Richtungswechsel

Love, Sex & the City klingt wie die Kolumne von Carrie Bradshaw. Ihre hieß jedoch „Sex & the City“ wie die gleichnamige Serie, die uns sechs Staffeln und zwei Filme bescherte. Eine Serie die süchtig macht und doch irgendwie einen Blickwinkel an den Tag legt, der stutzig macht. Es ist nicht normal 10 Jahre hinter einem Mann her zu rennen und nach seiner Liebe zu betteln und dann wenn man mit ihm dann doch abgeschlossen hat auf einmal vor einem steht und sagt das du doch die Eine bist! Wer möchte denn bitte sowas? Carrie Bradshaw hat das auf eine ziemlich emotional, erdrückende Weise irgendwie gewollt. Ich hab daran kein Interesse.

Ich habe aber ein Interesse daran meinen Blog von Zeit zu Zeit weiterzuentwickeln. Die Kategorie HOW TO BE A SINGLE? mochte ich sehr, aber irgendwie kategorisierte sie das Single-Dasein. Dieses typische Single-Ding. Single sein ist befreiend und beklemmend zugleich. Man selbst genießt die Freiheit. Das Gefühl alles machen zu können was man will. Dieses Wechselbad der Gefühle, wenn einem das halbvolle Bett dann doch eher halbleer vorkommt und die Sehnsucht nach einem Menschen, der länger bleibt. Länger als das Frühstück am nächsten Morgen.

Die Kategorie funktionierte die letzten Monate ganz gut, doch irgendwie wollte es beim Schreiben, dann doch nicht mehr so richtig … naja … es passt halt nicht mehr. Mit der neuen Kategorie hab ich ein wenig mehr Spielraum. Ich werde weiterhin Single-Anekdoten von mir geben und auch weiterhin Einblicke abtippen, aber es gibt thematisch mehr Luft nach oben, kaum vorstellbar wenn man den Titel liest, aber es stimmt – wirklich:)

Es wird noch zynischer, ein ticken kritischer und unter Umständen humorvoller.

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GHOSTING & Co – Nachrichten ins Leere! Wir müssen wieder mehr miteinander kommunizieren als uns zu konsumieren

Zwei Menschen lernen sich kennen. Sie haben Dates. Kommen sich näher. Treffen sich regelmäßiger. Sie verstehen sich gut. Es könnte mehr sein als eine Affäre. Auch wenn sie sich nicht sehen, schicken sie sich Kurznachrichten. Sagen einander das sie sich mögen und die Zeit die sie miteinander verbringen unendlich erscheint. Die Wochen vergehen. Plötzlich, wie aus dem Nichts meldet sich einer nicht mehr. Versendete Nachrichten nehmen Platz im Wartesaal der Leere. Keine Antwort. Die Fragezeichen summieren sich und die anfängliche Verliebtheit schwindet mehr und mehr. Irgendwann werden keine Nachrichten mehr versendet, denn Geister können nicht antworten.

Das Geister doch antworten können beweist uns Patrick Swayze in „Ghost – Nachricht von Sam“. Doch kann man Sam nicht mit den Geistern aus der wahren Welt vergleichen. Männer und Frauen zugleich. Anfängliches Interesse verschwindet wie eine Flasche im Leergutautomaten.

In Zeiten des Online-Datings wird es immer schwieriger sein Gegenüber zu durchschauen. Haben die flüchtigen Berührungen etwas zu bedeuten? Sollen die verschenkten Komplimente mir nur imponieren? Küssen wir für den Frieden oder für die Liebe? Haben WIR einfach nur Spaß oder DU allein?

Was betreiben wir da eigentlich mit uns und den Menschen um uns herum? Je nach Lust und Laune melden wir uns. Die eine Bekanntschaft halten wir uns warm auf der Ersatzbank, die andere wird blockiert und landet somit auf dem Dating-Friedhof. Ein Friedhof auf dem Zombies aus ihrem Grab entsteigen und genauso verkorkst durch die Dating-Landschaft spazieren wie die, die die Zombies erschaffen haben. Könnten wir uns mal bitte auf das besinnen das zählt wenn sich zwei Menschen begegnen: KOMMUNIKATION!

