war in ihrer Gesamtheit und mir so sinnlos erschien, dass ich 1000x lieber in der Pflege oder generell im Gesundheits- oder Sozialwesen arbeite. Warum ich keine Konzerte mehr organisiere? Weil es sich halt so ergeben hat, ich habe es halt an einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter betrieben. Ja, Konzerte sind cool und im Vergleich zu Bürojob und Pflegetätigkeit viel cooler … aber jetzt komm ich ja doch vom Thema ab!

Meine Dates liefen in der Regel immer gleich ab. Irgendwas trinken, essen oder unternehmen. Lebenslauf runter labern und dann zum wesentlichen kommen oder vorher schon klären, was bei einer Sympathie in echt, anschließend passieren soll. Ich mag halt direkte Ehrlichkeit.

Vor ein paar Jahren konnte ich die direkte Ehrlichkeit bei Männern noch mit Preisen auszeichnen. Ich will was festes oder ich will nur das Eine. Heutzutage kommt meistens der Spruch „ja, mal schauen“ … was soll das sein? Ein Mantra? Eine Meinung? Oder die Überlegung, was man am nächsten Tag essen will?

Dieses sich treiben lassen und schauen was geht, ist für mich eine typische Sonntagsbeschäftigung in Berlin, aber nicht die Vorgehensweise beim daten!

Der Knaller sind auch Männer, die eine Freundschaft Plus suchen. Hier wird Bequemlichkeit mit permanenter Verfügbarkeit von Sex gesucht. Also, ich hole jetzt mal tief Luft. Ich möchte keinen Sex mit Freunden. Freunde sind Freunde und Schnaps ist Schnaps. Freundschaft baut man über einen längeren Zeitraum auf und nicht innerhalb von ein paar Dates und dann immer wieder mit der Prämisse, wenn der Sex gut ist, sich doch öfter zu treffen, damit es natürlich einer Freundschaft Plus entspricht. Ich hole erneut Luft. Wenn der „erste“ Sex gut ist? Man kennt sich nicht und vor allem kennt man Vorlieben und den Körper des anderen nicht. Ein weiteres Treffen vom „ersten“ Sex abhängig zu machen ist bei Männern (die diesen Vorsatz leben) angesagt, wie abstruse Modetrends. Bescheiden daneben. Fast jeder 2. Mann mit dem ich geschrieben habe, hat das von sich gegeben.

Was hoch im Kurs steht, sind Emojis im Überfluss. Küsse, Herzen und Smileys. Ich verteile gerne Küsse und Herzen und Smileys. Entscheide aber selbst wann und bei wem. Mir schrieb mal jemand, dass ihm Frauen Mitte 20 Herzen und Co ganz selbstverständlich und viel schicken und das man mir anmerkt, dass ich ne Menge durch hab mit Männern. Ah ja, Herzen und Co im Übermaß repräsentieren also ein nicht gefrustetes Gemüt. Wie gesagt, dass entscheide ich selbst wann und bei wem.

Ich bin nicht gefrustet, mich regt nur das Verhalten von Männern auf. Wäre ich gefrustet, würde ich keine Männer mehr in mein Leben lassen. Frauen alleine zur Unterhaltung reichen mir nicht. Männer unterhalten mich noch mal ganz anders.

Männer die mir, in den letzten 3 Jahren, online begegnet sind sagen gleich, dass sie erstmal nur schauen wollen. Für eine lockere Geschichte wird guter „erster“ Sex vorausgesetzt, um sich dann wieder zu treffen. Quatsch mit Soße und ich lösche den Chat und den Kontakt.

