Wenn aus Freundschaften Bekanntschaften werden

Freundschaften sind die kleine Familie, die man sich im Laufe seines Lebens zusammen sammelt. Egal, ob klein oder groß. Sie sind der zusätzliche Farbklecks, der ein Gemälde vollkommen macht. Sie denken und fühlen ähnlich oder inspirieren und fordern uns. Meistens sind sie eine Bereicherung im Leben. Unser Verhältnis zu ihnen gleicht einer innigen Liebesbeziehung nur ganz ohne Sex.

Das erste Gesetz der Freundschaft lautet, dass sie gepflegt werden muss. Das zweite lautet: Sei nachsichtig, wenn das erste verletzt wird.

– Voltaire –

Seit meiner Kindheit teile ich mit Freundschaften gute und schlechte Momente. Erinnerungswürdige Erlebnisse. Tiefsinnige Gespräche, die manchmal einen bitteren, manchmal einen wohlwollenden Nachgeschmack bei mir hinterließen. Jede Ära die zu Ende ging, sei es ein Schulwechsel bzw. das Ende der Schulzeit, Ausbildung oder der Start ins Berufsleben. Freundschaften kommen und gehen. Keine Freundschaft hielt ewig. Sie waren alle irgendwie intensiv für den Moment, für die Phase in der ich mich befand.

Mit 32 blicke ich auf viele Bekanntschaften zurück. Bekanntschaften, die mir gut getan haben und Bekanntschaften, die rein toxischer Natur waren. Doch alle hatten etwas gemeinsam: sie waren wichtig. Ich lernte mich besser kennen, weil ich mit der Zeit mitbekam, welchen Schlag Mensch ich um mich haben möchte. Auch wenn alle ein Intermezzo waren bzw. immer noch sind, gehe ich immer noch mit einem Grundvertrauen auf neue Bekanntschaften zu, weil ich es mag neue Menschen kennen zu lernen. Ich erkenne relativ schnell den Kern einer Begegnung und kann für mich einteilen, ob der Mensch sich in meinem Leben länger aufhält und sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen uns aufbaut oder nicht.

Man kennt das ja, man ist auf einer Home-Party eingeladen und trifft auf Freundes Freunde. Man unterhält sich gut, lacht viel und die Stimmung ist feucht-fröhlich, aber am nächsten Tag blickt man auf einen schönen Abend zurück. Nicht mehr und nicht weniger. Ein schöner Moment, der sich zu den anderen Momenten in deinem Erinnerungsvermögen gesellt und Platz nimmt.

Je kurzweiliger die Freundschaft bestand hatte, umso mehr musste ich mich mit dem Gedanken anfreunden, dass nicht nur die Liebe endlich ist, sondern auch das freundschaftliche Band zwischen zwei Menschen.

Serien, wie „Friends“ oder „How I met your mother“ schaute ich wahrscheinlich deshalb so gerne und oft, weil sie von langlebiger, treuer und wahrer Freundschaft handelten. Auf eine gewisse Art und Weise war ich immer neidisch auf Rachel (tolle Jobangebote) und erkannte mich in Ted permanent selbst wieder (On/Off Geschichten in der Liebe und das personifizierte Band der Freundschaft in der Clique). Die beiden Cliquen bewunderten viele und ich auch. Sie wohnten miteinander und haben diesen einen Treffpunkt, den sie immer anpeilen für ein freundschaftliches miteinander. Hier philosophieren sie über das Leben und die Liebe. Solche Freundschaften mag es in echt auch geben, dass weiß ich, aber für mich waren die Cliquen um Rachel und Ted immer eine andere Welt. Halt, weil mein Freundeskreis immer ein bunter Haufen von Kontakten war, der zusammen eine nicht definierbare chemische Reaktion ausgelöst hätte. Und ich genau wusste, dass manche Charaktere sich nicht verstanden hätten. Das ist heute zum Glück anders!

Eine weitere Serie, die ich abgöttisch liebe, mir aber ein total verschobenes Gefühl von Freundschaft und Liebe vermittelte, war „Sex & the City“. Die Serie vermittelte mir ein Bild von alternden Freundschaften, so dass ich Jahre lang dachte, dass meine Freundinnen und ich, mit den beginnenden 30ern, oft in Bars gehen und einen Cosmopolitan nach dem anderen Schlürfen werden. Wir uns berauschende Männergeschichten erzählen oder über Männer lästern werden. Wir oft die Nächte von Berlin unsicher machen und Jahr für Jahr gemeinsam verreisen und das anhand eines Fotos festhalten und uns im hohen Alter die Fotos anschauen und ganz nostalgisch in Erinnerungen schwelgen werden. Uns vom Leben treiben lassen…