Man könnte sich jetzt fragen: Was will sie denn? Wir kommunizieren doch miteinander! Nein, wir konsumieren! Das ist ein Unterschied! Das was wir da betreiben ist Recherche am Gegenüber um einschätzen zu können, was die Person von einem möchte. Der typische Small Talk und immer ganz flirty dabei. Das Internet ist unsere Realität. Wir die Digital Natives, die Millennials, die die Babyboomer belächeln. Die Generation WHY (beziehungsweise die Generation Z), die auf die Straße geht und demonstriert, die Missstände beim Namen nennt, öffentlich kritisiert und den Generationen der vergangenen Zeit gepflegt den Mittelfinger zeigen kann ist dennoch verkorkst.

Liebe wirkt wie ein Weltwunder und Sex ist so einfach zu bekommen, wie das Brot im Supermarkt.

Unsere Generation ist eine der kommunikationsfreudigsten Genrationen. Wir haben so viele Möglichkeiten mit anderen in Kontakt zu treten. Beruflich, wie privat schweben wir in einer Kontaktblase der Leichtigkeit. Andererseits können diese vielen Möglichkeiten von allem, einen auch erdrücken und dann sehnen wir uns nach etwas mehr Tiefe, mehr Beständigkeit und mehr Zuverlässigkeit. Diese Phase der Zeit, in der wir Leben, erscheint mir fast wie die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Nur das die Menschen damals alles verloren haben und sich alles wieder aufbauen mussten. Sie wollten wieder etwas besitzen, sie sehnten sich nach Stabilität und nach klaren Verhältnissen. Heutzutage können wir uns sowas nicht mehr wirklich vorstellen. Nur die Erzählungen älterer Generationen holt uns von Zeit zu Zeit auf den Boden der Tatsachen zurück – bis zum nächsten digitalen Fortschritt!

Wir sind keinesfalls beziehungsunfähig! Doch die Schnelllebigkeit, der unaufhaltsame Fortschritt und der gesellschaftliche Druck blockieren uns und das natürliche Bedürfnis sich binden zu wollen. Wir haben Kontakte, aber selten mit der Tiefe und Wahrhaftigkeit, die uns die Hollywood Studios versuchen zu verkaufen.

Wenn wir Online sind, sind wir auch irgendwie in der Realität, weil wir ja permanent Online sind. Selten Offline und vollkommen greifbar. Seit über 10 Jahren gehören soziale Netzwerke zu unserem Leben. Was mit MySpace und StudiVZ begann, stagniert gerade mit Facebook, Instagram, Twitter & Co. Anfänglich haben wir in sozialen Netzwerken unsere realen Kontakte eingesammelt und Dinge die wir mögen in einer digitalen Wolke abgespeichert. Uns daran erfreut und so wie es war für gut befunden.

Neben Netzwerken, Freunde wieder finden und die Präsentation vom Musikgeschmack fingen wir auch an nach der Liebe zu suchen. Während die Kontakte, die man real kennen lernte immer weniger wurden, tummelten sich online immer mehr potenzielle Frösche zum Küssen. Es fing mit chatten bei Spinchat und Konsorten an. Wochenlang schreiben und Fotos austauschen und nun wischen wir Fotos nach links oder rechts auf Tinder. Gefällt dem Betrachter*in das was er/sie sieht, folgt eine Konversation und relativ schnell ein Treffen.

Dann findet man sich im Datinggeschehen wieder. Wo hingegen früher – also wirklich früher, so richtig früher – eine Verabredung reichte um zu wissen, ob man den Mann oder die Frau vom Fleck weg heiraten will, verhält es sich heute ganz anders. Da können sich in einem Menschleben um die 100 Dates ansammeln, die Lippen wund geküsst werden und die Bettwäsche in einem nie endenden Waschvorgang vor sich hin waschen.

Wir sammeln unbewusst und irgendwann wird das Sammeln zum konsumieren. Wir konsumieren Menschen! Bei Kaffee und Brot versteh ich das, aber Menschen? Ab wann geriet das eigentlich aus dem Ruder?

Das Dating 2.0 oder haben wir schon 3.0 oder sogar 4.0? Keine Ahnung. Auf jeden Fall ist das heute verrückter und merkwürdiger denn je. Während vor ein paar Jahren Ehrlichkeit und Offenheit das oberste Gebot waren mit Sätzen wie „ich suche etwas festes“ oder „ich will nur das eine“, werden wir heute hingegen mit „mal schauen, wenn es passt“ oder „ich suche eine Freundschaft+“ in die Ratlosigkeit gedatet.