Neue Strategie: Männer die mir so kommen, schreib ich, dass das Quatsch ist und verabschiede mich natürlich ganz förmlich in einem freundlichen Schreibton oder je nach persönlicher Stimmung mit einem gepflegten löschen. Mittlerweile habe ich mir einen feministischen Fragenkatalog erstellt den ich abfrage und schließe somit Sexisten, Rassisten (na gut die erkenne ich meistens schon eher) und Biedermänner aus. Egal ob für eine Lovestory a la Bernhard & Bianca oder ganz flüchtig für ein Abenteuer a la Rockstar & Groupie. Den lege ich hier natürlich nicht offen. Manche Bekanntschaften lesen meinen Blog.

Das schränkt die Möglichkeit des Datens online natürlich ein, aber selbst Aschenputtel wurde zum aussortieren verdonnert. Nur helfen mir keine weißen Täubchen dabei.

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FRAUEN VS. FRAUEN

Wir Frauen sind Meisterinnen im urteilen und verurteilen – über uns selbst. Und anderen Frauen. Wir klammern uns an die Ideale, die uns die Gesellschaft vorgaukelt. Wir lassen uns von Menschen aus unserem Umfeld stark beeinflussen. Wir waren selbst Teil von Cliquen während der Schulzeit. Wenn wir nicht den Coolen angehörten, schlossen wir uns zumindest irgendeiner anderen Clique an. Wir schlüpften so, ganz unscheinbar, in eine Schublade. Im Berufsleben wird es nicht besser. Wir verurteilen fleißig weiter.

Wir verurteilen uns für alles. Wenn es nicht gerade die Figur der Frau ist, die uns in der U-Bahn gegenüber sitzt, ist es die überschminkte Gesichtsfassade. Wir nörgeln, wir meckern und kommen aus der Spirale nicht raus. Wir vergleichen uns permanent mit anderen Frauen. Und warum das Ganze? Weil die Gesellschaft und insbesondere Männer uns zu Objekten machen. Frauen sind das schönere Geschlecht.

Wir sagen oft, dass wir wegen unserer guten Eigenschaften geliebt werden möchten, sind aber frustriert, wenn uns Männer nicht in einem neuen Kleidungsstück, dass wir günstig im Schlussverkauf ergattert haben, noch ansehnlicher finden als sonst. Auch wenn sich nicht alle Geschlechtsgenossinnen schminken oder akkurat in einem bestimmten Kleidungsstil in der Öffentlichkeit zur schau stellen. Nein, im Grunde wollen wir auch mal Komplimente für unserer Optik erhalten. Nicht ausschließlich, aber irgendwie oft genug, dass wir daran selber glauben. So wirklich recht machen können wir uns es nicht mal selber.

Nicht umsonst werden heute Unmengen von Selfies gemacht. Überall. Wenn wir uns geschminkt fotografieren erfreuen wir uns an den Komplimenten und auch wenn wir ungeschminkt sind erfreuen wir uns an Komplimenten, wie toll wir doch ohne Make Up aussehen und ja auch eigentlich gar keins brauchen. Ein Widerspruch an sich und wir sind selbst schuld. Es sollte einfach normal sein, sich geschminkt oder ungeschminkt wohl zu fühlen. Aber Make Up zu tragen oder halt nicht, sinnlose Rechtfertigungen dafür oder dagegen existieren ja immer noch. Ich habe Freundinnen die sich schminken und welche die sich nicht schminken. Ich habe noch keiner empfohlen sich nicht zu schminken oder mit dem schminken anzufangen. Wiederum denke ich mir, bei anderen Frauen die mir in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder sonst wo begegnen: Concealer könnte nicht schaden! Ich bin also selbst nicht besser. Und es ist schlimm. Ein permanenter Widerspruch den ich da vor mir hin und her präsentiere.

Von optischen Täuschungen und der Entscheidung, sich so zu kleiden wie man will!