Doch das sich das nie befürwortete, ist nicht die Schuld von Carrie, Samantha, Charlotte oder Miranda. Man kann hier niemandem die Schuld geben. Das ist das Leben von Freundinnen in einer Serie. In der Realität ist es meistens so, dass man Termine mit seinen Freundschaften machen muss, sobald der Berufsalltag sich im Leben breit gemacht hat. Spontanität wird fast gänzlich verbannt. Sobald eine Beziehung und Kinder hinzukommen redet man mehr vom „sich mal wieder treffen“ und eh man sich versieht, ziehen die Monate ins Land. Familienfeiern, Kindergeburtstage (nicht nur von den eigenen) und die Aufrechterhaltung einer auch weiter gut funktionierenden Partnerschaft, machen es einer Singlefreundin (wie mir) noch schwieriger, nicht das Gefühl vermittelt zu bekommen, nur noch die kleine Handtasche für berauschende Partynächte zu sein. Ein Accessoire, dass man ab und zu aus dem Kleiderschrank holt und sich daran erfreut das man sie hat.

Das ist halt so, wenn man Kinder hat. Das IST halt so.

Versteht mich nicht falsch, aber das Gefühl, das mir somit vermittelt wird ist wahrlich kein Gutes. Sätze wie „das ist halt so, wenn man Kinder hat“ oder „wenn du mal Kinder hast, wirst du das verstehen“ oder „diesen Monat sind so viele Familienfeiern, lass uns das Treffen auf nächsten Monat verschieben“ erreichen mich in den Letzten Jahren öfter. Was früher Absagen wegen Lappalien waren ist heutzutage der komplette Alltag. Die Tatsache, dass sich heutzutage immer noch ein Teil der Partnerschaft zurücknimmt und den ganzen Familienalltag plant und organisiert, hat auch vor meinen Freundschaften keinen halt gemacht. Einige von ihnen machen das wirklich gerne, andere sind davon schon irgendwie gefrustet, ändern aber auch nicht wirklich etwas an der bestehenden Alltagssituation (das ist zumindest mein Eindruck).

Und dann steh ich mittendrin und will, dass man die Freundschaft zu mir pflegt. Zurecht wie ich finde! Ich bin immer verständnisvoll und gegen kränkelnde Kinder kann ich nichts sagen. Auch nicht, wenn die Beziehung zum Partner*in wieder mehr Aufmerksamkeit benötigt. Das familiäre Festivitäten zu einer festen Partnerschaft mit Pflichterscheinung dazu gehören verstehe ich auch. Das der Berufsalltag auch nicht ohne ist und man sich ausgelaugt fühlt und dann doch lieber daheim bleiben möchte um runter zu kommen – verstehe ich nur zu gut! Dieses Leben mit all seinen benannten Faktoren ist kein Zuckerschlecken und das man allen und jedem gerecht werden will – eigentlich muss … ja das weiß ich und nur weil ich das meiste davon nicht habe, heißt das nicht, dass man mich wie ein kleines Kind aus dem Raum schickt, weil die Erwachsenen sich jetzt über Themen unterhalten möchten, die nur Erwachsene besprechen. Damit ist niemandem geholfen! Das ich bei der Erziehung mich nicht einmische ist logisch – außer mir fällt etwas unlogisches auf oder es dem Kind nicht zu gute kommt – denke ich mir zumindest erstmal so!

Irgendwann ist auch ein Punkt erreicht, da mag ich kein Verständnis mehr aufbringen. Nicht aus Frust oder Langeweile. Nein! Aus der Gerechtigkeit und dem Respekt heraus, den eine Freundschaft, wenn sie denn eine Freundschaft ist, zusteht! Wozu hat man Freunde, wenn sie keinen Raum mehr bekommen? Wozu hält man sie aufrecht – Gewohnheit? Und warum schaffen es andere und wir nicht?

Und dann passiert was passiert: aus Freundschaften werden Bekanntschaften! Man erzählt sich nicht mehr alles, nur noch das nötigste. Warum? Man ist so im eigenen Alltagstrott versunken, dass man das Erzählte bis zum nächsten Treffen wieder vergisst und sich wundert, was die Person beim letzten Plausch gemacht hat als man sein Herz ausgeschüttet hat – zugehört hat sie jedenfalls nicht, wenn sie die gleichen Fragen stellt, wie beim letzten Mal! Da hat man irgendwann keine Lust mehr sein Innenleben seinem Gegenüber anzuvertrauen.