Sex hat heute nur noch selten eine Bedeutung in der Phase des Kennenlernens. Die an den Haaren herbei gezogenen Dating-Regeln à la „nicht beim ersten Date miteinander schlafen“ oder „erst drei Tage nach dem Date melden“ fanden und finden keinen Anklang oder wurden und werden geschmeidig ignoriert. Wir machen das worauf wir Lust haben, ohne über die Konsequenzen unseres Handelns noch einmal gründlich nachzudenken oder wirklich zu wissen was wir wollen!

Wir wollen Nähe, Beständigkeit, Wärme und obendrein den besten Sex, den Adam und Eva abliefern können. Das gleiche gilt natürlich auch für Adam & Adam oder Eva & Eva oder oder.

Wir sind nicht scheu mit unseren Worten und landen auch oft im Sexting. Während die weniger intelligente Liga der Männlichkeit Dickpics verschickt und viele Frauen ein verschobenes Bild von Weiblichkeit anerzogen bekommt und darauf ausgerichtet ist dem Mann und generell der Außenwelt zu gefallen, prallen antike und aktuelle Weltansichten permanent aufeinander. Dinge die Frau oder Mann machen sollen um zu gefallen und heiratswürdig zu erscheinen gepaart mit junger Arroganz und Überheblichkeit katapultieren wir uns dahin, wo wir nie ankommen, nämlich ins irgendwo und wofür? Ja, wofür eigentlich? Mit Liebe und ankommen hat das nichts zu tun. Eher mit einem Wettbewerb der Sinnlosigkeit und Befriedigung des eigenen Egos.

Wir betreiben stattdessen Ghosting, Benching, Breadcrumbing, Submariningund Casparing. Von allem ein bisschen gut dosiert!

Statt uns bei jedem Date zu fragen WAS WÄRE WENN und es könnte ja noch etwas besseres kommen, wäre es doch genau jetzt an der Zeit, bei der ganzen Schnelllebigkeit, im Herzen eines anderen Menschen wieder so etwas wie Stabilität zu finden. So etwas wie Heimat. Wir sind alle beziehungsfähig! Wir haben Freunde. Wir verstehen uns mit Kollegen*innen. Wir hören mache Bands und Künstler schon seit mehr als 10 Jahren. Wir strahlen, wenn wir König der Löwen sehen. Wir haben ein Lieblingskneipe oder zumindest eine Lokalität in der wir uns gerne mit unseren Kontakten treffen. All das sind Indizien dafür, dass wir beziehungsfähig sind. Zu all diesen Dingen haben wir eine Bindung! Wir haben sie ganz bewusst oder unbewusst in unser Herz geschlossen und sie mit unserem Alltag kompatibel werden lassen.

Es liegt an uns und wie wir den Menschen begegnen. Doch sollten wir immer genau hinhören und das aufmerksam. Und auch wenn es bei einer Nacht bleibt oder die Begierde nur einen Sommer oder einen Winter lang hält. Wir sollten den Menschen mit mehr Tiefe betrachten und nicht nur Nutzen aus der Bekanntschaft ziehen. Wir sollten ehrlich kommunizieren und sagen wenn wir kein Interesse mehr oder generell haben. Nicht hirnlos Ersatzbänke füllen mit Mitspieler, die eh nie wirklich auf das Spielfeld dürfen. Wir sollten uns vor Augen halten was das alles mit uns macht und wohin das eigentlich führt.

Weniger Idiotie, mehr Philosophie!

Weiblich, Single & Fabelhaft

Das ich Märchen mag, habe ich ja schon öfter erwähnt. Ich hab sie nie in Frage gestellt bis … ja bis jetzt! Also, ganz realistisch und in Zahlen gefasst bis letztes Jahr September. Ich bin mit dem Glauben aufgewachsen, dass es das Ziel einer jeden Frau ist vom Markt weg geheiratet zu werden. Ich habe das nie hinterfragt. Habe es hingenommen und krampfhaft versucht in mein Leben zu integrieren. Ich habe wie bekloppt ein Date nach dem anderen gehabt. Nur um mir mit Anfang 30 einreden zu lassen, dass mein Singlezustand mich merkwürdig und zu anspruchsvoll erscheinen lässt und für die Gesellschaft bin ich ohne Mann und Kind ein unvollständiges Exemplar.