Als Kind machte ich mir wenig Gedanken darüber, was ich da eigentlich für Mode trug. Teilweise kleidete mich meine Mutter ein. Ich mochte mein Mädchendasein. Ich trug gerne Lackschuhe und schmückte mich mit Plastikschmuck – später wurde daraus Modeschmuck. Mittlerweile, dank meiner Mutter, habe ich auch ein paar echte Stücke in meinem Schmuckkästchen. Ich trug bis zur Einschulung gerne Kleider. Danach nicht mehr. Ich ging in die Breite und fühlte mich mit Kleidern und Röcken wie ein modischer Fauxpas. Ich fing auch an andere Mädchen zu bewerten und wollte so aussehen wie sie. Ich orientierte mich nicht an Models aus Modemagazinen. Es gab ja genug Mädchen in meinem Umfeld, die ich schön und optimal fand.

Frauen beschäftigen sich mit ihrem Äußeren, auch wenn sie sich nicht schminken und auch nicht die aktuellen Modetrends zelebrieren. Frauen haben schon seit Jahrhunderten dieses Problem mit der optischen Täuschung und das man bestimmte Kleidung nicht tragen sollte, wenn man zu dick oder zu dünn ist.

Heute versucht man Kinder nicht geschlechtsspezifisch eine farbliche Orientierung zu verpassen

Die Erwachsenen zeigen uns schon von klein auf, dass Mädchen sich von Jungen unterscheiden. Mädchen tragen meistens rosa und die Jungen blau. Heutzutage lockert sich das ein wenig. Heute versucht man Kinder nicht geschlechtsspezifisch eine farbliche Orientierung zu verpassen, sondern so neutral wie möglich einzukleiden. Oft muss dafür die Farbe beige in hellen oder dunklen Nuancen herhalten oder man verpackt die Kleinen mit Mustern, wie Streifen oder Punkten. Zumindest hat das Farb-Fauxpas bei den Eltern nachgelassen.

Kleider machen Leute

Eine feminin gekleidete Frau bekommt in der Regel mehr Aufmerksamkeit und Beachtung in der Gesellschaft als eine Frau, die einen Messy Bun (unordentlicher Dutt) und viel zu weite Kleidung trägt. Kleider machen Leute. Den Spruch kennt jeder. Dabei ist es vollkommen Banane was wir tragen. In Berlin sowieso. Dennoch verbringen wir sehr viel Zeit damit, weil es uns halt nicht egal ist. Wir machen uns sehr wohl darüber Gedanken. Aber machen wir uns über unsere Verpackung Gedanken, weil wir bei der Begutachtung (außerhalb unseres Spiegelbildes) durchfallen könnten, weil wir für die Kleidung, die wir tragen, nicht die „richtigen“ Maße haben? Wir sollten nicht alles glauben, was wir denken!

Beth Ditto gehört zu den Frauen, die mit ihren Maßen durch das gesellschaftliche Raster hindurch fällt, dennoch polarisierte sie, modisch und gesanglich, vor ein paar Jahren die Musik- und Modeszene und somit schaffte sie es, dass sich die Welt für uns dicke Mädchen und Frauen, ein wenig öffnete. Selbst Karl Lagerfeld, der Dicke für unansehnlich fand, stand auf Beth. Lies sie sogar auf Modenschauen laufen und ihre Speckröllchen umher stolzieren. Beth genoss sichtlich diesen Moment, aber ich schaute nur in die Röhre und dachte: Herrje, alles schön und gut, aber eigentlich hatte ich gehofft, liebe Beth, das du diese oberflächliche Welt änderst. Letztendlich bist du auch nur eine Frau, die die Objektifizierung von Frauen unterstützt! Ich mag dich dennoch und versuche dieses Lebensereignis von dir zu ignorieren.

Gesundheitsfanatiker meldeten sich dann auch noch zu Wort. Man würde ja jetzt etwas für gut heißen, was ja eigentlich ungesund ist. Dick ist ja auch nicht wirklich gesund, aber müssen wir uns unser ganzes Leben immer wie Außenseiter fühlen? Uns schlecht fühlen, weil wir nicht der Norm einer – mal präzise formuliert – Gesellschaft entsprechen, die permanent versucht alles und jeden ein Idealgewicht – metaphorisch gesagt – zu verpassen?