Verständnis für Veränderungen im Leben unserer lieben Mitmenschen werden vorausgesetzt. Zuviel wie ich finde. Auch wenn Voltaire recht hat mit seinen Worten nachsichtig zu sein, konnte er damals noch nicht wissen, dass es mal sowas wie Whats App & Co geben würde. Viele Möglichkeiten mit den Liebsten zu kommunizieren. Viele Möglichkeiten zu sagen das man jemanden lieb hat und an ihn denkt und sich auf das nächste Treffen freut, auf die Zeit die man miteinander verbringen darf und das man nicht vergessen hat sich nochmal zu melden, nur das es gerade stressig ist und sobald das nächste freie Zeitfenster da ist, man sich meldet und die Zeit schenkt, die vorher gefehlt hat.

Ich hab mein eigenes Leben, denke aber immer an meine Freunde. Monat für Monat schaue ich, welche freien Tage ich ihnen für unsere gemeinsame Zeit schenken kann, weil sie mir wichtig sind und Teil meines Lebens sind. Es gibt Monate, die gleichen einer Flaute, was Treffen mit Freunden betrifft und dann gibt es Monate, in denen ich alle sehe.

Auch wenn ihre Liste von Prioritäten einen anderen Inhalt haben und ich oder andere Freundschaften nicht ganz oben stehen, weiß ich das ich auf dieser Liste stehe. Vielleicht weiter unten, aber wie heißt es so schön, der Gedanke zählt und heißt es nicht, dass es nicht um die Quantität sondern um die Qualität der Zwischenmenschlichkeit ankommt?

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Wenn Freunde zu Kaffeetassen werden oder warum ich keine Kaffeetasse sein möchte!

Wie schön war es damals im Sandkasten. Ich baute mit meinen Freunden Burgen und drum herum ein Herscharr weiterer Förmchen. Ich verbrachte meine ganze Freizeit mit meinen Freunden. Ewig blieb ich als Kind auf dem Spielplatz, unterhielt mich mit ihnen über Themen die für ein junges Mädchen aus den 90ern nun mal wichtig waren: die doofen Jungs aus der Schule die einen vollkommen überflüssig hänselten, wie lange wird mein Tamagotchinoch leben, die Backstreet Boys, erste Gehversuche im Universum des Make Ups und so weiter und so fort…

Irgendwann kamen Brüste und der monatliche Zyklus aka Erdbeerwoche dazu. Die Kommunikation untereinander wurde komplizierter, weil wir nun zu kleinen Persönlichkeiten mit einem Dickschädel aus Stahl wurden. Neben der individuellen Sinnessuche, kopierten wir uns. Frisur, Kleidung, Gang und das Interesse für männliche Klassenkameraden. Wir stritten lautstark, denn das können weibliche Teenies richtig gut. Launenhaft wie wir nun mal waren, zickten wir uns regelmäßig an und gaben so Sätze wie „Mit dir will ich nichts mehr zu tun haben, Du bist nicht mehr meine Freundin oder Du bist doof“ von uns. Irgendwann, nachdem sich das Pubertier in uns beruhigt hat und wir wieder – natürlich im Rahmen unserer Teenagermöglichkeiten – klar dachten, entschuldigten wir uns, weinten und lachten wieder um die Wette und nichts und niemand konnte sich dann zwischen uns stellen … naja … bis zum nächsten total übertriebenen Teeniedrama.

Mit Anfang 20 stehen einer Freundschaft ganz andere Herausforderungen bevor. Die Interessen und der weitere Lebensweg unterscheiden sich. Wir entdecken die Welt mit unserem individuellen Blick auf die vielen Dinge, die das Leben zu bieten hat. Während die eine zu studieren anfängt und die andere den klassischen Weg geht und eine Ausbildung absolviert oder schon bereits mit beiden Beinen im Berufsleben steht, prasseln viele neue Sinneseindrücke und Erfahrungen auf eine Freundschaft ein. Zum einen trifft man neue Leute, die sich für die gleichen, neuen Interessen interessieren und zum anderen kann es passieren, dass deine Freundin aus Kindertagen weg zieht. Auf der einen Seite schmälert sich der alte Freundeskreis und der neue wächst, aber warum schwindet, obwohl wir so viele Jahre der Freundschaft hinter uns haben, auf einmal das Interesse? Wir werden erwachsen und entwickeln uns stetig weiter. Veränderungen gehören zum Leben dazu. Irgendwann gehen die Interessen auseinander. Aus meiner Teeniezeit überlebte eine Freundin und für diese durfte ich im September 2018 Trauzeugin sein. Doch warum hat sich diese eine Freundschaft gehalten und alle anderen scheiterten? Diese eine Freundin ist mein Lieblingsmensch. Sie macht nämlich etwas, dass viele Freundinnen vor ihr nicht taten! Sie übt gelegentlich Kritik und sagt nicht zu allem ja und Armen. Wir respektieren einander, haben Vertrauen und akzeptieren die kleinen, individuellen Merkwürdigkeiten des Anderen. Die Geminsamkeiten, die uns anfangs zusammen führten veränderten sich mittlerweile zu 2/3. Unsere Leben unterscheiden sich grundlegend. Während bei ihr Mann/Kind-Kombi beim Spiel des Lebens mitspielen, spiele ich noch „Küss-den-Frosch“. Es ist das Leben und dennoch haben wir immer noch uns und die vielen schönen Momente, die wir bisher miteinander erleben durften und auch noch zukünftig erleben werden.