Gerade die Älteren wollen mir das immer einreden. Sie wollen mir einreden ich brauche dies und ich brauche jenes. Sie sagen ich wäre nur glücklich und vor allem vollständig mit Mann und einem Kind. Nein, am besten 3-4 Kinder, da ich ja gern was zu tun habe. Bin ich eine Gebärmaschine? Ohne jetzt alle Frauen mit einer Heerschar von Kindern zu beleidigen, aber Geburten sind nicht ohne. Ich will ehrlich sein, ja ein Kinderwunsch ist vorhanden, aber ganz far far away irgendwo in der hintersten Ecke meines Gehirns. Ein Kinderwunsch ist für mich ein Gemeinschaftswunsch. Das bedarf einen männlichen Gegenpart. Ich liebe ja heterosexuell. Allein diesen Wunsch umzusetzen, steht für mich außer Frage. Bisher hat diesen Wunsch auch noch kein Mann aus dieser besagten Abstellkammer herausgeholt und mir bei einem romantischen Candle-Light-Dinner präsentiert. Der Wunsch setzt auch weiterhin Staub an. Manchmal sauge ich um ihn herum, wie mit einem Staubwedel um die Bücher in meinem Bücherregal.

Mein Freundeskreis und meine Eltern sind da etwas geschmeidiger. Die glauben zwar auch alle „das mich irgendwann einmal der Richtige“ aus meinem alleinigen Dasein befreien wird, hauen mir aber nicht ständig irgendwelche Sprüche um die Ohren. Ich mache auch kein Geheimnis daraus, dass ich flüchtigen Bekanntschaften nicht abgeneigt bin – bin ja keine Nonne. Lieber bete ich Aphrodite an als die heilige Maria.

Fakt ist, wir sind nicht unvollständig, weil wir Single sind. Und warum werden hierbei immer nur Frauen komisch angeschaut? Warum wirft man ledigen Männern keinen missbilligenden Blick zu? Wir Frauen werden immer ganz traurig angeschaut und dann kommt sowas wie „du Arme“ oder „der Richtige kommt schon noch“. Ledige Männer klopft man auf die Schulter und dann sagt man ihnen sowas wie „du musst dir halt noch richtig die Hörner abstoßen“. Ich glaube, ich spreche hier für viele Männer, dass das nicht der Wahrheit entspricht. Auch Männer haben bestimmte Vorstellungen von einer Frau an ihrer Seite. Oder?

Früher war Partnersuche viel einfacher. Ein Date. Bums. Verheiratet. Mir kann keiner erzählen, dass man sich früher Zeit gelassen hat mit der Partnerwahl. Man nehme die Scheidungsquote oder schaue sich die Unzufriedenheit in langjährigen Beziehungen an. Das spricht sicherlich nicht für jedes Paar, aber wie viele Trennungen von Elternpaaren aus meiner Schulzeit habe ich mit erlebt? So einige.

Mit Anfang 30 fühle ich mich viel wohler in meiner Haut als mit Anfang 20. Nur, leider muss ich mich wegen meiner Situation noch mehr rechtfertigen als mit 25. Da war man ja noch in seinen wilden Zeiten und bekam zu hören mit 30 wird alles anders. Damals durfte ich mir aber auch schon anhören „mit 30 nimmt dich keiner mehr“. Hmm, ich kann mich da ehrlich gesagt nicht beklagen. Angebot und Nachfrage stehen im Gleichgewicht. Und warum sagt man sowas, die Realität sieht wahrlich anders aus. Menschen jeden Alters suchen sich durch ihre Stadt nach einem passenden Gegenstück.

Ich lese derzeit ein interessantes Buch zu diesem Thema Singledasein und wie ok das eigentlich ist. Die Autorin nimmt alles auseinander … dazu irgendwann mal mehr.

