Meine Self-Care Methode

Die Achtsamkeit und Selbstoptimierung ist in aller Munde. Sie griffen vor ein paar Jahren um sich mit Hygge. Gefolgt von Lykke, Fika & Lagom. Dann gab es Malbücher für Erwachsene und das Tagebuch schreiben wurde wieder salonfähig. Ebenso der Buddhismus, die Meditation und Yoga sowieso.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich da so stand in der Buchhandlung zwischen den ganzen Ratgebern, die es so gut mit mir meinten. Sie riefen alle gleichzeitig und in meinem Kopf entstand ein durcheinander. Ein Wirrwarr fremder Fürsorge. In der Podcast-Welt lief es nicht besser. Sie sind überall – die Mindfulness-Gurus!

Ich kaufte in der Tat ein paar Bücher. Bücher übers Glücklich werden, übers wohlfühlen, über Selbstliebe und die Wertschätzung mit sich selbst.

Innerhalb weniger Monate hatte ich mir eine kleine Achtsamkeits- und Selbstoptimierungsbibliothek zusammengesammelt. Ich kaufte mir Unmengen von Kerzen, schlüpfte täglich in meine Hygge-Socken und zelebrierte diesen Moment mit warmen Kakao. Meine Wohnung versank in Kerzen. Egal welchen Raum man betrat, jeder badete im Kerzenmeer. Ich begab mich auf die Suche nach meinem inneren Monk und steckte dabei meine Nase in den Buddhismus. Ungläubig ging es weiter. Ich kaufte mir Malbücher und malte mich in die Entspannung. Wenn ich nicht malte, versuchte ich gehörte und gelesene Ratschläge zu verinnerlichen.

Das erste Mal in meinem Leben, war ich offen für Ratschläge von außen. Irgendwie bin ich dem Burnout dankbar, dass er mich ereilte und mich dazu bewegte etwas grundlegendes in meinem Leben zu ändern. Ich mutierte über die Jahre zu einem Monster des Multitaskings. Ein Zombie, der durch die Welten wandelt, auf der Suche nach … Ja, wonach eigentlich? Die Erschöpfung, würde ich jetzt aus der Ironie heraus sagen. Aber damals, war meine Divise „einfach machen“. Ums Suchen und Finden gings ja irgendwie nie, eher ums einfach machen. Hauptsache kein Stillstand.

Doch dann vor einem Jahr musste ich stehen bleiben und Inne halten. Ich brannte von Innen und musste irgendwie das Feuer löschen. Es half nicht einen Eimer Wasser über mich zu kippen. Ich hab es zwar nicht probiert, aber das man brennt, meint man ja eher im übertragenen Sinn. Aber die Idee mit dem Eimer Wasser begleitete mich noch ein paar Tage.

Nachdem ich ausprobierte, experimentierte und meine Gedankenwelt sortiert hatte, hinterfragte ich mich nochmals. Was hilft mir inne zu halten, was entspannt mich und was kann ich in meinen Alltag integrieren?

Vorab möchte ich euch noch was mitgeben. Auch wenn die zahlreichen Bücher zum Thema Achtsamkeit und Selbstoptimierung, wie ein Trend und hippes Ding wirken. Unsere Gesellschaft katapultierte sie in die Höhe, wie den Veganismus und den Minimalismus. Wir schlachten und reizen Dinge so lange aus, bis sie wie ein gut gefülltes Kondom im Müll landen. Achtsamkeit und Selbstoptimierung sind aber wichtig und sollten nicht im Müll landen. Als damals der Musiker Kurt Cobain starb. Starb auch der Grunge. Die Achtsamkeit und Selbstoptimierung würden nur sterben, würden wir sie nicht achten. Sie sind mehr als ein Trend oder ein Hilfeschrei deines inneren Schweinehundes. Sie sollten ein fester Bestandteil in unserem Leben einnehmen. Ihr müsst ja nicht alles umsetzen, aber mal einen Blick drauf werfen schadet nicht.

Wenn ich die ganzen Bücher so vor mir hinlege und jedes einzelne betrachte, wie ein Bild in einer Galerie, stelle ich fest: hier liegt eine Menge Geld! Auf den zweiten Blick stelle ich fest: ja, aber all diese Bücher schenkten mir hilfreiche Denkanstöße, die ich mir zu Herzen genommen habe. Sie haben mein Gehirn hin und her geschubst, wie ein Flummi der auf dem Asphalt auf und ab hüpft. Sie verpassten meinen Synapsen einen elektrischen Schock, der es in sich hatte. Ich reflektierte mit ihnen mich und mein handeln. Ich stellte alles in Frage. Nach und nach entwickelte ich einen mentalen Masterplan und den daraus resultierenden Businessplan, schickte ich ans Unsiversum. Naja, das Universum antwortete bis heute nicht, aber es läuft auch so ganz gut für mich.