Und der Rest? Der Rest – joah, ich würde sagen, man spielte unbewusst miteinander Tinder und wischte zielgerichtet nach Links. Freifahrtschein zum Friedhof der Kuscheltiere … äääh Freundschaften!

Mein eigenes Betriebssystem erhielt 2018 ein umfassendes Upgrade. Neben Wohnung, Job, Gesundheit bekamen auch meine Freundschaften ein Upgrade. Ich hab jetzt keine Liste erstellt, aber ich hab jede Verbindung unter die Lupe genommen und bei gemeinsamen Treffen, versucht mich von außen zu betrachten, wie ich mich verhalte und fühle. Meine eigener Horizont strebt immer und immer wieder nach Erweiterung und oftmals hatte ich bei einigen Freundschaften das Gefühl, man unterhält sich seit gut 3 Jahren über die gleichen Themen und trifft sich nur noch zum Kaffee trinken. Auch gedankliche Anstupser fanden keinen wirklichen Anklang. Ich wurde wortkarg und stimmte irgendwann nur noch durch Kopfnicken zu. Und wenn ich was gesagt habe, hatte ich dann auch noch zu spüren bekommen, dass ich was falsches oder verletzendes gesagt habe. Ich hab es dann irgendwann angesprochen. Das mit dem Gefühl nur verletzendes zu sagen und das ich mich sinnbildlich langsam wie eine Kaffeetasse fühle. Freundschaft ist mehr als Kaffee trinken und sich immer und immer wieder über den Job, der einen kein Spaß macht, über unfreundliche Bedienungen – kann ja auch nen schlechten Tag gehabt haben – und das alles nur noch stressig ist im Leben aufzuregen. Ich konnte einfach nicht mehr und empfand es der Freundschaft wegen wichtig zu sagen was ich denke und was Freundschaft für mich bedeutet! Freundschaft ist doch geprägt von gemeinsamen Unternehmungen, neuen Erfahrungen und und und, klar gibt es in jeder Freundschaft einen Hänger und einige Treffen lang wird nur Kaffee getrunken, weil es ja um die Gesellschaft an sich geht, aber irgendwann kommt doch die Lust wieder was anderes zu machen, naja, bei dieser Kombination lag ich falsch … mit dem Resultat: Kaffee trinken reicht aus und der Terminkalender und der eigene Problemhaushalt sind prall gefüllt.

Ich habe jetzt einen Kaffeevollautomaten und bestehende Freundschaften sollten mich bitte die nächsten 5 Jahre nicht fragen: „Wollen wir uns auf einen Kaffee treffen?“ – es sei denn mein Kaffeevollautomat darf uns den Kaffee spendieren.

Scherz bei Seite. Nur weil ich Single bin heißt es nicht, dass ich nicht weiß, was es heißt einen vollgepackten Tag zu haben mit Job, Kind & Mann. Das man mal Zeit für sich benötigt und auch andere Termine hat, aber hat man Freundschaften wirklich nur zum Kaffee trinken? Was haben wir nicht alles in unserer Kindheit angestellt oder die Zeit bevor sich der Alltag um 180° gewandelt hat? Nur um sich irgendwann nur noch zum Kaffee trinken zu treffen? Der schönen aufregenden Zeit ohne Alltagstrott hinterher zu schwelgen? Mir vermittelt man damit eher das Gefühl auf das alles eher verzichten zu wollen. Ich übertreibe? Vielleicht! Aber versteht ihr die Misere, die sich vor mir auftürmt? Die handvoll Freunde, die ich habe, sind mir ans Herz gewachsen, weil ich ich sein darf. Aber nach ein paar neuen Freundschaften, deren Alltag ein bisschen mehr Abenteuerlust zu lässt, werde ich 2019 Ausschau halten.

32! Wieder was gelernt!

Und wieder bin ich ein Jahr älter und ein Jahr weiser. Im Sommer habe ich einen Artikel veröffentlicht, der 31 Dinge beherbergt, die ich in 31 Jahren gelernt habe. So entsteht Stück für Stück … naja … man kann sagen, mein sogenannter Lebweiser.