Doch was hat jetzt eigentlich dieses Licht der Erkenntnis zum aufleuchten gebracht – im September? Ich war auf einer Hochzeit. Ich war die Trauzeugin der Braut. Eine langjährige Freundin von mir hat geheiratet und ich durfte diesen Tag mit ihr zusammen von morgens bis abends erleben. Friseur, Trauung, Sektempfang und und und …

Und da zwischen den ganzen Schnapsgläsern, den Unterhaltungen, der Musik unserer Jugend und dem guten Essen, kam mir immer wieder diese Frage auf : Wäre das auch etwas für mich? Jetzt nicht das heiraten, dass kann ich mir vorstellen, aber diese Sache mit der monogamen Beziehung?

In den vergangenen zwei Jahren habe ich mir diese Frage öfter gestellt, aber nie laut. Den ich bin nur von monogamen Beziehungen umgeben, die alles merkwürdig finden, was nicht monogam ist. Oder man tobt sich halt länger aus, bevor man doch wie sie, endlich sesshaft wird.

An diesem Tag, wurde die Frage in meinem Kopf immer lauter und lauter und irgendwann beim vierten Malteser schrie sie mich förmlich an. Monogamie gibt es auch erst seit ein paar hundert Jahren. Aber irgendwie lange genug um uns glauben zu lassen, dass es das einzige Beziehungsmodell ist, das einen dauerhaften, gesicherten Platz in unserer Gesellschaft hat.

Ich will sie ja nicht schlecht reden, aber andere Modelle sollte man nicht auch ausschließen. Für fragwürdig oder unnatürlich erklären. Polygamie ist natürlicher als man denkt. Die Geschichte ist der der beste Beweis.

Vielleicht begegnet mir wirklich mal jemand, der diese Gedanken in mir erlischt oder diese sogar mit mir teilt. Beides wäre fulminant.

#THIRTYSOMETHING|2

Ich hab zu tun mit mir selbst. Bin beruflich den ganzen Tag von Menschen umgeben und kann nach Feierabend nicht auch noch Menschen um mich haben.

Mir wird das zu anstrengend. Hier Bedürfnisse abdecken und da ein offenes Ohr für Probleme haben.

Welches normale Herz hält das aus?

Ich brauche Zeit für mich. Für das Schreiben und dann noch für meine Freundschaften. Für meine Familie.

In der Gesellschaft läuft was schief und ich will was tun. Will auch demonstrieren, diskutieren und argumentieren. Einfach agieren.

Anfang 30, weiblich und Single. Fluch und Segen zugleich. Ich mag mich. Der Biederfrau bin ich ein Dorn im Auge. SORRY!

Männer gibt es wie Sand am Meer und dennoch spiel ich Tag ein Tag aus Aschenputtel. Hab keine weißen Tauben, die mir bei der Auswahl helfen.

Irgendwann werden meine Finger müde und brauchen eine Pause. Pause vom Auswählen. Gezwungenermaßen Entscheidungen zu treffen. Eine Entscheidung kann ich aber noch nicht treffen, weil die Auswahl für’n Arsch ist. Angebote wirken wie Restposten.

Mindesthaltsbarkeitsdatum überschritten. Schmeckt bitter und fühlt sich leer an.

Neue Angebote bitte!

Verloren im Hollywood-Märchenwald oder wie man zwischenmenschliche Nähe auch anders konsumieren kann.

Ich liebe Märchen. Egal was passiert, es gibt immer ein Happy End. Da können Apfelstückchen verschluckt werden, jemand zu 100 Jahre Schlaf verdonnert werden, goldene Kugeln in den Brunnen fallen, vom bösen Wolf aufgefressen werden oder Kinder sich im Wald verirren und von einer kannibalischen Irren gefangen gehalten werden … EGAL! Am Ende sind immer alle glücklich.

Wo befindet sich nur dieser Ort? Da wo schlimmes passiert und am Ende alles gut wird. Man nennt ihn Märchenwald und dieser Märchenwald scheint wohl irgendwo in Hollywood, ganz unscheinbar, zu existieren. Hollywood, da wo immer die Sonne scheint. Da wo Filme am Fließband produziert werden und die Menschen anschließend in Scharen in die Kinos strömen.

Der Hollywood-Märchenwald.