Als Teenager nahm zwar die Akzeptanz zu meinem Gewicht nicht zu, aber ich scherte mich nicht darum, ob meinem Umfeld passt, was ich da trage. Es war mir durch und durch egal und das hab ich mir bis heute beibehalten. Das hab ich einer Frau zu verdanken, die leider nicht mehr unter uns weilt: Janis Joplin! Sie hatte selbst immer mit sich und ihrer Optik zu kämpfen. War keine wirkliche Schönheit, aber Charisma hatte die Frau. Das nahm ich mir schon mit 15 zu Herzen.

Meine Mutter meinte sogar irgendwann zu mir: „So gehe ich nicht mit dir vor die Tür!“ letztendlich ging sie doch mit mir – so wie ich gekleidet war – vor die Tür in die Öffentlichkeit. Und was verschreckte sie so? Ich trug ein schwarzes T-Shirt, darunter ein Shirtkleid mit Blumenmuster, das man nicht mal als Gardine verwenden würde, über eine Jeans und als i-Tüpfelchen einen Nietengürtel. Schwarz lackierte Fingernägel und Chucks. Fertig war mein Ich. Ich fand mich toll!

Gelegentlich mal Objekt spielen ist OK!

Es spricht ja nichts dagegen, gelegentlich Objekt der Begierde zu spielen. Sich mit Komplimenten überschütten zu lassen. Verführerisch mit den Wimpern zu klimpern. Die Brüste mal zur schau zur stellen. Aber halt alles in Maßen, weil wir ja sonst nur als ein Objekt gesehen werden. Und wir sind ja mehr und wir wollen ja auch mehr sein. Wir wollen ja nicht nur mit Männern flirten. Nein, wir wollen auch mit ihnen philosophieren. Ohne Hintergedanken.

Die Medien sind Schuld! Hollywood ist Schuld! Wir alle sind Schuld! Wir gehen herrlich dressiert wie Äffchen durch die Welt. Stopfen uns voll mit Komplexen und verarschen unser Spiegelbild mit Filtern, PhotoShop und gut trainierten Posen! Und als krönenden Abschluss besaufen wir uns mit dem permanenten Vergleich mit anderen!

In den 20ern angekommen fing ich an mich mit Mode zu beschäftigen. Danke Carrie Bradshaw! Warum? Auch ich kam nicht an Carrie vorbei! Ich bin ja auch nur ein kleines, dressiertes Äffchen. Ich beschäftigte mich mit Farben. Welche sich miteinander kombinieren lassen. Oberteile und Unterteile. Wenn ich oben weit trage, sollte ich unten nicht weit tragen. Ich optimierte mein, wie meine Mutter immer sagte, desaströses Erscheinungsbild mit modischen Trends – bis heute! Ich bin keine Fashionista, aber irgendwann schlich sich ein Bewusstsein für Mode in mein Leben und ich finde das toll! Nicht jeder Trend lohnt sich, aber manches Mal kann ich mich auch nicht zurückhalten und renne durch die Läden, als würde ich für die Vogue shoppen (ich bestell meistens online, aber wenn ich mal im Laden unterwegs bin, dann wie eine Vogue- Mitarbeiterin).

Ich vergleiche uns Menschen gern mit Geschenken. Unser Charakter, also unser Inneres halt ist das Geschenk und unsere optische Erscheinung das Geschenkpapier. Wenn wir nicht gerade Kleidung á la Einheitsbrei aus den bekannten Modegeschäften tragen, versuchen wir aus der Reihe zu tanzen. Mit einem Kopfschütteln betrachten wir menschliche Wesen, die einen subkulturellen Kleidungsstil mit einem modischen Trend kombinieren. Skandal und Verrat an der Subkultur! Ich finde das innovativ! Heißt es nicht Regeln sind da um sie zu brechen oder Grenzen sind da um sie zu überschreiten? Und wie steht es um die Frauen die Leggings tragen? Sind wir mal ehrlich: es sind keine Hosen! Aber eine anerkannte – wenn doch eher hineingeschmuggelte – Bekleidungsvariante für den unteren Bereich des Körpers.