Meine Denkweise hat sich dieses Jahr weiterentwickelt. Permanent begegneten mir dieses Jahr diverse Situationen oder Diskussionspunkte. Entweder regte ich mich über die altbewährten Ungerechtigkeiten dieser Welt auf, reagierte ein weiteres Jahr genervt über nicht vorhandene Prinzen und überzählige Rabauken (Warum eigentlich? Ich bin ja kein unglücklicher Single – ich bin ja nur dabei, mir einen Wegbegleiter anzuschaffen!) oder rollte mit den Augen, wenn mir Freundschaften von ihren First World Problems berichteten. Klar, die hat jeder und ich sowieso, Prinzen gibt´s nur im Märchen und ich allein werde keine Revolution anzetteln können und die Gesellschaft dazu bringen umzudenken, aber meine Antennen, waren dieses Jahr hierfür irgendwie empfindlicher als sonst. Alle sind irgendwie immer gestresst oder am laufenden Band beschäftigt! Das schlimmste kommt noch – ich wurde da irgendwie mit rein gezogen …

Jeden Tag betrinken wir uns mit dem Alltag. Leben wie ein Hamster. Wir essen, versuchen dabei krampfhaft unter der Woche alle gerade angesagten Nährstoffe und Superfoods zu uns zu nehmen, nur um am Wochenende dann wieder zu schlemmen – nicht jeder, aber einige von uns – oder? Wir bewegen uns zur Arbeit hin und wieder zurück nach Hause. Auf dem Heimweg werden Zwischenstopps wie Supermarkt, Fitnessstudio, Verabredungen mit Freunden oder was auch immer angelaufen und am Abend erfreuen wir uns über die vielen Schritte auf unserem Schrittzähler, der sich wie eine Armbanduhr tragen lässt. Am Wochende chillen wir dann doch wieder ganz cozy in unserem Onesie – die Woche war ja anstrengend genug. Wir schlafen nicht mehr so seelenruhig ein und durch – wie in der Kindheit – stattdessen befindet sich das Handy, Tablet bzw. oder Notebook in greifbarer Nähe, weil abends wird ja noch das Programm der hippen Streamingdienste runtergedudelt und im Kopf schwirrt schon die Terminübersicht für den morgigen Tag umher. Diese schöne, neue, digitale Welt erscheint mir doch irgendwie anstrengend, viel zu schnelllebig und ausgelutscht. Tag täglich bekommt unsere Umwelt ein Upgrade.  Muss das alles sein?

Das Entspannungsprogramm, wird neben der Hausarbeit, auf das Wochenende gelegt. Chai Latte in der einen Hand und den Staubsauger in der anderen Hand und es geht saugend zwischen Wäscheständer Richtung Couch – hach und jetzt entspannen – klingt wirklich sehr cozy! Zeitmanagement: 6! Setzen! Multitasking macht uns kaputt und treibt uns in die Arme von Tante Burnout!

Wie auf Knopfdruck, kommen die Skandinavier Hygge und Lagom um die Ecke – die Skandinavier scheinen die glücklichsten Menschen auf dieser Erde zu sein, die haben es voll drauf und Zimtschnecken können die auch backen. Das sind die zwei Vorzeigemodelle, wenn es um Achtsamkeit geht. Achtsamkeit wird 2018 in XXL Lettern geschrieben. Man schickt die Menschen am laufenden Band in die Buchhandlung oder sie verbrachten Stunden auf Amazon & Co. Wenn es nicht gerade Ratgeber sind, dann sind es Malbücher und Tagebücher – über das Comeback der Malbücher freue ich mich besonders, denn schon in der Schulzeit konnte sich mein pubertierendes Ich vollkommen entspannen und das funktioniert auch heute noch einwandfrei – doch nicht jeder Erwachsene kann mit dem ausmalen etwas anfangen. Die Malbücher können noch so gut auf individuelle Interessen (z.B. Harry Potter, Portraits oder florale Motive) abgestimmt sein, doch wenn man keine Entspannung beim ausmalen von kreativen Motiven findet, dann ist das so und das ist vollkommen in Ordnung. Du bist nicht merkwürdig oder unqualifiziert fürs ausmalen, dir liegt es halt einfach nicht! Weiter geht es mit dem Tagebuch schreiben. Unzählige Buchformvarianten türmen sich in der Buchhandlung. Jeden Tag ein Buch mit Anekdoten aus der Gedankenwelt füttern ist möglich und machbar, aber auch hier liegt das halt nicht jedem. Das ist vollkommen ok!