Und dann stehst du an einer Haltestelle in Berlin oder sonst wo. Links neben dir eine alte Frau mit Hund. Rechts von dir ein Mann mit einer Bierpulle. Hinter dir zwei Kinder die sich streiten. Und vor dir hat gerade die Tram gehalten. Ganz ehrlich, das ist nicht der Hollywood-Märchenwald. Das ist die Realität. Der Mann wird auch noch morgen trinken, die Kinder sich weiter streiten und die alte Frau wird, um ihre Mobilität zu erhalten, auch morgen wieder mit ihrem Hund spazieren gehen.

Und ich? Stehe morgen auch wieder an der Haltestelle um zur Arbeit zu fahren.

An einem Stück Apfel hab ich mich auch schon mal verschluckt – ich musste mich selbst retten. Kein Prinz weit und breit. Ich habe mich schon oft an einer Nadel gestochen, hab gehofft sie wäre verflucht, wache dennoch jeden Tag ganz normal auf – hmmm. Frösche, also echte Frösche, hab ich auch geküsst, hab aber nie mit einer goldenen Kugel an einem Brunnen gespielt – vielleicht lag es daran, dass sich nie ein Frosch in einen Mann zurück verwandelt hat, muss ich noch nachholen. Ich glaube nämlich ganz fest daran, dass Frösche heimlich verzauberte Prinzen sind. Das denkt sich doch keiner aus?! Bei Spaziergängen im Wald, kam ich nie an einem Lebkuchenhaus vorbei – also bin ich auch keiner Kannibalen-Hexe begegnet, die mich hätte fressen können!

Der Hollywood-Märchenwald scheint ein schrecklich, schöner Ort zu sein. Neben verstörten Abenteuern, kann man feiern und lieben bis zum erbrechen. Nirgendwo anders geht das Lieben so einfach und schnell wie dort.

Mädchen trifft Junge und peng! Liebe! Und wir fangen an daran zu glauben, dass es so einfach geht. Die Realität sieht anders aus. Bunter. Man kann viel mehr machen als auf den Richtigen oder die Richtige zu warten oder nur nach der einen Person zu suchen, der/die einem die Erfüllung von Liebe verspricht. Die Person wird es auch ganz sicher geben, aber was ist, wenn man sich nach noch mehr sehnt. Eine Person, die einen gerne im Leben begleiten mag, ist man selbstverständlich dankbar und die Person ohne Zweifel ehrt und dennoch das Gefühl verspürt, dass es da mehr gibt.

Wir lieben ja auch nicht nur Schokolade! Wir lieben ja auch Pommes und Mango-Lassi. Filme, Musik und Bücher. Warum nicht auch Menschen? Die Liebe zu den jeweiligen Menschen, in unserem Umfeld, unterscheidet sich ja auch. Die einen lieben wir im Bett und, die anderen lieben wir für ihre Musik oder dafür das sie mit uns Gemeinsamkeiten teilen oder wir mit ihnen gemeinsame Schicksale teilen …

Es gibt viele Formen der Liebe und Beziehungen die wir zu den Menschen pflegen. Es gibt die Mingles, die freie Liebe, es gibt die Monogamie, die Polyamorie, die Offene Beziehung, die Polygamie, die Beziehungsanarchie, die Polyandrie oder die Polygynie . Wer weiß was es nicht noch alles gibt und warum ist uns eigentlich nur die Monogamie bekannt? Warum werden andere Beziehungsmodelle nicht kommuniziert?

Mingle sein

Jeder der mal Single war oder ist und nichts gegen gelegentliche kleine Liebschaften hat, mit den er auch Freizeitaktivitäten betreibt, also prinzipiell freundschaftliches Verhältnis pflegt – ist ein Mingle. Man ist offiziell Single und hat da irgendwo zwischen schlafen, essen und arbeiten jemanden, der das halb gefüllte Bett komplettiert. An den Zustand kann man sich gewöhnen. Freunde mit gewissen Vorzügen, kann man auch dazu sagen. Irgendwie merkwürdig, aber auch logisch. Wir gehen ja auch nur in den Supermarkt, wenn wir Hunger haben oder im Kühlschrank die Leere mit Protestschildern anfängt zu demonstrieren.

Die freie Liebe

Lieben wen man will und wann man will … so ungefähr hab ich das beim Lesen verstanden. Hmm … klingt gut, aber so ein wenig Bindung und Beständigkeit hab ich dann doch ganz gerne.