Auch wenn man Selbstoptimierung mit noch mehr Stress verbindet, kann man aus ihr, wenn man sie in kleinen Etappen praktiziert, stressfrei nutzen. Gewohnheiten zu hinterfragen, ändern oder abzuschaffen, kann man auch im Tempo eines Faultiers praktizieren. Sich ein Faultier als Vorbild für die mentale Gesundheit zu nehmen, erschien mir mehr als sinnvoll. Tatsächlich stresste mich die Selbstoptimierung am Anfang so sehr, dass ich dachte HOLY SHIT! Das stresst ja noch mehr als der Stress auf Arbeit. Sie verfolgte mich, wie Fräulein Rottenmeier die alpensüchtige Heidi. Tue dies, tue jenes. Ich verbannte Fräulein Rottenmeier und ihren strengen Zeigefinger.

Flash, das Faultier aus Zoomania lässt sich von dem genervten Polizei-Hasen nicht aus der Ruhe bringen. Genau das, sollten wir mit der Selbstoptimierung betreiben. Step by step und zwischendurch wie ein Faultier chillen.

Der Perfektionismus bringt uns hier nicht weiter, wir sind Menschen und Menschen sind unvollkommen. Die kleinen Fehler und Makel machen uns ja erst so richtig liebenswert. Ich kann zumindest keine wirkliche Morgenroutine in mein Leben integrieren, weil ich im Schichtdienst arbeite. Mit der Abendroutine verhält es sich genauso. Yogasessions und Meditationsmomente alles schön und gut, aber wenn ich gegen 4 Uhr morgens aufstehe, bin ich froh mein Spiegelbild optimiert und noch eine Tasse Kaffee getrunken zu haben.

Was mach ich also stattdessen?

Ich kann tatsächlich entspannen, wenn ich in einem Malbuch Bilder farbenprächtig ausmale. Und das kam nicht erst mit dem Malbuch-Trend, sondern in meiner Schulzeit. Der Kunstunterricht fand bei mir damals meistens in den letzten Schulstunden des Tages statt. Quasi nach Mathe & Co. konnte ich hier immer gut runter kommen. Umso erfreuter war ich über diesen Trend.

Dann entspannt es mich zu lesen. Hörbücher helfen gut beim einschlafen, stressen mich aber wenn ich sie einfach nur so höre, dann müsste ich schon dazu malen. Nicht umsonst betreibe ich dieses Jahr eine Lese-Challenge: #50booksin2019. Klingt für einige nach Strees, ne? Nö, ist es nicht. Anstatt das mich Netflix & Co. berieselt, berieseln mich die Autoren der Bücher. Das hat natürlich den guten Effekt, dass die unterschiedlichen Schreibstile mir als Inspiration für mein ein-Buch-schreiben-Vorhaben dient.

Ich begann auch dieses Jahr mit dem Schreiben eines Tagebuchs. Ich befülle es mit Gedanken und der Kopf wird gleich etwas leichter, weil ich ihm etwas Ballast nehme. Ich schreibe aber nicht täglich, weil mein Kopf nicht täglich Ballast abwerfen muss. Aber immer dann, wenn ich es zur Hand nehme, erfüllt es seinen Zweck.

Voller Begeisterung beschloss ich Ende 2018 in 2019 mit dem Bullet Journaling zu starten. Ich kreiierte mir meinen Bullet Journal und führte in hoch motiviert in den ersten Januartagen. Nur um gut 2 Wochen später festzustellen: das BuJo funktioniert nicht für mich. Der Habbittracker verstaubt und bleibt von mir unbeachtet. Aber ein Versuch war es wert. Ich führe ihn jetzt einfach wie einen normalen Kalender und gut ist. Ich weiß für 2020, dass ich mir wieder einen ganz normalen Buchkalender holen werde.

Die Beste Entspannung und beste Möglichkeit den Kopf frei zu kriegen ist tatsächlich das spazieren gehen. Nicht nur das es entspannt, es inspiriert auch. In meinem Fall zum schreiben. Was will ich mehr?

Ich bin weder Monk, noch Yoga-Queen oder eine Meditations-Fee. Ich bin ein Bücherwurm, Ausmaltante, Gelegeheitsnetflixerin und spaziere nur zu gern durch meine Heimat Berlin. Hygge und dergleichen taten gut, konnten sich aber nicht bei mir durchsetzen. Ich bin halt eine eigenwilliges Wesen und bin bei der herkömmlichen Optimierungsschiene geblieben. Vom Alltag runter kommen und den Kopf frei haben für meine Vorhaben bis in die Ewigkeit zu schreiben. Allen anderen sei gesagt, macht bitte nur das was euch glücklich macht und stresst euch nicht mit der ganzen Selbstoptimierung anhand von Methoden die für eventuell nicht funktionieren und ihr sie nur des Trends wegen betreibt.

Das bringt nichts.

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