Die Abteilungen Lebenshilfe, Hobby, Ratgeber und Gesundheit beanspruchen mittlerweile einen großen Raum in der Buchhandlung für sich. Auch auf Amazon & Co findest du unzählige Achtsamkeitswerke und -Ausführungen. Auch auf Youtube gibt es zu den Themen unzählige Videos mit gut gemeinten Ratschlägen. Da könnte man meinen, dass der Mensch doch schon viel achtsamer mit sich selbst sein sollte. Eine weitere Fehleinschätzung.

Das Problem, bei der Umsetzung dieser Lebensphilosophien und Ratschlägen sind wir selbst, wir konsumieren und konsumieren. Uns fällt es immer schwerer zu genießen und bewusst zu konsumieren. Und dann die vielen Vorschläge achtsamer zu leben. Das führt kurz oder lang einfach nur zu selbstinszinierten Stress, obwohl wir doch achtsamer zu uns selbst sein wollten? Hier das Hygge-Buch und da ein Malbuch und obendrein noch täglich Tagebuch schreiben …. AAAAAAA! Halleluja! Gesegnet sei die Achtsamkeit.

Man kann das alles machen und noch viel mehr. Zu welcher Erkenntnis bin ich dabei gekommen? Mein Wohnraum ist so hyggelig wie noch nie, keiner kann sagen, dass es bei mir nicht gemütlich ist, aber wenn ich ehrlich bin, bei mir war es schon immer gemütlich. Gelegentlich male ich in Malbüchern und Tagebuch hab ich nie geschrieben. Ich hab es nie gebacken bekommen um mich hinzusetzen und meine vielen Gedanken in ein leeres Buch zu schreiben. Dafür ist mein Handy meistens lautlos und Streamingdienste à la Netflix und so versuche ich konsequent im konsumieren zu reduzieren. Ich bin täglich am üben, denn das bloggen ist mir wichtig, aber anscheinend war es dieses Jahr noch nicht wichtig genug um mir den einen oder anderen Serienmarathon zu klemmen um an meiner Routine des täglichen Schreibens zu arbeiten.

Von nichts kommt nichts! Hab ich gemerkt. Danke lieber, kleiner, innerer Schweinehund. Jetzt hast du mir es aber so richtig gegeben!!!

Ich stelle also fest, dass ich weiter schreiben möchte. Und was sonst noch – Mona? Ich hab das Jahr gut analysieren können, was bei mir schief lief und arbeite nun an einer gechillten Selbstoptimierung. Zwar möchte ich das nicht im Tempo eines Faultiers machen, aber sich gelegentlich wie ein Faultier zu bewegen tut gut!

Auch mein Umfeld hab ich unter die Lupe genommen. Mit meiner Wohnung und meinem Job habe ich begonnen. Ich hab einfach einige Möbelstücke umgestellt und die Wände neu bemalt. Habe in meiner alten Dienststelle gekündigt und woanders neu angefangen. Sehr gute Entscheidung. Auch wenn ich erst ein wenig stolpern musste – bei dieser Erkenntnis. Ja… Doch ich bin zufrieden. Weiter ging es mit den Menschen in meinem Umfeld. Das erste Mal in meinem Leben, habe ich meine bestehenden Freundschaften in Frage gestellt. Puh, das schreibt sich einfacher als es war, aber kennt ihr das, wenn manche Kontakte in eurem Umfeld seit Jahren bestehen, aber die Qualität dieser Verbindung nicht mehr gut ist? Ich habe mich getraut und gesagt was ich denke. Die Antworten haben mich überrascht. Tatsächlich hatte ich mehrere Jahre ein anderes Bild von der Intensität und Verbundenheit zu manchen Freundschaften. Und was habe ich getan? Die Konsequenz daraus gezogen!

Freunde zu haben ist für mich ein Luxusgut und ich habe Zeit und mein Herz in jede einzelne Verbindung investiert (ich weiß nicht, wie ich das sonst in Worte packen soll). Keine Ahnung, wie das rüberkommt, aber meine Freunde sind meine zusammen gesammelte Familie. Und wenn ich das Gefühl habe, das man sich nicht mehr traut ehrlich seine Meinung zu sagen, die Wertschätzung füreinander und das Interesse verloren gegangen sind … Ja … Ist es dann nicht besser diese Verbindung, nicht der gesammelten Jahre wegen bzw. der Gewohnheit wegen, weiterziehen zu lassen? Das habe ich getan. Denn was fange ich mit Telefonnummern an, die ich nicht mehr antippen werde? Ist ja nicht wie mit der Nummer meines Hausarztes. Die wähle ich ja wirklich mal an.