Mehr dicke Mädchen in Leggings!

Zitat: Margarete Stockowski, Mai 2017

Margarete Stokowski veröffentlichte im Oktober 2018 ein Samelsorium von Kolumnen und Essays. Folgende Kolumne trifft es auf den Punkt genau: Mehr dicke Mädchen in Leggings!

Sie zählt ein paar Punkte auf, die ich für wichtige erachte!

  1. Für mehr dicke Mädchen in Leggings! – Kleidung ist ja für Menschen da und eine Leggings zu tragen ist laut ihren Worten „eine Demo für mehr Vielfalt“
  2. Wer starrt verliert. – Frauen könnten auch ohne BH rumlaufen, wenn die Gesellschaft nicht wäre. Männer sind anscheinend abgelenkt, wenn sie weibliche Brustwarzen durchs T-Shirt sehen. Ist längst hinfällig und Mann solle sich doch auf den Straßenverlauf konzentrieren.
  3. Apropos Männer: die auch. – Männer haben ja auch Brustprobleme. Auch sie müssen sie nicht verstecken. Genauso, ob sie kurze Hosen und Flip Flops tragen sollten: Na klar!
  4. Haare am Körper: normal. – Die Frage, ob man sich rasieren sollte oder nicht, also ob Haare am Körper erlaubt sind oder nicht, beantwortet sie schlicht mit einem: scheißegal! Unfeministisch wäre es, sich über den Körper einer anderen Frau zu beschweren.
  5. Alter ist Erfahrung. Lachen über Alter ist Dummheit. – sprich altern tun wir so oder so. Alles hängt irgendwann, das ist so gedacht und ist halt so.
  6. FKK, Neuversion: das Fasten von Körper-Kommentaren. – Menschen, die über andere Menschen – des Körpers wegen – schlecht reden, sind für den Arsch. Sie sind – nur dann – geltend vom medizinischen Fachpersonal oder wenn man eins aufs Maul haben möchte!
  7. Keinen Hass kaufen. – zudem zitiert sie die Autrorin Laurie Penny: „wenn wir uns alle wohlfühlen würden, so wie wir sind, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammen brechen.“ Es wäre normal beim Frausein im Kapitalismus, konsumierbaren Scheiß angeboten zu kriegen, um den Körper zu optimieren. Obwohl wir gut genug sind. Magazine zum Beispiel, die Frauen ihre Fehler aufweisen und Tipps, wie sie sie wieder loswerden und gleichzeitig Backkünste zu verfeinern und dem Partner die bestmögliche Verwirklichung sexueller Fantasien ermöglichen. Laut Maragrete sollte man den Kauf solcher Magazine gleich komplett bleiben lassen.

Ich unterstütze diese Ansichten und ertappe mich auch oft genug, wie egal mir das manchmal nicht ist und doch endlich werden sollte.

In den dreißigern angekommen, stelle ich fest: auch ich bin von der Gesellschaft gut dressiert worden. Füge mich hier und da immer mal wieder, den unsinnigen Normen, aber weiß das man nicht alles glauben muss, was man denkt. Ich weiß das Social Media auch krank machen kann, aber mit den Füßen auf dem Boden zur gleichen Erkenntnis führt: es dient einzig und allein zur Verbreitung von Informationen und dem Werben von alles und jeden. Ich benutze es ja schließlich auch so! Man kann sich mit allem bekleiden und sowieso kommt es ja auf unser können an und das sollten wir demonstrativ auf Plakate schreiben und jeden Tag mit einem gezückten Mittelfinger repräsentieren. Wie Lady Gaga!