Monogamie

Das populärste Beziehungsmodell überhaupt. Zwei Partner für die Ewigkeit. Happy End für die Ewigkeit … Monogamie ist was tolles, wenn man das kann nur ein Partner bis zum Rest seines Lebens. Ich frag mich manchmal, ob ich das so in der Form überhaupt noch für mich haben will. Ich mag ja Abwechslung, aber Beständigkeit auch …

Polyamorie

Liebesbeziehungen mit mehreren Menschen. Das klingt interessant, aber ob mein Herz teilbar ist wage ich zu bezweifeln. Wenn dann auch noch Kinder dazu kommen, verkompliziert sich das dann ja noch mehr, oder eta nicht?

Offene Beziehung

Ganz ehrlich, dass ist ein Beziehungsmodell, das ich mir am ehesten vorstellen kann. Eine Partnerschaft, dein Herz da wo es hingehört und gelegentlich, natürlich alles einvernehmlich und wissentlich vom Partner*in abgesegnet, andere Blumen bestäuben.

Polygamie

Vielehigkeit genannt. Mehrere Ehepartner*innen? Ich bin kein Tier. Das ist definitiv nichts für mich.

Beziehungsanarchie

Beziehungen führen nach den eigenen Wünschen und feststehende Normen und Werte einer Beziehung eher unbeachtet zu lassen, klingt für mich einfach nach einem privaten Modell, dass ein Paar für sich schließt. Seine eigenen Regeln schließt und praktiziert. Gesellschaftliche Werte und Normen sind ja auch die der Gesellschaft und nicht die eines Privathaushalts zweier liebenden Menschen …

Polyandrie

Eine Frau, die mehrere Ehemänner hat. Nein. Das muss in meiner Welt nicht sein.

Polygynie

Ein Mann, der mehrere Ehefrauen hat. Bin kein Mann. Für mich unwichtig.

Bisexualität und Homosexualität sind ja keine Beziehungsmodelle, sondern Lebensformen. Man liebt halt beide Geschlechter oder nur das eigene. Vollkommen legitim, wie ich finde.

Nix hier hier mit Märchenwald und Hollywood. Das Leben hinter der Kamera und weit weg vom Wald schaut ganz anders aus und wirkt dadurch auch ein wenig spannender als immer das selbe zu sehen und zu fühlen. Wer braucht schon die Utopie, wenn er eine bunte Realität haben kann?

#THIRTYSOMETHING |1

Gedanken über ein geschmerztes Herz das in Tränen planscht.

Wie viel Schmerz hält das Herz eigentlich aus?

Mein Herz wurde das erste Mal gebrochen, da war ich 14. Der den ich wollte, wollte mich nicht. Ich weinte Tränenmeere. Der zweite war mein erster Freund. Nach 8 Monaten wollte er mich nicht mehr. Ich weinte Meere, Wasserfälle und dann wieder Meere.

Danach weinte ich keine Meere mehr. Ich weinte Pfützen und gelegentlich Seen.

Das ist wie laufen lernen. Wir laufen, fallen hin, verharren in einem kurzen Schockmoment, die Tränen schießen uns aus den Augen. Wir stehen wieder auf, rücken alles zurecht, wischen uns die Tränen weg und laufen weiter.

Mit dem Versagen in der Liebe verhält es sich ähnlich. Permanent scheinen wir in Tränen zu versinken, lernen darin zu schwimmen und anschließend schöpfen wir mit einem Eimer alles wieder frei, um dann wieder von vorne in Tränen zu versinken.

Beim ständigen versinken und schwimmen frage ich mich: wie viel hält mein Herz eigentlich aus?

Anscheinend eine Menge, soviel das ich mich wieder frage: wie hoch ist mein Tränenkontingent für Männer?

Liebe ist ja auch irgendwie, wie Laufen lernen. Wenn man fällt kommt ein kurzer Moment des Schocks, dann schießen einem die Tränen in die Augen und du stehst wieder auf, rückst alles zurecht. Du wischst dir die Tränen weg und gehst weiter.

Ich würde lieber vor Freude weinen. Aber irgendwie scheint das Kontingent hierfür nicht hoch genug zu sein. Oder vielleicht gehöre ich zu den Menschen, die lieber weinen, wenn das Herz schmerzt?

Ich könnte bis ins unendliche hierüber philosophieren, aber eine Lösung würde sich nicht vor mir auftürmen.