Ich weiß damit bin ich einen sehr radikalen Schritt gegangen und manch einer würde das mehr als fraglich finden, aber ich möchte gerne ich selbst sein und laut denken dürfen, wenn ich mich mit Menschen treffe und unterhalte, die ich als meine Freunde bezeichne. Punkt. Dem ist jetzt auch nichts mehr hinzufügen.

Möbel, Job & Menschen entrümpelt (klingt immer noch hart) nun kann es weitergehen – denn ich möchte weitergehen!

Und wie gehe ich jetzt weiter? Und was wird sich hier jetzt ändern?

Um meiner eigenen Selbstoptimierung näher zu kommen habe ich meinen eigenen Kalender mit Hilfe eines Bullet Journals erstellt und individuell auf meine Bedürfnisse gestaltet. Ich habe ihn doch recht minimalistisch gehalten. Er ähnelt meinem diesjährigen Kalender mit ein paar Extras. Was das genau ist und so weiter erfahrt ihr in der Verlinkung. Weiter geht es mit der Routine bezüglich meiner Kreativität. Hierfür muss ich mich einfach jeden Tag an den Notebook setzen oder die WordPress App auf meinen Handy anklicken und schreiben. Egal, ob ich gerade dafür in der Stimmung bin oder nicht. Was noch? Ein Contentplan. Check – der ist erledigt!

Ich habe mir tatsächlich einen Plan gemacht, Ideen gesammelt und Themenschwerpunkte festgelegt. Mich beschäftigt und interessiert viel und das möchte ich hier gerne alles mit einbringen.

Wenn ihr bis hierhin gelesen habt, hoffe ich auch weiterhin auf eure Unterstützung und Freude am Lesen meiner Beiträge. Danke. Amen.

Im Brummkreisel der Gedanken

Samstag, 25.08.2018

Eine Freundin sagte mal zu mir, ich soll einfach machen. Irgendwie machte ich dann auch irgendwas. Kein genauer Plan. Einfach vorwärts. Jetzt liege ich auf meinem Bett. Im Hintergrund grüßt die Nacht und deckt den Tag mit ihrer sternenbedeckten Decke zu. Meine Lieblingsplaylist strömt durch meine Gehörgänge und die Hitze, die momentan in Berlin zeltet, färbt mein Gemüt nicht fröhlich, sondern schon fast aggressiv!

Ich verfluche den Sommer! Ja, richtig gelesen, ich verfluche diesen Sommer mit seiner Sonne, seiner Hitze, den schweißverklebten Körpern, diesen überfröhlichen Sonnenanbetern …

Ich will endlich Herbst, dann weiß ich wieder was ich anziehen kann.

Der Herbst stimmt mich immer nachdenklich und glücklich zugleich. Ich kann dann mehr schreiben, weil mein Hirn dann wieder eine repräsentable Temperatur hat. Das Wetter ladet dann wieder dazu ein daheim zu bleiben, das Gedankenkonfetti aufzusammeln, zu sortieren und sorgfältig wie ein Puzzle zusammen zu legen.

Wie ein Brummkreisel drehen sich dieses Jahr meine Gedanken

Dieses einfach machen ist der beste Tipp, wenn man permanent hin und her überlegt, ob man jetzt nun das eine oder das andere machen soll… Planen verschafft Sicherheit, einfach machen Lebensfreude. Die vergangenen Jahre liefen planlos. Das einfach machen existierte nicht für mich. Wie ferngesteuert funktionierte ich. Nun bin ich an einen Punkt in meinem Leben angekommen, in dem ich die Segel in die Hand nehmen möchte. Einfach geplant machen. Mich an die Startlinie stellen und los laufen und dort ankommen, wo ich mich wohl fühle und bleibe will!

Montag, 27.08.2018

Der Kopf raucht. Kleine Gedankenpakete stapeln sich in meinem Hirn und wollen ausgeliefert werden. Stück für Stück liefere ich sie an die dazugehörigen Empfänger um den Kopf wieder frei zu bekommen. Der größte Teil der Lieferung ist bitte Mitte September ausgeliefert …. Danach folgen nur noch kleine Pakete.

Mir fehlt das Schreiben. So hat mich doch die Hitze daran gehindert. Machte mich müde und matt. Meine Schreibader versank in Lethargie. So langsam geht´s wieder voran.