Sonst ändert sich ja nie was.

Die Liebe oder das immer gleiche Date-Verhalten in Frage stellen

Vor kurzem war ich auf einer Hochzeit von einem befreundeten Paar, dass sich nach über 10 Jahren Beziehung das Ja – Wort gegeben haben. Ich war die Trauzeugin der Braut. Ich war alleine da, aber um mich soll es in diesem Text nicht gehen. Vielmehr um die Liebe.

Ich sitze mit der Braut beim Friseur. Wie lassen uns für den Tag gerechte Frisuren verpassen. Die Braut schminkt sich normalerweise nicht, aber für den Tag der Hochzeit macht sie eine Ausnahme. Ich bin schon geschminkt. Ich war schon eher wach und habe mein Gesicht schon mit passenden Farben verziert. Wie sie da so sitzt auf dem Stuhl mit ihrer Frisur und ihrem einmaligen, schönen Make Up… Sie scheint so glücklich wie noch nie. Dieses Strahlen in ihren Augen und diese bodenständige Zufriedenheit …

Was ist das nur mit der Liebe? Klar, der Mensch ist zum allein sein nicht bestimmt, aber was ist wenn die Liebe auf sich warten lässt? Nicht jede Begegnung endet im Happy End. Happy Ends sind realativ. Das Leben ist kein Disney Film, sondern eine Doku und wir führen die Regie. Wir selbst sind ja für unser Glück verantwortlich – sagt uns alles und jeder. Da gehe ich voll und ganz mit – aber nicht jeder Glücksbote der unseren Weg kreuzt bringt auch Glück. Wir fallen, verletzen, reißen uns zusammen und stehen wieder auf, rücken unseren Stolz zurecht und gehen weiter. Mit der Hoffnung, beim nächsten Mal wird es besser. Aber was ist, wenn neben den absurden Glücksboten, das eigene Verhalten zum Fehlverhalten mutiert und du dich in einem Strudel der Endlosigkeit wiederfindest? Jedes Date hat den gleichen Ablauf, die gleichen Fragen, die gleiche Vorgehensweise… Da gibt es nicht wirklich Raum für die Liebe. Liebe ist leise. Ganz unscheinbar ist sie immer da, nur wir realisieren sie nicht, wenn sie uns schon auf die Füße tritt und schreit: „Hier bin ich!“

Ich versuche mich daran zu erinnern, wann ich diesen Tritt in den letzten Jahren mal verpasst bekommen habe. Blackout? Demenz? Ich tippe auf blinde Ignoranz. Ich glaube, wenn du einem bestimmten Verhaltensmuster folgst, wird die Sicht auf das Wesentliche getrübt. Ein Film in Endlosschleife. Eine Platte die auf Repeat läuft.

Wir halten uns mit Oberflächlichkeiten auf. Wenn es nicht gerade der fürchterliche Musikgeschmack ist, ist es der unkontrolliert, zusammengestellte Kleidungsstil. Wir suchen absichtlich nach offensichtlichen uns erscheinbaren Fehlern. Sind letztendlich nur frustriert und grübeln wieder mit einer bedingungslosen Leidenschaft warum das jetzt wieder nix war?!

… Hand in Hand verlassen die Beiden das Standesamt. Nun sind sie Eheleute, Mann und Frau, Herr und Frau. Ich erblicke Zufriedenheit. Wohlgesonnene Gesichter. Glückseligkeit.

Aber wie durchbricht man diesen Kreis? Außergewöhnliche Unternehmungen? Andere Fragen? Von den eigentlichen Typ-Vorlieben abweichen und mal jemanden daten, den man sonst nicht daten würde? Gibt es denn überhaupt einen Lösungsweg aus dieser Misere? Mehr Leichtigkeit würde für den Anfang schon helfen – denke ich …