Ich werde immer weinen können, weil ich weinen will, wenn mir danach ist. Und dann werde ich wieder lachen, weil etwas lustiges passiert ist oder mir jemand etwas lustiges erzählt hat.

Das Herz schmerzt regelmäßig, mal mehr mal weniger. Geschundene Herzen fühlen intensiver. Weil sie mehr aushalten als Herzen die in Glückseligkeit getränkt wurden. Sie in geschenkter Liebe baden dürfen.

Weinen forever!

Warum Langzeit-Singles die bessere Partie sind

Als Langzeit-Single wird man oft als gefrustet, wählerisch und des Versagens beschuldigt. Ich bin der festen Überzeugung, wer gut alleine leben kann, der schafft das auch mit dem Zweisam sein.

Ich kann alleine sein.

Ich glaube das klappt ganz gut. Ich muss nicht permanent Nachrichten verschicken. Bedürftigkeit macht ja auch nur abhängig. Und selbst meine Mama sagt immer: „Kind, mach dich nicht von einem Mann (oder Freunde) abhängig!“.Weiß mich gut mit mir selbst zu beschäftigen und kann auch gut alleine auf Konzerte, ins Kino usw. gehen. Ich würde sagen ich lebe in einer glücklichen Beziehung mit mir selbst.

Ich bin nicht sonderbar oder gar ein Mängelexemplar.

Auch das möchte man mir gerne erzählen. Du bist ja zu wählerisch. Hmm, ja … geht klar! Ich weiß halt was ich will! Und wenn ich mich nicht gut aufgehoben fühle, dann geh ich wieder. Und wenn ich mich nicht mal ansatzweise in der Nähe meines Gegenübers wohlfühle, suche ich eh das Weite! Wenn das Herz nicht zu 100% voll und ganz fühlt – was soll ich denn bei dem Menschen noch verweilen. Unglücklich sein, ist ja auch schlecht fürs Herz.

Ich weiß, wer ich bin und was ich kann.

Ich kann aus dem Stegreif meine guten und schlechten Eigenschaften aufzählen. Ich hatte die Möglichkeit mich damit auseinanderzusetzen. Hatte genug Zeit um mich zu finden und befinde mich jetzt im Ruhemodus. Einsatzbereit, aber dennoch wartend … auf irgendwas.

Zeit mich zu verwirklichen.

Die Zeit mag ich hierbei sehr. Wer kann schon sagen: Ich habe viel Zeit für mich und meine Träume. Insbesondere beim verwirklichen von Träumen? Na ich:) Macherin zu sein wirkt auch beim daten interessanter als sich nur der Mittelmäßigkeit hinzugeben.

Im überstürzen bin ich schlecht.

Ich hab Erfahrungen gesammelt, die mich mit Einsichten, Ansichten und Brandspuren bereichert haben. Hab einiges erlebt. Ich spiele nicht Bienchen auf einer Blumenparty. Ich bin die Hummel, die sich im Sonnenlicht der Mittagssonne wärmt und das bunte treiben der Bienchen beobachtet.

Ich bin vollständig.

Dabei fühle ich mich schon manchmal wie eine Diva. Laufe ich Treppen hoch oder runter, laufe ich meistens in der Mitte. Keine gute Idee, insbesondere als Bewohnerin einer Großstadt. Aber meistens wähle ich die goldene Mitte. Das Leben ist mein Laufsteg, die Bühne und meine Power-Point-Präsentation. Ich muss nicht ständig Selfies von mir machen. Meine Optik verändert sich ja auch nicht innerhalb von 24h. Ich fühle mich vollständig mit mir und meinem Leben. Wegbegleiter können sich gerne dazugesellen.

Also, ich die Langzeit-Single-Lady in spe habe keine Beziehungen, nur um nicht mehr allein zu sein. Ich weiß, das ich wertvoll bin, worauf ich verzichten kann, worauf nicht und wie ich dafür einstehen kann. Mit mir muss man nicht permanent Gassi gehen, ich lache auch über 08/15 Witze und brauche keinen Nachrichtenüberschuss via WhatsApp. Darum suche ich mir nur Menschen aus, die verstehen (wollen) und ähnlich ticken – kurz: die mir meine Zeit wert sind.