Ich bleibe dran…

31 Dinge, die ich mit 31 gelernt habe!

31 unnütze Fakten über mich und so …

  1. Wenn man ein Kind ist, ist das Leben einfacher: Keine Lebensphase ist so leicht und unbekümmert, wie die Kindheit. Alles was danach folgt gleicht einem Kampf mit dem Leben.
  2. Berlin ist eine Weltstadt: Klingt komisch, aber bis zu einem bestimmten Alter war mir das nicht bewusst, dass meine Heimatstadt eine Stadt von Welt ist – irgendwann fällt halt der Groschen.
  3. Vorbilder sind ein guter Lebweiser: Als Kind war es „Die kleine Hexe“ (Buch von Otfried Preußler), als Teenie „Buffy“ (Protagonistin aus der Serie Buffy- Im Bann der Dämonen), als Heranwachsende Janis Joplin (Musikerin, die die Hippie-Ära anführte und im Alter von 27 verstarb). Die kleine Hexe half mir mutiger zu werden. Buffy formte meinen Charakter und half mir ich selbst zu sein. Janis Joplin weckte die Lebenslust in mir und half mir eine Querdenkerin zu werden und nicht mit dem Strom zu schwimmen.
  4. Jungs sind gar nicht doof: In meinem Fall jetzt Männer sind, nun ja nicht doof, aber doch extrem unentschlossen und irgendwie unbeholfen, aber gut zu küssen und zu fühlen und so. Sie können tolle Gesprächspartner sein und ehrlich gesagt, die philosophischsten Abende hatte ich mit Männern.
  5. Die Teletubbies können sich fortpflanzen! Das lass ich mal so stehen.
  6. Als Kind noch stundenlang vorm Fernseher verbracht, frage ich mich jetzt manchmal, was ich mit dem Teil soll. TV schau ich schon ewig nicht mehr, aber Netflix & Co.
  7. Die alten, verstaubten Kinderbücher unbedingt aufheben und hegen und pflegen, man weiß nie welchem kleinen Erdenbürger man mal etwas vorlesen darf.
  8. Boxspringbetten sind der Himmel auf Erden.
  9. Alleine wohnen hat Vor- und Nachteile. Vorteil: Du kannst tun und lassen was du willst. Nachteil: Du machst alles alleine. Vom einkaufen übers putzen bis zum alleine einschlafen.
  10. Die Musik der Band The Smiths kann wirklich deprimierend auf das eigene Gemüt wirken.
  11. Man kann Katzen und Hunde gleichermaßen mögen. Lange dachte ich, ich wäre ein Hundetyp. Nur um mit 31 festzustellen, das Katzen genauso knuffig sein können. Ich bin dann mal Tierbisexuell.
  12. Alles im Leben ist vergänglich. Von Dingen bis Menschen. Was kommt, geht auch wieder.
  13. Werte und Normen haben an und für sich etwas gutes. Vor allem, wenn man eigene aufstellt.
  14. Wespen sind hässlich, angsteinflößend und doof. Nicht umsonst ergreife ich die Flucht vor ihnen.
  15. Alleine Reisen kann schön und deprimierend zugleich sein.
  16. Eltern haben nicht immer recht.
  17. Fleisch ist ungesund. Vor allem tierisches Eiweiß! Der Cholesterinspiegel feiert Flatrate-Partys und zahlt irgendwann einen hohen Preis in Form von Herzerkrankungen – ich bin mittlerweile Hobby-Veganerin.
  18. MusikerInnen werden überbewertet.
  19. Kompromisse schränken die eigene Freiheit ein. Ein Kompromiss sollte daher sorgfältig überlegt werden.
  20. Jeder sollte das Buch „Der kleine Prinz“ besitzen.
  21. Musik ist wie ein Tagebuch. Man kann durch sie blättern und mit einem bestimmten Song, werden bestimmte Momente unseres Lebens wieder aufgerufen.
  22. Online-Dating ist der größte Mist auf Erden.
  23. Ein Bücherregal voller ungelesener Bücher, gibt einem das Gefühl in einer Bibliothek zu wohnen.
  24. Man muss im Leben keine Drogen probiert haben, angeblich ballern sie zu krass und am Ende könnte uns der Tod erwarten.
  25. Küssen, Streicheleinheiten & Sex sind die schönste Nebensache der Welt!
  26. Ein Baby im Arm zu halten, lässt dich vieles klarer sehen. Du verstehst, warum dir das Leben geschenkt wurde.
  27. Das erste Kuscheltier, das du geschenkt bekommen hast, solltest du aufheben. So lebt das Kind in dir weiter.
  28. Ein gutes Make up lässt dich in den schlechten Zeiten deines Lebens gut aussehen und in den guten Zeiten noch schöner erstrahlen.
  29. Spaziergänge entlasten das Labyrinth der Gedanken.
  30. Es gibt Menschen, die haben Glück in der Liebe und es gibt Menschen die haben Pech.
  31. Die Familie kann man sich nicht aussuchen, jedoch seine Freunde und bei dieser Auswahl sollte man sehr sorgfältig sein.